La buena pinta – craft beer in Madrid

Am Anfang war die Krise. Als vor ca. 6 Jahren die Immobilienblase in Spanien laut zerbarst und die heftigen Explosionswellen das Land mit einer grimmigen Wirtschaftskrise überzogen, platzten auch die Träume einer ganzen Generation. Anstelle einer Zukunft mit sicherem Job, Eigentumswohnung und Familie bietet sich der bestausgebildetsten Generation die Spanien je hatte die höchste Arbeitslosenquote Europas. Mit entsprechenden Folgen. Wut und Verzweiflung über Korruption und Misswirtschaft und die Angst vor einer nichtexistenten Zukunft treibt (nicht nur) die jungen Spanier zwischen 25 und 35 auf die Strassen und/oder ins Ausland. Wo das Spanien hinführt ist noch nicht abzusehen.

Ein klitzekleiner Lichtblick: Spaniens lost generation war schon vor der Krise die freiwillig mobilste Generation die Spanien je hervorgebracht hat. Die während internationaler Studienaufenthalte und Reisen gesammelten Erfahrungen brachten frischen Wind und neue Ideen in ein eher durch Abschottung und Selbstzufriedenheit geprägtes Land. Manche davon zahlen sich jetzt trotz und wegen der Krise aus.

Und was hat das jetzt mit Bier zu tun? Einiges, denn ich möchte behaupten, dass Spaniens keimende Craft Beer Szene ihren Ursprung zum Teil in der Wirtschaftskrise hat. Not macht bekanntlich erfinderisch. Das klingt abgedroschen, ist aber nicht immer von der Hand zu weisen. Denn in Spanien, einem Land das sich bislang nicht durch eine Wirtschaftskultur der Gründung geschweige denn der Förderung kleiner bis mittelständiger Unternehmen hervorgetan hat, entstehen immer mehr Mikrobrauereien gegründet von mutigen Unternehmern, die einen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit suchen. Inspiriert von der internationalen craft beer Bewegung und unterstützt von lokalen Fangemeinden, die einen gesunden Stolz auf die heimischen handwerklich hergestellten Biere entwickeln. In Madrid sind das z.B. La Virgen und La Cibeles.

Handwerklich hergestellte Biere brauchen Läden und Restaurants als Verkaufsstellen, die den Mut haben, sich abseits von ausgetretenen Pfaden zu bewegen. Liebhaber, Kenner, Menschen mit dem Bierherzen auf dem rechten Fleck. Ein solcher Laden ist „La buena pinta“ im Madrider Stadtteil Lavapies. Das ist einer der ältesten Madrider Bezirke, lange vernachlässigt, in dem günstige Mieten einen kuriosen Mix aus in bescheidenen Verhältnissen lebenden einheimischen Rentnern, Migranten aus China, Südamerika und Nordafrika und dem, was man auch hierzulande als junge Kreative bezeichnet, hervorgebracht haben.

„La buena pinta“ hat einen clever doppeldeutigen Namen. Zum einen heißt es übersetzt sowas wie der gute Eindruck oder das gute Aussehen, zum anderen bezieht sich la pinta auch auf „pint“ die alte englische Masseinheit für Flüssigkeiten.

Der kleine recht wohlsortierte Laden befindet sich in der traditionsreichen Markthalle „Mercado San Fernando“ die nach dem spanischen Bürgerkrieg als Ersatz für einen Strassenmarkt erbaut wurde, um die hygienischen Verhältnisse des Lebensmittelhandels zu verbessern. Tatsächlich suggeriert die für die Franco-Zeit typische monumentale Architektur, dass die Markthalle wesentlich älter ist. Wie die meisten innerstädtischen Markthallen aller Großstädte hat sie spätestens in den 80iger/90iger Jahren den Konkurrenzkampf zu den expandierenden Supermärkten verloren. Die veränderten Lebensgewohnheiten hatten einfach keinen Platz mehr für den täglichen kleinteiligen Einkauf an verschiedenen Marktständen.

Im Zuge eines Revitalisierungsversuches werden die Flächen in der Markthalle sehr günstig verpachtet. Das haben auch die Inhaber von La buena pinta genutzt um sich mutig mit ihrem Herzensprojekt selbstständig zu machen. Der wirklich sympathische Laden ist einen Besuch wert, man kann sich durch das solide Angebot an spanischen und internationalen Bieren probieren und mit den Einkäufen an den umliegenden Ständen ein schönes Bierpicknick vor Ort zusammenstellen. Neugierigen und Liebhaber von Craft Beer sei das spanische Angebot von Herzen empfohlen, ein bisschen guter Schinken und Käse dazu und der Genuss ist perfekt!

