Gutes aus der Steillage – Weingut Sven Nieger

Es war einmal ein junger Winzer aus Deutschland, der hatte keine Weinberge. Deswegen zog er über das Land und über die sieben Meere, immer auf der Suche nach einem Weingut in dem er bleiben konnte. Er arbeitete viel, er lernte viel und er traf viele Menschen. Aber sein Herz wurde nirgends richtig froh. Eines Tages in einem fernen Land packte ihn das Heimweh heftiger als sonst und er kehrte nach Deutschland zurück. Er wußte, es würde in seinem Heimatland nicht einfach für ihn werden. Denn er war zwar weit gereist und hatte viel gelernt, aber er war immer noch ein junger Winzer ohne Weinberge. Doch er wollte seinen eigenen Wein machen, koste es was es wolle. Und weil er jung war und optimistisch und voller Tatendrang, machte er sich an die Arbeit.

Er hörte von verlassenen Weinbergen in einer lieblichen Gegend im Süden von Deutschland, in der selten etwas Neues passiert. In den felsigen Hügeln bei Baden Baden hören die Alten auf, ihre Weinberge zu bearbeiten und ihre Kinder haben keine Lust, damit anzufangen. Die Weinberge liegen an sonnigen Hängen und sind sehr steil. Es ist mühsam hier in den Weinbergen zu arbeiten und noch mühsamer den Wein zu ernten. „Das macht mir nichts“, dachte der Winzer, „denn ich bin optimistisch und voller Tatendrang und auf die Weinberge scheint die Sonne und die Böden sind gut und die Weinstöcke sind alt. Hier kann ich einen guten Wein machen!“ Mit Hilfe seiner Eltern und Unterstützung seiner jungen Frau kaufte oder pachtete er die verlassenen und überwucherten Weinberge und arbeitete Tag und Nacht, um sie wieder auf Vordermann zu bringen.

Das sprach sich herum unter den alten Winzern in der Gegend und obwohl sie Neues eigentlich nicht mochten, kamen sie zu ihm und sagten: „Unsere Kinder wollen unsere Weinberge nicht bewirtschaften. Aber die Weinberge sind unser und unser Väter Lebenswerk. Wir wollen, dass sie weiterleben. Möchtest du sie übernehmen?“ So kam es das der junge Winzer Herr über eine kleine Fläche an Weinbergen in den besten Lagen in Baden-Baden wurde. Die Winzer bei denen er bislang gearbeitet hatte, hätten über die kleine Fläche gelächelt. Doch er war froh, denn es waren jetzt seine Weinberge und er konnte endlich seinen eigenen Wein machen. Seine Weinberge markiert er stolz mit einer roten 7. Seven, so haben ihn die Kollegen in anderen Ländern genannt, weil sie seinen Vornamen Sven nicht richtig aussprechen konnten.

Im Jahre 2012 holte er seine erste Ernte ein und es war eine gute Ernte aus Riesling und Spätburgunder. Der junge Winzer war sehr aufgeregt: Hoffentlich ging alles gut. Hoffentlich machte er nichts falsch. Hoffentlich gelang es ihm, den Wein genau so zu machen, wie er ihn sich vorstellte. Er träumte davon, aus jeder seiner vier Lagen die Charakteristik herauszuarbeiten. Und er war sehr gespannt, was diese sein würde. Er träumte davon, aus seinen alten Reben individuelle, unverfälschte und doch harmonische Weine zu produzieren, die auch von Kennern geschätzt würden. Und er hoffte, diese Kenner zu erreichen. Kurz, er träumte den Traum eines jeden jungen Winzers!

Als die Weine nach monatelanger Gärung in Flaschen abgefüllt waren, nahm er all seinen Mut zusammen und besuchte die besten Restaurants in der Umgebung. Im Schwarzwald gibt es viele sehr hochdekorierte Restaurants und die Sommeliers fanden Gefallen an den Rieslingen des jungen Winzers. Da fasste er noch mehr Mut und schickte seine Weine an die Redaktion eines bekannten Genießermagazins. Auch die Redakteure fanden gefallen an den Rieslingen und gaben ihnen Bestnoten. Der junge Winzer war froh und stolz. Aber er verspürte auch den Druck des ersten Erfolges. Er hatte mittlerweile eine kleine Familie. Und die neue Ernte war nicht einfach. Erst sah alles so gut aus! Dann kam Anfang Oktober diesen Jahres der Regen und mit ihm 40 Prozent Ernteausfall. Inzwischen blubbern die neuen Weine in den Tanks. Im Fass liegt noch der Spätburgunder von 2012. Der junge Winzer hat jetzt seine eigenen Weinberge, seinen eigenen Wein und die ersten Erfolge. Aber leicht ist es immer noch nicht.

Der Besuch beim Weingut von Sven Nieger in Varnhalt bei Baden-Baden hat mir vor Augen geführt, wie fragil die Existenz eines jungen ambitionierten Winzers ist. Ich weiß nicht, ob ich mehr beeindruckt von seinem Mut oder von seinen Rieslingen bin. Der klare Gutsriesling setzt schon einen sehr guten Standard. Er hat einen ganz leicht sehr angenehmen hefigen Duft, ist insgesamt schlank, hat eine packende Säure und verlässt den Gaumen bis zum Schluss nicht. Der Stich den Buben (ja so heißt die Lage!!) ist ein neuer Riesling-Klassiker, duftig, mit zarten Gelbfrüchten und einer gut eingebundenen Säure. Der Klosterberg wiederum ist schon in der Nase würziger, auch am Gaumen schwingt eine zartkräutrige Bitterkeit mit, die lange bleibt. Sehr apart! Mein Favorit ist der Neuweier Mauerberg mit seinen mineralischen, salzigen Noten. Das Falstaff Magazin hat dazu lobend geschrieben: Wenn man Salz riechen könnte… Ich kann mich dem nur anschließen!

Mehr Informationen unter:
http://www.sven-nieger.de/
https://www.facebook.com/pages/Weingut-Sven-Nieger
Ein Besuch des Weinguts lohnt sich, denn Sven Nieger nimmt sich aus Überzeugung Zeit für jeden Besucher!

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