Gute Eier – Schöne Eier

Wenn man das Glück hat, hühnerhaltende Menschen zu kennen, bekommt man manchmal gute Eier mitgebracht. Eier die nach Ei schmecken und nicht nach Fisch oder Paprika. Und die ausserdem wunderschön sind. Unregelmässig groß, gesprenkelt, marmoriert und jedes hat eine andere zarte Farbe. Echter Hühnerdreck ist auch noch dran. Schöner gehts nicht.

Besonders froh bin ich über Eier vom Zweinutzungshuhn. Zugegeben, der Name ist grauenvoll pragmatisch. Nüchterner kann die Deutsche Sprache kaum klingen. Aber die Herangehensweise in der Hühnerzucht ist noch grauenvoll pragmatischer. Die Sache ist die:

Es gibt Hühnerrassen die aufgrund ihrer tollen Eierlege-Gene fast jeden Tag ein Ei legen. Andere Hühnerrassen legen viel weniger Eier, werden aber dafür ganz schnell ganz schön fett. Für die moderne Hühnerhaltung werden also unterschiedliche Rassen gezüchtet; die einen zum Eierlegen. Die anderen zum Mästen und Schlachten.

Interessant zu Wissen ist auch, dass alle so gezüchteten Hühner Hybride sind. Also sich gar nicht Fortpflanzen können oder sollen, weil sich ihre tollen Gene nicht immer genauso toll vererben. Das heißt der Landwirt/Geflügelwirt muss sich auch immer wieder neue Küken kaufen, von der kükenproduzierenden Industrie.

Das ganze System ist ja schonauf den ersten Blick ziemlich pervers mit diesen armen auf Hochleistung gezüchteten Tieren, die nie ein Spaß an der Freude haben dürfen. Auf den zweiten Blick offenbart sich aber noch ein ganz anderer Schönheitsfehler im System! Bei den Hühnerrassen die als Legehennenmaschinen eingesetzt werden, legen eben nur die Legehennen Eier. So ist es nunmal.

Es schlüpfen aber bei der legehennenproduzierenden Kükenindustrie auch männliche Küken. Dieses natürliche Phänomen scheint man noch nicht unter Kontrolle gebracht zu haben. Dabei wäre es für die männlichen Küken wirklich besser, sie würden gar nicht erst schlüpfen. Denn nach dem Schlüpfen werden sie geschreddert. Als Legehennen habe sie naturgemäß keine Zukunft und als Masthähnchen auch nicht, weil sie nicht so schnell Fleisch ansetzen wie die speziell darauf gezüchteten Masthühnerkollegen. Also weg damit. Das ist auch in der Bio-Hühnerzucht so.

Deswegen haben sich engagierte Tierschützer und Landwirte auf eine Zeit vor diesem ganzen Wahnsinn bedacht, als noch Hühnerrassen auf Bauerhöfen gehalten wurden, die ganz gut im Eierlegen waren und auch ganz gut im Fleischansetzen. Ganz gut beim Eierlegen heißt eben nicht jeden Tag ein Ei, sondern vielleicht nur alle zwei Tage. Das sind dann nur die Hälfte der Eier, die der Landwirt verkaufen kann. Auch ganz gut beim Fleischansetzen ist ein Huhn, wenn es erst nach 90 Tagen schlachtreif ist und eben nicht schon nach nur unglaublichen 30 Tagen.

Dass weder Eier noch Hühnchen dann superbillig sein können, ist ziemlich einleuchtend. Wenn man aber mal die rellen Preise für Hühner und Eier zahlt, kommt man als Normalschlechtverdiener auch automatisch zu einem extrem sinnvollen Essverhalten: Weniger Hünhchen und Eier essen, aber dafür besonders Gute! Das ist ein kleiner Beitrag gegen die kranke Hühnerindustrie.

Als Zweinutzungshühner werden derzeit alte Rassen wie das Sulmtaler Huhn oder die französischen Bressehühner wiederentdeckt und in vielen regionalen Projekten wie das Brandenburger Ei-Care artgerecht gehalten. Klar, am Ende sterben sie auch alle, die Zweinutzungshühner. Aber nach einem hoffentlich würdigen Leben als Hahn oder Henne ausserhalb eines wahnsinnigen Hochleistungszuchsystems.

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4 Kommentare

  1. Cindy · Januar 28, 2013

    Hey dein Blog schaut richtig gut aus. Kann man dich eigentlich auch unter einer Email Adresse erreichen?

  2. berlin tidbits · Januar 28, 2013

    hey danke! du erreichst mich unter post@tidbts.de. cheers cathrin

  3. berlin tidbits · Januar 28, 2013

    äh falsch post@tidbits.de

  4. berlin tidbits · Januar 28, 2013

    äh falsch post@tidbits.de

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