anarcooks im prinzessinnengarten – menu & performance

der prinzessinnengarten am moritzplatz ist wunderbar. allein schon der name klingt so verheißungsvoll. wie eine mischung aus „the secret garden“ und „litttle princess“. beides kinderbücher die ich im entsprechenden alter verschlungen habe und auch jetzt noch heimlich lese, wenn mich eine leise sehnsucht nach kindheit überkommt. nun hat der prinzessinnengarten im wirklichen leben nicht viel mit postviktorianischer gartenromantik zu tun. er ist nicht geheim, sondern für jeden zugänglich, anstelle von schlössern und verschnörkelten gewächshäusern gibt es hier buden und baracken und die blumen und stauden sprießen nicht aus englischem rasen, sondern aus plastikcontainern und alten milchtüten. aber das macht nichts. die tiefere bedeutung stimmt. der prinzessinnengarten ist ein ort der zuflucht, des engagements, der begegnung und der selbstverwirklichung. ein ort für moderne altersunabhängige kinder, die hier alle buddeln und spielen, ernten und kochen und darüber die welt draussen vergessen. ein wirkliches paralleluniversum. 
im prinzessinnengarten finden regelmäßig unregelmäßig verschiedenste veranstaltungen statt, meist wird gekocht, oft musiziert oder performt. es lohnt sich den newsletter zu abonnieren, damit man frühzeitig davon erfährt. ausbuchungsgefahr!

am vergangenen dienstag ergatterten meine reizende schwester, eine ebenso reizende freundin und ich  plätze für anarcook’s ein performance dinner im prinzessinnegarten. auch hier ein sehr verheißungsvoller name! folgendes programm/menu erwartete uns für nur 20 €: 

“ Von Menschen, Blumen und der gefährlichen Kartoffelkrankheit “ 
performance/lecture by Per Schumann

1° Sellerie-Milchshake mit Croûton
2° Taboulé di Sminz
3° Rote-Beete-Carpaccio mit Ziegenkäse und Zwiebel-Confit

Zwischengang: „Jungle Tie Gyhlditis“ , performance by Geneviève White

4° Wildkräuter-Salat mit Pizzatalern
5° lauwarme Zucchini-Suppe mit Schnittlauch-Rahm
6° Beluga-Linsen mit Parmesan-Kräuter-Frittata
7° halfbaked choco-fondant mit Holsteiner Früchtchen !

Alle Kräuter frisch geerntet aus den prinzessinnengärten.
Wildkräuter-Salat von der Biokräuterei Oberhavel.
Gemüse vom Hof Staudenmüller/Templin u. Hof „Teltower Rübchen“.

das szenario war wie folgt: auf der bühne des gartens war eine offene recht provisorische küche installiert in der schon fleissig gewerkelt wurde. anarchisch sahen die köche und ihre adjudanten nicht gerade aus, aber es wurde schon strengstens vermieden, einen allzu konventionell professionellen eindruck zu machen.
ihr wisst schon: kreuzberger bekleidung, tattoos, wuschelhaare und eine freundlich verpeilte ausstrahlung.  neben der küche war eine lange tafel für bestimmt 40 personen aufgebaut, an der man sich nach anmeldung und zahlung  einen platz aussuchen konnte. bei der anmeldung gabs eine fotokopierte zeichnung/plan in die hand, die ein bisschen durch den abend geführt hat. das war später auch ganz hilfreich. 

