Lass es blubbern! Hausgemachte Limonade mit Wasserkefir

Diesen Sommer ist mein Kühlschrank zu einem Limonadenparadies mutiert. Ich öffne durstig seine Tür und habe die Qual der Wahl: Zitronenlimonade, Himbeerlimonade, Aprikosenlimonade, Erdbeer-Vanillelimonade, Blaubeerlimonade… Alle selbstgemacht, alle leicht perlend bis richtig prickelnd, aromatisch, recht trocken, manchmal etwas hefig und leicht sauer. Alle sehr erfrischend! Ich sag ja ein Limonadenparadies! Und wem hab ich das zu verdanken? Dem Wasserkefir.

Eine mit Wasserkefir fermentierte Limonade zu machen ist nicht viel aufwendiger, als einen guten Tee zuzubereiten. Sie ist erfrischend und angeblich auch sehr, sehr gesund. Im Internet findet man die dollsten Thesen, die kann man glauben oder nicht. Als Fakt kann gelten, dass der Wasserkefir ein natürliches probiotisches Getränk ist. D.H. man nimmt durch das Trinken von Wasserkefir lebende Mikroorganismen auf, die es durch den Magen bis in unseren Darm schaffen, sich dort ansiedeln und ihn sozusagen in Schwung bringen. Es ist ja mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass eine gesunde Darmflora wichtig für unser Wohlbefinden ist. Man darf sogar drüber sprechen, ohne dass man angeekelte Blicke erntet!

Ausserdem gefällt mir, dass ich ein sehr günstiges, sehr wohlschmeckendes Getränk ganz einfach selber produzieren kann. Da kann auch keine Bio-Limonade mithalten!

Hier sind meine GOLDEN RULES für die erfolgreiche Limonadenproduktion:

Was ist denn bitte Wasserkefir?
Der Wasserkefir ist ein fermentiertes Getränk, ähnlich dem Kombucha oder dem Milchkefir. Den Wasserkefir produzieren eine Mischung aus Hefen und Milchsäurebakterien, die kleine wabbelige, weißliche Körnchen bilden, und die davon leben, zuckerhaltiges Wasser zu fermentieren.

Wo bekomme ich die Wasserkefirkörnchen her?
Die Kulturen kann man ganz einfach im Internet bestellen. Oder sich im Bekanntenkreis umhören, ob jemand schon welche hat. Die Kulturen vermehren sich nämlich bei guter Pflege und ich kann auch regelmäßig welche abgeben. Sogar mein Vater hat mittlerweile seine eigene Wasserkefirproduktion!

Welche Zutaten braucht man für eine leckere Limonade?
Die wichtigste Zutat ist der Zucker. Davon leben die Hefen und Bakterien schließlich. Am Besten ist Bio Zucker, weil der chemisch unbehandelt ist. Jegliche Chemie setzt den Mikroorganismen natürlich zu! Auf Rohrohrzucker fahren sie besonders ab, der gibt auch einen intensiveren Geschmack. Probiert aus was euch besser schmeckt

Eine weitere wichtige Zutat sind Trockenfrüchte, z.B. Rosinen, Pflaumen oder Feigen. Die enthalten viel für die Mikroorganismen auch lebenswichtigen Stickstoff und natürlich noch mehr Zucker! An dieser Stelle muss gesagt werden: keine Angst vor Zucker. Der wird im Wasserkefir fast vollständig zersetzt, d.h. es bleibt ein sehr geringer Restzuckergehalt in der Limonade. Schlussendlich ist im WasserkefirGetränk viel viel weniger Zucker als in einem Saft oder einer industriell hergestellten Limonade!

Ich benutze auch gerne Bio-Zitronenschalen um dem Kefir eine leichte Bitter-Lemon Note zu verleihen.

Nach der ersten Fermantation fängt der Geschmacksspass erst an! Jetzt könnt ihr dem Wasserkefir alles dazu fügen, was euch schmeckt. Mehr Zitronenschalen, jeden Saft oder Sirup den ihr im Haus habt, frischen Ingwer, Kräuter… Alles wird herrlich schmecken!

