Big in Japan – Warum die ganze Welt auf einmal japanischen Whisky trinkt

 

Eine bessere Werbung für eine eher unbekannte Spirituose gab es wohl noch nie. Im Kultfilm „Lost in Translation“ hält der melancholische US-Schauspieler Bill Murray ein Glas Whisky in die Kamera. In der zum Brüllen komischen Filmszene versteht er die Anweisungen des japanischen Werbefilmers nicht und muss den mittlerweile legendären Satz: „For relaxing times, make it Suntory time.“ bis zur Peinlichkeit mehrfach wiederholen. Dabei wird der Welt schlagartig eins klar: es gibt ihn! Die Rede ist vom japanischen Whisky. Seine Existenz war zwar kein Geheimnis, aber japanischer Whisky blieb bis dato zumeist in Japan, wohl auch weil niemand, einschließlich der Hersteller, so richtig von seiner Qualität überzeugt war.

Das änderte sich schlagartig im Jahre 2003, als zum ersten Mal ein japanischer Whisky eine Goldmedaille beim weltweit maßgeblichsten Wettbewerb für Spirituosen gewann. In den folgenden Jahren ergoß sich ein wahrer Medaillenregen über Suntory und Nikka, den beiden führenden Whiskyproduzenten im Land der aufgehenden Sonne. Die entzückten Juroren preisten die Destillate als harmonisch, doch nicht langweilig, als komplex und trotzdem einfach zu trinken. Dann kam 2015 der fast schon skandalöse Höhepunkt der Auszeichnungen: der Whisky-Papst Jim Murray erklärte erstmals einen japanischen Single Malt zum besten Whisky der Welt! Kein Destillat aus Schottland, der anerkannten Wiege des Whiskys, auch keins aus Irland oder den USA, beides Länder mit einer stolzen Whiskytradition. Die Welt des Whiskys stand Kopf!

Kaum waren die Japaner auch bei der Whiskyproduktion in der Weltspitze angekommen ging der Run auf den japanischen Whisky so richtig los. Was kaum einer weiß: Japan ist mittlerweile nach Schottland und den USA der weltweit drittgrößte Whiskyhersteller. Doch da ist auch viel Masse statt Klasse und ausgerechnet bei den begehrten ausgezeichneten Tropfen kam es erstmal zu Lieferengpässen. Bekanntermassen muss ein sehr guter Whisky jahrzehntelang im Fass reifen. Dummerweise nur hat vor 20-30 Jahren in Japan niemand mit diesem Boom gerechnet und entsprechende Mengen Whisky eingelagert.

Wie kam es überhaupt zu dieser japanischen Whiskyblüte? Japan und Whisky war nämlich nicht Liebe auf den ersten Blick. Als ihn die Amerikaner nach der erzwungenen Öffnung Japans Mitte des 19. Jahrhunderts ins Land brachten, konnte sich die saketrinkende Bevölkerung nicht sofort für die hochprozentige Spirituose erwärmen. Es ist noch nicht ganz hundert Jahre her, dass ein Visionär in Japan die erste Brennerei streng nach schottischem Vorbild gegründet hat. Der Erfolg blieb erstmal aus. Das lag unter anderem daran, dass die Japaner Spirituosen gerne zum Essen trinken und die am Gaumen eher anspruchsvollen Whiskys im schottischen Stil nicht wirklich zur subtilen japanischen Küche passen. Aber seitdem ist viel Whisky ins Land geflossen und das Land hat Zeit gehabt seinen eigenen harmonischen Stil zu finden. Und mit dem erobert Japan nun die ganze Welt.

Noch ein herrlicher  Suntory Werbeclip mit Sammy Davis Jr.

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Echt bittere Erkenntnis – Der Trend zur Bitterkeit

IMG_9462Das Leben kann auch ganz schön bitter sein. Das finde ich besonders dann, wenn ich in meiner Lieblingsbar sitze und die Cocktailkarte studiere. In letzter Zeit finden immer mehr ganz schön bittere Drinks den Weg über die Theke zu mir. Der Trend zur Bitterkeit ist unübersehbar. Und damit meine ich nicht die Bitterkeit gegenüber dem Ex, sondern die Bitterkeit auf der Zunge.

