Essen im Frühling – eine Liste für alle Fälle

Nachdem der Beitrag „Essen für Deprimierte“ so interessiert aufgenommen wurde, möchte ich mich einer differenzierteren Fortsetzung widmen. Das Thema „Comfort Food“ war ja doch sehr winterbehaftet und mittlerweile ist es, man glaubt es kaum, doch Frühling geworden. Der Mai ist gekommen, der Flieder blüht, das Freibad ist eröffnet und die Temperaturen zwingen unschuldige Menschen dazu, sich mit der Frühlingsgarderobe vom vergangenen Jahr zu beschäftigen.

Jedes Jahr so ab Neujahrstag wünsche ich mir den Frühling herbei. Sonne, Licht, Wärme lautet mein unerfülltes Wunschmantra im Januar, Februar, meistens noch im März und furchtbarerweise noch oft genug im April. Ich wohne übrigens in Berlin, dass erklärt einiges. Dann, auf einmal, komplett überraschend sind Sonne, Licht und Wärme da. Sie scheinen durch meine ungeputzten Fenster, bringen die Staubwolken auf dem Boden zum Vorschein, kitzeln meine weiße Haut und machen mich unruhig. Wenn es warm ist und ich arbeiten muss, fühle ich mich betrogen. Wenn es kalt ist und ich frei habe, fühle ich mich betrogen. Wenn es warm ist und ich frei habe, kann ich mich nicht entscheiden, ob ich Motorradfahren, Schwimmengehen oder Biergartensitzen soll. Oder am Ende gar Fensterputzen? Den Balkon bepflanzen? Der Frühling ist immer zickiger als ich dachte und  er und ich brauchen jedes Jahr eine ganze Weile, bis wir uns aneinander gewöhnen. 

Was das Essen angeht, so habe ich jeden pizzageschwängerten Winter die Gewissheit, der Frühling werde in mir auf Knopfdruck nicht nur Leichtigkeit und Wohlbefinden auslösen, sondern auch automatisch eine komplette Ernährungsumstellung mit sich bringen, die jeden Gedanken an Pizza auslöscht und meinen Körper mit ein oder zwei wohlschmeckenden Erdbeeren und einem halben Liter Kefir am Tag glücklich und zufrieden sein lässt. 

Das es nicht ganz genau so kommt, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Man muss im Frühling differenzierter mit der Essensthematik umgehen, quasi situationsbedingt. Hier sind daher meine Golden Rules für das Essen im Frühling:

1. No carbs

Mein erster ganz allgemeiner Instinkt im Frühling, bringt mich dazu auf Kohlenhydrate weitestgehend zu verzichten. Keine Pasta, keine Pizza, keine Kartoffeln, kein Reis. Da bin ich ganz radikal. Nur in äußersten Ausnahmefällen gibt es Ausnahmen. Üblicherwiese sind das: Spaghetti mit dem ersten selbst gemachten Bärlauchpesto; das eine Stück Pizza, nachdem ich den ganzen Tag nur Erdbeeren gegessen habe; die klitzekleinen neuen Kartoffeln zum frischen Spargel, die Miniportion Vanillemilchreis zum ersten Rhabarberkompott.

2. Das erste Mal im Schwimmbad

Es ist Wochenende und ich wache etwas irritiert auf. Es ist alles so hell und so warm. Die Sonne scheint tatsächlich in mein Schlafzimmer. Kein Wunder, es ist auch schon Mittag. Shit, ich habe den halben Tag verschlafen. Besser nicht über die Ursachen nachdenken. Schnell die Badesachen packen und das erste Mal schwimmen gehen. Juhu. das Wasser ist kalt und mein Hirn ist wieder da. Mein Appetit auch. Shit, ich habe die Erdbeeren und den Kefir zu Hause im Kühlschrank vergessen. Tja, da werde ich wohl Pommes rot/weiß essen müssen.

3. Hosenalarm

Die Lieblingshose vom vergangenen Frühjahr passt nicht mehr. Hier hilft nur eins, shoppen gehen! Zuerst eine Hose die passt. Und dann ausreichend Gurke und Hüttenkäse für die nächste Woche, die nächsten zwei Wochen oder den nächsten Monat. Es gibt Gurke und Hüttenkäse bis die die Lieblingshose wieder passt. 

4. Verliebtsein (allgemein)

Es ist passiert. Es ist Frühling und es hat PENG gemacht. Für die ersten Momente der Ungewissheit, des unerfüllten Verlangens und der ständigen Gefühlsschwankungen empfehle ich eine ausgewogene Diät aus Cola light und Zigaretten. Es gibt nichts, was diesen einmaligen Zustand besser unterstützt. Wenn man vor Aufregung nicht schlafen kann, sollte man den ein oder anderen Gin Tonic in Erwägung ziehen. (Am nächsten Morgen/Mittag evtl. das erste Mal ins Schwimmbad (s.o.))

