Rhabarberkonfitüre – mit Vanille, mit Himbeeren und mit OMA!

Ich weiß gar nicht genau, wie ich anfangen soll. Mit Rhabarber oder mit Oma? Am besten wohl mit Oma. Meine Oma ist 94 Jahre alt. Bis Ende letzten Jahres wohnte sie alleine in ihrer Wohnung in Wolfenbüttel. Ohne Verwandte weit und breit (Mein Vater in Spanien, mein Onkel in Ruanda, Enkelinnen weit verstreut). Mit der ihr eigenen Mischung aus Selbständigkeit, Lebenskraft und Starrsinn hat sie es geschafft, trotz aller widrigen Alterserscheinungen ein sehr eigenständiges Leben zu führen. Ihre Wohnung war aufgeräumter und sauberer als meine (in letzter Zeit mit Hilfe), die Wäsche wurde mit Kartoffelstärke gebügelt und bevor Besuch kam, ist sie mühsam mit ihrem Rollator zum Wochenmarkt am Rathaus gelaufen und hat Kartoffeln, Hering und Mettwurst gekauft. Hauptsächlich aber war sie alleine. Ihre Wohnung lag im dritten Stock ohne Lift. Irgendwannmal ging das nicht mehr. Sie selber sieht das nicht so. Aber die Familie machte sich mehr Sorgen als sowieso schon. Sie ist in ihrer Wohnung mehrfach gestürzt und wurde immer verwirrter. Lange Rede, kurzer Sinn. Jetzt lebt sie in einem Pflegeheim in Berlin Neukölln in der Nähe von mir und meiner Schwester. Toll findet sie das nicht, wohlgemerkt. Jedenfalls in ihren lichten Momenten. Dann können wir uns Enkelinnen mal so richtig was anhören. Ich finde das prima, denn ich kann sie wirklich gut verstehen. Ich versuche sie zu trösten, aber in meinem Inneren fühle ich mit ihr. Wäre ihr das Pflegeheim doch nur erspart geblieben!

Jetzt der Schwenk zum Rhabarber. Beim Stand meines Lieblingsbauern (dem Bauernhof Weggun) in der Markthalle Neun in Kreuzberg gab es 2 Kilo Bio-Rhabarber für 5 Euro. Ich habe 4 Kilo gekauft und meine Oma angerufen. Wir kochen morgen Rhabarberkonfitüre, sagte ich zu ihr. Da wurde sie richtig wütend. Das geht nicht, sagte sie, denn ich habe keine Küche mehr. Wo sollen wir denn kochen? Bei mir, sagte ich, du kommst zu mir in meine Küche. Du musst nur zwei Stockwerke hoch steigen. Das kann ich, sagte sie und wurde ruhiger. Ganz so einfach war es dann doch nicht. Aber wunderschön. Vom Heim zu mir fuhren wir mit einem Taxi. Die Häuser sind so groß, sagte meine Oma, und die Linden sind so schön. Ja sagte ich und hielt ihre Hand. In meinem Neuköllner Treppenhaus bekam sie ein bisschen Angst. Da soll ich hoch? Nach der Hälfte (20 Stufen) konnte sie nicht mehr. Ich habe schnell einen Stuhl aus meiner Wohnung geholt und da saßen wir also im Treppenhaus, sie auf dem Stuhl, ich auf der Treppe. Wir haben über Rhabarber gesprochen, den hatte sie früher im Garten. Oma, hab ich gesagt, wenn du es in meine Wohnung schaffst, dann kannst du 4 kg Rhabarber klein scheiden. Das hat gewirkt. Oma zog sich am Geländer hoch, ich trug den Stuhl hinterher und wir kamen schlussendlich wohlbehalten auf der Bank in meiner Küche an.

