bar raval – spanischer versuch in kreuzberg

was hat es nur mit den spanischen lokalen in berlin auf sich, daß mich keines überzeugt? sind sie wirklich nicht gut genug? bin ich zu kritisch (wurde mir schon öfter vorgeworfen)? nun gibt es also ein neues, von daniel brühl himself
betrieben, der immerhin mit einer spanischen mutter und einer barcelonesischen herkunft aufwarten kann. das gibt hoffnung. etwas zu spontan vielleicht, wollen wir freitags für denselben abend einen tisch reservieren.
das gibt ein kuddelmuddel. die per mail getätigte reservierung hat wohl nur höhere sphären erreicht. die freundliche bedienung, weiss davon nichts. das führt zu einem ungemütlichen tischwechsel. ja nun. meine reizenden begleiter und ich sind hart im nehmen undwollen nicht lamentieren. wir wollen tapas! irritierenderweise löst die kühle fiftiesnordische einrichtung der bar raval bei mir kurzzeitig das bedürfnis nach smörrebröd und matjes aus. gottseidank holt uns die speisekarte wieder ins spanische geschehen zurück.
zum spanischen bier bestellen wir erstmal eine portion oliven, die uns bei der auswahl begleiten sollen. bedauerlich schnell stehen die ersten minuspunkte auf dem tisch. langweilige, uninspirierte, fasrige, kernlose grüne oliven. ich sehe die große dose
billigoliven förmlich vor mir. wie schade. und so unnötig. wir studieren die karte und meine reizenden begleiter überlassen mir freie hand. ich gehe gleich aufs ganze und bestelle ensaladilla rusa. auch in spanien ein härtetest für jede tapasbar. eine gut gemachte ensaladilla rusa, im prinzip nichts weiter als ein kartoffelsalat mit gemüse und mayonnaise (wer weiss wann das einzug in die spanische küche gehalten hat!), ist eine visitenkarte für jede bar. besonders bei mir, denn ich verbinde damit heisse sommertage im madrid meiner kindheit, verbracht in einem grossen freibad vor den toren der stadt, dessen hauptattraktionen nicht nur die vielen schwimmbäder sondern auch die vielen bars waren. eingebrannt in meinem kinderhirn sind der geruch von chlor unter heisser sonne und die geschmäcker eiskalter cola und cremig-salziger ensaladilla rusa. danach ein fieses zitronenwassereis und meine welt war in ordnung. in ordnung war auch die ensaladilla rusa in der bar raval. wirklich. aber da konnten wir ja nicht stehenbleiben. zumal meine reizenden begleiter nicht meine kindheitserinnerungen an spanischen kartoffelsalat teilten. der zweite härtetest für jede tapasbar sind patatas bravas. kartoffeln mit scharfer sosse. meistens sind die kartoffeln fritiert oder gebraten. meistens ist die sosse auf tomaten und mayonnaisebasis. ganz oft wird über alles nochmal scharfes paprikapulver gestäubt. hier versagt die bar raval. die kartoffeln sind unglaublich fettig und wenig knusprig. die mayonnaise ist eher pur belassen und kein bisschen scharf. betrüblich. dann kommt endlich ein highlight in form der stockfischklösschen. tiptop knusprig, gut gewürzt. und die bomba, eine art riesenkartoffelkrokette mit fleischfüllung wird auf der scharfen sosse serviert, die man sich für die patatas bravas gewünscht hätte.
mittlerweile füllt sich das lokal (wir waren furchtbar früh, weil wir sonst keinen tisch mehr bekommen hätten) am tisch schräg gegenüber beobachte ich ein wohlsituiertes spanisches ehepaar, etwas fortgeschritteren alters, die wahrscheinlich zum ersten mal in dieser kreuzberger ecke sind. auch sie auf der suche nach heimischen geschmäckern.
sie unterhalten sich angeregt mit der wirklich freundlichen bedienung, aber die frau schüttelt bei jeder servierten tapa leise den kopf. bei den albondigas (hackfleischbällchen in meist pikanter soße) wird sie schliesslich aufmüpfig. genau kann ich nicht hören was sie sagt, aber es ist nichts gutes. ich beschliesse mit den albondigas zu warten und bestelle stattdessen pulpo. der oktopus ist wiederum ordentlich, nicht weltbewegend aber schon gut. die albondigas haben wir dann doch noch genommen und ich habe auch leise den kopf geschüttelt. eine weitere vergebene chance! gegenüber ist jetzt ein grosser tisch besetzt mit menschen die definitiv noch nie in dieser kreuzberger ecke waren. aus dem prenzlauer berg. oder kleinmachnow? man kann nur hoffen, dass die ihre autos zu hause gelassen haben. die stimmung an dem tisch ist aber fröhlich und vielleicht hofft man auf die präsenz des hausherrn. andernfalls hätte man sich sicherlich nicht soweit nach kreuzberg gewagt.
ihr merkt es schon. in mein spanisches herz geschlossen habe ich die bar raval nicht. sehe keinen grund da nochmal hinzugehen. das ist fast ein bisschen schade.

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