Zeit für Fliederlikör und den Sinn des Lebens

Jedes Jahr wenn der Flieder blüht, kann ich nicht genug davon kriegen. Jedes Jahr wenn der Flieder blüht, überlege sehr ernsthaft aufs Land zu ziehen. Ich weiß genau, wenn ich dem Flieder ganz nah sein könnte, wäre ich ein besserer Mensch. Ein Mensch der dem Flieder und dem Frühling und den Schmetterlingen eben ganz nah ist. Die städtischen Sorgen, das wirre Großstadtleben, der aufreibende Kampf mit dem dunklen Moloch Leben, alles alles würde in der Nähe des Flieders wohltuend verblassen und verschwinden. Der zarte Duft der eleganten Dolden würde seine balsamische Wirkung in meinem tiefsten Inneren entfalten und mich zu grenzenlosem Glück befähigen. Eins mit dem Flieder hätte mein Leben einen Sinn. So oder so ähnlich.

Jedes Jahr wenn der Flieder verblüht, werde ich von einer tiefen geradezu existenzialistischen Panik ergriffen. Die Chance auf ein besseres Leben ist schon wieder vorbei. Die Zeit vergeht gnadenlos, die eigene Vergänglichkeit rückt ins helle Frühlingslicht und die Frage aller Fragen stellt sich mit ihrer ganzen Qual: Wozu? Kann unser Leben ohne die Nähe zum Flieder und zum Frühling und zu den Schmetterlingen überhaupt einen Sinn haben? Natürlich ist die Antwort: Nein.

Dieses Jahr wollte ich der Vergänglichkeit des Flieders ein Schnippchen schlagen. Ich bin zum Flieder gefahren, habe ihn geerntet, das Haus geschmückt und versucht ihn zu konservieren. Ich habe ihn in Essig eingelegt, in Wodka ausgezogen und in Sirup eingekocht. Aber so richtig wollte der Flieder nicht mitmachen. Er ist einfach zu vergänglich. Der Essig, der Wodka und der Sirup sind ohne Frage lecker. Aber die ganze Pracht des Flieders konnten sie leider nicht einfangen. Jetzt warte ich auf den Holunder. Da geht das Ganze von vorne los…

Hier sind die Rezepte:

Wichtig ist es trockene vollaufgegangene Fliederblüten an einem sonnigen Morgen zu ernten. Dann ist das Aroma besonders intensiv.

Fliedersirup

Von einem Arm voll Flieder die Blüten abzupfen und in ein passendes Gefäß geben. Mit einem Liter Weißwein und einem Liter Wasser auffüllen und den Scheiben einer Biozitrone bedecken. Die Zitronenscheiben sorgen dafür, dass die Blüten weitestgehend unter Wasser äh Wein bleiben. Das ganze an einem wirklich kühlen Ort 48 Stunden ziehen lassen. Die Fliederflüssigkeit durch ein Sieb in einen Topf abgießen und mit einem Kilo Zucker kurz aufkochen. Ca 15 Min sanft köcheln lassen und in saubere heiß ausgespülte Flaschen geben.

Fliederessig
Von einem Arm voll Flieder die Blüten abzupfen und in ein passendes Gefäß geben. Mit einem Liter Weißweinessig auffüllen. 48 Stunden ziehen lassen, die Blüten sind dann recht braun. Den Essig durch ein Sieb abgiessen und für einen intensiveren Geschmack das ganze noch ein bis zweimal mit frischen Blüten wiederholen.

Fliederwodka
Von einem Arm voll Flieder die Blüten abzupfen und in ein passendes Gefäß geben. Mit einem Liter mindestens 40%igen Wodka auffüllen. Der Flieder wird recht schnell braun. Den Wodka nach 24 Stunden durch ein Sieb abgiessen und für einen intensiveren Geschmack das ganze noch ein bis zweimal mit frischen Blüten wiederholen.

Fliederlikör
Für einen Fliederlikör 1/2 l Fliederwodka mit 1l Fliedersirup mischen

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