To beef or not to beef – in Schöneberg

Es gibt Lokale, die haben ein schlechtes Karma. Alle zwei, spätestens drei Jahre eröffnet in ihren Räumen ein neues Lokal, daß vorhersehbar nach zwei, manchmal schon nach einem Jahr wieder schließt. Dann stehen die Räumlichkeiten einen Weile leer, bis sich ein neuer unweigerlich unglücklicher Gastwirt findet, der sie anmietet.

Man kann nicht immer genau sagen, woher das schlechte Karma kommt. Ist es der unsympathisch wirkende Eingang? Die niedrige Decke? Die komische Raumaufteilung? Oder doch nur die schon wieder schreckliche Speisenkarte auf der sich Eisbergsalat mit Dosenmais und Feta neben paniertem Schweineschnitzel mit Pommes tummelt? Ein konzeptloser Inder folgt dem konzeptlosem Italiener der mal ein Grieche war.

Nur ein guter gastronomischer Wurf, gepaart mit Mut und Fantasie, basierend auf einem interessantem Konzept kann es schaffen, das gastronomische Unglück solcher Lokale zu durchbrechen.

Das nicht mehr ganz ganz brandneue To beef or not to beef hat es in der Akazienstraße 3 hoffentlich geschafft.

Es ist ein italienisches Restaurant. Eigentlich. Aber keine Pizza, keine Pasta nirgends. Fleisch, es geht um Fleisch. Um Rindfleisch, der Name sagt es schon. Und mit diesem originellen Konzept ist man schon in aller Munde und vor allem in der Presse. Das gutes Rindfleisch auch aus Italien kommen kann, ist Hierzulande auf der Bewusstseinsskala nicht allzuweit oben.

Klar gibt es in Italien Kühe. Die müssen ja auch den Parmesan machen für die Pasta und die Mozzarella für die Pizza. Aber gutes Rindfleisch ist bislang gefühlt eher in Italien geblieben, für den genußreichen Verzehr der glücklichen Italiener. Damit ist jetzt Schluss!

In dem bislang karmatechnisch glücklosen Räumen in der Akazienstraße weht ein frischer Wind und er trägt den Duft frisch gegrillten Rindfleischs in unsere Nasen. Ein bisschen Schwein ist auch dabei.

Bistecca alla fiorentina entpuppt sich als ein gegrilltes T-Bone Steak, ganz im Trend der neuen Fleischkultur. Und Panzanese ist ein Stück aus dem Schenkelinnerem, sehr zart, sehr saftig. Natürlich vom biologisch und artgerecht gehaltenen Rind aus der Toskana. Der Lieferant ist die Antica Macelleria Cecchini ein altehrwürdiger Fleischerbetrieb, den Jamie Olivier natürlich auch schon entdeckt hat.

Meine reizende Begleitung wählt einen der Burger, ja einen quasi italienischen Burger! Aus dem Land der Slow Food Bewegung! Das Burgerbrötchen lässt wie so oft auch bei ambitionierten Burgern ein bisschen zu wünschen übrig und ist auf der pappigen Seite, aber sonst hätte mamma mia wohl nix zu meckern. Sfatig, gut gewürzt, gute Sauce, gute Pommes.

Preislich bewegt sich das Ganze in einem angemessenen Rahmen, nicht günstig, aber ok. Die Bedienung ist freundlich, das Publikum unangestrengt schönebergerisch.

Auch räumlich habe die italienischen Inhaber viel bewegt. Die Decken sind zwar immer noch niedrig, aber die Einrichtung ist Großstadt, ist Berlin und lässt das schlechte Karma vergangener Tage vergessen. Also: Bravo!


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