al mercá – wein und cicchetti am rialto markt

ein besuch in venedig ohne einen besuch des rialto markts? undenkbar! ein besuch des rialto markts ohne eine stärkung im bacaro al mercá? undenkbar!

an einem sehr kalten samstag morgen steige ich an der accademia in ein vaporetto und tuckere mit vielen anderen touristen zusammen zum rialto markt. es ist so überraschend kalt, daß ich kurzzeitig überlege, lieber einen pullover kaufen zu gehen, als über den markt zu schlendern. dann beschliesse ich kein weichei zu sein. ausserdem liebe ich märkte mehr als neue pullover.

der rialtomarkt besteht heutzutage hauptsächlich aus der pescheria, dem berühmten fischmarkt, einem gemüsemarkt und den umliegenden läden, bacaros und trattorias. zur blütezeit von venedig im 15. und 16. jahrhundert war das ganze stadtviertel ein einziger makt. buden, läden, anlegestellen, ein buntes, wirres durcheinander an gassen und kanälen. ach wenn doch eine zeitreise möglich wäre! am besten eine, die den bestimmt vorherrschenden gestank ausblendet. 

ein großes feuer hat dem chaotischen markttreiben ein ende bereitet und die renaissance stadtplaner machten sich ans werk. das ganze viertel wurde saniert und neu gestaltet. läden, markthallen und brücken wurden gebaut. eine modernes marktviertel entstand. vor 500 jahren.

dennoch sind die gotischen bögen der pescheria nicht alt. 1907 enstand der historisierende bau. nach 400 jahren musst doch wohl wieder was getan werden…. war hygienisch nicht mehr alles so einwandfrei. 

das fischangebot lässt mein herz höherschlagen. de facto leide ich höllenqualen. ich kann ja nix kaufen. in unserem b&b gibt es zwar eine küche. aber die ist nur fürs frühstücken ausgestattet. mit nur einer minipfanne. schrecklich. 

aber trost naht. in form meiner familie. wir beschliessen abends ein picknick in unserer küche zu machen. und dafür kaufen wir jetzt ein. echte eselssalami. finferlinge für in die minipfanne (ja das sind pfifferlinge, niedliches wort oder?). zutaten für einen salat. käse. immerhin. 

die sonne kommt auch plötzlich raus und nun müsse wir uns auch dringend stärken.neben vielen anderen dingen ist das schöne an märkten die guten bars in ihrer umgebung. einen besseren standort kann sich eine bar ja auch nicht wünschen. marktarbeiter, händler und besucher müssen sich stärken. so wie wir. gute zutaten gibt es in unmittelbarer nähe. was will man mehr? 

 das al mercá ist eine winzig kleine bar, eigentlich nur ein ausschank mit eine hervorragenden regionalen weinauswahl und dem besten cicchetti angebot in venedig. finde ich. wirklich knusprige leckere kleine brötchen werden mit allem belegt, was der markt und seine umgebung hergeben. viel käse, schinken und porchetta. wir versuchen uns durchzuprobieren, scheitern aber an der großen auswah. für einen wein ist es eigentlich irgendwie zu früh. aber ein rotwein geht dann doch. ja und ein zweiter auch. mit noch einem teller voll cicchetti.

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tramezzini ohne ende – bar alla toletta in venedig

am besten ich oute mich gleich zu beginn:  mein name ist cathrin und ich bin ihnen verfallen.

so jetzt habe ich das hinter mir und fühle mich gleich viel wohler. selbsterkenntnis ist der erste schritt zur besserung. 
nur, das ich keiner besserung bedarf. finde ich. na gut, zumindest was den tramezzini konsum anbelangt. die esse ich nämlich nur in italien. am liebsten in venedig.
und ich bin so selten da. eigentlich wäre jetzt ein bisschen mitgefühl angebracht. ich bin etwas verfallen, was ich in meinem schon so unglaublich langem leben nur zweimal richtig hatte. DAS wäre eigentlich der richtige ansatz für eine selbsthilfegruppe: ich gründe eine 
tramezzini bar in berlin. gibt es eventuell betroffene, die sich beteiligen möchten? 

