Die Rohvolution® – Von Urkraft und Lichtenergie

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Dieses Jahr ist Rohkost dran! Glaub ich wenigstens. Nachdem ich im vergangenen Jahr einen vegetarischen und einen darauffolgenden veganen Monat ganz gut und mit nur wenig Schummelei (diese vorwiegend im veganen Monat) überstanden habe, liebäugele ich in diesem Jahr damit, mich einen Monat roh zu ernähren. Ganz sicher bin ich mir noch nicht.

Meine Ernährungsexperimente im vergangenen Jahr haben mich weder glücklicher, noch schlanker oder fitter gemacht.Wahrscheinlich war das auch zuviel verlangt von nur zwei Monaten. Aber man liest soviel über angebliche Erweckungsergebnisse nach einer Ernährungsumstellung, dass ich schon eine gewisse Erwartungshaltung hatte. Doch das einzige was im vegetarischen Monat Februar 2012 bei mir erwachte, war eine bis dahin unbekannte Lust auf Käse. Das entsprach zwar nicht meinen Vorstellungen von einer leichten und beschwingten vegetarischen Ernährung, war aber auch nicht dramatisch, denn Käse durfte ich ja essen. Der nahende vegane Monat jedoch verursachte in mir eine leichte Panik. Wie sollte ich es ohne Fleisch, ohne Milch und ohne die Befriedigung meiner neuen Käsesucht aushalten? Aus der Retrospektive betrachtet, war ich völlig zu Unrecht panisch.

In meinem veganen Monat März 2012 war ich sehr viel unterwegs.  Das erschwert die vegane Ernährung ungemein. Es ist fies, wenn man jedesmal in einem Restaurant darum bitten muss, mit dem Koch zu sprechen, um zuverlässige Informationen darüber zu erhalten, ob im Risotto Butter drin ist (quasi immer), oder in der Selleriesuppe Sahne (quasi auch immer). Daran, dass man durch das Stellen dieser Fragen als Megazicke kategorisiert wird, gewöhnt man sich im Laufe der Zeit nur ein ein Minibisschen. Deswegen habe ich den veganen Monat der Einfachheit so gehandhabt: war ich zu Hause, gab es einen Gemüseeintopf oder einen Tofuburger (ich liebe Burger) . War ich unterwegs, gab es Falafel oder Pommes mit Ketchup (Achtung Ketchup ist nicht unbedingt vegan, der verwendete Essig könnte mit tierischem Eiweiss geklärt sein, oder der eingesetzte Zucker mit Tierkohle entfärbt) (Mit Fragen danach kann man garantiert JEDEN Imbissbudenbesitzer in den Wahnsinn treiben). Da ich sehr viel unterwegs war, habe ich sehr viel zugenommen. Diese Kilos habe ich danach durch den Verzehr von Steak mit Salat, Fisch mit Salat oder Hühnchen mit Salat wieder verloren.

Nun also Rohkost. Geplant hatte ich den Juni oder Juli, in der Annahme es sei bis dahin warm und das Gemüse schmackhaft. Angesichts der derzeitigen Wetterlage scheint mir August ein sichererer Monat zu sein.

Um mich auf die bevorstehenden Freuden und Schwierigkeiten der Rohkosternährung besser vorzubereiten, habe ich mich vor zwei Wochen in reizender Begleitung  auf diiiieeee ultimative Rohkostmesse, die Rohvolution® begeben.

Gerne würde ich kohärent von den Erfahrungen dieses Besuchs berichten. Was das schwierig macht ist, dass es offensichtlich nicht ein Verständnis von Rohkost gibt, sondern viele.

Naiverweise dachte ich, Rohkost basiere alleine darauf, Lebensmittel in ihrer unveränderten Form (roh) zu sich zu nehmen und dadurch unglaublich viel für die eigene Gesundheit, schlanke Linie und gesunde Ausstrahlung zu Tun. Aber es ist viel komplizierter! Z.B. darf man kein Fleisch essen. Dabei liebe ich Sashimi und Steak Tartar! Das ist doch roh, oder was? Dann habe ich nochmal ein bisschen über das Ganze nachgedacht und festgestellt, dass ich nichtmals Kaffee oder Tee trinken darf. Puh wie soll das gehen? Naja das ist nur eine der Grundlagen.

