Dos Palillos Berlin – Mit Stäbchen zum Glück

Ach, es ist ruhig um uns geworden in den vergangenen 6 wochen. zu ruhig. so kanns nicht weitergehen. denn in meinem iphone stapeln sich fotos und in meinem hirn ideen und eindrücke.

die müssen raus!
aber first things first: willkommen in 2012 allerseits. ich freue mich auf ein jahr mit vielen treuen und hoffentlich auch vielen neuen lesern.

die bisherige bilanz ist recht eindrucksvoll: fast 117.000 leser! in anderthalb jahren. DANKE!
der beliebteste beitrag ist: la mallorquina – süsses in madrid mit mehr als 17.000 lesern. überhaupt sind die beiträge über meine heimatstadt madrid sehr populär. das freut mich sehr.
auch der renner: spitzkohleintopf mit pferdebockwurst. mehr als 13.000 leser. wer hätte das gedacht? und ein all time favourite ist der barbie kuchen 🙂 11.528 leser.

nun begab es sich im dezember, dass die tante aus peking zu besuch in berlin weilte (der beitrag über nudelmeister wu in peking hat immerhin 5438 leser). der ruhm des dos palillos in mitte 
ist sogar bis nach peking vorgedrungen und sie hatte wenig bis gar keine mühe, mich zu einem abendessen ebenda zu überreden. denn auch in neukölln hat man schon vom dos palillos gehört.

zugegebenermassen hat mich das das konzept des dos palillos im hotel der schuhmarke camper erstmal nicht sehr überzeugt. und dass, obwohl ich lange jahre 
nichts anderes als camper an meine füsse gelassen habe! also das konzept ist tapas mal anders, nämlich asiatisch. naja. auch dass ein eleve/langjähriger küchenchef von ferran adriá
für die küche verantwortlich ist, hat mich buchstäblich nicht hinter meinem neuköllner ofen hervorgelockt. skeptisch wie ich bin, wenn köche zur marke werden und für alles (inkl. sandwiches bei fluggesellschaften) ihren namen hergeben,
dachte ich, muss das ja nix heissen. im zweifel faxt der einmal im monat sein menu nach berlin. ein blick auf die homepage hat meine vorurteile nur bestätigt. der schlecht aus dem spanischen in schlechtes deutsch übersetzte text…
kann da viel liebe drinstecken? lesen sie selbst:

der selbe name, die selbe begeisterung, 
beinahe dasselbe konzept,
eine andere stadt, andere gesichter,
sein eigener styl, seine eigene persönlichkeit, 
eine andere atmosphäre, unterschliedliche dekorationen, 
dieselbe ernsthaftigkeit, dieselbe illusion
also hatte ich das dos palillos eigentlich abgehakt, bis ich anfing stimmen zu hören. nicht aus dem jenseits, sondern von kulinarisch vertrauenswürdigen menschen.
stimmen die mich lockten, stimmen die mir zuflüsterten: geh dahin, geh ins dos palillos, es lohnt sich!  also kam mir der wunsch der tante gerade recht und wir verabredeten uns an einem mittwoch abend
im dos palillos.

dos palillos heisst im übrigen „zwei stäbchen“ auf spanisch. wegen dem asiatischen konzept. im goldweiss dekorierten lokal stehen einige tische, aber das leben spielt an der bar vor der offenen küche. das birgt angenehme reminiszenzen sowohl an
spanische tapas bars als auch an asiatische garküchen. clever!  dort nehmen wir also platz (wir haben reserviert, aber das lokal ist bei weitem nicht voll). zunächst gönnen wir uns einen exzellenten rose cava (name ist schändlicherweise in vergessenheit geraten)
und wählen dann das kleinere menu mit den 12 gängen.
wir starten mit dem aperitiv bestehens aus viel schaum und cranberry wodka. die molekulare küche lässt grüssen. schmeckt ein bisschen wie geshakter hustensaft. mir fehlt auch der link zwischen asien und cranberrys. 

während wir so trinken bestaunen wir die schicke offene küche und den grossen personalaufwand. wir zählen 6 köche. alle blutjung bis jung, die hälfte davon sind unverkennbar spanier. jeder bastelt liebevoll an seiner station die kleinen sehr geschmackvoll präsentierten portionen
auf die wir uns jetzt freuen.
los gehts mit einer japan/spanien fusion aus shiitake pilzen und pimientos de padron (kleine grüne paprikaschoten) in miso und sake gegart. das nennt sich tsukudani. es schmeckt wie shiitake pilze und pimientos de padron  in miso und sake gegart. schon ok.

der nächste gang, die auster in ponzusauce begeistert mich schon mehr. erstens liebe ich austern. zweitens passt die zitronige ponzusauce ausgezeichnet dazu. dann kamen schwertmuscheln thailändische art. die waren süsslich mariniert und mit algen dekoriert. die aus dem atlantik stammende schwertmuschel war über das thailändische bestimmt überrascht, aber geschadet hat das keineswegs. im gegenteil. sehr zu meiner freude geht es muschelig weiter. diesmal serviert von einem der spanischen jungköche. auf englisch präsentiert er uns die muscheln in kokoswasser die vor unseren augen gegart werden. das ist ansprechend und der koch freut sich als wir auf spanisch plaudern können. so ganz mein fall sind die miesmuscheln mit dem kokos aber nicht. 
es geht weiter mit anchovis in tempura. auch in spanien sind in teig fritierte fische und meeresfrüchte ja sehr beliebt. bei mir auch und so ist dieser gang sehr gut angekommen.

mittlerweile hat sich das lokal ein bisschen gefüllt. es sind einige hotelgäste gekommen und zwei spanische pärchen. da hat der service etwas mehr zu tun und ist auf einmal auch viel präsenter. alte faustregel: wenn wenig gäste, service nicht so gut. stimmt fast immer.

nach den vielen kleine fischminiportionen wird es sättigender. baozi, gedämpfte dumplings, werden uns serviert gefüllt mit einer zimtigen fleischfüllung. (hatte ich gerade selber gemacht,. bei speisenklub neukölln :-). danach ein verzichtbarer gang mit sushi zum selbermachen. weder gelingt
uns das besonders gut noch ist  der thunfisch ein besonderes highlight. der kalamar gemüse wok ist wiederum ein highlight. alles schön knackig, frisch und zart. nun gibt es noch yakitori hühnchen spiesse, nett aber nicht überwältigend. und dann das dessert. und das ist wirklich wirklich exzeptionell.
ein pochiertes wachtelei mit pandanusseis in einer salzigen brühe. hier schmilzt alles schön ineinander und dann schmiegt es sich an den gaumen und man hat das ah und oh der süssen und salzigen überraschungen und da war wirklich ein meister am werk! 

ein bisschen mehr davon und das menu wäre seinen preis von 50 (oh gott oder waren es 60?) euro voll wert gewesen.

insgesamt fand ich das preis leistungsverhältnis zwar gemessen an dem betriebenen aufwand verständlich, aber nicht unbedingt der kulinarischen leistung angemessen. mit cava, wasser  und der flasche xarello von albet y nova die uns gut begleitet hat kamen wir auf 80 euro pro person.

natürlich war es sowieso ein reizender abend in allerbester gesellschaft und man muss sagen, dass  degustationsmenus wirklich sehr kommunikativ sind. es kommt immer was neues, dazu ergeben sich gespräche, es macht spaß sich die portionen zu teilen.. 

aber ob ich mich in die stimmen aus dem diesseits einreihe weiss ich noch nicht.

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