gibt es andere menschen die so wie ich dieser hemmungslosen kombination an sehr sehr weichen sehr sehr leeren kohlehydraten mit ebenfalls weichen ebenfalls hemmungslosen füllungen mit dubiosem diätetischen hintergrund verfallen sind? in kombination mit spritz aperol? oder einem ollen latte?

kaum in venedig angelangt hielt ich ausschau nach einem geeignetem ort, um meine gnadenlose sucht gnadenlos zu befriedigen. selten in meinem leben wusste ich so genau, was ich wollte.  eine bar, ja, mit einer großen theke, ja, mit einer riesigen tramezzini auswahl, ja, mit einer großen kaffeemaschine, ja, mit einem kleinen, angefüllten gästeraum, ja, mit verständnisvollem personal, JAAAA! ALL DAS! wer auch immer sei dank, ich bekam es (kleine empfehlung an dieser stelle: immer nur dort suchen, wo man auch finden kann. alles andere ist deprimierend! sprich: in berlin wäre meine suche in großer trauer geendet)

und hier noch ein wichtiger tipp zum umgang mit der sucht: sich nur in seltenen fällen alleine hingeben. im zweifel mehr menschen in die abhängigkeit reissen. bei einem so letztlich so ungefährlichen thema wie die tramezzinis, habe ich skrupellos meine famile mit hinein gezogen. 

als ich die perfekte bar alla toletta gefunden hatte, habe ich meine familie einfach eingeladen und hatte den bonus, dass ich schamlos größere mengen bestellen konnte!  ich glaube wir haben uns tatsächlich durch das ganze sortiment durchprobiert. war das herrlich!  
hauchdünn aufgeschittener prosciutto cotto mit allen möglichen kombinationen war ein großer favorit. aber die hausgemachten stockfischcremes waren auch sehr sehr gut. und dann gab es noch so eines mit einer art sehr scharfen bolognesefüllung. und war in dem cavallo tramezzino wirklich pferd drin? 
es war jedenfalls auch köstlich. dann haben wir auch noch unsere ständigen bedenken überfischten thunfisch zu essen, über bord geworfen.  das gelang uns schon beim zweiten glas spritz! 
ja nun, wer weiss wann ich wieder nach venedig komme…

der ort de geschehens:

Bar alla Toletta
Saca de la Toleta 1191, 
Dorsoduro, Venezia 30122

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i figli di stelle auf der guidecca – vom suchen und finden

so, jetzt kommen wir zum höhepunkt unseres venedig- aufenthaltes. the reason to be! meine reizenden eltern, meine reizende schwester und mein reizendes ichselbst haben uns in venedig versammelt , um den geburtstag meiner mutter zu feiern.

an dieser stelle möchte ich ein nicht allzu langes plädoyer für familienfeiern an unbekannten orten loswerden. es ist nicht unbekannt, dass familientreffen ihre tücken haben. gerade zu feiertagen wie geburtstagen,  weihnachten etc..
die Erwartungen der unterschiedlichen familienmitglieder können ja meist nicht unterschiedlicher sein. und wir brauchen nicht drumherumreden, reibungspunkte gibt es immer. in meiner reizenden familie haben wir die erfahrung gemacht, 
dass diese reibungspunkte eine erfrischend andere natur annehmen, wenn man sich an anderen orten als das traute heim trifft. und erfrischungen sind das leben..

das gegenteil von erfrischung ist routine. und perfektion. anfang des jahres, als wir den geburtstag meines vaters in valencia feierten, begann ich den fehler, das perfekte lokal für diesen besonderen familienabend zu suchen. wir suchten im internet nach etwas passendem besonderem. und wir fanden es. 
die kritiken und empfehlungen im internet, die homepage des restaurants, alles versprach uns ein ausgezeichnetes, modernes kulinarisches ereignis in einem besonderen, modernen ambiente. ach die suche nach dem perfekten lokal ist tückisch. wir haben damals sehr gut gegessen, wurden bei der wahl der weine exzellent beraten und hatten das ganze lokal für uns alleine. wir waren die einzigen gäste und das war ein ganz merkwürdiges gefühl. alles so perfekt und wir mittendrin als einzige gäste. sehr merkwürdig.

