Skopik & Lohn in Wien – Steak to die for

Hier ein bisschen was aus der Konserve. Mein letzter Aufenthalt in Wien ist ja nun schon einige Wochen her. Aber ich verspreche Euch: es gibt auch lohnenswerte Konserven!

In der wie immer reizenden Begleitung meiner Wiener Gastgeberin gilt es, meinen letzten Abend in Wien würdig zu gestalten. Ihre Wahl fällt auf das Skopik & Lohn im 2. Bezirk. Wir reservieren einen Tisch weils wohl besser ist, obwohl es dann gar nicht so nötig war. War ja nur Dienstag Abend.

Kann man Lokale sofort mögen, bevor man auch nur Platz genommen hat? Ja man kann! Das ist ein bisschen wie Liebe auf den ersten Blick. Man lässt sich etwas atemlos drauf ein, wohl wissend, daß das Enttäuschungspotenzial groß ist. Mir gefällts hier einfach. Das schlichte, irgendwie charmant würdige Ambiente mit den merkwürdig in einem schrägen Braunton gestrichenen Holzvertäfelungen, den weiß gedeckten Tischen und der dazu in einem etwas zu gewollten Kontrast stehenden abstrakt mit schwarzen Schlangenlinien bemalten Decke. Nichts ist zuviel, nichts ist zuwenig.

Wir werden freundlich begrüßt, man nimmt uns unsere Jacken ab und führt uns zu unserem Tisch. Dann werden wir ein kleines bisschen vergessen, ein kleines bisschen zu lang, aber weil wir noch soviel zu gucken und kommentieren haben, ist es nicht so schlimm. Dann kommt unser Aperitif, ein Martini, doch ganz schnell und wir sind wieder getröstet. Wir müssen ja auch noch die Speisenkarte studieren. Die ist klein, aber fein. Das ist immer ein Pluspunkt. Nichts ist vertrauenserweckender als eine kleine Speisenkarte. Sie vermittelt das beruhigende Gefühl, daß es nur gutlaufende Gerichte gibt, daß man nicht aus versehen irgendeinen Ladenhüter bestellt und überhaupt, daß die Küche sowieso alles im Griff haben wird.

Mein Herz schlägt sofort für das Steak mit der Sauce Bearnaise. Nicht nur, weil ich gerade in der Fleischkonsum Aufholjagd nach meinem fast veganen Monat bin. Nein, mein Herz schlägt immer für Steak mit Sauce Bernaise. Ich muss nur kurz den Moment überwinden, in dem mein Verstand mir sagt, ich sollte was typischeres, was wienerischeres bestellen. Kein Steak, sondern ein Schnitzel oder das geschmorte Schweinsbackerl (mit Octopus, Wow!).

Ich teile meiner reizenden Begleitung meine geheimen Wünsche mit und sie lächelt nur. Erstens hat sie es gewusst. Zweitens teilt Sie meine geheimen Wünsche. Also werden zwei Steaks bestellt. Meins rare, ihres medium. Dazu einen kleinen gemischten Salat. Der ist in Wien immer besonders gut. Finde ich. Mit wirklich frischen Salatblättern, Radieschen, Tomaten und so.

Dazu bestellen wir eine Flasche Wein aus der Wachau, aber mein löchriges Hirn versagt mir hier den Dienst. Wir lassen das Thema Wein bitte heute mal hier links liegen. Es gab jedenfalls nichts zu meckern, sonst hätte ich es noch gewusst.

Dann kommen die Steaks. Sie sehen wunderbar dunkel angebraten aus. Und die Frites sehr kross. Das Töpfchen mit der Bearnaise ist elegant, aber wird zu klein sein, das weiß ich jetzt schon. Ich wappne mich mental für eine Nachbestellung.

Wenn man ein Steak zum erstenmal anschneidet, entsteht eine fast erotische Spannung. Wird es halten, was es verspricht? Wird es so zart sein, daß das Messer durchgleitet und das Fleisch auf der Zunge zergeht? Wird es so rosa sein, wie ich es mir vorgestellt habe? Und die Würze? Ich bin abonniert auf grobes Meersalz und frisch gemahlenen Pfeffer. 

Das Steak im Skopik & Lohn macht fast alles richtig. Ein Hauch zarter könnte es sein. Aber nur ein Hauch. Ein Hauch Meersalz fehlt. Aber nur ein Hauch.

Die Bearnaise ist tiptop. Wirklich. Und die Pommes auch. Leider ging meine Bearnaise Nachbestellung in die Hose. Das wusste ich schon, irgendwie. Wenn man das Essen bekommen hat, fällt man für den Service oft in ein kleines schwarzes Loch. Solange bis man aufgegessen hat. Das ist mir auch hier passiert. Schade eigentlich.

Dann ist etwas Schräges passiert. Unsere Weinflasche verschwand irgendwie. Jedenfalls schenkte uns keiner mehr nach und wir dachten sie sei alle. Wir bestellten also noch zwei Gläser Wein. Daran hat sich der Service nicht gestört. Als wir den neuen Wein fast aufgetrunken hatten, tauchte unsere Flasche wieder auf. Da war auch noch was drin.  Tja nun. Wir sind ja nicht gegen das Trinken… allerdings musste ich am nächsten Tag flugbedigt um 04:30 aufstehen. Und noch ins Büro gehen… Und vorher wollten wir im 18 Stock vom Sofitel Hotel noch gepflegte Drinks zu uns nehmen.. Aber das ist eine andere Geschichte…

 

 

 

 

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Ein Kommentar

  1. kuechenreise · Mai 8, 2012

    Sehr schöner Bericht!Wart ihr denn trotz verschwundener und wieder aufgetauchter Flasche dann noch in der Bar im Sofitel? Wie hat es Euch dort gefallen? Unter der Woche problemlos, einen Platz zu bekommen?

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