Was brauche ich noch?
Eine Flasche/ein Gefäß aus Glas mit einem lockeren Deckel und einem weiten Hals/einer breiten Öffnung. Fassungsvermögen 1-2 Liter. Ich benutze weithalsige Flaschen von Weck mit einer Plastikkappe. Der lockere Deckel ist wichtig, weil dann die bei der Fermentation entstehende Kohlensäure erstmal entweichen kann. Auch große Einmachgläser mit einem Bügelverschluss sind praktisch. Hier am besten auf den Gummiring verzichten.

Einen Plastiktrichter und ein Plastiksieb zum Umfüllen. Metall mögen die Mikroorganismen angeblich nicht.

Weitere Glasflaschen um den Kefir umzufüllen. Diese sollten einen Schraubverschluss haben, z.B. Mineralwasserflaschen, Weinflaschen, Saftflaschen.

Wie setze ich den Wasserkefir an?
Für einen Liter Wasserkefir braucht man zwei Esslöffel Wasserkefirkörnchen. Die Körnchen in ein passendes Gefäß/Weithalsflasche geben (s.o.). Zwei gehäufte Esslöffel Zucker in einer Tasse mit warmen Wasser etwas auflösen und (abgekühlt) in die Flasche geben. Die Flasche mit kaltem Wasser auffüllen und eine kleine Handvoll Rosinen dazugeben. Nach Geschmack auch ein bisschen Bio-Zitronenschale. Locker verschliessen und bei Zimmertemperatur arbeiten lassen. Wenn es warm ist arbeiten die Mikroorganismen schneller. Im Winter also an einen warmen Ort stellen.

Das Wasser kann Leitungswasser sein, wenn es nicht mit Chlor versetzt ist. (In Deutschland eigentlich nie) Sonst Mineralwasser ohne Kohlensäure verwenden.

Wie lange muss der Wasserkefir fermentieren?
Je nach Temperatur und Geschmack 24-48 Stunden. Je länger desto mehr Zucker wird fermentiert und desto saurer wird der Kefir. 48 Stunden sind aber genug.


Was passiert denn jetzt eigentlich in der Flasche?

Die Hefen und Milchsäurebakterien zersetzen den Zucker. Dabei scheiden sie „Abfallprodukte“ aus. Das sind die geschmacksgebenden Säuren, blubbernde Kohlensäure und auch Alkohol. Eine klitzekleine Menge Alkohol ist im Kefir also vorhanden.

Sehe ich, dass was passiert?
Ja! Nach ein paar Stunden steigen Bläschen in der Flasche auf, die von den Mikroorganismen bearbeiteten Trockenfrüchte steigen in der Flasche auf. Wasserkefir at work!

Wie geht es weiter?
Nach mindestens 24 Stunden max 48 Stunden ist der Kefir bereit zum umfüllen. Man kann ihn auch jetzt schon trinken. Insbesondere wenn man Zitronenschale dazugegeben hat, schmeckt er schon ganz gut und ein ganz sanftes Brizzeln an der Zunge ist meistens auch spürbar. Aber eine tolle Limonade wird erst draus, wenn man in einem zweiten Schritt Fruchtaromen und damit auch noch etwas Zucker dazugibt.

Zum Umfüllen in eine Flasche mit Schraubverschluss nutzt man den Plastiktrichter und das Plastiksieb. Zuerst purzeln die aufgeblähten Rosinen/Trockenfrüchte in das Sieb. Die gebe ich dann, wenn alle im Sieb sind erstmal zur Seite. Man kann sie essen oder wahlweise entsorgen. Dann kippt man den Inhalt der Fermentationsflasche weiter durch das Sieb in die Schraubverschlussflasche/n bis die zu 4/5 voll ist/sind. Den Rest füllt man mit Saft oder Sirup oder zermatschten Beeren auf. Diese Flaschen verschliesst man fest mit dem Schraubverschluss und stellt sie in den Kühlschrank.

