Das Karabatak in Karaköy/Istanbul – Schönes Café, guter Kaffee!

Nachdem ich tagelang mit meiner Kamera durch Istanbul gelaufen bin, hügelauf, hügelab, durch unzählige Gassen, immer wieder über die Galata Brücke, in Märkte rein und um Moscheeen drumherum, war ich so voller Bilder, frittierter Fische und Tee, daß ich nur noch eines wollte: stundenlang in einem Café abhängen, Kaffee trinken und wahlweise nichts tun, Zeitung lesen oder nichts tun. Nur schön sollte es sein.

Allen, denen es in Istanbul so oder so ähnlich geht, sei das Karabatak in Karaköy wärmstens empfohlen. Karaköy ist ein Stadtteil der neueren Altstadt Beyoglu und liegt gleich rechts neben der Galata Brücke. Zwischen der Tramvay Haltestelle Karaköy und dem Istanbul Modern.

 

Nachher beschreibe ich den Weg am Besten noch genauer, denn eines der wenigen unerfreulichen Dinge die einem in Istanbul passieren, ist das man nichts findet. Viele der „Geheimtipps“ aus Blogs, Online Reiseführen und den wie Pilze aus dem Internet schiessenden coolen Hipster-Stadtmagazinen liegen naturgemäß in kleinen Gässchen, die von kleinen Strässchen abgehen, die wiederum von kleinen Plätzen abgehen. Selbst in guten Stadtplänen ist da oft kein Platz mehr für Strassennamen. Ausserdem denkt man ganz oft irreführend kurz vor dem Ziel: „Hier soll das sein? Nee, bin bestimmt falsch.“ Und dann dreht man wieder um und schwupps schon hat mans wieder nicht gefunden. Das Gute ist wirklich: man findet meistens etwas anderes. Wie im wirklichen Leben.

Das Karabatak ist an einer klitzekleinen Strässchenkreuzung hübsch und ruhig gelegen und ist mit der derzeit angesagten Mischung aus Mut zu schrägem Retro-Design und Gemütlichkeit eingerichtet. Ihr wisst schon: unverputzte Wände, ein paar schöne alte Kacheln hier und da, bunt zusammengewürfelte Möbel, ein alter kleiner Traktor steht rum, ein paar gut arrangierte Blümchen in schrägen Vasen … Zack! fühlen sich trendbewusste Einheimische, die lebhafte ExPatSzene und Touristen gleichermassen wohl. 

Die Karte bietet bei Speisen und Getränken eine angenehme Mischung internationaler Klassiker und türkischer Spezialitäten. Der Kaffee kommt von Julius Meinl. Das gibt es oft in Istanbul. Gerade bei den kleineren hipperen Cafés. Offenbar hat Julius Meinl eine gute Vertetung hier in Istanbul. Es ist ja auch schön, wenn sich Wiener und Türken bei einer guten Tasse Kaffee friedlich begegnen. Nicht umsonst hat der Junge im Meinl Logo einen großen langen Fez auf…

Natürlich bestelle ich einen Latte Macchiato, der sehr elegant auf einem Brettchen mit Logo serviert wird. Ich hätte aber auch eine Melange oder einen kleinen Braunen haben können. Und nach dem zweiten Latte (ihr erinnert euch, ich wollte stundenlang abhängen) schwenke ich um auf einen als türkisch bezeichneten Gewürztee, der sich mit seiner Würze definitv nicht zu verstecken braucht. Selbst ich finde ihn fast scharf.

Als kleine Abwechslung zu frittiertem Fisch oder Fish Kebab, gönne ich mir hin und wieder einen Tost oder Sandvic. Das ist noch etwas, was mir Istanbul sehr, sehr sympathisch macht. Der Istanbuler weiß einen guten Tost zuzubereiten. Dazu ein andermal mehr! Hier sei nur soviel verraten: das Brot ist immer knusprig getoastet, die Füllung ist immer warm und der Käse ist immer geschmolzen. Das hat in Berlin seltenheitswert!

Im Karabatak kann ich mir den Sandvic (türkische Schreibweise) (hier allerdings international Panini genannt) selbst zusammenstellen. Ich wähle Vollkornbrot, Olivencreme, Schafskäse Tomate und Peperoni. Was soll ich sagen: mein Panini war perfekt getoastet, reichhaltig und gut. Dazu habe ich dann den zweiten Latte bestellt und in der reichhaltigen Auswahl internationaler Zeitschriften und türkischer Zeitschriften geblättert und dann nichts getan, ausser nachdenken natürlich, und zwischendurch immer mal wieder Fotos aus der Kamera gelöscht und in Zeitschriften geblättert und so ging es herrlich in einem fort.

Der Service war freundlich desinteressiert, hat mich meistens in Ruhe gelassen, war aber auch meistens da, wenn ich was wollte. Und konnte das notwendige Englisch, um meine Bestellung entgegenzunehmen.

Wegbeschreibung: Von der Karaköy Haltestelle in die Necatibtey Cadde einbiegen und sich nicht von den Läden mit dem ElektronikAngebot abschrecken lassen. Nach der größeren Kreuzung mit der Maliye Cadde in die vierte Seitenstraße nach rechts einbiegen. Das müsste die Kara Ali Kaptan Sok. sein. An der einzigen sehr nett mit Wein überwucherten Kreuzung liegt das Karabatak.

