Grüne Gazpacho mit Wodka und Forellenkaviar

Kochbücher sind auf der Frankfurter Buchmesse ein sagen wir mal wichtiges Kapitel. Koch- und Backbücher liegen erfreulicherweise seit Jahren voll im Trend, die Verkaufszahlen sprechen für sich. Auch wenn Verlagshäuser und Buchhandel Foodblogs und ihre Rezeptveröffentlichungen aus Sorge vor einer kostenlosen Konkurrenz mit einer gewissen Skepsis gegenüberstanden, hat sich erfreulicherweise für beide Seiten gezeigt, dass diese Skepsis unnötig war. Denn Foodblogger lieben Kochbücher! Ein Blick in mein Kochbuchregal kann das nur bestätigen. Und so hat sich seit geraumer Zeit zwischen Foodbloggern und Verlagshäusern eine positive Zusammenarbeit entwickelt. Foodblogger schreiben nicht nur über Kochbücher, mittlerweile schreiben sie auch welche. Mir ist es nicht anders ergangen.

Die Leitmesse für den deutschen Buchhandel weiß diesen Trend zu würdigen und ist mit der Foodbloggerin Claudia vom Dinnerumacht eine Kooperation eingegangen. Bereits im zweiten Jahr lädt Claudia zu einem Kochevent für und auf die Buchmesse ein. Bezugspunkt ist das Gastland der Messe, in diesem Jahr Finnland. Entsprechend heißt das Thema „Kochen mit Wodka“.

Kochen mit Wodka! Da habe ich im wahrsten Sinne des Wortes erstmal geschluckt. Trinken mit Wodka kenne ich recht gut. Aber Kochen? Glücklicherweise befand ich mich zum Zeitpunkt der Einladung gerade im Urlaub und konnte meine Gedanken schweifen lassen. Allerdings befand ich mich in Spanien und somit doch recht weit von Finnland entfernt. Aber was soll’s? Liegt Fusion nicht sowieso im Trend? Ich habe also Gazpacho, einen Klassiker der spanischen Küche, so abgewandelt, dass es perfekt zu Wodka passt:

Grüne Gazpacho aus grünen Tomaten, Melone und Gurke mit Forellenkaviar

Rezept für 4 Portionen:

4 große grüne Tomaten
1/2 sehr reife! Honigmelone
2 aromatische Landgurken
1 mittlere Zwiebel
2 Knoblauchzehen
3 Essl. sehr gutes Olivenöl
Salz/frischgemahlener schwarzer Pfeffer
1 Gläschen Forellenkaviar
2 cl gute Wodka

Die Tomaten vierteln und entkernen. Eine halbe Tomate fein würfeln und zur Dekoration beiseite stellen. Die Gurken schälen, eine halbe Gurke entkernen, fein würfeln und zur Dekoration beiseite stellen. Die restlichen Gurken grob würfeln. Die Zwiebel schälen und vierteln. Ein viertel Zwiebel fein würfeln und zur Dekoration beiseite stellen. Die Knoblauchzehen schälen. Die Melone entkernen, schälen und grob würfeln. Knoblauchzehen schälen.

Alle nicht für die Dekoration bestimmten Gemüsezutaten in einem Blender oder mit dem Pürierstab sehr fein pürieren. Die Mischung im Kühlschrank 3-4 Stunden oder über Nacht gut durchkühlen lassen. Mit Olivenöl, Wodka und Salz und Pfeffer abschmecken. Noch einmal gut mit dem Pürierstab mixen. In Schalen/Teller anrichten mit dem gewürfelten Gemüse und einem Klecks Forellenkaviar verzieren.

Tatsächlich passt der Wodka ausgezeichnet zu den grünen, lieblich herben Aromen des Gazpachos. Der Forellenkaviar verleiht eine angenehm fischig salzige Note. Ich sag mal so; da wird selbst in Finnland Sommer!

”wodka”

HIER SOLLTE JETZT DAS BANNER VOM BLOGEVENT EINGEFÜGT SEIN ABER ICH BIN ZU DOOF DAZU!!!

