Zeit für saure Gurken – Blitzgurken, ein Rezept aus dem Spreewald

dieser sommer macht mich ganz verrückt. da ist zum einen das globale gefühl, um eine ganze jahreszeit betrogen zu werden. wir sind uns einig: das ist kein sommer! aber das ist es nicht nur.
mit einer verlorenen jahreszeit kann man leben. man hat schon wichtigeres verloren im leben und der verlust einer jahreszeit, wenn auch einer noch so schönen, ist zwar betrüblich, aber ins rechte lebensdimensionenlicht gerückt eigentlich hinnehmbar. was mich verrückt macht, ist die tägliche perfidie des wetters. diese fiesen kleinen wettergesten, die tagtäglich alles durcheinanderbringen.

man wacht morgens auf und es scheint die sonne. so hat es auch das iphone prognostiziert. man geht ins büro und freut sich auf die abendliche verabredung am see, in der waldbühne, im biergarten. mittags fängt es an zu regnen.
erst nur ein bisschen. man macht sich gedanken. soll man die abendlichen pläne umschmeissen? dann scheint die sonne wieder. es ist schwül. und kurz vor feierabend regnet es wieder. diesmal in strömen. die abendlichen pläne fallen ins wasser. auf dem weg zur sbahn wird man pitschnass. das sommerkleid und die strickjacke haben sich mit wasser vollgesogen und die neuen sommerschuhe quietschen. wahrscheinlich fallen sie gleich auseinander. sie sind für ein anderes wetter gemacht. an einen plan b für den abend ist nicht mehr zu denken, denn man muss nach hause und sich umziehen, wenn man sich keine bronchitis zuziehen will. dann sitzt man zu hause, denkt an den verpassten sommerabend und grämt sich. man setzt sich vor den computer und denkt, dann schreibe ich eben ein bisschen. doch so richtig geht das nicht. die stimmung stellt sich nicht ein. stattdessen guckt man einen film, der spielt im sommer und man grämt sich noch mehr.

oder anders herum. man wacht auf und es regnet schon. das iphone hat für den ganzen tag regen vorhergesagt. mit stiefeln, trenchcoat und regenschirm bewaffnet fährt man ins büro. für den abend hat man sich nichts vorgenommen. man wird sich vor den computer setzen und ein bisschen schreiben. man hinkt sowieso hinterher mit der ganzen bloggerei. mittags kommt die sonne raus und die jeans wird zu warm. man macht sich gedanken. soll am die abendlichen pläne umschmeissen? dann regnet es wieder ein bisschen und man fühlt sich sicher. und kurz vor feierabend reisst der himmel auf. die sonne strahlt. schwitzend läuft man zur sbahn und auf dem weg nach hause begegnet man nur gut gelaunten, leicht bekleideten menschen die draussen ein bierchen trinken. möchte man mitmachen, muss man sich aber erst zu hause von den warmen klamotten befreien. dort angekommen ist es irgendwie zu spät, um sich noch zu verabreden und man setzt sich vor den computer und denkt: dann schreibe ich halt doch! doch so richtig geht das nicht. die stimmung stellt sich nicht ein. man schaut nach draussen in den lauen sommerabend und grämt sich über die verpasste chance.
und das nenne ich eine gemeinheit! mittlerweile habe ich aber draus gelernt. ich habe jetzt immer etwas zu hause, um mich zu beschäftigen. über das schreiben hinaus meine ich. neulich waren es einmachgurken. die beschäftigung damit geht nach einem einfachen rezept, daß mir einst ein lockenköpfiger ureinwohner des spreewaldrandgebietes verraten hat: die spreewälder blitzgurke.

Man nehme:

5kg einmachgurken
1 kg geschälte schalotten
4 geschälte knoblauchzehen
2 handvoll senfsaat
1 großes büschel dillblüten
1 handvoll pfefferkörner
1 paket salz
2 liter milder essig
2 liter wasser
100 g zucker

die gurken wäscht man, gibt sie in eine große schüssel und bestreut sie gründlich mit viel salz. fast dem ganzen paket dann lässt man sie mindestens eine stunde stehen und hat zeit die wohnung aufzuräumen oder zu bügeln.
das salz zieht wasser aus den gurken, dass sie dann in form von einmachflüssigkeit durch osmose wiederaufnehmen. nach der stunde (oder auch am nächsten tag) giesst man das gurkenwasser ab und wäscht die gurken mit kaltem wasser.

die gurken schichtet man mit den zwiebeln, gewürzen etc.. in sehr saubere heissausgespülte gläser (schimmelgefahr). die gläser nicht ganz voll machen, die gurken müssen nachher von flüssigkeit bedeckt sein können.wasser, essig, zucker und den rest salz kocht man auf und giesst die heisse essigmischung in die gläser. die menge der flüssigkeit hängt auch von der größe der gläser ab,
hier eventuell etwas mehr einrechnen.
die gläser verschliessen. nach zwei tagen sind die blitzgurken durchgezogen und können probiert werden. sie halten sich im verschlossenen glas wenn alles gut geht und die gläser schön sauber waren, mindestens ein halbes jahr.
je länger sie durchziehen desto besser schmecken sie natürlich!

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