nein, das sollte mir bei der restaurantauswahl für den geburtstag meiner mutter nicht mehr passieren. ich wollte es mit eigenen augen sehen und nicht virtuell reservieren. also musste ich scouten gehen in venedig. der geburtstag meiner mutter begann in venedig mit einem regensturm. anders kann man es nicht nennen. es regnete und regente und windete und windete. der wind peitschte den regen aus den kanälen an die ufer. auf den trottoirs und den plätzen sammelte sich das wasser und stieg und stieg. aqua alta! ach gott wie romantisch. und wir mit unseren sommerschühchen.  nach einem frühstück mit ordentlichen mengen prosecco in unserem bead & breakfast begaben sich meine reizenden eltern samt der reizenden schwester ins nahe gelegene peggy guggenheim museum. das kenne ich schon, deswegen fiel es mir nicht schwer mich abzusetzen und die drei restaurants auf meiner liste zu erkunden. mit einem grossen schirm bewaffnet wagte ich mich durch den strömenden regen zur fondamenta di zattere, um mit dem vaporetto vom dorsoduro nach giudecca überzusetzen. zum ersten ziel, dem figli di stelle.

an der fondamenta angekommen war ich trotz schirm bis zu den knien patschnass. auf der giudecca wurde ich noch patschnasser. der wind trieb den regen unter den schirm und der schirm klappte zweimal über. das war geradezu wildromantisch. und machte spaß. bester dinge kämpfte ich schritt für schritt gegen regen und wind auf dem weg zum figli di stelle, das mir wärmstens ans herz gelegt wurde.

gottseidank habe ich auf halbem weg von der vaporetto haltestelle zum restaurant einen schuhladen entdeckt.  im schaufenster standen drei sehr attraktive paar gummistiefel. ehrlich gesagt hätten mich auch sehr unattraktive gummistiefel gelockt. so nass wie ich schon war. aber den grauen gummistiefeln mit dem schwarzen hohen absatz konnte ich nicht widerstehen. wie sich aber rausstellte, waren die nicht so einfach zu haben. eine kleine gruppe holländerinnen hatte es sich in dem winzigen laden schon bequem gemacht und wollten ebenfalls ihre sommerschläppchen gegen schicke italienische gummistiefel eintauschen. der kampf um die grossen grössen begann! der ladeninhaber war verzweifelt. wenn er doch nur mehr von den schicken modellen in grösse 40 gehabt hätte!!! eine kurze entscheidungsschwäche der holländerinnen ausnutzend, erstand ich meine wunschgummistiefel, packte meine durchnässten schuhe in eine tüte und stiefelte stolz der nässe trotzend von dannen. und mit so einer bella figura in diesen schicken stiefeln!

beim figli e stelle angekommen, hatte es natürlich noch zu. super. ein blick durch die regennnassen scheiben versprach ein kleines gemütliches lokal. hmm, das wetter hinderte mich schon so ein bisschen am weiterscouten.  zumal mein eigentlich sehr solider schirm nun doch richtig schlappgemacht hatte. und ein schirm laden war nicht in sicht. zu dumm. der hätte auch das geschäft seines lebens gemacht..

also setzte ich alles auf ein pferd. und es gewann! das figli di stelle ist ein sehr empfehlenswertes restaurant. am abend hatte der regen nachgelassen und wir kamen wohlbehalten mit dem vaporetto an. der kleine gastraum ist mit gewisstem holz ausgekleidet und wir bekomen einen rudnen tisch am fenster (hatte ich reserviert).  der service ist sehr freundlich und hilft uns bei der bestellung. ehrgeizg wie wir sind, wollten wir aus der italienischen karte bestellne. aber da sind wir ein bisschen gescheitert und bekamen dann doch die englische.

der pulposalat und das umfangreiche muschelassortiment zu vorspeise waren perfekt! 

Saltata di cozze e vongole
Cozze e vongole in padella con pomodoro fresco, crema di peperoncino e crostini di pane.
Insalata di piovra
Accompagnata da sedano e pomodorini freschi

das steak zum hauptgang war ok, die bessere wahl war das lamm aus dem ofen. und die gnocchi für das geburtstagskind waren wirklich hausgemacht. das hat man auch nicht immer.
dessert konnten wir eigentlich nicht mehr, aber das ist bei uns imer so und dann bestellen wir doch was,

Wir hatten das Semifreddo al pistacchio di Bronte und die Panna cotta con cioccolato fondente. Hier liess es ein bisschen nach. Die Pistazien im semifreddo waren nicht sehr präsent und die panna cotta war ok.