Advertisements

La buena pinta – craft beer in Madrid

Am Anfang war die Krise. Als vor ca. 6 Jahren die Immobilienblase in Spanien laut zerbarst und die heftigen Explosionswellen das Land mit einer grimmigen Wirtschaftskrise überzogen, platzten auch die Träume einer ganzen Generation. Anstelle einer Zukunft mit sicherem Job, Eigentumswohnung und Familie bietet sich der bestausgebildetsten Generation die Spanien je hatte die höchste Arbeitslosenquote Europas. Mit entsprechenden Folgen. Wut und Verzweiflung über Korruption und Misswirtschaft und die Angst vor einer nichtexistenten Zukunft treibt (nicht nur) die jungen Spanier zwischen 25 und 35 auf die Strassen und/oder ins Ausland. Wo das Spanien hinführt ist noch nicht abzusehen.

Ein klitzekleiner Lichtblick: Spaniens lost generation war schon vor der Krise die freiwillig mobilste Generation die Spanien je hervorgebracht hat. Die während internationaler Studienaufenthalte und Reisen gesammelten Erfahrungen brachten frischen Wind und neue Ideen in ein eher durch Abschottung und Selbstzufriedenheit geprägtes Land. Manche davon zahlen sich jetzt trotz und wegen der Krise aus.

Und was hat das jetzt mit Bier zu tun? Einiges, denn ich möchte behaupten, dass Spaniens keimende Craft Beer Szene ihren Ursprung zum Teil in der Wirtschaftskrise hat. Not macht bekanntlich erfinderisch. Das klingt abgedroschen, ist aber nicht immer von der Hand zu weisen. Denn in Spanien, einem Land das sich bislang nicht durch eine Wirtschaftskultur der Gründung geschweige denn der Förderung kleiner bis mittelständiger Unternehmen hervorgetan hat, entstehen immer mehr Mikrobrauereien gegründet von mutigen Unternehmern, die einen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit suchen. Inspiriert von der internationalen craft beer Bewegung und unterstützt von lokalen Fangemeinden, die einen gesunden Stolz auf die heimischen handwerklich hergestellten Biere entwickeln. In Madrid sind das z.B. La Virgen und La Cibeles.

Handwerklich hergestellte Biere brauchen Läden und Restaurants als Verkaufsstellen, die den Mut haben, sich abseits von ausgetretenen Pfaden zu bewegen. Liebhaber, Kenner, Menschen mit dem Bierherzen auf dem rechten Fleck. Ein solcher Laden ist „La buena pinta“ im Madrider Stadtteil Lavapies. Das ist einer der ältesten Madrider Bezirke, lange vernachlässigt, in dem günstige Mieten einen kuriosen Mix aus in bescheidenen Verhältnissen lebenden einheimischen Rentnern, Migranten aus China, Südamerika und Nordafrika und dem, was man auch hierzulande als junge Kreative bezeichnet, hervorgebracht haben.

„La buena pinta“ hat einen clever doppeldeutigen Namen. Zum einen heißt es übersetzt sowas wie der gute Eindruck oder das gute Aussehen, zum anderen bezieht sich la pinta auch auf „pint“ die alte englische Masseinheit für Flüssigkeiten.

Der kleine recht wohlsortierte Laden befindet sich in der traditionsreichen Markthalle „Mercado San Fernando“ die nach dem spanischen Bürgerkrieg als Ersatz für einen Strassenmarkt erbaut wurde, um die hygienischen Verhältnisse des Lebensmittelhandels zu verbessern. Tatsächlich suggeriert die für die Franco-Zeit typische monumentale Architektur, dass die Markthalle wesentlich älter ist. Wie die meisten innerstädtischen Markthallen aller Großstädte hat sie spätestens in den 80iger/90iger Jahren den Konkurrenzkampf zu den expandierenden Supermärkten verloren. Die veränderten Lebensgewohnheiten hatten einfach keinen Platz mehr für den täglichen kleinteiligen Einkauf an verschiedenen Marktständen.

Im Zuge eines Revitalisierungsversuches werden die Flächen in der Markthalle sehr günstig verpachtet. Das haben auch die Inhaber von La buena pinta genutzt um sich mutig mit ihrem Herzensprojekt selbstständig zu machen. Der wirklich sympathische Laden ist einen Besuch wert, man kann sich durch das solide Angebot an spanischen und internationalen Bieren probieren und mit den Einkäufen an den umliegenden Ständen ein schönes Bierpicknick vor Ort zusammenstellen. Neugierigen und Liebhaber von Craft Beer sei das spanische Angebot von Herzen empfohlen, ein bisschen guter Schinken und Käse dazu und der Genuss ist perfekt!

