Eingelegte Artischocken – Weihnachtsgeschenke aus der Verweigerung

Irgendwann im Herbst macht es Klick und dann weiß ich, ob ich Lust auf Weihnachten habe oder nicht.

Lust auf Weihnachten heißt, fröhlich einzutauchen in den ganzen Wahnsinn, am 1 Advent irrsingsmengen an köstlichen Plätzchen mit der Schwester zu produzieren, tagelang Festmenus zu planen, eine ausgeklügelte Familien- und Freundebesuchslogistik zu entwickeln, zur Oma zum Honigkuchenbacken zu fahren, für jeden das richtige Geschenk zu finden, passende Strumpfhosen zu allen Kleidern zu haben, mindestens vier Weihnachtsmärkte zu besuchen, erheblich zum Glühweinkonsum beizutragen und irgendwie alles gut gelaunt zu überstehen.

Keine Lust auf Weihnachten zu haben und trotzdem mitzumachen heißt, am ersten Advent schon kein Bock auf Plätzchenbacken zu haben und sie alle verbrennen zu lassen, die Festmenus anderen zu überlassen, nur die notwendigsten Besuche anzutreten, zur Oma zum Honigkuchenbacken zu fahren und keinen zu backen, für jeden ein unpassendes Geschenk zu kaufen, die schönen Strumphosen beim Anziehen zu zerreissen und dann doch in Jeans unterm Weihnachtsbaum zu sitzen, beim ersten Weihnachtsmarktbesuch die Krise zu kriegen, dramatisch zum Glühweinkonsum beizutragen und irgendwie alles zu überstehen, in der Hoffnung im neuen Jahr wieder gute Laune zu bekommen.

Ein bisschen Weihnachten gibt es scheinbar nicht. Jedenfalls nicht, wenn es Spaß machen soll. Dieses Jahr hat es im Herbst Klick gemacht und als ich wusste, ich habe keine Lust auf Weihnachten, habe ich mir eine neue Strategie überlegt: den Weihnachtsverweigerungsmodus. Einfach alles zu ignorieren, niemanden zu besuchen und über Weihnachten wegzufahren.

Das ist schwerer als gedacht. Zum einen ist man im wesentlichen alleine. Es gibt natürlich andere Weihnachtsverweigerer. Aber Weihnachtsverweigerungsstategien müssen zwangsläufig eine sehr persönliche, private Angelegenheit sein. Das liegt in der Natur der Sache. Weihnachten ist kollektiv. Und wenn man kollektiv Weihnachten verweigert, schleicht sich Weihnachten durch die Hintertür wieder ein. Ein Abendessen an Heiligabend mit Freunden ist eben ein Abendessen an Heiligabend. Es drohen Gänse, Geschenke und Kerzen. Und Strumpfhosen.

Zum anderen gibt es einfach Dinge, denen man sich dann doch nicht verweigern kann, ohne sich komplett herzlos zu fühlen. Der Besuch bei der Oma zum Honigkuchenbacken. Den Eltern ein Päckchen zu schicken. Und guten Freunden eine Kleinigkeit zu schenken. Langjährige Konditionierung hat ihre Folgen.

 

Und jetzt zum Eigentlichen. Der Exkurs ist etwas länger geworden, als geplant. Offensichtlich ist mein innerer Rechtfertigungsdrang auch größer, als geahnt. Also und jetzt zum Eigentlichen.

Das Rezept für eingelegte Artischocken.

Man nehme zarte, junge Artischocken. Die dünnen länglichen aus Italien. Ich habe meine wunderbaren Artischocken über erstklassigen Connections bekommen. Pro geplantes Glas sollte man drei bis vier Stück rechnen. Man schneidet den Stiel und die harten unteren Blätter großzügig ab. Genauso wie die harten Spitzen. Dann kocht man die Artischocken ca 25 Minuten in sprudelndem sehr salzigem Salzwasser. ich beschwere sie immer mit einem kleinen Topfdeckel damit sie alle schön unter Wasser bleiben. Wenn sie weich sind giesst man sie ab und lässt sie in einem Sieb gründlich abtropfen. Dann legt man sie mit der offenen Seite nach unten auf ein Küchenhandtuch um sie möglichst gut auszutrocknen.

In einem großen Topf erwärmt man ca 1 liter gutes Olivenöl (die Menge hängt ein ein bisschen von der Größe der Gläser ab. Ich habe sechs Gläser damit befüllt. In das Olivenöl gibt man alle Geschmacksträger der Wahl. Hier gibt es unendliche Geschmakskombinationen. Ich habe mich für Pfefferkörner, Knoblauchzehen und Lorbeer entschieden. Sehr klassisch. Es passen auch: Chilis, Thymian, Oregano, Orangen oder Zitronenschalen (BIO!)….. Man lässt alles zusammen im lauwarmen Olivenöl ziehen, das aber keinesfalls richtig heiß werden darf!

In der Zwischenzeit schaut man sich jede Artischocke einzeln an, entfernt noch hartgebliebene Aussenblätter und schneidet eventuell zu harte Spitzen mit einem sehr scharfen Messer ab.

Die Artischockenherzen werden geviertelt und nochmal zum Trocknen auf Küchenpapier gelegt. Dann alle Artischockenviertel in das Gewürzöl geben und vorsichtig umrühren. Wichtig ist, dass das Öl in alle Artischockenzwischenräume dringt, um die Artischocken bestmöglich zu konservieren.

Die Artischocken und Gewürze gerecht in heiß ausgespülte, aber trockene Gläser verteilen. Mit dem Öl auffüllen. Evtl. mehr Öl dazu benutzen, wenn die Artischocken nicht komplett bedeckt sind. Das ist ganz wichtig! Die Artischocken ggf. etwas andrücken, damit sie wirklich komplett bedeckt sind und nicht irgendwelche Spitzen auftauchen. Gläser verschliessen und verschenken.

Als Haltbarkeit ein bis zwei Monate angeben. Aber eigentlich sollten sich die Konserven gut ein Jahr halten, wenn alles gut mit Öl bedeckt ist….

Ein Glas behalte ich. Und damit mache ich im Januar Pizza oder Pasta. Für die gute Laune. Und um den Winterspeck zu konservieren.

 

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