Doch insgesamt war es eine prima show, die bedienung war zuvorkommend, das ebenfalls touristische publikum so diskret wie wir und es war alles in allem nicht perfekt, aber upscale gemütlich, familiär und gut. 

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der sinn des lebens – aperitivo in venedig

OMG! es ist aus und vorbei. finito! kann mein leben noch ein sinn haben? ich habe „a song of ice and fire“ ausgelesen. zumindest die bislang veröffentlichten 12.000 seiten (oder so). was soll ich jetzt tun? wie soll ich weiterleben ohne zu wissen, ob jon snow wirklich umgebracht wurde? und wie danaerys auf den thron gelangen wird? denn das schlimme ist, ich habe zwar alle bislang veröffentlichten bände gelesen. aber die saga ist ja noch nicht zu ende geschrieben,. der autor george rr martin (ein tier ganz offensichtlich) schreibt seit ca. 20 jahren daran. und für den letzten band hat er sechs jahre gebraucht. in sechs jahren bin ich.. nein, nicht daran denken! aufgebrachte und abhängige fans haben sich wohl sogar zu beschimpfungen hinreissen lassen, weil er so lange gebraucht hat. krass. aber gerade kann ich es verstehen. ach das ist kein schöner zug von mir…

da hilft es nix. ich muss an meiner eigenen saga weiterschreiben. wo waren wir stehengeblieben? äh ja in venedig. ach war das schön da. die sonne schien, das essen war gut und die drinks auch. ausserdem hatte ich da noch viertausend seiten von“a song of ice and fire“ vor mir. jaime lannister war gerade seine schwerthand abgehackt worden. war das spannend. NEIIiiin, darum geht es hier doch nicht! es gibt noch andere welten als westeros.

eben z.b. in venedig. da wurde zwar im laufe der zeit bestimmt auch vieles abgehackt. aber es gibt auch schöne traditionen. und die haben überdauert. der aperitivo weit vorne mit dabei. das geht ganz einfach. nach getaner abend so gegen 17:00 oder 18:00 uhr trifft man sich in kleinen bars, bottegas, trattorias usw.. dort trinkt man einen ombra, ein schattengetränk. wein aus dem veneto oder den mittlerweile auch bei uns allgegenwärtigen spritz. ihr wisst schon das grell orangefarbene getränk bestehend aus weisswein, mineralwasser und aperol. oder mit prosecco. das geht auch.

dazu gibt es chichetti. häppchen. tapas. tidbits. da schließt sich der kreis. würde ich aus venedig bloggen hieße mein blog. veneziachichetti statt berlintidbits.das ist überhaupt ein guter gedanke. nach venedig ziehen und von dort aus bloggen. ja es hat mir sehr gut gefallen, dieses mal in venedig. und nicht nur weil ich noch mittendrin war in… NEEiiin. so gehts nicht weiter.

also wir in venedig beim aperitivo. wir haben auch eine entzückende bar gefunden auf dem dorsoduro bei unserem b&b um die ecke. vini al bottegon heisst der weinladen mit ausschank. und chichetti theke. die chichetti sind hier kleine brothäppchen belegt mit allem was venedig und der veneto so hergeben.. baccalà, also stockfisch in allen variationen. köstlicher käse und salame. schinken natürlich und allerlei hausgemachte pasten und aufstriche. man steht mit seinem weinglas drinnen oder draussen, bestellt ein tellerchen voll mit chichetti und genießt das ambiente. studenten, einheimische (ja die auch!) touristen aller couleurs. laut ist es und es wird viel geredet. die kellner hinter der theke wirbeln und eine art la mamma im haushaltskittel ist auch dabei. zum sonnenuntergang kann man dann weiterziehen zum kiosk an der fondaments di zattere. wenns das wetter erlaubt. so wars bei uns. schön war das. es gibt eben doch noch andere welten als westeros.