Auf meinem Küchentisch lagen die gewaschenen 4 kg Rhabarber und es kann sich keiner vorstellen, wie Oma sich darauf gestürzt hat. Wirklich nicht! Mir fiel nur das Wort Entzugserscheinungen ein. Und mir tat das Herz weh. Natürlich hat man Kochentzugserscheinungen nach einem halben Jahr im Heim. Wie würde es denn mir bitte gehen? Genauso! Oma hat also innerhalb kürzester Zeit mit dem kleinem Windmühlenmesser, dass ich aus ihrer Wohnung mitgenommen habe (so eins hatte ich auch mal! Das ist deins! Nein, meines ist zu Hause!), den Rhabarber kleingeschnitten. Ich konnte gar nicht so schnell gucken! Während ich die Konfitüre gekocht habe, gab ich ihr noch den Spargel für das Mittagessen. Den sollte sie schälen. Und wie sie ihn geschält hat! Bitte betrachtet auf dem Spargeltopffoto die Kontur des Spargels. Ich war froh, dass noch welcher nach dem Schälen übrig blieb. So als Stange meine ich. Aber einer vom Spargelschälen beseelten Oma kann man keinen Einhalt gebieten. Das habe ich jetzt gelernt.

Wir haben Rhabarberkonfitüre mit Vanille und mit Himbeeren gekocht. Nachdem alles in Gläser abgefüllt war, hat Oma gesagt: „Das machen wir nächstes Jahr wieder!“ Hoffentlich.

Hier sind die Rezepte:

Rhabarberkonfitüre mit Vanille
2 kg Rhabarber
2 Vanilleschoten
750 g Zucker
2 Esslöffel Konfitura Geliermittel von Biovegan

Den Rhabarber von Oma klein schneiden lassen und in einen großen Topf geben. Den Zucker mit dem Geliermittel mischen und dazugeben. Alles auf dem Herd langsam erhitzen und umrühren. Die Vanilleschote auskratzen und die Hülle kleinschneiden. Beides in die Rhabarbermischung einrühren. Langsam aufkochen lassen. Immer gut umrühren und ca. 5 min köcheln lassen. Der Rhabarber sollte schon weich sein, aber nicht allzu sehr verkocht. Ein Esslöffel abnehmen auf eine Untertasse geben und für ca. 2-3 Minuten in den Kühlschrank stellen. Wenn die Masse fest wird alles in vorbereitete Einmachgläser mit Schraubverschluss randvoll füllen, diese verschliessen und sofort umdrehen damit die Luft entweicht.

Rhabarberkonfitüre mit Himbeeren
2 kg Rhabarber
500 g Himbeeren
1000 g Zucker
3 Esslöffel Konfitura Geliermittel von Biovegan

Den Rhabarber von Oma klein schneiden lassen und in einen großen Topf geben. Den Zucker mit dem Geliermittel mischen und dazugeben. Alles auf dem Herd langsam erhitzen und umrühren. Langsam aufkochen lassen. Immer gut umrühren und ca. 5 min köcheln lassen. Dann die Himbeeren in die Rhabarbermischung einrühren. Einmal kurz aufkochen lassen. Einen Esslöffel abnehmen auf eine Untertasse geben und für ca. 2-3 Minuten in den Kühlschrank stellen. Wenn die Masse fest wird alles in vorbereitete Einmachgläser mit Schraubverschluss randvoll füllen, diese verschliessen und sofort umdrehen damit die Luft entweicht.

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6 Kommentare

  1. Lena · Mai 31, 2014

    Ich finde deine Geschichte über Oma wirklich herzallerliebst und erkenne auch meine Oma darin wieder (seit 1,5 Jahren im Heim, entfernter von ihrer Heimatstadt, aber dafür näher an ihren Kindern), auch wenn man meine Oma mit Kochen hätte jagen können ;). Schön, dass du ihr so eine Freude bereitet hast und das Treppensteigen tut ihr im Endeffekt auch mal gut ;).
    Viele Grüße
    Lena

    • berlintidbits · Mai 31, 2014

      Danke für Deinen supernetten Kommentar. Und schöne Grüße an Deine Oma unbekannterweise! LG Cathrin

  2. Clemens · Juni 1, 2014

    In der Tat herzallerliebst und schön geschrieben!

  3. Theresa · Juni 11, 2014

    so eine schöne Geschichte! Sollte ich in vielen vielen Jahren auch einmal in einem Altersheim landen, wünsche ich mir eine Enkelin, die mich auch zum Marmeladekochen entführt! 😉 Alles Liebe, Theresa

  4. Karin von Taste of Berlin · September 5, 2014

    Als ich heute Deine wunderschöne Geschichte las, hatte ich richtig Pipi in den Augen, denn meine Oma wäre heute 88 Jahre alt geworden. Sie brachte mir die Liebe zum Kochen und Backen bei. Ich wünsche Euch noch viele solche magische gemeinsame Momente! Liebe Grüße, Karin

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