chipps – saltless eating in mitte

soeben bin ich aus venedig zurückgekehrt. es war wirklich wunderbar. rundherum.  doch bevor ich über all die wunder venedigs schreibe, müssen wir uns noch etwas gedulden. hier ist noch etwas in der pipeline, das unbedingt raus muss!

ein von langer hand geplanter damenabend ende september (puh warum sind unsere kalender immer so voll?), a deux, mit interessanten gesprächsthemen zu dem ich reizenderweise eingeladen bin. den ort des geschehens durfte ich mir sogar aussuchen und um meinen blick etwas über kreuzberg und neukölln zu erheben, fiel meine wahl auf das chipps.  ich mag das cookies cream und die verwandschaft war mir eine empfehlung. ich gönne mir nach einem bürotag einen spaziergang vom potsdamer platz und trudel just in time in die östliche seite der jägerstrasse.  war ich hier schonmal? wer ist hier überhaupt? ein paar fette autos und die dazugehörigen chauffeure stehen vor dem vau. danach ist praktisch dead end. am auswärtigen amt. und am chipps. davor zeugen noch ein paar gedenktafeln vom vergangenen glamour der jägerstrasse, als hier die familie mendelssohn ihre bankgeschäfte betrieb und obendrein enorm zum kulturellen leben berlins beitrug. der bezirk rund um die jägerstrasse war DAS bankenviertel berlins, in der zeitweise mehr als hundert banken ansässig waren. die häuser sind weitestgehend noch da, aufs beste saniert. aber wo ist das leben? alles wirkt ein bisschen künstlich und das chipps ist nach dem vau der einzige ort, der menschen anzieht.

das chipps ist ein ecklokal mit grossen fenstern und umgeben von einem großzügigen aber ob des kalten wetters leeren aussenbereich, der mit modernem gartenmobiliar in form von langen tischen und bänken ausstaffiert ist. innendrin ist alles modern und freundlich ausgeleuchtet. bei der einrichtung ist nichts falschgemacht worden, aber es bleibt auch nichts in besonderer erinnerung. die große offene küche ist von zwei köchen besetzt, die hier a la minute garen und sich mit den zutaten aus einer momentan nur halb bestückten kühltheke bedienen. 
wir werden ganz freundlich empfangen und zu unserem tisch geleitet (wir haben reserviert, das war wohl auch nötig) enttäuschenderweise werden wir an einen kleinen zweiertisch neben einem vierertisch plaziert, an dem gerade schwäbische eltern den spanischen freund ihrer sicherlich im prenzlauer berg beheimateten tochter kennenlernen. der kleine wauwau ist auch mit dabei. ein kleiner blickwechsel mit meiner reizenden begleitung bestätigt es: das ist nicht unser platz! dazu habe wir uns viel zu viel wichtige dinge zu erzählen! in dem bewusstsein, lautstärkemäßig nicht gegen das spanisch-schwäbische kennenlernen bestehen zu können,  treten wir erst mal einen gepflegten rückzug mit getränken nach draussen an. ja zum rauchen.. danach dealen wir einen neuen tisch mit der bedienung, einen vierertisch für uns allein, in der nähe des eingangs. was wir nicht ahnen konnten: damit sind wir in ein schwarzes loch gefallen. in ein service-loch sozusagen. wir sind quasi nonexistent geworden., denn keine der beiden bedienungen fühlt sich mehr für uns zuständig. warum nur? immerhin haben wir die karte zum studieren und das ist im chipps auch ziemlich zeitvertreibend. 

das konzept basiert auf zusammenstellungen unterschiedlichster komponenten. gemüse, sättigungsbeilage und fleisch oder fisch. kleine icons sollen die wahl erleichtern. die sache ist die, man wählt ein basic, das ist die sättigungsbeilage. dann ein gemüsegericht, aus der schale oder vom teller und wenn man mag auch fisch oder fleisch. prinzipiell bin ich sehr für wahlfreiheit. aber auch ich als sagenwirmal nicht ganz unkundige person tue mich ein bisschen schwer. wir brauchen dringend getränke zur unterstützung und spüren schmerzlich die wirkung des schwarzen servicelochs. keiner beachtet uns. dabei brauchen wir dringend hilfe! nach einer weile haben wir es geschafft (immer den empfehlungen folgend) , die nori-rolle mit dem curry und der perluhnbrust und das kartoffelrösti mit der roten bete und dem zander zu kombinieren. und das alles ohne alkohol. wir sind sehr stolz. bei der vorspeise machen wir es uns einfach und bestellen uns einen großen überraschungssalat. 