 

KARABATAK KARAKÖY

Kemankeş Kara Mustafa Paşa Mah.Kara Ali Kaptan Sok. No. 7

34425 Karaköy Beyoğlu Istanbul 

 

 

 

Img_6418Img_6425Img_6420Img_6422Img_6423Img_2246Img_2261Img_2255Img_2258Img_6415

Advertisements

Unfreiwillig aber gut – Lamminnereien und Politik zum Frühstück

Img_6343Img_6345Img_6346Img_6348

Seit drei Tagen bin ich nun in Istanbul und es gibt so viel zu berichten. Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll. Was eigentlich daran liegt, daß ich aus lauter laisser faire laune zu spät anfange zu berichten und jetzt quasi mental im kulinarischen Berichtungsstau stecke. Hier eine reizende kurze Anekdote zum Anfangen. Für euch und für mich. 

Unweit von meinem B&B direkt am Fusse des Galata Turms befindet sich meine morgendliche Rettung: das Lavazza Café. Wie die folgenden Zeilen zeigen werden, bin ich wirklich niemand, der vor einheimischen kulinarischen Attraktionen zurückschreckt. Aber jeder der mich kennt, weiss auch, daß ich morgens nicht in der Lage bin, ohne ein bis zwei Latte Macchiatos zu funktionieren. Einigen globalisierten Annehmlichkeiten wie eben z.B. einem guten Latte kann ich deswegen nicht widerstehen. Ich bin nur froh, dass es sich um einen Lavazza Latte handelt und ich nicht zu Starbucks muss (ja ich hätte es auch in Istanbul getan! Schande über mein Haupt).

Jedenfalls sitze ich vormittags genüsslich bei meinem Latte und beobachte die Geschenisse auf dem Platz vor dem Galata Turm während ich nebenbei mit meiner Istanbul Karte den Tag plane. Mittlerweile bekomme ich den Latte schon unkommentiert serviert und der Stuhl zu meinem Lieblingsplatz wird zurechtgerückt, sobald ich das Lokal betrete. Herrlich, oder? Nach nur drei Tagen?

Jedenfalls sehe ich von meinem Lieblingsplatz aus jeden Tag diesen reizenden älteren Herrn mit seinem Imbisswagen aus Edelstahl vorfahren. Er stellt sich immer auf dieselbe Stelle, klappt einen Deckel hoch und zum Vorschein kommen appetitliche Fleischrollen auf einem Grill. Innerhalb kürzester Zeit hat er die ersten Kunden, Männer in Arbeitskleidung und Männer in Anzügen (Frauen essen in der Türkei nicht so oft auf der Strasse) die alle genüsslich einen mit Abschnitten aus diesen appetitlichen Fleischrollen gefüllten Sandwich verzehren. 

Nachdem ich nicht nur aus budgetären Gründen meine reise nach Istanbul unter das Thema „Street Food“ gestellt habe, ist mein Ehrgeiz geweckt. Ich will auch so einen mit diesen appetitlichen Fleischrollen gefüllten Sandwich essen! Gesagt, getan. Nach zwei Latte fühle ich mich gestärkt genug, um ein Street Food Frühstück einzunehmen.  Der reizende Sandwichverkäufer (habe ich schon seinen riesigen Schnurrbart erwähnt?) ist genauso begeistert von mir wie ich von ihm. Wir verstehen uns blendend. Natürlich darf ich seinen Grill fotografieren und für das Foto dekoriert er ihn noch schnell mit einigen Tomaten. Das nenne ich Grillerstolz!

Innerhalb kürzester Zeit haben wir geklärt, dass ich nicht nur fotografieren, sondern auch einen Sandwich möchte und daß ich aus Deutschland bin. Jetzt wird es Ernst! Der reizende Sandwichverkäufer wackelt mit seinem Schnurrbart, schaut mir tief in die Augen und gurrt: Angela Merkel! Für eine Millisekunde bin ich trotz des Gurrens verunsichert. Ist Angela Merkel gut oder schlecht hier? Sie ist gut! In Spanien in den 70igern und 80igern aufgewachsen, bin ich es gewohnt, bei der Offenbarung meiner Nationalität immer mit Adolf Hitler in Verbindung gebracht zu werden. Francos Kollege sozusagen. Immer sehr peinlich! Was soll man da sagen? Wie froh war ich heute morgen, als Angela Merkel mir geholfen hat, mit dem reizenden Sandwichverkäufer Freundschaft zu schliessen? Egal wie ich im Detail zu Angela Merkel stehe, es war definitif nicht peinlich.

Politik beiseite,  ich habe den Grill fotografiert und mein Sandwich in Empfang genommen. Der Sandwichverkäufer warf sich mehrfach an die Brust und strich sich über den Schnurrbart. Später wurde mir klar, daß er auch fotografiert werden wollte. Ich bin nur so schüchtern damit, Menschen zu fotografieren. Deswegen habe ich das nicht begriffen. Deswegen gibt es bedauerlicherwiese hier keine Fotos von ihm. 

Mein Sandwich war hervorragend. Sehr würzig in knusprigem Brot. Einige Fleischteilchen waren ein minibisschen zäh. Später wurde mir klar, dass es sich um kokorec handelte, um Lamminnereien. Das hatte ich noch nie zum Frühstück!