Die Wasserkefirkörnchen im Sieb mit kaltem Wasser abbrausen. Die Fermentationsflasche mit heissem Wasser gut ausspülen. Den Wasserkefir in die Flasche zurückgeben und von Neuem beginnen

Was passiert jetzt in den Flaschen im Kühlschrank?
Etwas, was auch den Zauber eines guten Champagners ausmacht: eine sogenannte Flaschenfermentation. Denn auch wenn man die Kefirkörnchen beim Umfüllen durch das Sieb aufgefangen hat, sind natürlich trotzdem Mikroorganismen in die Flaschen mit gewandert. Der Namen sagt es ja schon: MIKROorganismen. Da hilft kein Sieb. Solange sie Futter haben, arbeiten sie weiter. In der Kälte vom Kühlschrank sind sie zwar etwas weniger aktiv, aber immer noch genug, um den Fruchtzucker den wir mit Saft oder Sirup dazugegeben haben weiter zu zersetzen und dabei unter anderem Kohlensäure entstehen zu lassen. In fest verschraubten/verschlossenen Flaschen bleibt die Kohlensäure im Getränk und verleiht der Limonade ein natürliches Blubbern.

Zugegebenermassen entsteht bei der Fermentation auch ein minibisschen Alkohol. Für sehr abstinente Menschen ist der Wasserkefir daher nicht so geeignet.

Wie lange kann man den Kefir im Kühlschrank aufbewahren?
Wenn man in einer fest verschlossenen eine mit Kohlensäure versetzte Limonade erzeugen möchte ist die nach zwei Tagen in der Regel trinkbereit und sollte auch nicht viel länger aufgehoben werden, weil sonst evtl. zuviel Kohlensäure entsteht und beim Öffnen der Flasche ganz viel Schaum herausspritzt. Eine nicht fest verschlossene Flasche kann man länger aufbewahren, der Kefir wird allerdings immer saurer und je nach eigenem Geschmack, hört er eben früher oder später auf zu gut zu schmecken.

Was ist, wenn ich mal eine Kefirpause brauche?
Tatsächlich ist der Wasserkefir ein bisschen pflegebedürftig. Ohne Zucker geht er ein. Wenn man mal also keine Lust auf Kefir hat oder in den wohlverdienten Urlaub fährt, dann macht man eine konzentrierte Zuckerlösung aus halb Wasser halb Zucker, z.B. 250g/250ml indem man den Zucker im kochenden Wasser kurz auflöst. Die Zuckerlösung komplett erkalten lassen, in ein passendes Schraubglas geben, den Kefir hineintun und das Glas nicht ganz dicht zuschrauben. So kann der Kefir gut ein paar Wochen im Kühlschrank überleben.

OhGott ist das alles kompliziert!
Wenn ich mir diese Liste so angucke, kann die Länge vielleicht doch etwas abschreckend wirken. Aber eigentlich ist ein Wasserkefir-Getränk nicht viel komplizierter in der Herstellung als ein guter Tee. Na ja nur ein bisschen. Aber es macht viel mehr Spaß.

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5 Kommentare

  1. Ken Takel · August 16, 2014

    Lecker!

  2. aufdiegutealteart · August 16, 2014

    Spannend… Ein kleines Chemielabor im eigenen Kühlschrank 🙂

  3. BEAUTYCALYPSE · August 16, 2014

    Wasserkefir! Nach dem Rezept wollte ich schon laaaaange suchen und kam einfach nicht dazu.

  4. Christin Skrobanek · August 23, 2014

    Wow sieht die toll aus! und so schön fruchtig ! Echt genial ^^
    Bin grade auf deinen Blog gestoßen und habe mich gleich mal durchgestöbert ! Gefällt mir sehr gut , du hast wirklich klasse Rezepte auf Lager 😉

    Liebe Grüße Chrissi
    von chrissitallys.blogspot.de

    PS: Ich habe auf meinem Blog gerade ein Gewinnspiel laufen und würde mich riesig freuen wenn du mitmachen würdest. gesucht sind die liebsten Sommerrezepte die auch zumindest ein wenig gesund sind ^^
    Alle info´s gibt´s hier: http://chrissitallys.blogspot.de/2014/07/das-groe-fit-for-summer-gewinnspiel.html

    • berlintidbits · August 23, 2014

      Hey Danke für deine Nachricht und viel Spaß mit dem Gewinnspiel!! Ich bin leider schon total verplant und schaffe diesen sommer nix mehr!
      LG Cathrin

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