Ein dringendes Plädoyer für die Renaissance des Käsetoasts (Teil 1 der Käsetoast Trilogie)

Was viele wirklich bedauernswerte Menschen (darunter überraschend viele Gastronomen) in Deutschland gar nicht wissen, ist, dass sich hinter einem sog. Grilled Cheese Sandwich, hierzulande besser bekannt als Käsetoast, nicht nur eine kulinarische, sondern auch eine philosophische und sogar eine psychologische Dimension verbirgt.

Diese erschütternde Ahnungslosigkeit bringt die Deutschen nicht nur um extremen Genuss und Momente wahrhaften Glücks, sie hindert auch den wirtschaftlichen Aufschwung unseres darbenden Bäckerhandwerks und der  vielen jungen Käseproduzenten, die unser Land mittlerweile und höchst erfreulicherweise  hervorgebracht hat.

Während die Bedeutung des kulinarischen  Phänomens Grilled Cheese  als köstlicher Snack und als höchst variables Street Food von Gastronomien anderer Länder längst erkannt wurde, ist es hierzulande schwer, einen guten Käsetoast ausserhalb der eigenen vier Wände zu bekommen. Zugegebenermassen sieht es innerhalb der eigenen vier Wände auch nicht viel besser aus. Einen exzellenten, gut getoasteten Käsetoast mit schmelzigem, schmackhaftem Inneren bekommt bei uns kaum einer mehr gebacken.

Wie konnte es dazu kommen?

Wie konnten wir es zulassen, dass sogar solche Länder wie die Türkei oder die USA, die wir kulinarisch gerne etwas belächeln, uns in Sachen grilled cheese komplett abgehängt haben?

Zu lange war der Käsetoast in Deutschland als billiges Studentenfutter verschrien, als kulinarisches NO GO aus fiesem Toastbrot und ekligen Scheibletten. Schlimmer noch: mangels Mut zum Toasten bleibt hierzulande der Käse oft völlig ungeschmolzen. Das ist ein Skandal! Bequemlichkeit, Unkenntnis und Phantasielosigkeit haben den Ruf des Käsetoasts bei uns völlig ruiniert. Von niemandem mehr richtig geliebt, von niemandem mehr richtig zubereitet. Das ist die traurige Wahrheit.

Aber es gibt Hoffnung! Ausgerechnet der Zuzug von Menschen aus anderen Ländern, von konservativen Kreisen unverständlicherweise ängstlich beäugt, hat den letzten für Käsetoast glimmenden Funken in unseren heimischen Herden  und Hirnen entfacht. In geheimen Zirkeln frönen sie ihrer Lust an der vergorenen Milch und lassen der Begierde nach den Genüssen aus der Heimat freien Lauf: Croque-Monsieur, Tost, sandwich de queso, kaşar peynirli tost, grilled cheese… Immer mehr kulinarisch aufgerüttelte Deutsche erhalten Zutritt zu diesen Geheimbünden der Käseanbetung und finden zurück zu einem unverkrampften Umgang mit warmem, geschmolzenem Käse.

Selbst in einem Käsetoast liebenden Land (Spanien – sandwich de queso, inhaltlich phantasielos aber immer gut getoastet) aufgewachsen, bin ich dankbar, hier nicht mehr alleine zu sein. Dankbar, dass sich Deutschland wieder für den Käsetoast erwärmt und sich Stück für Stück verloren gegangenen Genuss zurückerobert. Dankbar, dass ich dabei sein darf, während sich die Geschmacksknospen unzähliger Mitbürger öffnen und den Duft von reifem Käse verströmen.

Na ja, an dieser Stelle wird es ein bisschen absurd und der Text ist auch eigentlich zu lang geworden. Deswegen höre ich jetzt mal auf zu Schreiben.

In Teil 2 der Käsetoast-Trilogie verrate ich, wie man den weltbesten grilled cheese sandwich macht, worauf es wirklich ankommt und was die Wahl des Käses über deinen Charakter verrät.

In Teil 3 der Kästoast-Trilogie unternehmen wir ein Streifzug durch die besten internationalen grilled cheese Rezepturen und lassen uns diese zum besseren Verständnis durch Google übersetzen.

STAY TUNED!

Gut gegrillter Käsetoast mit ansprechend geschmolzenem Inneren. Karabatak Karaköy Café in Istanbul.

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4 Kommentare

  1. Henning · Januar 8, 2014

    das hört sich sehr lecker an. Ich bin auf die Rezepte gespannt.

    • marlastromponsky · Januar 21, 2014

      VIelen Dank für dieses Manifest! Ich zitiere: Wer braucht schon Liebe, wenn es geschmolzenen Käse gibt.

  2. Pingback: Schmausepost vom 10. Januar - Newsletter | Schmausepost
  3. Pingback: Cheddar-Blumenkohlsuppe | loeffelgenuss

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