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gib mir craft (beer)

Das sog. Craft Beer Movement ist in den USA in den 80iger Jahren als Gegenbewegung zur Vereinheitlichung des Biermarktes entstanden. Während immer größere Brauereien immer langweiligere Biere produzierten entstanden in Küchen, Garagen und Hinterhöfen die sog. Microbreweries, Kleinstbrauereien, in denen amerikanische Männer (die sind in meiner offensichtlich vorurteilsbehafteten Vorstellung meist bärtig und tätowiert und tragen schwarze T-Shirts mit einem rockigen Spruch drauf)) ihre Freude am individuellen Biergeschmack austoben.

Kleine unabhängige Brauereien erobern mit ihrem Craft Beer in den USA ein gutes Stück vom Biermarkt zurück und es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass sich die USA in einem Art Craft Beer Rausch befindet. Wenn man bedenkt, was für ein große Geschmacksumstellung von einem Miller Lite zu einem hopfigen Pale Ale erforderlich ist, ist das ganz schön beachtlich.

Nun schwappt der Trend also zu uns nach Deutschland in das Land der geheiligten Braukunst und auch wir haben endlich die Gelegenheit von Becks und Konsorten auf IPA umzusteigen. Ich kann mir vorstellen, dass sich manch deutscher Braumeister aus der traditioneller Reinheitsgebotsschule höchst unwohl fühlt, bei dem Gedanken an die Möglichkeiten die sich einer mental unabhängigeren Braukunst bieten: Biere mit Früchten und Kräutern, im Fass gereifte Biere, gerauchte Biere der Braufantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Für einen Bierneuling ist es etwas verwirrend sich da zurecht zu finden. Allein die Sortenvielfalt ist überwältigend: mussten wir bislang nur zwischen Pilsner, Export, Alt Bier und Weizenbier unterscheiden kommen nun noch Sorten wie Ale, Stout, Porter, Lager mit ihren Hunderten von Untersorten hinzu.

Gottseidank gibt es für Bierliebhaber jetzt die neue Berlin Beer Academy die im Herbst mit Kursen und Workshops auch für Amateure Kurse für den Einstieg in den Biergenuss anbieten wird: http://www.berlinbeeracademy.de. Noch ist kein Kursprogramm online aber das wird sich hoffentlich bald ändern.

Beim Craft Beer Day in der Malzfabrik bekam man am vergangenen Wochenende einen guten Einblick in die deutsche Craft Beer Szene. Leider war es fürchterlich heiß und man konnte gar nicht soviel trinken. Ausserdem war ich mit dem Motorrad da. Selbst schuld ist schon klar, aber die Malzfabrik liegt leider etwas ab vom Schuss.

Eingestiegen bin ich mit einem Bier namens Zythos (dem altgriechischen Namen für Bier), das durch seine Zitrusnoten sehr sommerlich, frisch und knackig daherkam.

Von Crew aus München gab‘s ein Summer Beer, dass mir aber zu malzig und ein bisschen zu rund war.

Dann musste ich mich auch schon mit einem ausgesprochen guten Pulled Pork Burger von Foodpool stärken, den ich vor lauter Hunger vergessen habe zu fotografieren. Schade er sah auch sehr gut aus…

Beim Heidenpeter am Stand ( https://berlintidbits.wordpress.com/2013/02/12/heidenpeters-brauerei-hancraftet-beer-in-berl ) habe ich dann Fritz aus Bonn getroffen, der neben seinem FullTime Job bei der telekom noch Zeit findet bemerkenswerte Ales zu brauen. Die Biere beider Brauer nicht verpassen!

Nächstes Wochenende geht‘s dann gleich weiter mit dem Craft Beer Genuss. Auf dem Bierfestival auf der Karl Marx Allee bietet die Berlin Beer Academy im Craft Beer Pavillon einen Überblick über den amerikanischen Craft Beer Markt. Fast 100 Biersorten von 19 Brauereien! Klingt nach einer starken Aufwertung der Biermeile.

