el paseo in el escorial – spanische hausmannskost und gute weine

el escorial liegt 45 km entfernt von madrid in den bergen und ist vor allen dingen bekannt für das von dem mürrischen spanischen könig philipp II gegründete riesenkloster mit palastflügel, das real sitio de san lorenzo de el escorial. das kloster hat den grundriss des eisenrostes auf dem der heilige lorenz bei lebendigem leibe gegrillt wurde. soviel zur feinfühligkeit und der positiven lebenseinstellung des königs. das monumentale gebäude ist allerdings sehr sehenswert, gibt es doch einen einblick in den düsteren größenwahn spaniens zur zeit seiner politischen blüte und dekadenz in der renaissance. da es sich um ein wie gesagt sehr großes gebäude handelt, passen jetzt praktischerweise viele touristen rein, die nach dem langen besuch ordentlich hunger verspüren. entsprechend umfangreich und gut sortiert ist das gastronomische angebot in dem dazugehörigen städtchen el escorial.

da meine eltern in der nähe von el escorial wohnen, müssen wir nicht jedesmal das kloster besuchen, um hier essen zu gehen. obendrein haben sich nach jahrelangem umfangreichem localscouting einige lieblingslokale in der familie etabliert, die oft besucht werden müssen, um den guten kontakt zu inhabern und personal nicht abreissen zu lassen. der liebling unter den lieblingslokalen ist el paseo. nicht weil es besonders hübsch und auch nicht weil die küche ganz besonders hervorragend ist. es ist die kombination von nachlässig freundlicher spanischer atmosphäre, liebenswürdig skurrilem personal (alle verwandt und verschwägert), einem hervorragenden preisleistungsverhältnis und selten enttäuschter erwartungen, die meine eltern hier immer wieder hinzieht. mittlerweile kennt man sich, kleine kümmernisse und freuden des alltags werden ausgetauscht und die kellner wissen wahrscheinlich genausoviel über mein leben, wie ich über das ihre (beidseitig von meinen eltern kommuniziert).

sind meine schwester und/oder ich zu besuch, müssen wir natürlich auch ins el paseo, um dort das gesicht zu zeigen wie man in spanien sagt. das machen wir immer mittags unter der woche weil es dann das sensationell günstige menu gibt, mit weinbegleitung für 12€!! meine schlauen eltern gehen mittlerweile besonders gerne am montag hin, weil es dann noch die etwas originelleren speisenangebote vom wochenende gibt.

so auch am montag vergangener woche. zwar ist alles proppevoll wegen der feiertage, aber wir werden sehr freundlich empfangen und der zusatzspeisesaal wird extra für uns geöffnet. der ist zwar auch extra hässlich, aber die schräge einrichtung muss als teil des charmes verstanden werden. nachdem das exzellente aussehen meiner schwester und mir gebührend gewürdigt wurde, bringt uns der immer etwas verlegen kichernde füllige kellner/sommelier (seine urkunden hängen überall rum) einen französischen chardonnay und stellt gleich die ganze flasche auf den tisch. das mit dem französischen wein meint er gut, obwohl wir etwas enttäuscht darüber sind. wir sind doch in spanien! und chardonnay zählt nicht zu unseren lieblingen! doch der chardonnay Ardéche von louis latour ist elegant und nur sehr diskret chardonnayig. zarte blumen- und honigaromen überzeugen auch uns. überdies ist er extrem gut gekühlt. das hilft.

als gruß aus der küche (ja man ist ambitioniert!) gibt es eine vernachlässigbare kartoffelcreme mit lachswürfeln. als vorspeisen haben wir gewählt: linsensuppe mit lammbries (genau das bin ich) und pulposalat. die suppe muss ich etwas nachwürzen,das lammbries passt gut zu den linsen.  der salat ist frisch, ehrlich und mit reichlich pulpo garniert. als hautpang bekommen wir schweinefüsschen in sosse (ja auch wieder ich), fritierte boquerones (sardellen) und ein kalbsschnitzel. die schweinefüsschen sind prima, etwas schwabbelig vielleicht, aber so sindse. die boquerones sind in ihrer fritierten schlichtheit knusprig delikat und machen mich auch etwas neidisch. ob ich statt einem dessert boquerones bestelle??? meine mama ist zufrieden mit dem schnitzel, sie wusste ja das es nicht originell aber gut sein würde.

die chardonnay flasche ist längst leer und so bekommen wir jetzt endlich einen spanischen wein; einen verdejo casa del aire aus cuenca, einem aufstebendem weingebiet in kastilien. verdejo ist eine der interessantesten weissen rebsorten spaniens, finde ich. eigentlich kommt sie aus dem weinanbaugebiet rueda. man muss sie geschmacklich etwas bändigen damits nicht zu üppig wird, aber dann kommen frische weine daher, mit einem meist überraschend tropischen bouquet und einer leichten säure. dieser hier duftet grasig und entwickelt dann ein so unglaubliches maracuja aroma, das ich aus dem staunen gar nicht mehr herauskomme. auch hier wird die gut gekühlte flasche einfach auf den tisch gestellt. wir leeren sie natürlich.

jetzt kommt es zum nachtisch, einer der stärken im paseo. gute hausgemachte nachtische. heute wieder besonders gut. ich habe eine dicke scheibe frischkäseflan bekommen, cremig, wenig süss, mit etwas karamell und sahne. den hat mein vater auch. gottseidank, da muss ich nicht soviel abgeben. dann gibt es noch ein hausgemachtes bananeneis für meine schwester. nicht wirklich typisch spanisch, aber gut. kräftig bananig im geschmack. es ist auch nicht zu süss und liegt gut auf der zunge. meine mama hat wié immer torrijas (arme ritter), das ist eine extrawurst, die nicht im menu steht, auf die sie aber als stammgast natürlich ein anrecht hat.

als stammgäste haben wir offensichtlich auch das likörsonderbehandlungsprogramm verdient, denn auch hier bekommen wir die flaschen auf den tisch. hicks. den klassischen kräuterlikör aus galizien und einen kaffeelikör, der überraschend gut trinkbar ist.

die rechnung beträgt nicht ganz 50€. ohmygod.

 

 

 

 

 

EL PASEO
P.º el Álamo 26
28280 – EL ESCORIAL

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