hoai nam am görlitzer bahnhof

vietnamesische restaurants schiessen seit einigen jahren wie die pilze aus dem boden. das fing im osten von berlin an, wo es regimebedingt eine groessere anzahl an bedauernswerten vietnamesen gab, die nach dem fall der mauer nicht nach vietnam zurückwollten, aber im wiedervereinten deutschland  auch keinen richtigen platz fanden.  da asiaten bekanntlich flexibel sind, besetzten die vietnamesen in berlin schnell die wenigen ihnen gebotenen nischen und wurden sehr erfolgreich im zigarettenschmuggel, mädchenhandel und blumenverkaufen.
eine weitere nische bot sich,  nachdem vietnam vor ungefähr 10 jahren als touristische destination entdeckt wurde. das geschah in der üblichen reihenfolge: erst kommen abenteuerlustige backpacker. wenn die  die reise im jeweiligen land überleben, wird ein lonely planet geschrieben. dann wird das land von magicmushroompizzaessenden weltreisenden jugendlichen  überschwemmt und gilt für ältere weltreisende als geheimtip. und dann kommen investoren, ayuverda wellnesshotels und zuguterletzt die pauschalreisenden. in deren heimatland (hier: berlin) kann sich daraufhin eine komplett neue gastronomie etablieren, die mehr oder weniger authentisch ( meistens weniger) die neuentdeckten kulinarischen genüsse anbietet. praktischerweise gab es in berlin schon viele  ( gut organisierte) vietnamesen, die sofort damit begannen diese gastronomische lücke zu besetzen. das ergebnis dieser besetzung ist besagte flut vietnamesischer lokale, zunächst im osten, dann auch im westen der stadt. 
qualitativ ist das sehr vielschichtig. während meiner eigenen reise nach vietnam habe ich mich naturgemäss intensiv den gebotenen genuessen ausgesetzt und muss sagen, ich habe noch nie auf einer reise konstant so gut gegessen! das ist jetzt ziemlich genau 8 jahre her. seitdem sind mir in berlin einige gute und sehr viele weniger gute vietnamesische restaurants begegnet. als faustregel kann gelten: lokale vermeiden, die konzeptlos die kueche zweier länder anbieten sowie sushi und vietnamesische küche oder thai und viet. das beste von überall funktioniert gastronomisch in den seltensten fällen.

wie lange das hoai nam am görlitzer bahnhof schon existiert weiss ich gar nicht, es sieht noch relativ neu aus und ist modern, freundlich und vielleicht ein wenig zu grün eingerichtet. die woks am offenen herd, das obligate aquarium mit den zierfischen und alte aufnahmen vietnamesischer städte an den waenden vermitteln unaufgeregt asiatische athmosphaere.
unser essen war durchweg geschmacklich zufriedenstellend bis gut. die suppen waren nicht lahm, die einlagen ordentlich, in den sommerollen waren nicht nur glasnudeln und die currys werden gut, wenn auch deutlich zu mild, gewürzt. es fehlte raffinesse und geschmackliche üppigkeit, die aber hier wahrscheinlich gar nicht gewollt ist. es fehlten auch typische kräuter, sowie insgesamt an den teureren zutaten gespart wird.

 dennoch ist das preis leistungsverhaeltnis so erschreckend gut, dass man sich doch etwas besorgt fragt, wie es zustandekommt bzw. wie lange das gutgehen kann.

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