From nose to tail in Madrid – Casquería Oscar

In einer klitzekleinen Seitenstraße von Lavapiés, einem der ältesten und ursprünglichsten Stadtviertel von Madrid, habe ich meinen Traumladen gefunden. Dass es das noch gibt! Es ist ein winzig kleiner Laden mit Tradition und viel nostalgischem Flair. Ein Familienbetrieb aus den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts. Fortgeführt von den Enkeln der Unternehmensgründer. Die appetitliche Auslage bietet alles, wirklich alles was das Herz begehrt. Inkl. dem Herzen selbst. Vom Kalb, vom Lamm und vom Schwein. Der winzige Laden ist ein Paradies für Freunde von Innereien. Und wahrscheinlich für viele meiner Freunde, Bekannten und Leser ein kleiner oder großer Albtraum aus starr blickenden Schafsköpfen, weißlichen Kalbszungen und glänzenden Stierhoden.

Ach, die wenigsten wissen noch, dass Berlin einst den größten pro Kopf Verzehr an Kuheutern deutschlandweit zu verzeichnen hatte. Das sogenannte Berliner Schnitzel war nichts anderes als panierter Kuheuter. Historische Aufnahmen der Markthalle Neun belegen, dass da wo wir uns heute zum Street Food Thursday treffen, um internationales Street Food zu verzehren, sich an vielen der Marktstände die Euter und Innereien stapelten. Bis weit in die Nachkriegszeit. Was würde passieren, wenn man beim Street Food Thursday panierte Kuheuter anböte? Aus heutiger Sicht ginge es kaum exotischer.

(Leider sind die Euter auf den alten Bildern der Markthalle nicht zu erkennen. Dafür aber die Schweineköpfe)

In Deutschland hat uns der wirtschaftliche Aufschwung in den 60igern einen völlig verzerrten Fleischgenuss beschert. Weil wir es uns leisten können, essen wir zu viel Fleisch und hauptsächlich nur „edle Teile“ wie Kotelett, Steak und Filet. Die Fleischindustrie hat uns von den Tieren, die uns das Fleisch liefern, entfremdet. Damit wir alle unabhängig vom Einkommen täglich jede Menge an Fleisch essen können, ist eine perverse Massentierhaltung entstanden, der jeglicher Respekt vor Tieren abhanden gekommen ist. Wir lassen uns von einer abstrakten und abartigen Tötungsmaschinerie durch bunte Marketingbilder ablenken und finden alles eklig, was uns daran erinnert, dass wir ein Tier essen. Der Gipfel des Abartigen mündete dann in der „BSE-Krise. Spätestens seitdem ist für die Meisten der Verzehr von Innereien tabu. Aber nicht nur aus Angst vor BSE. Wenn man ein Herz oder ein Hirn isst, lässt es sich einfach nicht mehr leugnen, dass ein Teil von einem Tier auf dem Teller liegt. Ein in Plastik abgepacktes Stück schieres Fleisch oder eine Wurst ist viel abstrakter und mental einfacher zu verdauen.

In Spanien hat sich die Tradition, auch die sogenannten weniger edlen Teile der Tiere aufzutischen, ungebrochener gehalten als hierzulande. Wirtschaftlicher Aufschwung und die einhergehende Industrialisierung der Tierhaltung haben erst seit den 80igern stattgefunden. Ein Großteil der älteren Bevölkerung und viele Einwanderer aus Südamerika haben vom  Aufschwung nicht unbedingt profitiert und an ihren Essgewohnheiten hinsichtlich der günstigeren Innereien festgehalten. Jetzt in Zeiten der Krise ist die Nachfrage nach Innereien deutlich gestiegen, kann man in der spanischen Presse lesen. Gerade in den weniger wohlhabenden Viertel der Stadt findet man auf Märkten und in spezialisierten Metzgereien, den Casquerias, nicht nur Kutteln (callos a la madrileña ist eines der traditionellsten Gerichte der Hauptstadt)  und Leber, sondern auch Zunge, Herz, Lunge, Füße, Hoden, Bries, Nieren und Hirn. Wenn einer der beliebten spanischen Fernsehköche in seiner Sendung Schweinefüße zubereitet, sind diese am nächsten Tag in der Casquería Oscar ausverkauft.

