Emma Emmelie – Entzückende Antikscheune nördlich von Berlin

Der September meint es gut mit uns. Mild und sonnig besänftigt er unsere vom Sommer vernachlässigten Gemüter und lockt uns vor die Tür. Uns, das sind an diesem sonnigen Samstag mein Fahrrad und ich.Mit meinem Fahrrad habe ich erst vor Kurzem ein freudiges Wiedersehen gefeiert. Irritiert hatte ich es an einem dieser entsetzlich regnerischen Sonntage im August vor dem Hüttenpalast stehen gelassen. Und ja ich muss es gestehen, dort vergessen. Und zwar so dermaßen vergessen, dass ich eines morgens zu einem Termin in der Markthalle Neun in Kreuzberg radeln wollte und das gute rostige Stück, als ich es im Hof nicht fand, erstmal gestohlen wähnte. Ja nun dachte ich leicht resigniert, in Neukölln werden wohl auch rostige Fahrräder vom Hof geklaut. Oh Neukölln, ich habe Dir unrecht getan! Und mein Fahrrad wiedergefunden. Brav und rostig stand es immer noch vor dem Hüttenpalast. Ich war entsprechend beschämt und bestürzt. Ist es das Alter? Bis mir eine Freundin gestand, sie habe schon mit dreissig ihr Auto „verloren“. Und wiedergefunden….
Nun hatte ich mein Fahrrad also glücklich wieder und unser gemeinsamer Plan war, aufs Land zu fahren und dort ein herrliches Wochenende bei Freunden zu verleben. Der Dekorateur und Stylist Thomas Greb und sein Haus in der Nähe von Liebenwalde im Norden von Berlin waren das eigentliche Ziel. Und auf dem Weg dahin lag passenderweise die im Juli eröffnete Antikscheune von Ines Schweighöfer. Die ist in Zerpenschleuse.
Mein Fahrrad und ich sind am Herrmannplatz in die U Bahn eingestiegen, nicht ohne uns vorher noch Gesellschaft im Karstadt am Hermanplatz besorgt zu haben. Ein Kaninchen kam noch dazu, bereits erlegt, für den abendlichen Kochgenuss. Wir waren also jetzt zu dritt. Mein Fahrrad, das Kaninchen und ich. Mit einem Kaninchen aufs Land zu fahren, ist so ein bisschen wie die Sache mit Eulen nach Athen bringen. Oder wie mit Kohlen in den Ruhrpott fahren. Aber aus städtischer Sicht ist die Versorgungslage auf dem Land schwer einzuschätzen. Und was man hat, hat man. Zu dritt bestiegen wir dann am S-Bahnhof Karow die Heidekrautbahn (ja so heißt die!) und fuhren über Wandlitz und Lottschesee nach Ruhlsdorf-Zerpenschleuse. Vorbei an sonnenbeschienenen Hagebuttenhecken, putzigen Highland-Rinderherden und Datschensiedlungen. Die gute Laune stieg und stieg. Mein Fahrrad, das Kaninchen und ich konnten es kaum erwarten auszusteigen. In Ruhlsdorf-Zerpenschleuse angekommen fuhren wir dann, telefonischen Anweisungen folgend rechts am Bahndamm entlang bis zum Kanal. Das ist der Oder Havel Kanal, der Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurde, weil der ältere Finowkanal an seine schiffbaren Grenzen stieß. Damals wurde richtig viel geschifft und die Kanäle waren für das boomende Preußen ein extrem wichtiger Wirtschaftsfaktor.
In Richtung Zerpenschleuse fährt man nach rechts über eine Fußgängerbrücke, biegt dann nach links ab und gelangt an den viel viel älteren Finowkanal. Der heißt hier Langer Trödel und weil er nicht mehr genutzt wird, ist er so romantisch wie ein unbenutzter Kanal eben sein kann.
Mein Fahrrad, das Kaninchen und ich fahren immer noch nach der telefonischen Anweisung durch Zerpenschleuse und trödeln aus lauter guter Laune herum. Mit Maiskolben geschmückte Traktoren weisen den Weg zu einem Erntedankfest auf dem Kleintierhof (dazu mal mehr), und ein Vorgarten mit einem unglaublichen Gartenzwergarrangement lädt zum fotografieren ein. Die Eigentümerin des Gartens lehnt mit einem gemütlichen Kissen am Fenster und ihr Blick lädt erstmal nicht zum Fotografieren ein. Mein Wessi-Look ist unverkennbar. Hat es was damit zu tun? Egal! Mit einer kleinen Geschichte zu meiner Oma und ihrem Schrebergarten löse ich das Spannungsverhältnis und Fotos dürfen gemacht werden. Mit einer lächelnden Absolution seitens der Eigentümerin! Yes! Gartenbesitzer aller Länder vereinigt euch! Dann kommt mir noch die schöne Fachwerkkirche unter die Linse und das letze Haus im Dorf ist endlich die Antikscheune Emma Emmelie.

Ein würdigerer Ausflugsort ist mir schon lange nicht mehr begegnet. Nicht in Berlins Umgebung jedenfalls. Die Lage am Kanal. Die anheimelnde Ausstrahlung. Die wunderschön dekorierten, thematisch sortierten vier Räume. Hier waltet der gute Geschmack und die Liebe zum Detail. Doch bevor ich auf Entdeckungsreise gehe, bekomme ich von der reizenden Inhaberin, Ines Schweighöfer, einen wohlverdienten Kaffee am Kanal serviert. Und ein köstliches Stück Kuchen zaubert sie auch noch hervor. Perfect bliss! Gottseidank bin ich durch Thomas Greb so gut eingeführt!. Wir revanchieren uns durch eine Einladung zum Abendessen mit Kaninchen. Nach der wunderbaren Stärkung verliere ich mich ein bisschen in der Antikscheune. Es gibt den Eingangsbereich mit dem schönen Tresen und dem wunderbaren Geschirrdisplay. Sofa und Tische laden zum Verweilen ein. Im nächsten Raum ist das Thema Küche dekoriert. Antike Küchengerätschaften, Kochbücher und passendes Mobiliar lassen mein Küchenherz höher schlagen. Im nächsten Zimmer sind Stoffe und Textilien das Thema. Wunderhübsch in Regale einsortiert warten altes Leinen, Servietten, Bettwäsche und und und darauf entdeckt zu werden. Hier war die Versuchung schon groß! Aber im nächsten Raum, als Wohnzimmer/Esszimmer dekoriert wuchs sie ins unermessliche. Ruhig Blut, sagte mir meine innere Stimme. Leider habe ich eine Zeit des begrenzten Budgets. Sonst hätte ich am liebsten alles mitgenommen… Ich gönne mir ein wunderhübsches Foto von einer jungen Frau mit einem bezauberndem Lächeln und einem extravagantem Federhut. Für meine Fake-Ahnengalerie (ich habe auch eine echte, so ist es nicht). Meine neue Urgroßmutter. Dr Hut hat eine gewisse Familienähnlichkeit… In meinem Hirn formen sich die Pläne, mit welchen meiner zukünftigen Besuche ich zu Emma Emmelie fahre. Mutter, Tante, Schwester? Alle wären Sie entzückt.

Emma Emmelie

Antikscheune 

Kanalstraße 27, 16348 Zerpenschleuse

Öffnungszeiten: Fr Sa So von 11:00 bis 19:00 Ur

 

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