Wahrscheinlich hat es recht harmlos angefangen mit der quietschig orangefarbenen Aperol-Spritz-Welle des vergangenen Jahrzehnts. Während man sich beim Trinken nach der Dolce Vita sehnte, kam man ganz nebenbei auf den zartbitteren Geschmack von Bitterorangen im Aperol. Dann überrollte uns der neue Gin-Craze, dieser etwas aus dem Ruder gelaufene Run auf immer abgefahrenere Gin und Tonic Sorten (Waldmeister Gin mit Pink Grapefruit Tonic, anyone?). Jetzt trinken wir den Cocktail-Klassiker Negroni, der mit Gin, Campari und Wermut gleich drei recht bittere Tropfen im Glas vereint. Ach ja, der Wermutstropfen, ich trinke ihn gerne!

Im Zuge dieser ganzen Verbitterung bahnt sich auch ein Comeback jener Kräuterbitter an, die sich Opa nach dem Essen als Verdauungsschnaps gegönnt hat. Mein Opa z.B. hatte immer ein Karton Portionsflaschen Underberg im beigen Mercedes (!). Denn eine gewisse Bitterkeit ist ganz gesund und schon in den mittelalterlichen Klöstern wusste man, dass Elixiere aus bitteren Kräutern, die Folgen von Exzessen an der Klostertafel lindern konnte.

Ein italienischer Weggefährte von Underberg ist Fernet Branca. Fernet Branca zu trinken war noch vor wenigen Jahren so unsexy wie Gürteltasche tragen. Doch Fernet Branca kommt tatsächlich zurück (die Gürteltasche leider auch). Um das Ganze zu beschleunigen hat sich das italienische Familienunternehmen, von welcher Agentur auch immer, eine Werbekampagne andrehen lassen, die mir ganz schön bitter aufgestossen ist. „Life is bitter“ ,heisst es da und im Prinzip kann man dem ja nur Recht geben. Nachdem mir die Kampagne wochenlang über den Weg lief, wusste ich aber, dass Fernet Branca für mich verloren ist. Die konkrete Bitterkeit von Fernet Branca richtet sich nämlich an harte Kerle, die die Widrigkeiten in ihrem Leben mit dem Genuss eines Bitters kontern. Es ist nicht so, als sei der Kelch der Bitterkeit an meinem Leben vorübergegangen. Aber was den Typen aus der Fernet Branca Werbung so passiert, das ist schon hardcore: Man(n) hat ne Freundin, leider ist sie aus Gelsenkirchen (für Gelsenkirchner wahlweise aus Pinneberg). Man(n) isst gern Fleisch, leider ist sie Veganerin. Sie verschenkt Adventskalender und erwartet selber welche. Darauf schnell ein Fernet Branca, Jungs! Leider kann ich da nicht mithalten. Ich tröste mich derweil mit dem Lesen einer interessanten Studie: Forscher haben neuerdings antisoziale Persönlichkeitsmerkmale mit einer Vorliebe für bitteren Geschmack in Verbindung gebracht. Na dann mal…Prost!

Es wird so süß! Mein zweites Buch „Sweet Berlin“

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Hier sind sie, die Schokoladenseiten Berlins, erstmalig zusammengefasst in einem Buch, das eigentlich gar kein Buch ist, sondern eine wunderbare Reise durch ein unglaubliches Schlaraffenland. Glückshormone garantiert! Der Fotograf Florian Bolk und ich, wir haben die Zuckermomente der Stadt unwiderstehlich eingefangen. Gleichsam auf einer süßen Welle sind wir durch die Hauptstadt gesurft, immer auf der Suche nach der dolce vita Berlins. Im Rausch des Süßen haben wir die besten Pâtissiers, Chocolatiers, Zuckerbäcker, Eismacher, Kaffeeröster, Konditoren und Süsswarenhändler der Stadt besucht und sie mit ihren Rezepten porträtiert. Es war eine herrliche Zeit! Ein bisschen Hüftgold ist mir geblieben.

Hier ist der süße Trailer zum Buch. Vorbestellungen und Anfragen für Rezensionsexemplare bitte beim le schicken Verlag