Es ist schön, dass in der internationalen kulinarischen Szene die Innereien wiederentdeckt werden. Ein Verfechter der frühen Stunde ist Fergus Henderson, der in seinem Lokal St Johns in London den Begriff „Nose to tail eating“ schon in den 90igern geprägt hat. Mittlerweile servieren die meisten Köche, die etwas auf sich halten, selbstverständlich Bries, Kutteln und Nierchen. Auch getrockneten und geriebenen Rentierpenis habe ich schon auf der Speisenkarte gesehen. Von der Nase zum Schwanz hat der Schwede Björn Frantzen eben sehr ernst genommen.

Casqueria Oscar, Calle Encomienda, 1, 28012 Madrid, http://www.casqueriasoscar.es

dankeschön an die leser – mein rezept für stockfischcreme

es ist unglaublich!!!  berlin tidbits hat seit dem start im august mehr als 10.000 site views! einige artikel sind schon über 7000mal aufgerufen worden. das macht mich sehr stolz und glücklich und ich danke euch allen! wer seid ihr? wo seid ihr? wie findet ihr mich? wie kann ich euch danken?

ich versuche es mal mit einem rezept. mit meinem bislang sehr gut gehüteten rezept für stockfischcreme. in frankreich heisst sie brandade de morue und in italien stocafisso mantecato. ulkigerweise kenne ich gar kein portugiesisches rezept, obwohl portugal weltweit die am meisten stockfisch konsumierende nation ist. kein wunder bei der seefahrtsgeschichte. stockfisch wurde nämlich von seefahrern erfunden. es handelt sich dabei um getrockneten und gesalzenen kabeljau. in diesem zustand ist er weitestgehend unverderblich und das ist natürlich auf langen seereisen eine unschätzbar wertvolle eigenschaft. ich möchte nicht wissen, wie vielen generationen von seefahrern der stockfisch zum halse raushing!

mittlerweile sind gerichte mit stockfisch auch in den mittelmeerländern eher eine delikatesse.

 

die zutaten und die zubereitung für die creme variieren von land zu land en bisschen, aber sie ist immer ein geschmackliches highlight!

mein rezept ist ganz einfach und gelingt jedem. ganz bestimmt.

 

auf den bildern seht ihr stockfischcreme mit petersilienpesto auf selbstgebackenen brötchen, endiviensalat und pinienkernen.

die creme kann natürlich auch ohne den salat auf getoastetem rustikalen weissbrot serviert werden. dazu mit petersilienpesto und pinienkernen beträufeln bzw bestreuen.

 

zutaten für vier personen:

 

basiscreme:

100 g stockfisch, am besten die schönen bauchlappenstücke auch ventresca genannt. andere tuns aber auch

habe nur mehr haut und evtl. gräten

achtung der stockfisch muss 24 stunden vor zubereitung gewässert werden, um ihn wieder weich zu kriegen und ihn zu entsalzen. das ist wichtig!

die stockfischteile dazu in eine schüssel geben und gut mit wasser bedecken. das wasser sollte mindestens viermal gewechselt werden.

die schüssel sollte kühl, aber nicht im kühlschrank stehen. hierbei gewinnt der stockfisch auch an volumen.

200 ml weisswein trocken

200 ml olivenöl

3 knoblauchzehen

1 große zwiebel

 

petersilienpesto:

2 bund glatte petersilie

100 ml olivenöl

50 g geröstete pinienkerne

salz und frischgemahlener schwarzer pfeffer

 

brötchen:

200 g vollkornweizenmehl

200 g weizenmehl

1 päckchen trockenhefe

salz und olivenöl

 

salat:

1 endivie nicht zu groß

100 g geröstete pinienkerne

1 zitrone

100 ml olivenöl

 

zubereitung petersilienpesto:

petersilie waschen, trocknen und blätter von den stielen abzupfen. blätter mit pinienkernen,

einer ordentlichen prise salz und pfeffer und mit dem olivenöl in einen mixer geben. alles zu einem cremigen pesto pürieren.

je nachdem wie groß die bunde petersilie waren, muss ggf. noch etwas öl hinzugefügt werden.

das pesto bis auf einen kleinen rest aus dem mixer in eine schüssel geben. den mixer nicht ausspülen!!!

