malteser ritter in prag

warnung: die eigentliche gastronomische bewertung befindet sich sehr sehr viel weiter unten!!

man kann mit der bahn von berlin aus sehr gemütlich nach prag fahren. morgens steigt man in einen ec, fährt schön über dresden und immer an der elbe entlang durch das elbsandsteingebirge, dann macht man noch ein nickerchen wenn der spektakuläre teil des panoramas vorbei ist und schon steht man am frühen nachmittag im schönsten gedränge auf der karlsbrücke. angesichts der menschenmenge verfliegt das allererste hochgefühl denn auch ein bisschen und wird durch ein latentes hohlgefühl ersetzt. die am hauptbahnhof bei upper crust erworbenen ( der favorit: gemüse-hähnchen) und im zug verspiesenen baguettes lassen in ihrer wirkung bereits erheblich nach. das betrübt uns zunächst nicht weiter; auch wenn wir die reise nach prag nicht besonders gründlich vorbereitet haben, uns ist dochbekannt das in den schmelztiegel der tschechischen küche die segnungen der österreichischen im rahmen der habsburgischen globalisierung in großzügigen dosierungen eingerührt worden sind! bussi sissi und konsorten!
(war die auch in prag eigentlich oder nur in budapest beim andrassy?)
also ab ins nächste kaffeehaus und probieren was es ausser apfelstrudel in prag noch so gibt!

das ist allerdings manchmal leichter gesagt als getan. jedenfalls fuer meine familie. unser kulinarischer familienstolz verbietet es nämlich, das zu tun, was andere dürfen; sich einfach in die erstbeste touristenfalle zu setzen und zu bestellen worauf man lust hat, sozusagen ungeachtet jeglicher lokaler spezialitäten. das ist jedenfalls die einstellung des gastro- puristischen inner circles meiner familie, dessen hard core auf dieser reise vollzählig durch meinen vater und mich repräsentiert ist und wie immer das potenzial hat, meine (in gastronomischer hinsicht) entspanntere mutter, sowie eventuell weitere harmloser veranlagte mitreisende in den wahnsinn zu treiben. bitte verzeiht den exkurs in die verzwickte kulinarische psyche meiner familie, aber sonst würdet ihr die gastronomischen irrungen und wirrungen unserer pragreise nicht im ansatz verstehen! aber egal wie psychotisch man nun veranlagt ist; es dürfte ohne fachkundige einheimische führung unmöglich sein, in einem radius von 1 km um die karlsbrücke ein lokal zu finden, das nicht hauptsächlich von touristen heimgesucht wird. wir sind einfach überall und können uns nicht entfliehen. also kann es sich bei der lokalsuche nur darum handeln, die bessere von der schlechteren touristenfalle zu unterscheiden. das gasthaus „die malteser ritter“, auf pragers kleinseite gelegen (oberhalb des malteserplatzes), ist sicherlich eine bessere touristenfalle, bemüht um einheimische zutaten und rezepturen, stehen auf der karte karpfen und wildschwein neben dem obligaten gulasch. aber wir wollten ja nur einen leichten nachmittagssnack. das warendann eine solide kürbiscremesuppe mit chili, ein karotten-bohnensalat miteinem bedauerlichen und unerwarteten eisbergsalatanteil, schmackhafte kalte honigentenbrust mit meerettich und preiselbeeren, einer der besseren apfelstrudel dieser reise und einem mohnpalatschinken der etwas angewärmt sicherlich sehr gut geschmeckt hätte.

da wir zu der fuer ein restaurant unüblichen nachmittags stunde die einzigen gäste waren, fehlte es uns nicht an dankbarkeit. die bedienung war sehr freundlich und der obere gastraum ok. deutlich mehr charme hat bestimmt der gewölbekeller, der abends für die gäste geöffnet ist (aber ich trau mich fast nicht zu sagen, dass meine familie zum essen nicht gern im keller sitzt).

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