Unfreiwillig aber gut – Lamminnereien und Politik zum Frühstück

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Seit drei Tagen bin ich nun in Istanbul und es gibt so viel zu berichten. Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll. Was eigentlich daran liegt, daß ich aus lauter laisser faire laune zu spät anfange zu berichten und jetzt quasi mental im kulinarischen Berichtungsstau stecke. Hier eine reizende kurze Anekdote zum Anfangen. Für euch und für mich. 

Unweit von meinem B&B direkt am Fusse des Galata Turms befindet sich meine morgendliche Rettung: das Lavazza Café. Wie die folgenden Zeilen zeigen werden, bin ich wirklich niemand, der vor einheimischen kulinarischen Attraktionen zurückschreckt. Aber jeder der mich kennt, weiss auch, daß ich morgens nicht in der Lage bin, ohne ein bis zwei Latte Macchiatos zu funktionieren. Einigen globalisierten Annehmlichkeiten wie eben z.B. einem guten Latte kann ich deswegen nicht widerstehen. Ich bin nur froh, dass es sich um einen Lavazza Latte handelt und ich nicht zu Starbucks muss (ja ich hätte es auch in Istanbul getan! Schande über mein Haupt).

Jedenfalls sitze ich vormittags genüsslich bei meinem Latte und beobachte die Geschenisse auf dem Platz vor dem Galata Turm während ich nebenbei mit meiner Istanbul Karte den Tag plane. Mittlerweile bekomme ich den Latte schon unkommentiert serviert und der Stuhl zu meinem Lieblingsplatz wird zurechtgerückt, sobald ich das Lokal betrete. Herrlich, oder? Nach nur drei Tagen?

Jedenfalls sehe ich von meinem Lieblingsplatz aus jeden Tag diesen reizenden älteren Herrn mit seinem Imbisswagen aus Edelstahl vorfahren. Er stellt sich immer auf dieselbe Stelle, klappt einen Deckel hoch und zum Vorschein kommen appetitliche Fleischrollen auf einem Grill. Innerhalb kürzester Zeit hat er die ersten Kunden, Männer in Arbeitskleidung und Männer in Anzügen (Frauen essen in der Türkei nicht so oft auf der Strasse) die alle genüsslich einen mit Abschnitten aus diesen appetitlichen Fleischrollen gefüllten Sandwich verzehren. 

Nachdem ich nicht nur aus budgetären Gründen meine reise nach Istanbul unter das Thema „Street Food“ gestellt habe, ist mein Ehrgeiz geweckt. Ich will auch so einen mit diesen appetitlichen Fleischrollen gefüllten Sandwich essen! Gesagt, getan. Nach zwei Latte fühle ich mich gestärkt genug, um ein Street Food Frühstück einzunehmen.  Der reizende Sandwichverkäufer (habe ich schon seinen riesigen Schnurrbart erwähnt?) ist genauso begeistert von mir wie ich von ihm. Wir verstehen uns blendend. Natürlich darf ich seinen Grill fotografieren und für das Foto dekoriert er ihn noch schnell mit einigen Tomaten. Das nenne ich Grillerstolz!

Innerhalb kürzester Zeit haben wir geklärt, dass ich nicht nur fotografieren, sondern auch einen Sandwich möchte und daß ich aus Deutschland bin. Jetzt wird es Ernst! Der reizende Sandwichverkäufer wackelt mit seinem Schnurrbart, schaut mir tief in die Augen und gurrt: Angela Merkel! Für eine Millisekunde bin ich trotz des Gurrens verunsichert. Ist Angela Merkel gut oder schlecht hier? Sie ist gut! In Spanien in den 70igern und 80igern aufgewachsen, bin ich es gewohnt, bei der Offenbarung meiner Nationalität immer mit Adolf Hitler in Verbindung gebracht zu werden. Francos Kollege sozusagen. Immer sehr peinlich! Was soll man da sagen? Wie froh war ich heute morgen, als Angela Merkel mir geholfen hat, mit dem reizenden Sandwichverkäufer Freundschaft zu schliessen? Egal wie ich im Detail zu Angela Merkel stehe, es war definitif nicht peinlich.

Politik beiseite,  ich habe den Grill fotografiert und mein Sandwich in Empfang genommen. Der Sandwichverkäufer warf sich mehrfach an die Brust und strich sich über den Schnurrbart. Später wurde mir klar, daß er auch fotografiert werden wollte. Ich bin nur so schüchtern damit, Menschen zu fotografieren. Deswegen habe ich das nicht begriffen. Deswegen gibt es bedauerlicherwiese hier keine Fotos von ihm. 

Mein Sandwich war hervorragend. Sehr würzig in knusprigem Brot. Einige Fleischteilchen waren ein minibisschen zäh. Später wurde mir klar, dass es sich um kokorec handelte, um Lamminnereien. Das hatte ich noch nie zum Frühstück!

 

 

 

 

 

 

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