 

 

zubereitung creme:

den gewässerten stockfisch (s.o.) weitestgehend enthäuten (mit den fingern abziehen), entgräten und grib in stücke zerteilen

in einer großen pfanne 4 essl. olivenöl erhitzen und darin klein geschnittenen knoblauc und zwiebel anschwitzen.

den stockfisch dazugeben und 5 min mit anschwitzen. er soll nicht braun werden! pfeffern und mit dem weisswein ablöschen. solange bei kleiner hitze köcheln lassen bis die flüssigkeit wieder verschwunden und der stockfisch ziemlich zerbröckelt und weich ist. bei bedarf etwas weisswein nachgiessen. und auch trinken.

diese stockfischmasse etwas abkühlen lassen und in den mixer mit dem petersilienpestorest geben. Das restliche olivenöl dazugiessen und alles zu einer feinen hellgrünen creme pürieren. möglicherweise braucht man dazu noch etwas mehr olivenöl. beim würzen vorsichtig sein!  je nachdem wie der salzgehalt im stockfisch  und der eigene geschmack ist, braucht die creme vielleicht nicht mehr gesalzen werden. ordentlich pfeffer kann nicht schaden.

 

zubereitung brötchen

weil ich kein passendes brot zur hand hatte, habe ich brötchen selber gebacken. das muss natürlich nicht sein! ich bin nur beim kochen latent perfektionistisch. aber auch nur da. ein schönes weissbrot tuts also auch.

für die brötchen wird das mehl mit der trockenhefe gemischt. mit den knethaken vom rührgerät werden ca 200 ml lauwarmes wasser untergeknetet. nicht das ganze wasser auf einmal. ich gebe einen strahl in die mitte und rühre und wässere dann weiter bis das ganze mehl

untergemengt ist. je nach mehl braucht man etwas mehr oder weiniger wasser. das ergebnis sollte ein zusammenhängender zäher teigklumpen sein, der nicht mehr an den fingern klebt, wenn man ihn anfasst. dazu am besten die knethaken rausziehen und den teig mit beiden händen gründlich weiterkneten. evtl noch mit mehl bestäuben um die oberflächentrockenheit zu erreichen. diesen teig begiesse ich mit ca 50 ml olivenöl und lasse ihn 1/2 stunde an einem warmen ort zugedeckt ruhen und aufgehen. dann knöpfe ich ihn mir wieder vor und gebe eine wirklich ordentlich prise salz dazu. bestimmt 2 esslöffel. sonst wird’s fad. das salz und das olivenöl werden kräftig mit den händen untergeknetet, der teig wird dadurch glänzend und liegt gut und unklebrig in der hand. auch hier bei bedarf mit mehl nachhelfen. ich stelle meinen ofen auf volle pulle ober und unterhitze und drücke dann den teig auf einer bemehlten oberfläche platt bis er ca 6 cm hoch ist. mit einem wasserglas steche ich brötchen aus, die ich auf ein eingefettetes backblech lege. die überreste vom ausstechen werden wieder verknetet und weiter verarbeitet bis der teig aufgebraucht ist. dann werden die brötchen mit mehl bestäubt und bei grosser hitze im ofen ca 15 min gebacken bis sie leicht braun sind.

(aus demselben teig kann man übrigens toll pizza backen). es werden deutlich mehr brötchen als man für vier personen braucht die kann man anderweitig verwenden oder einfrieren. die gebackenen brötchen abkühlen lassen.

 

salat:

die endivie wird gewaschen, getrocknet und gezupft. vier tiefe teller damit füllen.

die hälfte des petersilienpestos wird für die vinaigrette in eine schüssel gegeben, mit olivenöl verdünnt und mit zitronensaft und evtl. etwas salz abgeschmeckt. die andere hälfte anderweitig verwenden, sie hält sich gut in einem schraubglas im kühlschrank.

 

für das finish die gebackenen brötchen halbieren und dick mit der stockfischcreme bestreichen. pro salatteller zwei auf den endiviensalat legen, alles dekorativ mit der vinaigrette beträufeln und mit den pinienkernen bestreuen.

 

bon appétit!