als erstes stand der sellerie milchshake auf dem tisch, noch bevor die performance losging. das war fürsorglich umdisponiert, ein kleiner hunger war ja schon da und mit pünktlichkeit der gäste hatte wahrscheinlich sowieso niemand gerechnet.
leicht und schön gekühlt war der milchshake, mit einem intensivem selleriearoma und einer selleriestange nebst crouton zum knabbern. damit musste man nun auch die performance überdauern.  
per schumann war uns vorher nicht bekannt. er entpuppte sich als sympathischer hamburger im besten alter wie man so schön sagt, der  freundlich über den zusammenhang von gesellschaftlicher isolation im super city system, der sozialen wüste und der kartoffelkrankheit im herzen parlierte. dabei zeichnete er an einem flipchart die zeichnung nach, die wir schon in den händen hielten, setzte sich mit wenig hemmungen einen mit kartoffeln behangenen rosa-weißen helm auf und beschmierte den flipchart und unweigerlich auch sich mit grünlichem rasiergel, das er aus versehen anstelle von rasierschaum gekauft hatte. die mischung von unbefangenheit,  skurrilität und sendungsbewußtsein hatte ein ganz ganz minibisschen was vom frühen schlingensief, werauchimmer hab ihn selig.
nachdem dann alle kräftig geraucht haben gings weiter im menu mit einem recht langweiligen, aber zufriedenstellend füllendem weil ordentlich portioniertem tabouleh und dem nun fast schon überall obligaten rote-betecarpaccio mit ziegenkäse. das gut geschmeckt hat. 

so gestärkt gings wiederum in die zweite performancerunde mit genevieve, einer new yorkerin, die ihre aufführung einer göttin aus alaska namens ghylditis widmete. man ist ja froh, wenn man von der weiblichen bevölkerung in alaska mal was anderes mitbekommt, als das was frau palin liefert. hierzulande kommt diesbezüglich ja sehr wenig an. aber auch bei dieser nichtpalinensischen performance konnte man sich fragen, ob etwas dahintersteckt und wenn ja, was? genevieve teilte definitiv die vorliebe von per schumann für grünliche gels, hier wohl eher ein duschgel. ob sie zusammen zu rossmann gegangen sind? die beschmierung mit dem gel erfolgte in dieser darbietung allerdings sehr viel bewusster als in der vorhergehenden. und nicht ohne vorher eine art ministrip hingelegt zu haben, gefolgt von einer körperornamentierung mit trockenen blättern und zweigen. aha! eine naturgöttin. deswegen wohl auch das grünfarbende gel, wie der berliner sagt. dann gabs noch ein bisschen bonding mit einer paketschnur und debonding durch zur hilfe gebetenes publikum. ein akt der befreiung, nachdem wir uns beruhigt wieder dem menu zuwenden konnten.
da kam auch gleich schon mein (retrospektivischer) lieblingsgang. der wildkräutersalat mit pizzataler. meine derzeit favorisierte gaumenschule (neben weinproben) ist das bestimmen von wildkräutern. wenn ich doch nur einmal alle erkennen würde! schon wieder nichts. portulak, wilder spinat, kapuzinerkresse, borretsch und kerbel habe ich herausgefunden. auch was ampfriges meine ich geschmeckt zu haben. aber das war gefühlt nur die hälfte vom salat. der mit einem diskreten dressing und der dazugereichten pizza/focaccia wirklich exzellent frisch daherkam. und mit einer kornblume sehr hübsch geschmückt war. meine oma schüttelt beim thema wildkräuter oder noch besser rauke immer den kopf. das ist doch alles unkraut! mir schmeckts! meine reizende oma wird übrigens übermorgen 93.

der freundliche kreuzbergerische service brachte uns nach dem salat die zucchinisuppe mit schnittlauchrahm, die etwas brav gewürzt und zu kalt war, aber ganz fein geschmeckt hat. mittlerweile waren wir auch schon recht gesättigt. die beluga linsen mit parmesanfritatta haben uns aber trotzdem gemundet und beim überaus üppig köstlichen choco-fondant mit marinierten früchten konnte auch keine von uns nein sagen.

hab ich schon gesagt, daß das wetter in diesem merkwürdigen juli auch mitgespielt hat? ein lauer sommerabend im prinzessinnengarten. empfehlenswert!

Foto_1Foto_2Foto_3Foto_4Foto_5Foto_2-1Foto_1-1Foto_3-1Foto_4-1Foto_5-1

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s