Deux ou trois choses – Weinbergschnecken auf der Köpenicker Straße

Für mich als bekennende liebhaberin von innereien, blutwurst und ähnlichen schweinereien hat die lyoner küche viele viele attraktionen. deswegen war es nur eine frage der zeit bzw. des anlasses/begleitung bis ich mal imBistrot Lyonnais Deux ou trois choses an der köpenicker straße landen würde. nach lyon wollte ich auch immer schonmal, aber die köpenicker straße ist von neukölln aus einfach schneller zu erreichen. lyon ist spätestens seit paul bocuse für seine küche und köche berühmt und wartet mit einer reihe exzellenter regionaler zutaten und spezialitäten auf. viele davon sind erfreulich deftig. und mutig. der saladier lyonnais z.b. kombiniert höchst wagemutig schafsfüße, geflügelleber, heringsfilets und hartgekochte eier. CHAPEAU! dafür muss ich wohl wirklich mal nach lyon…

nun aber zu sache: an einem höchst windigen aber ausnahmsweise mal nicht regnerischem juliabend ergab sich die gelegenheit in reizender männlicher begleitung (ach es ist nunmal so, die wenigsten meiner weiblichen bekanntschaften stehen auf deftiges) das östliche ende der köpenickerstraße aufzusuchen, um diesen nicht mehr ganz so neuen neuzugang unter die lupe zu nehmen. die lage des bistrots direkt neben einem discounter nebst dazugehörigem parkplatz ist gelinde gesagt unromantisch. aber so isse die köpenicker strasse. wir sind nicht in friedenau, nicht wahr? während ich warte (irritierenderweise bin ich zu früh und meine verabredung zu spät) lasse ich mir von dem mit grossen pinkfarbenem strassschmuck behangenen sommelier einen roséwein empfehlen. sein hang zum kitsch schlägt sich offensichtlich auch bei seiner weinauswahl nieder. jedenfalls bekomme ich einen rosé aus der provence namens whispering angel. ja nun. nomen est omen. der wein wispert nur. viel vermag er mir wirklich nicht zu sagen. ich will ehrlicherweise aber nicht ausschliessen, daß ich wegen der warterei etwas irritiert bin. und wegen dem wind (ich sitze draussen). schliesslich gehe ich rein und bestelle ein zweites glas, um dem wein eine zweite chance zu geben. da sitzen wir nun, der whispering angel und ich, im leeren deux ou trois choses.
tout berlin ist leer, also ist die leere im lokal kein wunder. nur ich bin hier. und muss auch noch warten. eine grosse kalte welle selbstmitleid überkommt mich. whispering angel kann mir nicht helfen. warum habe ich mich nur darauf verlassen, dass der sommer in berlin schön wird? warum musste mir das schicksal eine lange nase drehen und es immerzu regnen lassen? warum hat der sommelier pinkfarbene strasskreuze um den hals? warum stehen keine innereien auf der karte? glücklicherweise kommt meine verabredung bevor es allzu schlimm wird. glücklicherweise kennen wir uns schon lange und gut. der abend kann ab jetzt nur noch besser werden. zumal man jetzt auch zum essen übergehen kann. leider finde ich auf der heutigen karte nichts von den in den vielen gelesenen kritiken angekündigten innereien bzw. äußereien wie kutteln oder schweinenase. also müssen die weinbergschnecken her. die nehmen wir beide. neulich habe ich einen bericht gelesen, über jemand der „seine“ weinbergschnecken mit basilikum füttert, um sie besonders aromatisch zu machen. das muss ich mal meiner oma erzählen. die hat ihre weinbergschnecken mit mehl ernährt (mein opa war müller) um sie zu „reinigen“. wie dem auch sei, die weinbergschnecken im deux ou trois choses sind comme il faut! dick und weich, nicht dünn und zäh. sie schwimmen in extrem kräutiger butter wie sich das gehört. meine laune bessert sich zusehends.

als hauptgang habe ich canneloni du porc mit blutwurst bestellt, während meine reizende begleitung (die warterei ist verziehen) die rinderbäckchen gewählt hat. mäßiges wetter erleichtert bekanntlich den verzehr üppiger speisen. angesichts meiner canneloniportion, bin ich froh, dass die dreissiggradmarke in weiter ferne liegt.sehr ansprechend sieht er aus dieser riesige canneloni auf bohnen und speck, verziert mit einer dicken scheibe blutwurst. mmmhmm. beim anschneiden bin ich aber doch etwas enttäuscht. ich hatte eine art hackfleischfarce erwartet, gut gewürzt natürlich, was halt in so cannelonis drin ist. in meinem canneloni ist ein schweinefilet eingewickelt. das ist zwar zart und all das. dummerweise stehe ich nicht unbedingt auf schweinefleisch pur, nichtmals filet. aber ich muss sagen das drumherum ist ausgezeichnet und verpackungen sind ja oft die halbe miete. dennoch ertappe ich mich dabei auf die rinderbäckchen meiner begleitung zu starren, die auf einem üppigen kartoffelstampf serviert worden sind. keine schlechte wahl. ich darf natürlich probieren und kann den optischen eindruck nur bestätigen, eine ausgezeichnete wahl. butterweiche bäckchen in einer würdigen sauce. trés, trés französisch. haben wir ein oder zwei flaschen wein dazu getrunken? ich erinnere mich weder an die menge noch an den wein. na sowas.

Foto_1

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s