Insgesamt scheint es aber viele Rohkost-Strömungen mit unterschiedlichen Philosophien zu geben. Eines haben sie gemeinsam. Schräge und nicht immer wissenschaftlich belegte Aussagen werden durch ein extrem verschwurbelstes Deutsch mysteriös verbrämt. Hier eine kleine und natürlich nicht vollständige Kategorisierung;

Rohkostadepten älteren Semesters schwören auf die sogenannte Urmethodik. Hier geht es darum gute, unveränderte, naturgemäße und pflanzliche Frischkosternähung (Urkost) mit täglicher Bewegung in der sonnigen, von Menschen unbeeinträchtigten Natur (Urtraining)  zu verbinden. Das scheint mir ein hehres Ziel zu sein. Sicherlich mit einer leichten Reminiszenz an unsere Vorfahren die Menschenaffen. Dazu habe ich folgendes Zitat aus der Messezeitung: „Wir sollten uns bewusst machen: die Natur gab es schon lange bevor wir Menschen kamen, sie musste nur wiederentdeckt werden.“ In dieser Argumentation habe ich mich so ein bisschen verloren.  Es ist wunderschön und beruhigend zu wissen, daß es die Natur offensichtlich länger als den Menschen gibt. Es gab also die Natur und dann kamen wir Menschen. Was dann geschah ist unklar, führte aber eindeutig zum Verlust der Natur. Sehr traurig. Man kann nur vermuten, dass der Verlust der Natur mit falscher Ernährung zu tun hatte. Das lässt sich aber alles mit der Urmethodik korrigieren. Wenn ich nur nicht in Berlin leben würde. Dann würde mir das Urtraining in der von Menschen unbeeinträchtigten Natur sehr sehr viel leichter fallen. Es gibt auch noch etwas Irritierendes: es ist nicht zu übersehen, daß die vor Ort anwesende Urvertreterin der Urmethodik gefärbte Haare hat. Ist das wirklich vorgesehen in der Urmethodik?

Sehr esoterische Rohköstler müssen  Angst vor Leitungswasser haben. Hier ein weiteres Zitat aus dem Vortragsprogramm der Rohvolution®: „Fluor über das Leitungswasser zu sich genommen, schaltet langsam aber sukzessive den freien Willen des Menschen aus.“ Das ist wirklich sehr erschreckend!! Ich trinke schon lange Leitungswasser, weil ich viel zu bequem bin, Wasserkisten in meine Wohnung zu schleppen. Wer weiss wie lange ich schon keinen freien Willen mehr habe? Jedenfalls kann ich offensichtlich eindeutig nichts für die letzen faux pas in meinem Leben! Kann sich  das bitte kurz mal jeder Betroffene vergegenwärtigen? Und wer kann mir verraten, wer mich jetzt aktuell beherrscht? Gibt es einen FluorDiktator der meinen freien Willen ausgeschaltet hat?

Sollte es allzu schlimm werden, gibt es doch Hoffnung! Bei dem Besuch des Leber- und Gallenreinigungsseminars werde ich über die sicherste und natürlichste Form für ein  größtmögliches Ausscheidungsergebnis ganz ohne Chemie infomiert. Man sollte doch wohl meinen, daß ein größtmögliches Ausscheidungergebnis auch mit dem willenausschaltendem Fluor fertig wird? Idealerweise wird der Fluor ausgeschieden und ich habe meinen freien Willen wieder. Gottseidank.

Es gibt auch positive modernere Ansätze bei der Rohvolution®, ganz ohne Angst. Zitat aus dem Grußwort der Aussteller: „Der Sinn dieser Veranstaltung ist es zu zeigen, dass der Blick bezüglich Rohkost nicht zurück in das Steinzeitalter, sondern vorwärts in eine evolutionäre, freundliche lichtvolle Zukunft geht, mit mehr Möglichkeiten und wo auch mehr Potential freigesetzt werden kann.“ So hatte ich mir das ehrlich gesagt auch vorgestellt. Wenn ich an eine freundliche lichtvolle Zukunft denke, kommt wirklich Freude auf, zumal wenn ich mir angesichts des skandalösen Osterwetters erlaube, das Wörtchen „warm“ hinzuzufügen. Eine Zukunft wo auch mehr Potential freigesetzt werden kann, ist ebenfalls willkommen. Richtig glücklich macht mich das Grußwort an anderer Stelle: „…Das bringt mit Sicherheit Licht ins Leben und befähigt, gewünschte Emotionen zu beflügeln. Mit anderen Worten man hat nicht nur Glück, sondern man ist Glück.“ Da wünschte ich doch, es wäre schon Sommer und mein freier Wille und ich, wir könnten einen glücklichen Rohkostmonat starten.