Bleibt nur noch die Frage: Was ist eigentlich Craft Beer? Tja das ist gar nicht so einfach zu definieren. Craft Beer wird von kleinen, unabhängigen Brauereien gebraut. Das dürfte Konsens sein. Meistens wird Craft Beer von Hand gebraut, das stimmt aber nicht immer. Hinter einem Craft Beer steckt meistens ein kreativer experimentierfreudiger Braumeister.
Tradition ist auch ein Wort, dass in Zusammenhang mit Craft Beer bemüht wird. Aber da Brautraditionen in jedem Land sehr sehr unterschiedlich sind, ist das auch kein sehr gutes Definitionsmerkmal. Mit deutscher Brautradition hat ein Chili Pale Ale nicht soo viel zu tun.
Bevor Craft Beer zum Trend wurde, wurde es hauptsächlich regional vertrieben. Auch das ist nicht mehr ganz richtig. Verabschieden wir uns also von einer allgemein gültigen Definition. Craft Beer ist einfach unabhängig, individuell und sehr sehr spannend.

Wir das CoCoNut Porter von Maui Brewing, dass ich noch im Kühlschrank hatte. Mit handgerösteter Kokosnuss!

Craft Beer Days: 27- 28.07. von 12:00 Uhr bis 21:00 in der Malzfabrik.
Craft Beer Pavillon auf dem 17. Bierfestival vom 02. bis 04.08 auf der Karl Marx Allee

Heidenpeters Brauerei – handcraftet beer in Berlin

Die Zeiten wo Bier mal Bier und in Deutschland vor allem Pils war sind
vorbei. Becks, Rothaus, Astra und Konsorten sind von gestern. Wer was auf
sich hält, trinkt handgefertigtes Bier und fachsimpelt mit dem Brauer
seines Vertrauens. Der Trend zur Micro-Brauerei schwappt aus USA,
wo handcraftet beer den langweiligen Produkten der Riesenbrauereien
zumindest bei Kennern gerade den Rang abläuft, zu uns und zeigt uns, wie Bier anders geht.

 

In Berlin sind wir ja den Zeichen der Zeit gerne voraus und in der
Markthalle Neun haben wir einen wunderbaren Ort, indem sich kulinarische
Trends zur Freude aller austoben können. Hier hat Johannes Heidenpeter
seine Mini-Brauerei in Betrieb genommen und serviert am Wochenende für die
Besucher des Wochenmarktes sein handgefertigtes Bier.

 

In seiner selbstgezimmerten Bar kommen zur Zeit drei Sorten aus dem
Zapfhahn: India Pale Ale, Pale Ale und Brown Ale. Manchmal macht er auch
Experimente dann gibt es z.B. India Pale Ale mit Minze. Da werde ich
demnächst wohl nochmal hinmüssen, denn das macht mich noch neugieriger als
ich eh schon bin.

 

Generell gesprochen sind Ales obergärige Biersorten, die durch höhere Gährungstemperaturen eine grössere Geschmacksvielfalt liefern_ das Ganze gepaart mit besonders aromatischen Hopfensorten. Das ergibt ein höchst individuelles Aroma. Und das ist zunächst einmal: BITTER! Obwohl ich ein ausgesprochener Bitterfan bin, ziehts mir bei allen drei Sorten erstmal den Gaumen zusammen. WOW. Äh ja. Der Geschmack ist anders als bei anderen Bieren. Unterschiede zwischen den drei Sorten kann ich erst bei genauem Hinschmecken in einer zweiten Probierrunde erkennen.

Nachdem sich mein Gaumen von dem Bitterschock erholt hat, fängt er an
Nuancen zu erkennen. Indian Pale Ale, unter Kennern auch einfach IPA
genannt, ist am bittersten. Brown Ale am mildesten. Beim dritten Schluck
beginnt die Trinkfreude. Die Aromen fächern sich auf. Bittere Noten werden
durch malzige und erdige Noten abgerundet. Insgesamt schmecken die Biere
aber sehr trocken. 

Man kann sich vorstellen wie spannend das Ale zu einem guten BBQ schmeckt,
oder zu einem Bohneneintopf, zur Bratwurst und vielleicht auch zu Käse? 

Heidenpeters verkauft das Bier jetzt auch zum Mitnehmen in schicken 0,7
Retroflaschen. Handgebrautes Bier für den Hausgebrauch. Und der Sache mit
der Minze, der muss ich nochmal nachgehen!

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