Love in a dish – von der wunderbaren M.F.K. Fisher

Mein letzter Beitrag zu „Jeden Tag ein Buch“ – eine Themenwoche für Blogger  von www.arthurstochterkochtblog.com

Die zahlreichen Kurzgeschichten, Essays und Rezepte von M.F.K. Fisher (geb. 1908, gest. 1991) sind mittlerweile Klassiker der nordamerikanischen Genussliteratur. Soweit ich weiß, ist sie die erste kulinarische Autorin die persönliche Anekdoten, Reiseberichte, Familienerinnerungen, Rezepte, Haushaltstipps, kulinarische Geschichte und soziokulturelle Betrachtungen zu immer spannenden, pointierten und lesenswerten Geschichten und Büchern verwoben hat.

Als ihre ersten Essays in den 30iger Jahren erschienen, unter anderem über ihren dreijährigen Frankreichaufenthalt, konnten es insbesondere männliche Kritiker nicht fassen, dass diese von einer Frau geschrieben sein sollten. Eine Frau die kenntnisreich über Wein schreibt? Unerhört! Eine Frau die Brillat Savarin nicht nur gelesen hat, sondern sein Werk „Die Physiologie des Geschmacks“ von 1826 auch gleich noch aus dem Französischen ins Englische übersetzt? Noch nie dagewesen! Eine Frau die ironisch die angeblich aphrodisierende Wirkung von Austern kommentiert? Geradezu skandalös!

Geprägt von ihrem Frankreichaufenthalt in den 30iger hat sie ihre Liebe zu gutem Essen und frischen Zutaten zurück in die USA gebracht. In ein Land in dem gerade die Frische zugunsten von Dosengemüse und dem aufkommenden Gerfrierwahn geopfert wurde. Ein Land, dem die Marketingkampagnen immer größer werdender Foodunternehmen und immer mächtiger werdender Foodlobbyisten einen bis heute irreparablen kulinarischen Schaden zugefügt haben. Dennoch wurde ihre Stimme gehört und ihr Werk vielgelesen und zitiert. Sie war Wegbereiterin für Julia Child und für Ruth Reichl und ich finde es wirklich bemerkenswert, dass ein kulinarisch so bedürftiges Land wie die USA drei so wunderbare Genussautorinnen hervorgebracht hat.

In einer Zeit des körperlichen Perfektionswahns, in der viele meiner Geschlechtsgenossinnen ein gelinde gesagt, eher gestörtes Verhältnis zum Genuss durch Essen entwickelt haben, weil ihnen ein ebenso gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper eingeredet wird, finde ich es beruhigend und ermutigend, dass es lesenswerte Genussliteratur von intelligenten, abenteuerlustigen und genussfähigen Autorinnen gibt, auch wenn sie betrüblicherweise etwas in Vergessenheit geraten sind.

„Love in a dish“ ist eine Auswahl ihrer beliebtesten Kurzgeschichten und Rezepte aus verschieden Jahrzehnten für die Serie „Great Food“ von Penguin Books. In meiner Lieblingsgeschichte gerät M.F.K. Fisher in der Nebensaison in ein Sternerestaurant im Burgund. Dort wird sie als einziger Gast von einer geradezu kulinarisch besessenen Kellnerin in Beschlag genommen und wird von ihr zum Genuss eines unglaublich köstlichen aber auch unglaublich umfangreichen Menus des im Hintergrund agierenden Sternekochs geradezu genötigt. Abwechselnd verzückt und verzweifelt, beschreibt die Autorin liebevoll die einzelnen Gänge und die skurrile Versessenheit der Kellnerin. Wunderbar! Es ist wirklich bedauerlich, dass es keine deutsche Übersetzung gibt!

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