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Erster Abend in Venedig – Osteria 1518 auf dem dorsoduro

ja, jetzt ist die ganze familie in venedig. versammelt auf dem dorsoduro.

wir haben den sonnenuntergang am kiosk auf der fondamenta di zattere gebührend gewürdigt. die sonne verschwand bei ein bis zwei gläsern spritz und köstlichen in olivenöl frittierten kartoffelchips hinter den imposanten gebäude des molino stucky. eine riesige mühle im neugotischen stil, die auch in berlin stehen könnte. im westhafen oder so.

von einem schweizer unternehmer und einem hannoveraner architekten ende des 19. jahrhunderts gebaut, prägt sie die kanalseite der giudecca und ist das berühmteste industriedenkmal venedigs. nach jahrelangem verfall ist das riesige gebäude saniert. unter anderem ist ein hilton hotel drin. ja mein vater ist mühlenbauingenieur und mein opa war müller somewhere in niedersachsen. deswegen ist der molino stucky für uns ein, wie soll ich sagen, besonders interessanter anblick.nun, die geschichte des mühlenbaus hin oder her, was ein rechter anreisehunger ist, will gestillt werden.

meine reizende schwester und ich haben in einer food-girls-scout-mission die osteria 1518 als erstes etappenziel auserwählt. ein bisschen zur enttäuschung unserer mutter liegt sie nicht direkt am kanal an der fondamenta zattere sondern an einer seitenstraße. dafür ist es auch nur eine semitouristenfalle und klein und gemütlich. es ist noch warm genug, wir können draussen sitzen hurraah! obwohl ein blick nach drinnen einen wirklich höchst liebenswerten nostalgisch aber nicht kitschig dekorierten gastraum offenbart. man hätte auch gern drinnen gegessen/gesessen.
es ist ja unser erster abend und bei dem blick in die speisenkarte fällt die auswahl schwer. wir wollen irgendwie alles. also steigen wir mit fisch antipasti ein und eine bruschetta kombination. beides modern präsentiert und sehr frisch. besonders gewürdigt haben wir die sarde in saor, marinierte sardellen mit zwiebeln und rosinen. sehr gut!

danach gab es (wir haben alles geteilt) eine ausgezeichneten salat mit meeresfrüchten. schwarze pasta mit sepia, eine nicht nur sehr appetitlich aussehende kombination von sepia in schwarzer tinte und weißer sehr schmackhafter polenta (breiig, nicht fest) und einen gegrillten sehr frischen branzino (wolfsbarsch) mit ebenfalls gegrilltem gemüse.
keine klagen, nirgends. im gegenteil. dazu weisswein aus venetien und irgendwie ist es der bedienung gelungen uns noch zu eine portion torta della nonna zu überreden. bei der dessertfrage ist mein vater immer sehr proaktiv. sprich, meine mutter, meine schwester und ich wollen kein dessert und er bestellt welche, die wir dann alle aufessen. allermeistens sind wir nicht undankbar und er hat seinen spaß! dann gab’s auch noch grappa und einen grappa unfall sprich umfall aber es war dann auch genug, denn der wein aus dem veneto war ja auch noch da. und der war auch sehr gut.
die freundliche bedienung hat unsere schrägen deutsch/englischen/pseudoitalienischen bestellungen alle verstanden. zwischendurch kam mal der chef und war ein bisschen aufgeregt, weil wir den tisch etwas umstellen mussten, aber das haben wir alle gemeinsam gut hingekriegt. die rechnung war auch nicht schmerzhaft, sondern in einem ok-wirsind invenedigabereinbisschenabseitsverhältnis angemessen. also alles in allem ein wirklich guter start!

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empfehlenswertes lokal auf dem dorsoduro.

Ankunft in Venedig – Spritz auf dem Campo San Basegio

vor mehr als zwei wochen bin ich nach venedig geflogen. fünf tage war ich da. es war großartig. und ich habe noch kein bisschen drüber geschrieben. wie kann das sein?
ich kriege sogar schon freundliche nachfragen.
die schreckliche wahrheit ist: ich bin abhängig! entsetzlich abhängig. und zwar so, dass ich im moment wenig anders tun kann, als meiner abhängigkeit zu frönen.

