l’estimat in valencia – paella am malvarrosa strand

meine mutter hat es manchmal schwer mit uns. das liegt daran, daß sie in der minderheit ist. mein vater, meine schwester und ich sind die foodverückte mehrheit. meine mutter wäre nicht in valencia aus dem ave gestiegen, um direkt zum paellaessen an den malvarrosastrand zu fahren. dabei isst sie sehr gerne paella. und es war ihr vorschlag, das in einem der vielen lokale am paseo de neptuno am strand zu tun. sie hätte es nur nicht als allererstes getan, sondern einen umweg über die ein oder andere kulturelle sehenswürdigkeit genommen. bei näherer betrachtung hat sie wahrscheinlich nur einen strengeren begriff von kultur, einen, der sie daran hindert, eine ansammlung von wenn auch noch so historischen paellalokalen am strand als wichtige sehenswürdigkeit zu betrachten. da es sich um die geburtstagsreise meines vaters handelt, ergibt sie sich großzügig in ihr schicksal und freut sich so wie wir auf die paella.

die ängstlich beäugten wetterprognosen haben sich vor der reise täglich gebessert. quasi von strömendem regen zu strahlendem sonnenschein. entsprechend stornieren wir die reise nicht, sondern fahren hoffnungsvoll los. als wir aus dem ave steigen, regnet es zwar nicht direkt. es regnet aber aber auch nicht nicht. der wolkenverhangene himmel versprüht diskrete feuchtigkeit. es ist nicht warm und nicht kalt. als wir am strand ankommen, lichtet sich der himmel dankenswerterweise leicht. es ist kurz nach 14:00 uhr. perfekt um in spanien mittag zu essen. eine kleine recherche im internet hat zwar ein ranking der favorisierten paellalokale ergeben, leider waren die angaben zu den öffnungszeiten an einem montag im januar eher diffus und so muss vor ort entschieden werden, in welches der tatsächlich geöffneten lokale tatsächlich eingekehrt werden kann.

zwei sozuagen jahrhundertealte all time favourites sind das la pepica und das l’estimat. beide im vergangenen jahrhundert als strandbuden eröffnet, um den wachsenden strom an voll bekleidet badenden strangästen gastronomisch zu versorgen, bilden sie sozusagen den grundpfeiler der paellarestaurationen am strand von valencia. mittlerweile verfügen beise über riesige speisesäle und sind in der lage aus grossen küchen hunderte von hungrigen und mittlerweile leicht bekleideten touristen mit paella und sonstigen regionalen spezialitäten zu versorgen. es ist anzunehmen, daß beide sich nicht viel in der qualität der angebotenen speisen unterscheiden. da das la pepica aber renoviert gehen wir ins l’estimat. (ausweislich der fotos ist das la pepica nostalgisch stilvoller eingerichtet)

es ist natürlich schon merkwürdig sich zusammen mit sehr wenigen gästen in einem riesigen lokal zu befinden. auf der anderen seite können wir so einen platz fast direkt am fenster mit blick auf das meer und die palmen wählen. die fehlende sonne ersetzen wir durch die vorfreude auf die paella. der servierte hauswein vom weingut vincent gandia heisst vielversprechend le miracle und ist ein cuveé aus chardonnay und sauvignon blanc. hat eine schöne pfirsichnase, und auf der zunge ein bisschen was überraschend strenges. lakritz würde ich sagen. in letzter zeit wird mein chardonnay vorurteil ein bisschen gemildert. das gibt mir angenehm zu denken (war ich schon immer zu streng? ist meine wahrnehmung zu einseitig?) und lässt raum für ebenso angenehme überraschungen. obs das alter ist?

die küche von valencia ist wie so oft am mittelmeer ein melting pot, gemüseanbau und fischerei haben jahrhundertelang die menschen hier ernährt, völkerwanderungen aus süden und norden ihre spuren hinterlassen und eigensinnige valencianos ihre traditionen bewahrt. REIS wird hier mehr als gross geschrieben. doch vor dem genuss der typischen paella, müssen wir noch durch ein paar vorspeisen. die platte mit in olivenöl gebratenem gemüse ist so einfach wie gut. die gebratenen chipirones – kleinwüchsige kalmaren (nein, wir sind nicht böse, wir essen keine baby kalmaren gottseidank) passen hervorragend dazu. und dann noch ein typischer salat, der vor allen dingen dadurch besticht, daß die zutaten auch im januar nach was schmecken.

in deutschland würde man sagen, wir haben unterschiedliche reispfannen bestellt. hier haben wir eine pfanne mit paella und bogavante (hummer) und eine mit arroz a la banda und langusten bekommen, die sich optisch, äh wirklich, sehr ähneln! der unterschied ist wohl eher küchenphilosophischer natur und ich schreibe vielleicht nochmal getrennt darüber. der angeknusperte pfannenrand entseht durch überschlagende gashitze und soll nicht über das saftige reisgericht hinwegtäuschen. leider haben wir hier nicht die interessante mixpaella zur auswahl, mit hühnchen oder kaninchen, gemüse und fisch. wer es saftiger haben möchte, muss arroz melloso bestellen. das gehört auch in ein anderes kapitel.

zum nachtisch haben wir zum einen ein merkwürdiges schokomousse, das fälschlicherweise als hausgemachter schokoladenkuchen angepriesen wird. und gottseidank (eigentlich meine bestellende mutter sei dank) ein wirklich typisches kürbisdessert. das foto will sich dummerweise nicht hochladen. es handelt sich um eine im ofen weichgegarter und gebräunter kürbisschnitte, mit honig übergossen und nüssen bestreut. das ist sehr gut!

der service war aufmerksam und etwas überdimensioniert, was natürlich an der nebensaison liegt. da ensteht manche konfusion darüber, wer was bringt bzw. bei wem was bestellt werden soll. aber alles wohlmeinend und freundlich. auch hier nimmt der anteil an kellnern aus südamerika zu, hat aber noch nicht die überhand wie in madrid (kleine sozio-kulturelle anmerkung)

danach noch ein großer strand-hafen-stadtspaziergang und wir sind abends tatsächlich noch in der lage das eine oder andere zu uns zu nehmen. aber auch das gehört in ein anderes kapitel.

 

 

 

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