casa labra in madrid – berühmter stockfisch

casa labra ist eine institution. anders kann man ein lokal nicht nennen, dass seid 1860 existiert und seitdem mit knusprig panierten stockfischtranchen und dicken stockfischkroketten seine zahlreichen besucher glücklich gemacht hat. wer sich mittags in der gegend der puerta del sol aufhält und sich hungrig geshoppt oder gesightseeingt hat, sollte einen abstecher in die calle tetuán 12 nicht versäumen. menschentrauben vor dem lokal weisen den weg. und sollten nicht abschrecken!

casa labra ist eine rustikale taverne mit bar und kleinem speisesaal und einem restaurant. im restaurant war ich nie. die bar ist klein und bietet aber mit zwei großen türen die möglichkeit sich drinnen wie draussen aufzuhalten. das konzept geht von gutem wetter aus, in spanien bekanntlich ein pferd auf das man setzen kann. der hungrige besucher hat zwei optionen. entweder er reiht sich in die schlange an der kleinen speisentheke ein und erwirbt erst die tapas, um dann an der bar ein getränk zu bestellen oder er macht es wie ich und zieht an der schlange vorbei in den hinter der bar gelegenen speisesaal, findet hoffentlich einen platz und bestellt dann bequem speisen und getränke bei den kellnern im weissen blazer.

ich liebe diesen speisesaal. das wort urig erhält hier eine ganz neue spanische bedeutung. wahrscheinlich ist er zum letzten mal nach dem spanischen bürgerkrieg renoviert worden. das hält auch noch ein paar jahre. stühle und tische stammen sicherlich noch aus der zeit vor dem bürgerkrieg und sind für kleine menschen entworfen. die findet man hier auch noch in gestalt spanischer älterer damen und herren die zum inventar gehören und dem speisesaal erst die richtige wirklich madrilenische atmosphäre vermitteln. in casa labra trifft man sich seit jahtzehnten, spricht über die wechselnden politiker, die wachsenden kinder, die steigenden preise, sinkende pensionen und die betrüblichen oder weniger betrüblichen veränderungen in madrid. eine veränderung ist mir schon beim letzten besuch aufgefallen. die alte kellnerriege, bestehend aus schnurrbartragenden älteren herren, die auch schon seit dem bürgerkrieg hier tagein tagaus stockfischtapas und kleine biere serviert haben, ist offensichtlich in pension gegangen und hat platz gemacht für eine neue kellnergeneration deren südamerikanische herkunft unübersehbar ist. nur die weisse kellnerjacke ist gleich geblieben. der geringe lohn wohl auch, der nur noch für die gastarbeiter aus den ehemaligen kolonien interessant sein kann.

wir sind diesmal zu acht. das ist platzmässig eine herausforderung, die aber mit dem guten willen der kellner und der schon zahlenden gäste gut gemeistert werden kann. wir sind die einzigen touristen im saal. so mag ich es. man ist ungern tourist in seiner heimatstadt. aber wenn es denn sein muss, dann bitteschön exklusiv. sonst ist es kein geheimtipp mehr. und geheimtipps hatte ich versprochen. wir bestellen kleine gezapfte biere (cañas) und die spezialitäten des hauses: croquetas de bacalao, tajadas de bacalao und banderillas de atún.

 

 

die stockfischkroketten, croquetas de bacalao, sind immer frisch, heiß, außen knusprig und innen cremig. wie sich das gehört. über die jahre hat der fischgeschmack etwas nachgelassen, finde ich. trotzdem bestellenswert. das highlight sind wie immer die stockfischtranchen, tajadas de bacalao, in einer ebenfalls knusprigen panade, die den leicht schmelzenden stockfisch umhüllt. so einfach und so gut. hinter den banderillas de atún verbirgt sich ein angenehm säuerlich mariniertes thunfischstück das mit ebenfalls mariniertem paprika am spieß serviert wird. im sommer der hit. jetzt eigentlich auch. wenn ich nur nicht so ein schlechtes thunfischgewissen hätte!!! wir müssen alles gleich nochmal bestellen, auch die biere, die nach deutschen masstäben in fingerhutportionen serviert werden. dazu noch einen gemischten salat, der wie fast immer in spanien aus eisbergsalat, oliven, eiern, thunfisch, tomaten und zwiebeln besteht und mit ordentlich olivenöl angemacht wird.

die preise sind zwar auch hier wie überall in spanien nicht stehengeblieben, sind aber dennoch extrem gut bezahlbar. zumal man jetzt wieder die kraft hat für die weiteren ereignisse des tages.

 

 

 

 

 

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