gib mir craft (beer)

Das sog. Craft Beer Movement ist in den USA in den 80iger Jahren als Gegenbewegung zur Vereinheitlichung des Biermarktes entstanden. Während immer größere Brauereien immer langweiligere Biere produzierten entstanden in Küchen, Garagen und Hinterhöfen die sog. Microbreweries, Kleinstbrauereien, in denen amerikanische Männer (die sind in meiner offensichtlich vorurteilsbehafteten Vorstellung meist bärtig und tätowiert und tragen schwarze T-Shirts mit einem rockigen Spruch drauf)) ihre Freude am individuellen Biergeschmack austoben.

Kleine unabhängige Brauereien erobern mit ihrem Craft Beer in den USA ein gutes Stück vom Biermarkt zurück und es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass sich die USA in einem Art Craft Beer Rausch befindet. Wenn man bedenkt, was für ein große Geschmacksumstellung von einem Miller Lite zu einem hopfigen Pale Ale erforderlich ist, ist das ganz schön beachtlich.

Nun schwappt der Trend also zu uns nach Deutschland in das Land der geheiligten Braukunst und auch wir haben endlich die Gelegenheit von Becks und Konsorten auf IPA umzusteigen. Ich kann mir vorstellen, dass sich manch deutscher Braumeister aus der traditioneller Reinheitsgebotsschule höchst unwohl fühlt, bei dem Gedanken an die Möglichkeiten die sich einer mental unabhängigeren Braukunst bieten: Biere mit Früchten und Kräutern, im Fass gereifte Biere, gerauchte Biere der Braufantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Für einen Bierneuling ist es etwas verwirrend sich da zurecht zu finden. Allein die Sortenvielfalt ist überwältigend: mussten wir bislang nur zwischen Pilsner, Export, Alt Bier und Weizenbier unterscheiden kommen nun noch Sorten wie Ale, Stout, Porter, Lager mit ihren Hunderten von Untersorten hinzu.

Gottseidank gibt es für Bierliebhaber jetzt die neue Berlin Beer Academy die im Herbst mit Kursen und Workshops auch für Amateure Kurse für den Einstieg in den Biergenuss anbieten wird: http://www.berlinbeeracademy.de. Noch ist kein Kursprogramm online aber das wird sich hoffentlich bald ändern.

Beim Craft Beer Day in der Malzfabrik bekam man am vergangenen Wochenende einen guten Einblick in die deutsche Craft Beer Szene. Leider war es fürchterlich heiß und man konnte gar nicht soviel trinken. Ausserdem war ich mit dem Motorrad da. Selbst schuld ist schon klar, aber die Malzfabrik liegt leider etwas ab vom Schuss.

Eingestiegen bin ich mit einem Bier namens Zythos (dem altgriechischen Namen für Bier), das durch seine Zitrusnoten sehr sommerlich, frisch und knackig daherkam.

Von Crew aus München gab‘s ein Summer Beer, dass mir aber zu malzig und ein bisschen zu rund war.

Dann musste ich mich auch schon mit einem ausgesprochen guten Pulled Pork Burger von Foodpool stärken, den ich vor lauter Hunger vergessen habe zu fotografieren. Schade er sah auch sehr gut aus…

Beim Heidenpeter am Stand ( https://berlintidbits.wordpress.com/2013/02/12/heidenpeters-brauerei-hancraftet-beer-in-berl ) habe ich dann Fritz aus Bonn getroffen, der neben seinem FullTime Job bei der telekom noch Zeit findet bemerkenswerte Ales zu brauen. Die Biere beider Brauer nicht verpassen!

Nächstes Wochenende geht‘s dann gleich weiter mit dem Craft Beer Genuss. Auf dem Bierfestival auf der Karl Marx Allee bietet die Berlin Beer Academy im Craft Beer Pavillon einen Überblick über den amerikanischen Craft Beer Markt. Fast 100 Biersorten von 19 Brauereien! Klingt nach einer starken Aufwertung der Biermeile.

Bleibt nur noch die Frage: Was ist eigentlich Craft Beer? Tja das ist gar nicht so einfach zu definieren. Craft Beer wird von kleinen, unabhängigen Brauereien gebraut. Das dürfte Konsens sein. Meistens wird Craft Beer von Hand gebraut, das stimmt aber nicht immer. Hinter einem Craft Beer steckt meistens ein kreativer experimentierfreudiger Braumeister.
Tradition ist auch ein Wort, dass in Zusammenhang mit Craft Beer bemüht wird. Aber da Brautraditionen in jedem Land sehr sehr unterschiedlich sind, ist das auch kein sehr gutes Definitionsmerkmal. Mit deutscher Brautradition hat ein Chili Pale Ale nicht soo viel zu tun.
Bevor Craft Beer zum Trend wurde, wurde es hauptsächlich regional vertrieben. Auch das ist nicht mehr ganz richtig. Verabschieden wir uns also von einer allgemein gültigen Definition. Craft Beer ist einfach unabhängig, individuell und sehr sehr spannend.

Wir das CoCoNut Porter von Maui Brewing, dass ich noch im Kühlschrank hatte. Mit handgerösteter Kokosnuss!

Craft Beer Days: 27- 28.07. von 12:00 Uhr bis 21:00 in der Malzfabrik.
Craft Beer Pavillon auf dem 17. Bierfestival vom 02. bis 04.08 auf der Karl Marx Allee

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