nein, nicht erschrecken! ich rauche und trinke nicht mehr als vor venedig auch. ich bin hilflos gefangen in game of thrones. nein nicht erschrecken, dass ist kein computerspiel, das ist eine fantasy buchreihe von einem amerikanischen autor namens george r.r. martin. der hat 1996 angefangen zu schreiben und seitdem nicht mehr aufgehört. 12.000 seiten. 6 bände. und ich mittendrin. oder nein, erschreckenderweise fast schon am ende (gottseidank geht lesen wesentlich schneller als schreiben).was kann das leben mir noch bieten, wenn ich aus diesem epos auftauchen muss? ganz unter uns gesagt, schäme ich mich auch ein bisschen. game of thrones ist nicht hohe literatur. der herr der ringe ist um klassen besser.aber den habe ich ja auch schon neun mal gelesen.

um es geradeheraus zu sagen: game of thrones ist amerikanisches mittelerde/sopranos/mad men mit sex. und food. und so bin ich auch drauf gekommen. meine derzeitige lieblings food page: www.gilttaste.com ist eindeutig schuld!

ich las diesen liebevollen artikel über food in dem buch: http://www.gilttaste.com/stories/2039-food-and-fantasy-in-game-of-thrones und war verloren. ich bin sofort zu hugendubel gerannt und habe den ersten band gekauft. 1200 seiten. die schmolzen dahin. und mit ihnen charred horse steaks, blood pudding with mint leaves, roasted lamb in honey, tiny lemon cakes, spicy ginger beer, soft ripe peaches, 5 verschiedene weinanbaugebiete und und und…

 

die bei hugendubel kennen mich schon. ich bin die irre die immer anrief und saget: ich brauche die nächsten zwei bände, aber schnell! jetzt brauch ich nicht mehr anrufen. ich habe sie alle.

 

in band drei lesend flog ich nach venedig, band vier im gepäck. gottseidank hat venedig ähnlich fesselnde wirkung wie game of thrones. und meine famile auch. wir mögen uns auch deutlich mehr, als die familien in dem buch.wir sind auch schließlich in venedig zusammen gekommen, um den geburtstag meiner mutter zu feiern. nicht um uns gegenseitig umzubringen. obwohl venedig ja ein würdiges szenario wäre.

 

meine reizende schwester und ich stiegen also eines mittwoch morgens in den easy jet flieger und stiegen anderthalb stunden später am marco polo flughafen wieder aus. die fahrt mit dem boot zu unserem B&B auf dem dorsoduro dauerte fast so lang wie der flug.
jeder der mit dem boot vom flughafen nach venedig gefahren ist weiss: die fahrt ist bis auf das letzte viertel unspektakulär. man sieht viel graue lagune, inseln in der ferne, anderen bootverkehr und kann bei jeder haltestelle nur ahnen, was sich hinter dem haltestellenhäuschen verbirgt.

 

aber das macht nichts. denn wenn man am flughafen in ein boot der linea blu einsteigt, hat man die romantische gewissheit; wir nähern uns venedig auf dem wasserweg. alles andere wäre irgendwie unwürdig. und unromantisch.und wenn man nach längerem herumschippern auf der lagune in den canale grande einbiegt und den dogenpalast und den glockenturm vor sich hat, weiss man, man hat alles richtig gemacht.

richtig gemacht haben wir auch die wahl unseres quartiers auf dem dorsoduro, fernab der touristenströme. dazu ein andermal mehr. meine reizende schwester und ich checkten in unserm b&b ein und begaben uns sofort auf die suche nach sonne, spritz und ein bisschen was zu essen.der flug unserer eltern aus madrid kam erst am späten nachmittag an. wir liefen also glücklich im sonnenschein (den hatte ich noch gar nicht erwähnt) über brückchen, durch gässchen, an der fondamenta di zattere am kanal entlang und fanden unsere erste spritztankgelegenheit auf dem campo san bastegio.

keine ahnung wie die trattoria hieß. wir saßen auf einem charmant heruntergekommenen platz in der sonne am kanal, tranken spritz und haben auch ein bisschen was gegessen. der salat war überraschend gut. kein eisberg weit und breit, das gegrillte gemüse war knackig und prima gewürzt und der pulpo konnte dem was wir aus spanien gewohnt sind ehrlich gesagt, nicht das wasser reichen. aber egal, wir waren in venedig angekommen und glücklich.

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