Jeder Tag ist ein anderer Tag! ( Wie sexy kann Grünkohl sein?)


Je länger ich auf meinen BlogTitel starre, desto philosophischer wird mir zumute. Jeder Tag ist ein anderer Tag. Ich bin offensichtlich kurz davor, etwas ganz Großes zu schreiben. Ich werde mich ein bisschen mit der Veränderlichkeit der Zeit befassen, dann endlich verständlich erklären, warum die Zeit doch in alle Richtungen geht und schließlich dem Raum-Zeit-Kontinuum eine neue plausible Dimension verleihen. Spätestens in meiner Dankesrede für die Verleihung des Nobelpreises werde ich dann wohl den Grünkohl erwähnen müssen.

Neulich war nämlich der Tag des Grünkohls. Nein, nicht hier in Deutschland, in den USA! Dort ist Grünkohl extrem sexy und heißt deswegen nicht green cabbage oder so, sondern Kale. Kale aka Grünkohl wird in den USA nicht von Omas zu Eintöpfen mit fetten Würsten verkocht, nach deren Genuss zur Rehabilitation mindestens eine halbe Flasche Aquavit notwendig ist. Kale aka Grünkohl wird in den USA von sexy Ernährungsberaterinnen zu unglaublich gesunden Smoothies und Rohkostsalaten verarbeitet. Bei dem Gedanken an eine halbe Flasche Aquavit würden die sexy Ernährungsberaterinnen wahrscheinlich in Ohnmacht fallen.

Kale aka Grünkohl gilt in den USA als Superfood. Als Superfood bezeichnet man Lebensmittel, die über besonders viele hochkonzentrierte, für den menschlichen Körper extrem wichtige Inhaltsstoffe verfügen. Ich finde es nur natürlich, dass ein Land, dass Supermann hervorgebracht hat, auch Superfood glorifiziert. Aber ausgerechnet Grünkohl? Unseren Grünkohl?

Meine reizende und sehr betagte Oma ist der Ansicht, dass Grünkohl (bei ihr heißt er übrigens Braunkohl) nur genießbar ist, wenn man ihn blanchiert, hackt, durch einen Fleischwolf dreht, stundenlang in Wurstbrühe kocht und ihn dann mit Kartoffeln und Bregenwurst serviert. Bregenwurst ist eine Wurst, die früher mal aus Schweinehirn gemacht wurde. Heute ist das sehr zum Leidwesen meiner Oma verboten. Ich bin mir sicher, wenn meine Oma wüsste was Superfood ist und eines benennen könnte, wäre das Bregenwurst. Bei dem Gedanken an echte Bregenwurst würden die sexy Ernährungsberaterinnen aus USA wahrscheinlich spontan kotzen.

Das bringt mich auf den interessanten Gedanken, für meine Oma beim nächsten Besuch in Niedersachsen einen rohen Grünkohl-Smoothie zuzubereiten. Die Besuche bei meiner Oma führen mich nämlich in ein Zeit-Raum-Kontinuum der besonderen Art. Eine Stunde bei meiner reizenden und sehr betagten Oma fühlt sich an, wie ein ganzer Tag in Berlin. Damit die Zeit vergeht, werde ich extrem aktiv: Ich kaufe ein und koche und erzähle was das Zeug hält. Das versetzt uns beide regelmäßig in einen verwirrten aber auch glücklichen Zustand. Gefühlte Zeit. Vielleicht kann mir das mal ein Nobelpreisträger erklären.

Jedenfalls war also vor ein paar Tagen in den USA der Tag des Grünkohls. Und hier nicht. Ganz sicher möchte ich nicht, dass unsere schöne Grünkohl-Wurst-Aquavit-Tradition durch Kale-Smoothies ersetzt wird. Aber ein bisschen Aufmerksamkeit und mehr Popularität für den guten Grünkohl wären ja nicht schlecht?

Dazu sind diese Tage ja da. Vermarktung ist alles. Jeder hat etwas davon: Zeitungen berichten über die Hintergründe, Foodmagazine können wunderschöne Rezeptstrecken abdrucken, Foodblogger haben was zum posten, Restaurants richten ihre Tageskarte danach, Produzenten können für ihre Produkte werben….Alles wunderbar. Und es gibt immer mehr von diesen Tagen für Irgendwas. Jeder Tag ist ein anderer Tag. Vor Kurzem war zum Beispiel Kanelbullens Dag in Schweden. Kanelbullens sind keine schwedischen Rinder, wie der Name vielleicht vermuten liesse, sondern Zimtschnecken. Süß oder?