 

 

Bild_541Bild_542

el paseo in el escorial – spanische hausmannskost und gute weine

el escorial liegt 45 km entfernt von madrid in den bergen und ist vor allen dingen bekannt für das von dem mürrischen spanischen könig philipp II gegründete riesenkloster mit palastflügel, das real sitio de san lorenzo de el escorial. das kloster hat den grundriss des eisenrostes auf dem der heilige lorenz bei lebendigem leibe gegrillt wurde. soviel zur feinfühligkeit und der positiven lebenseinstellung des königs. das monumentale gebäude ist allerdings sehr sehenswert, gibt es doch einen einblick in den düsteren größenwahn spaniens zur zeit seiner politischen blüte und dekadenz in der renaissance. da es sich um ein wie gesagt sehr großes gebäude handelt, passen jetzt praktischerweise viele touristen rein, die nach dem langen besuch ordentlich hunger verspüren. entsprechend umfangreich und gut sortiert ist das gastronomische angebot in dem dazugehörigen städtchen el escorial.

da meine eltern in der nähe von el escorial wohnen, müssen wir nicht jedesmal das kloster besuchen, um hier essen zu gehen. obendrein haben sich nach jahrelangem umfangreichem localscouting einige lieblingslokale in der familie etabliert, die oft besucht werden müssen, um den guten kontakt zu inhabern und personal nicht abreissen zu lassen. der liebling unter den lieblingslokalen ist el paseo. nicht weil es besonders hübsch und auch nicht weil die küche ganz besonders hervorragend ist. es ist die kombination von nachlässig freundlicher spanischer atmosphäre, liebenswürdig skurrilem personal (alle verwandt und verschwägert), einem hervorragenden preisleistungsverhältnis und selten enttäuschter erwartungen, die meine eltern hier immer wieder hinzieht. mittlerweile kennt man sich, kleine kümmernisse und freuden des alltags werden ausgetauscht und die kellner wissen wahrscheinlich genausoviel über mein leben, wie ich über das ihre (beidseitig von meinen eltern kommuniziert).

sind meine schwester und/oder ich zu besuch, müssen wir natürlich auch ins el paseo, um dort das gesicht zu zeigen wie man in spanien sagt. das machen wir immer mittags unter der woche weil es dann das sensationell günstige menu gibt, mit weinbegleitung für 12€!! meine schlauen eltern gehen mittlerweile besonders gerne am montag hin, weil es dann noch die etwas originelleren speisenangebote vom wochenende gibt.

so auch am montag vergangener woche. zwar ist alles proppevoll wegen der feiertage, aber wir werden sehr freundlich empfangen und der zusatzspeisesaal wird extra für uns geöffnet. der ist zwar auch extra hässlich, aber die schräge einrichtung muss als teil des charmes verstanden werden. nachdem das exzellente aussehen meiner schwester und mir gebührend gewürdigt wurde, bringt uns der immer etwas verlegen kichernde füllige kellner/sommelier (seine urkunden hängen überall rum) einen französischen chardonnay und stellt gleich die ganze flasche auf den tisch. das mit dem französischen wein meint er gut, obwohl wir etwas enttäuscht darüber sind. wir sind doch in spanien! und chardonnay zählt nicht zu unseren lieblingen! doch der chardonnay Ardéche von louis latour ist elegant und nur sehr diskret chardonnayig. zarte blumen- und honigaromen überzeugen auch uns. überdies ist er extrem gut gekühlt. das hilft.

als gruß aus der küche (ja man ist ambitioniert!) gibt es eine vernachlässigbare kartoffelcreme mit lachswürfeln. als vorspeisen haben wir gewählt: linsensuppe mit lammbries (genau das bin ich) und pulposalat. die suppe muss ich etwas nachwürzen,das lammbries passt gut zu den linsen.  der salat ist frisch, ehrlich und mit reichlich pulpo garniert. als hautpang bekommen wir schweinefüsschen in sosse (ja auch wieder ich), fritierte boquerones (sardellen) und ein kalbsschnitzel. die schweinefüsschen sind prima, etwas schwabbelig vielleicht, aber so sindse. die boquerones sind in ihrer fritierten schlichtheit knusprig delikat und machen mich auch etwas neidisch. ob ich statt einem dessert boquerones bestelle??? meine mama ist zufrieden mit dem schnitzel, sie wusste ja das es nicht originell aber gut sein würde.

die chardonnay flasche ist längst leer und so bekommen wir jetzt endlich einen spanischen wein; einen verdejo casa del aire aus cuenca, einem aufstebendem weingebiet in kastilien. verdejo ist eine der interessantesten weissen rebsorten spaniens, finde ich. eigentlich kommt sie aus dem weinanbaugebiet rueda. man muss sie geschmacklich etwas bändigen damits nicht zu üppig wird, aber dann kommen frische weine daher, mit einem meist überraschend tropischen bouquet und einer leichten säure. dieser hier duftet grasig und entwickelt dann ein so unglaubliches maracuja aroma, das ich aus dem staunen gar nicht mehr herauskomme. auch hier wird die gut gekühlte flasche einfach auf den tisch gestellt. wir leeren sie natürlich.