dazu bestellen wir einen rosé 2010 Domæne Gobelsburg . der kommt leider erst als der überraschungssalat auf dem tisch steht (ich erwähnte bereits das serviceloch?). überraschend beim überraschungssalat war, das er so wenig überraschend war. ich gebe zu, ich bin nicht soo leicht zu überraschen.  bei meiner reizenden begleitung wäre das potenzial vielleicht etwas größer gewesen. aber auch das wurde verspielt. oder andersherum: ein gemischter blattsalat garniert mit vier tomatenscheiben holländischen ursprungs (überflüssigerweise gehäutet) und einer menge unreifer avocadowürfel, die man zu würzen vergessen hat,
kann durch drei getoastete brotchips und ein paar scheiben ganz netten schinkens nicht in die überraschungsliga katapultiert werden. nein, nein, nein.

während wir den salat unter kräftigem nachwürzem assen und uns immer wieder versicherten er sie eigentlich ganz ok (wer will sich schon einen reizenden damenabend durch einen ollen salat vermiesen lassen?) beobachtete ich, wie mein kartoffelrösti die ganze zeit unter der warmhaltelampe schrumpfelte. ich hatte zwar zwischendurch die leise hoffnung es sei nicht mein kartoffelrösti, aber so war es nicht. wir gingen noch eine rauchen (ja selbst schuld) und zwanzig minuten später kam der (oder das?) rösti nebst hinzugewähltem material auf den tisch. dennoch wähnte ich mich glücklich. denn was meine reizende begleitung völlig unverdientermassen serviert bekam spottete jeder kulinarischen beschreibung. den empfehlungen folgend hatte sie nichtsahnend ein reis im noriblatt mit gemüse in rote currysauce bestellt. das ganze kam in einem bowl. sprich die recht große norirolle mit reisfüllung schwamm in dem curry und sah so appetitlich aus, wie ein, nein ich sage es nicht. während ich also an meinem schon lange lauwarmen rösti immerhin rumsäbeln konnte, musste meine reizende begleitung die norirolle in dem bowl irgendwie kleinkriegen ohne das das curry überschwappte. und diese kombination war eine empfehlung des hauses!

ich wünschte es würde hier enden, aber das tut es nicht. während meine lauwarme rösti-rote bete-zander kombi immerhin essbar war (mehr auch nicht), entpuppte sich die norirollen-curry-kombi als ABSOLUT GRAUENVOLL. nein, das ist nicht übertrieben. nachdem meine reizende begleitung die norirolle im bowl irgendwie geschlachtet hatte, und sich das reis innere mit dem curry zu einer pampe vermengte, nahm sie tapfer drei bissen, guckte kläglich und verweigerte jegliche weitere nahrungsaufnahme. es gibt nichts zu beschönigen, ich habe es natürlich probiert. es war das schlimmste was ich je in einem restaurant serviert bekommen habe. dafür gibt es keine gnade. die currysauce war extrem wässrig. das gemüse schleimig, die pilze ganz besonders. der reis pampig. das noriblatt zäh. in dem bowl war alles schwierig zu essen. aber man wollte es ja auch nicht essen. auweiah tat mir das leid. ich hatte das lokal ja schliesslich ausgesucht. peinlich. dann kam das serviceloch wieder. stundenlang sassen wir vor den halbleergegessenen tellern. wir haben auch gesagt das es nicht geschmeckt hat. da bekam meine reizende begleitung einen espresso angeboten. schön!

was soll ich sagen, wir sind schnell von dannen gezogen, haben dann noch mehrere wohlverdiente absacker in der king size bar getrunken und es war ein reizender abend. nur nicht kulinarisch..

 

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