Ehrlich gesagt, ist das aber auch alles ein bisschen verwirrend. Wahrscheinlich sind bald alle Tage doppelt und dreifach belegt. Denn es gibt ja soviel zu bedenken! Angefangen hat das Ganze mit den Heiligen. Da hat auch jeder seinen Tag. Das war für die Namensfindung früher sehr wichtig! Wenn man das Pech hatte, am Tag des heiligen Aloysius geboren zu werden, hieß man eben Aloysius. Inzwischen hat man sich davon emanzipiert. Es gibt ja auch keine heilige Mandy. Dann kamen so wichtige Tage wie der Mutter- und der Vatertag dazu. Ganze Industrien leben mittlerweile davon!

Es gibt natürlich auch sehr bedeutende Tage wie den Welternährungstag oder den Weltfriedenstag. Im Recherchefieber habe ich einige weitere spannende Tage gefunden, nicht nur für Lebensmittel. Ja, es gibt den WeltToilettentag, den WeltNierentag und sogar den WeltDrogentag. Also ich meine nicht für Drogen sondern dagegen, bitte! Eines ist aber offensichtlich ganz sicher: Jeder Tag ist ein anderer Tag!

P.S. Ich weiß, dass auf dem Foto ist kein Grünkohl. Aber ich hatte nun mal keine Grünkohl Fotos…

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3 Kommentare

  1. casagusta · Oktober 23, 2013

    Moin,

    ich war vor 2 Wochen in Kanada und da hat auch eine Freundin Grnkohl roh als smoothie zubereitet. Eine von diesem Gesundheitsfanatikerinnen, die keinen Sport treiben und meinen, mit schlecht schmeckendem Essen knnten Sie das ausgleichen. Das riecht zum Kotzen. Probieren hatte sich damit erbrigt.

    Grnkohl geht nur a la Heinz Wehmann. Blanchieren, dann Zwiebeln anschmurgeln, gehackten Grnkohl rein, mit etwas Fond auffllen dann etwas Remouladenartiges dazu. Ich finde: ansonsten zu wenig zu gebrauchen.

    Bestes aus Hamburg. Feinen Blog hast du da. Dietmar

    P.S.: Habe ich gerade fr Rolling Pin geschrieben

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  2. Schnick Schnack Schnuck · Oktober 23, 2013

    Wahrscheinlich sind die pazifischen Algen nach Fukushima einfach nicht mehr roh genießbar. Oder mutiert. Aber hey, Grünkohlzeit. Ich kann`s kaum erwarten! 😉

  3. erkocht · Oktober 23, 2013

    Die USA sind verrückt nach Grünkohl, das kann ich bestätigen. Ich war gerade erst in den USA im Urlaub und konnte das hautnah beobachten. Allerdings nicht nur wegen der „Superfood-Eigenschaften“, die der Grünkohl haben soll. Auch die gehobene Gastronomie setzt das Gemüse in den verschiedensten Varianten ein, z. B. als frittierte Variante zu einer Austernvariation. Mal sehen ob ich das noch näher in meinen USA-Urlaubsberichten thematisieren kann.

    Ob es dazu einen Tag des Grünkohls braucht, ist sicherlich diskussionswürdig. Allerdings ist es doch auch so, dass viele über die Amerikaner wegen ihrer ach so ungesunden Essensgewohnheiten lästern. Nun sollten diese Vorurteile mindestens vorsichtig geäußert werden, wenn man mal dort gewesen ist, zumindestens was die größeren Städte angeht. Und unabhängig davon ist es ansonsten doch toll, dass hier ein gesundes Gemüse mal mediale Aufmerksamkeit erhält und vielleicht schon mal versucht, das eine oder andere Vorurteil in der Welt damit auch zu widerlegen.

    Grünkohl kann durchaus auch der gehobenen Kulinarik gerecht werden, wenn man weiß wie es einzusetzen ist. Das es dabei sicherlich nicht ganz so einfach zu handhaben ist, wie, sagen wir mal eine Kartoffel, ist dann vom kreativen Koch zu lösen :-).

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