Burger in der Bullerei von Tim Mälzer

Neulich, es ist wirklich schon eine Weile her, da war ich mal in Hamburg. Ich war auf der Internorga, der Gastrovision, dem angeblich innovativen Branchentreff für Visionäre, und der Gastropremium Night, ein lustiger Abend der Selbstbeweihräucherung für Gastronomen. Und weil ich schon mal da war, bin ich auch im schönen Hamburg rumgerannt, habe Fotos gemacht ( http://www.fotoklubneukoelln.wordpress.com ) und eine kleine Hafenrundfahrt und das ein oder andere gegessen. Weil jeder mittlerweile weiss, das ich so gerne Burger esse, hat man mich zum Mittagessen in die Bullerei geschick. Die Bullerei ist das inzwischen nicht mehr ganz sooo neue Restaurant von Tim Mälzer und einem Partner.

Gegen Fernsehköche verspüre ich ja eine milde bis heftige Abneigung, je nachdem wie sehr sie sich für die Show verbiegen. Am schlimmsten finde ich die wilden Köche, an denen die Tatoos aussehen wie Abziehbilder und deren Punkfrisuren und/oder Gesichtsbehaarung nichts aber auch gar nichts gegen ihr spießiges Aussehen und Auftreten ausrichten können. Im Rahmen meiner Abneigungsskala hege ich für Tim Mälzer fast noch eine leichte Sympathie. Immerhin hat er zugegeben wie hart ihm das ganze hohle Kochshowbusiness zugesetzt hat. Dazu gehört eine gewissen Größe oder eine große Verzweiflung. Beides sympathisch.

Nun hat er da also in Hamburg diese Bullerei aufgemacht und ich bin burgerhungrig hin. In den zum Restaurant umgebauten historischen Viehhallen wird verständlicherweise viel Fleisch serviert. Tagsüber im sog. Deli ist der Burger eines der prominentesten Gerichte auf der Speisenkarte. Laut Karte ist das Hackfleisch vom Landwerthof, der liegt im Nordosten Deutschlands, am Greifswalder Bodden, gegenüber von Rügen. Dort leben Rinder und Schweine in Freilandhaltung und wenn ihre Zeit gekommen ist, werden sie vor Ort möglichst stresslos geschlachtet und verarbeitet. Ich war dort auch schon. Die Anlage vom Landwerthof mit Hofladen und Restaurant und Garten liegt in Stahlbrode und ist sehr großzügig und merkwürdig aseptisch. Es ist alles gut geplant, aber emotionslos. Mich lässt die Anlage kalt. Und ich habe dort leider den schlechtesten Burger meines Lebens gegessen. Dazu vielleicht ein andermal mehr. Jetzt zurück nach Hamburg.

Die Bullerei mag ich sofort. Das Gebäude hat ein gutes Karma, die Einrichtung im verwahrlosten Industrie/Loft/CoolerHamburg Stil ist bis ins letzte Omazuckerdosendetail gelungen und das karobehemdete Personal ist sehr freundlich. Dann bestelle ich ein Astra und ein Hamburger. Der Laden ist voll mit jung und alt, Einheimischen und Touristen, aber ich muss auf beides nicht lange warten. Das Astra ist ein Astra und der Burger ist ein Burger. Aber während ich beim Astra natürlich keine Beilage erwartet habe, irritiert es mich beim Burger ihn so quasi nackt auf einem großen Teller serviert zu bekommen. Da fehlt schon optisch was. Ich bin enttäuscht. Gar keine Pommes? Ein Blick zurück in die Karte bestätigt mir. Sie stehen nicht drauf. Trotzdem bin ich enttäuscht. Darüber denke ich jetzt ein bisschen nach. Denn ich bin nicht enttäuscht, weil ich sie essen möchte, sondern weil ich sie liegen lassen möchte. Ein bis zwei hätte ich probiert, vielleicht auch wenig mehr, um mich zu vergewissern, dass sie gut sind. Dann hätte ich sie mit einem Seufzen nicht weiter angerührt und meinen Burger im guten Gewissen genossen, dass ich ja die Pommes liegen lasse. Ja, so funktioniert meine Essenspsyche. Wahrscheinlich bin ich gar nichtmal so alleine damit. Nun liegt also nur der Burger auf meinem großen Teller und ich weiß, ich werde ihn aufessen.

Im Zuge dieses ganzen lobenswerten Burgertrends mit guten Buns, herkunftsausgewiesenen Patties und anderen schicken Zutaten entstehen ja mittlerweile Burger, die zwar toll komponiert aber unmöglich zu essen sind. Der Burger in der Bullerei ist gut bestückt mit Tomaten, Farmersalat und Cheddar aber man kann sich trauen, ihn in die Hand zu nehmen. Das macht ihn sympathisch. Dennoch bin ich in Hamburg und nicht in Neukölln und deswegen nehme ich Messer und Gabel zur Hand. Ein bisschen schmälert das den Spass. Ich mag die Bullerei und ich will auch den Burger mögen. das gelingt mir aber nicht ganz. Das Brötchen ist gut, die Saucen stimmen, der Käse ist geschmolzen. ABER. Das (oder ist es der?) Patty stimmt nicht. Es ist sehr sehr durch und irgendwie knulpsig. Ihr wisst schon. Kleine Bröckchen bieten zu großen Widerstand zwischen den Zähnen. Schade ist das. Gerade in einem Laden, der so großen Wert aufs Fleisch legt. Da geht noch was! Na ja, die Bullerei mag ich ja. Beim nächsten mal probiere ich die Currywurst.

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2 Kommentare

  1. Arthurs Tochter · Juni 18, 2013

    Na endlich sagts mal jemand: Diese Dinger kann man mittlerweile normal gar nicht essen, ohne sich zu bekleckern wie ein Kleinkind. Und einen Burger mit Besteck? Ich weiß nicht, das passt für mich nicht zusammen. Den muss ich drücken, ein wenig quetschen und dann herzhaft abbeißen können. Dass mir ein Tomätchen am anderen Ende herausrutscht, ist dabei völlig ok. Aber mit dem Burgertrend wuchsen eben nicht nur die Qualität, sondern vor allem auch die Unhandlichkeit 😦

    • berlintidbits · Juni 18, 2013

      Burger mit Besteck ist echt voll doof. Ich kam mir vor wie meine Mutter 🙂

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