jetzt kommt es zum nachtisch, einer der stärken im paseo. gute hausgemachte nachtische. heute wieder besonders gut. ich habe eine dicke scheibe frischkäseflan bekommen, cremig, wenig süss, mit etwas karamell und sahne. den hat mein vater auch. gottseidank, da muss ich nicht soviel abgeben. dann gibt es noch ein hausgemachtes bananeneis für meine schwester. nicht wirklich typisch spanisch, aber gut. kräftig bananig im geschmack. es ist auch nicht zu süss und liegt gut auf der zunge. meine mama hat wié immer torrijas (arme ritter), das ist eine extrawurst, die nicht im menu steht, auf die sie aber als stammgast natürlich ein anrecht hat.

als stammgäste haben wir offensichtlich auch das likörsonderbehandlungsprogramm verdient, denn auch hier bekommen wir die flaschen auf den tisch. hicks. den klassischen kräuterlikör aus galizien und einen kaffeelikör, der überraschend gut trinkbar ist.

die rechnung beträgt nicht ganz 50€. ohmygod.

 

 

 

 

 

EL PASEO
P.º el Álamo 26
28280 – EL ESCORIAL

Bild_576Bild_556Bild_567Bild_555Bild_557Bild_558Bild_553Bild_559Bild_561Bild_562Bild_564Bild_566Bild_565Bild_571Bild_572Bild_573Bild_574Bild_569Bild_568Bild_575

bodegón manrique in pedraza – lamm aus dem ofen

in pedraza gibt es einige interessante kulinarische optionen, doch im grunde geht es bei allen hauptsaechlich um das eine: LAMM PUR!!

in kastilien wird milchlamm (oder spanferkel oder zicklein) traditionell im grossen holzofen gegart. dabei geht man sehr puristisch vor. das tier wird meistens geviertelt, mit salz eingerieben und in einer derben tonschale in den heissen ofen geschoben. dort gart es stundenlang butterweich zart, bis das fleisch buchstaeblich vom knochen faellt und ein unverfaelschtes aroma bietet. fuer fleischliebhaber ein paradies!

vegetarier tun sich verstaendlicherweise schwer hier, zumal beilagen meist nur aus brot, oeligen kartoffeln und ein paar salatblaettern bestehen. die ausweichmoeglichkeiten sind auch nicht riesig, da ebenfalls sehr traditionelle gerichte wie bohneneintoepf meist mit schinkenknochen, schweineohren oder chorizos zubereitet werden.

wir entscheiden uns heute in pedraza fuer die puristischste variante ueberhaupt. der extrem rustikale bodegon manrique bietet nämlich nur lamm, brot und wein.zum lamm gibt es noch einen schlichten salat mit tomaten und zwiebeln und wenn man glueck hat, bekommt man vorab eine knoblauchsuppe, die der kastilier traditionell auf der basis von schinkenknochen und viel bis sehr viel knoblauch zubereitet. serviert wird die suppe ganz ganz ganz heiss, mit darin aufgeweichtem altem brot und einem pochierten ei. das schmeckt meist viel besser, als es sich gerade anhört. im bodegón manrique leider nicht.

wie alt der bodegon ist kann ich nicht sagen. aber bestimmt sehr alt. betrieben wird er von den drei etwas ruppigen toechtern des lang verstorbenen gruenders, die auch nicht mehr die juengsten sind. die inneneinrichtung ist schlicht und durch und durch kastilisch rustikal. grobe holztische und hocker, karierte tischdecken und tonschalen. die spaerliche dekoration besteht aus nicht immer leicht zu identifizierenden kuechengeraeten, ein paar messingtoepfen und einem mit tesafilm an den kamin geklebten mistelzweig. ein grosser anheimelnd wirkender kamin, gibt dann doch weniger waerme ab als gedacht. und in einer ecke ist der riesige holzofen eingebaut, aus dem das lamm in den tonschalen gezogen wird. das wird dann auch schnell mit wenig anrichte-schnickschnack und verhübschungsversuchen serviert und schmeckt ausgezeichnet! dazu gibt es einen rotwein aus der tonkaraffe, der zunaechst aehnlich ruppig wirkt wie die wirtinnen, aber auch wie diese einen gewissen charme dabei hat.

etwas bedauerlich ist die dessertauswahl, keines ist hausgemacht und das aus lauter verzweiflung bestellte eistoertchen ist geschmacklich keine zierde des hauses.

dennoch, fuer ein echtes kastilisches feeling ist der bodegon manrique ein besuch wert!