Apropos freier Wille. Die sog. Rohkost-Kids standen dieses Jahr im Focus der Messe. Denn Rohkost-Kids sind glücklich. Das ist auch wirklich wünschenswert. Ob meine Kindheit auch glücklich verlaufen wäre, wenn meine Mutter mir rohe Kohlrabi-Stifte  mit Würz-Hefeflocken anstelle von Pommes frites zubereitet hätte? Von Kochen kann man da ja nicht reden. Allerdings gab es bei meiner Mutter auch nie Pommes. Meine Mutter ist Siebeck-Fan der ersten Stunde und bei ihr gab es Herz und Zunge. Nicht roh versteht sich. Sie kaufte mir auch Vorzugsmilch. Wahrscheinlich weil sie nicht wusste, das Edelkastanienmilch ein Geschenk der Natur und überhaupt das Beste für Kinder ist. Ich argwöhne manchmal auch, dass „unser“ Milchkonsum überzogen und von der Milch und Latte MacchiatoIndustrie ferngesteuert wird. Folgende Argumentation überzeugt mich allerdings auch nicht: „In der Natur ist es nicht vorgesehen, dass ein Tier oder ein Mensch artfremde Milch trinkt.“ Der Natur einen evolutiönären Willen oder besser noch eine klare Intention bezüglich unserer Ernährung unterzuschieben, finde ich bedenklich. Wer weiss schon was die Natur vorgesehen hat, bzw. ob sie überhaupt etwas vorgesehen hat? Und andersherum gefragt, wenn die Natur es nicht vorgesehen hätte, würden wir es dann tun? Oder sind wir alle vom Fluor fremdgesteuert (s.o)? Und wenn man päpstlicher als der Papst ist (was das bei dem neuen Papst bedeutet, bleibt ja abzuwarten), gehören dann Edelkastanien nicht dem sie mit einer klaren Fortpflanzungsintention produzierenden Baum? Wir nehmen ihm doch all die kleinen Edelkastanienbäumchen weg, die aus seinen Früchten entstehen könnten. Das ist doch auch herzlos.

Es gibt natürlich nicht nur schräge Geschichten zu Berichten. Aber das sind die Lustigsten. Wir haben viele gute Öle probiert, z.B. Leinsamenöl aus der Region und sehr gutes griechisches Olivenöl von Vita Verde. Die Tapenaden haben auch sehr gut geschmeckt. Der Käse aus Cashewkernen von Happy Cheeze ist interessant. Es gab schöne Gewürze und wirklich leckere Schokolade von Lovechock. Die veganen Pralinen und das Eis von Booja-Booja sind sowieso sensationell. Interessant sind auch die ganzen Blender und Saftpressen, denn ein wichtiger Teil der Rohkosternährung spielt sich offensichtlich flüssig ab. Da braucht man schon die richtige Maschine, um die Lichternergie nicht zu zerstören!

Und nun zu den Fotos! Bei so einem Messebesuch bekommt man ja bekanntlich Hunger. Wir haben gegessen und fotografiert:

Einen sehr schmackhaften Grünkohlsalat, allerdings serviert in einer nicht recyclebaren Plastikbox zusammen mit einer Plastikgabel.

Eine Sonnenblumenfrikadelle, gedörrt. Sie schmeckt so wie gedörrte Sonnenblumenkerne eben schmecken.

Körnercräcker als Brotersatz. Gedörrt. S.o.

Kelp-Nudeln Thai-Style. Kelp Nudeln werden aus Algen gemacht und sind noch geschmacksneutraler als Glasnudeln. Hier wurden sie mit sehr wenig Kokossauce, viel roher roter Paprika und Petersilie (???) zubereitet. Thailänder würden sich wundern.

Ein Stück Schokokuchen. Ein bisschen matschig in der Konsistenz, aber wirklich nicht schlecht im Geschmack. Wie roher Kuchenteig eben.

Eine Kugel Kokos-Booja-Booja Eis. Nicht fotografiert, weil das Eis so lecker ist und ich das Foto vergessen habe.

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