pichifkes am maybachufer – neuköllner stoff

das neuköllner marktleben boomt! am maybachufer, dem traditionsstandort des türkenmarktes, haben sich gleich zwei neue märkte angesiedelt. über den flowmarkt (trödelmarkt einmal im monat sonntags) habe ich schon geschrieben. jetzt gibt es auch noch immer samstags den neuköllner stoff! www. neukoellner-stoff. de
der markt wird recht professionell mit einem hübschen plakat beworben (rotweiss karierte stoffe üben eine grosse anziehungskraft auf mich aus :-))) und hat gleich zwei vollmundige claims: „edel, hilfreich und gut“ (eher verwirrend und etwas grosspurig in einem marktzusammenhang, oder?)
und „der etwas andere markt am maybachufer“ (na, da bin ich aber gespannt!). den namen selbst, d.h. neuköllner stoff finde ich eigentlich gut, ich hätte nur nicht gedacht, dass es dem betreiber damit so ernst ist! doch dazu später.

in der reizenden begleitung meiner neuen israelischen mitbewohnerin schlendere ich von osten kommend auf den markt. die ersten stände erkenne ich gleich: die afrikanischen köchinnen, der schöne biobauerngemüsestand, die verkaufswägen mit dem frischen quark und den aufstrichen stehen auch am freitag auf dem türkenmarkt. das gibt mir hoffnung! sehr zu meinem leidwesen schaffe ich es nämlich nie dahin, denn dienstags und freitags arbeite ich nun mal! vielleicht ist neuköllner stoff für mich der perfekte samstagsersatz? auf der anderen seite: was ist der türkenmarkt ohne die türken? bislang habe ich jedenfalls noch keine gesehen…

zurück zu unserem marktbesuch: wir passieren noch zwei wirklich gut aussehende käsestände (auf dem rückweg darf ich da einkaufen) tja und dann wars das! ich meine die stände gehen noch weiter, aber das angebot ist jetzt dramatisch uninteressant: filzhüte, namensdrahtbroschen, die obligaten kirschkernkissen aus fröhlichen stoffen, wie immer unterschiedlich ambitionerte kunst und selbstgestrickte pulswärmer. von wegen der etwas andere markt! gähn. und neuköllner stoff ist das auch nicht. die sachen gibt es überall.

meine reizende israelische begleitung lernt gerade deutsch und ich finde es ist der geeignete augenblick, ihren sprachschatz um so wichtige und schöne wörter wie schnickschnack oder krimskrams zu erweitern. sie versteht sofort und sagt: „pichifkes!“ ich bin begeistert. so ein klangvolles wort. mit soviel raum für betonung! das will ich auch haben.
während wir uns interkulturell über nutzlose oder überflüssige dinge und die wohnungen unserer omas unterhalten, ändert sich das angebot nochmal. auf dem letzten drittel richtung kottbusser damm gilt: nomen est omen. da reiht sich türkischer stoffstand an stoffstand und der bunte stand mit den borten, litzen und knöpfen ist auch da. ich mag stoffe und manchmal nähe ich auch und so laufe ich ganz interessiert weiter. offensichtlich haben sich hier alle türkischen stoffhändler vom türkenmarkt konzentriert und ein paar untürkische mit einem niedlichen prenzlberg angebot (ihr wisst schon stoffe mit rehen und fliegenpilzen) sind auch dabei. das angebot ist insgesamt nicht sehr hochwertig, aber ein paar interessante schnäppchen findet der geneigte käufer bestimmt. ob die stoffe alle aus der türkei kommen? ich glaube, da sind viele webereien. irgendwo müssen deren reste ja bleiben.

meine reizende begleitung hat sich während ich so sinniere, gelangweilt aus dem staub gemacht. sehr gut besucht ist der markt im übrigen nicht! ob es daran liegt, dass man von der ankerklause kommend, den markt aufgrund der stoffstandkonzentration und dem namen wirklich für einen reinen stoffmarkt hält? der deutsche markt für handarbeiten etc liegt ja schon lange zeit am boden. erst seit kurzen werden wieder ringelsocken gestrickt und süsse stofftiere mit engelsflügeln genäht. aber von allgemeinem interesse ist dieser trend wohl nicht.

auf dem rückweg zum käsestand, denke ich noch ein bisschen über das schräge marktkonzept nach. vielleicht sollte man die stände nicht so strikt sortieren: erst lebensmittel, dann pichifkes, dann stoffe? das macht so einen durchorganisierten eindruck und wirkt irgendwie uncharmant. jedenfalls animiert es dazu, schnellen schrittes weiterzugehen, wenn einen das angebot gerade nicht interessiert.

mich interessiert jetzt der käsestand mit der üppigen und gut sortierten auslage. die grossen käsestücke sehen appetitlich aus und wollen alle von mir gekauft werden. der nette verkäufer mit dem österreichischen dialekt lässt mich probieren und ich entscheide mich für einen kräftigen bergkäse aus dem bregenzer land, der herrlich duftet, leicht auf der zunge britzelt und “ a bissi a schmierige rinde hat“. den werde ich morgen auf graubrot toasten. hmmm…

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