 

Foto_5Foto_2Foto_1Foto_3Foto_4

pedraza bei segovia – ausflug von madrid

in meiner familie werden ausfluege grossgeschrieben. ich kann mich an wenige wochenende in meiner kindheit erinnern, an denen bewusst nichts unternommen wurde. nun wir waren auch neu in spanien und wollten was sehen. das gilt jedenfalls fuer meine unternehmungslustigen eltern, wir kinder wurden ins auto gepackt und auf ging es zu den vielen sehenswuerdigkeiten und naturschoenheiten rund um madrid.nach ein paar jahren wiederholten sich die ziele: toledo, aranjuez, chinchon, segovia….. aber egal, ich fands immer super, wir machten picknicks in freier natur oder kehrten mal in zuenftige mal in schickere lokale ein, was der ort oder der geldbeutel gerade so hergab und oft mit freunden und verwandten (zu besuch in spanien) im schlepptau.

da habe ich viele erinnerungen, aber es gibt orte die graben sich einem besondes ins herz und so geht es mir mit pedraza. ich weiss nicht mehr wann ich zum erstenmal da war und ich weiss nicht mehr wie oft ich schon da war, ich weiss nur, dass ich immer wieder gerne hingehe.

es gibt so eine bestimmte spanische, wahrscheinlich ist es konkreter eine kastilische aura, bei der mir das herz aufgeht. wenn ich glueck habe beginnt es schont mit guter sicht beim landeanflug auf madrid; dann sehe ich die berge (das ist die sierra de guadarrama) mit den vielen granitfelsen und dem kargen gruen, danach die kleinen patchworkfelder in verschiedensten terracotttoenen am besten mit runden olivenbaeumen bewachsen, alles in dem besonderen hohen hellen kastilischen licht und ich freue mich auf die (puh irgendwie bestreitet mich mein computer gerade, ich komme nicht voran!!! anderen farben, die anderen gerueche und eben das klare licht!

pedraza verkörpert für mich ein romantisches spanien der vergangenheit und das ist deswegen ein bisschen peinlich, weil es so künstlich erhalten ist! die ländlichen gegenden in spanien waren schon immer sehr sehr arm und nach dem fürchterlichen bürgerkrieg wurde es nicht besser. es fand eine unglaubliche landflucht statt, ganze dörfer wurden verlassen und blieben in ihrer entwicklung komplett stehen. so erging es auch pedraza, einem alten kastilischen festungspunkt mit immerhin einer burg, strategisch und landschaftlich einmalig auf einem hügel in der nähe von segovia gelegen. man kann wirklich nichts pittoreskeres erfinden und so ist es nicht verwunderlich, dass der fast verlassene ort wiederum von künstlern und städtern besiedelt wurde, die ihreseits eine stadtflucht antraten und pedraza schon in den fünzigern und sechzigern als eine romantische oase entdeckten und dort häuser kauften, die sie fuer spanische verhaeltnisse ueberraschend behutsam renovierten. mittlerweile ist pedraza auch ein patrimonio nacional, ein geschuetztes denkmalensemble.

entsprechend gibt es in dem ort neben burg, rathaus und kirche vorwiegend typisch kastilische restaurants mit schwerpunkt auf lamm, zicklein und spanferkel aus dem ofen, gehobene souvenir- und kunsthandwerklaeden und natürlich ferienwohnungen. am wochenende ist der ausflug nicht zu empfehlen. der dorfparkplatz ist voll mit madrider suvs und jeeps, die restaurants sind voll mit den fahrzeuginsassen und in den laeden stehen gelangweilte ehemaenner neben ihren verzueckten gattinnen. wir waren unter der woche da und hatten den ort fast fuer uns alleine. das ist im sommer sicher auch nochmal anders.

so konnten wir ungestoert durch die kleinen gassen laufen, den dorfplatz in seiner ganzen schoenheit bewundern und in das restaurant unserer wahl einkehren, ganz ohne reservierung. doch dazu ein andermal mehr!

Foto_1Foto_4Foto_5Foto_2Foto_3