5. Verliebtsein/Beziehung (glücklich)

In dieser wunderbaren Situation ist ALLES erlaubt, solange man es nur zu zweit tut. 

6. Verliebtsein/Beziehung (unglücklich)

In diesem bedauerlichen Fall gehen wir über Los, vergessen den bescheuerten Frühling und greifen zu COMFORT FOOD siehe unter: http://www.berlintidbits.wordpress.com/2013/04/01/comfort-food-essen-fur-deprimierte

7. Gar kein Verliebtsein

Wenn der Frühling emotional gar nichts bietet, heißt es, sich vorzubereiten auf den Sommer. Da kann schließlich auch noch so einiges passieren. Unter der Woche sind Erdbeeren, Kefir, Hüttenkäse und Gurken angesagt. Und am Wochenende: PARTY! Von nichts, kommt ja bekanntlich nichts.

Viel Spaß im Frühling!

 

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Comfort Food – Essen für Deprimierte

Es gibt Momente im Leben da hilft nichts, gar nichts! Egal wie man es dreht und wendet: die Welt ist schlecht, das Wetter ist scheiße, der Zahnarzttermin ist nun wirklich unaufschiebbar, die Lieblingsjeans passt sowieso schon länger nicht mehr und man ist an allem auch noch irgendwie selber schuld.

Was soll man da machen? Am besten was Essen. Salz, Zucker, Fett und möglichst viele viele ungesunde aber ungemein befriedigende Kalorien. Die Amis haben uns hier offensichtlich einiges voraus, die haben sogar ein Namen dafür: Comfort Food. Comfort Food ist das, was man essen sollte, wenn man sich eigentlich am liebsten die Bettdecke über den Kopf ziehen würde. Überschneidungen mit Fast Food sind möglich, aber nicht zwingend. Comfort Food ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Was bei dem einen extremes Wohlbefinden auslöst, kann bei jemand anderem einen akuten Ekelanfall bewirken. Trotzdem gibt es einige allgemein gültige Regeln und Tipps für die erste Hilfe durch Essen:

Geschmolzener Käse

Es ist warm, weich, fettig und zieht Fäden? Perfekt. Die extreme Variante ist ein Käsefondue. Gottseidank ging es mir noch nie so schlecht, dass ich mir für mich alleine einen Topf Käsefondue machen musste. Aber unzählige Käsetoasts haben in den dunklen Stunden meines Lebens den Weg auf meine Hüften gefunden. Mit Scheibletten bei finanziellem Elend. Mit Rohmilchkäse, wenn man trotz Geld nicht glücklich ist.

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Nudeln

Pasta macht glücklich, das weiss jedes Kind. Wenn man an die glücklichen und sorglosen Momente der Kindheit anknüpfen möchte, empfiehlt es sich, beim Pastakonsum so wenig erwachsen wie möglich vorzugehen. Ich gestehe folgende Vorlieben: Gekochte und etwas kleingeschnittene Spaghetti in viel Butter anbraten. Viel Ketchup dazugeben und umrühren bis alles heiß ist. Spaghetti in Pfanne zur Seite schieben und auf dem so geschaffenen Pfannenplatz ein Spiegelei anbraten. Spaghetti und Spiegelei auf einen Teller geben und viel jungen geriebenen Gouda (s.o. geschmolzener Käse) dazutun. Alles mischen (es sieht nicht lecker aus, aber das ist egal) und auf dem Sofa vor dem Fernseher essen. Möglichst Mamma Mia gucken. Das hilft auch immer

Eis

Hier sind die Geschmäcker unterschiedlich. Manch einer schwört auf Schokoladeis. Ich mags gerne sauer. Frei nach dem Motto: when life gives you lemons, make a Zitronensorbet.

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Schokolade

Ich persönlich halte nicht viel von Schokolade als Comfort Food. Deswegen führe ich sie in dieser Liste eher nur so der Vollständigkeit halber auf. Und aus Respekt vor all den Menschen, denen Schokolade Trost spendet. Wie man hört sind das ganz schön viele. Die will man ja nicht alle gegen sich haben.

Würstchen

Hier scheiden sich die Geister ein bisschen. Manch einer behauptet: nur eine gute Wurst macht glücklich. Ich hingegen habe auch schon beim Verzehr von Ikea Hot Dogs eine wesentliche Aufmunterung verspürt. Zumal nach einem dieser Einkäufe, bei denen unerklärlicherweise viel mehr im großen Ikea-Einkaufswagen gelandet ist, als geplant. Dann schnell zwei (eines reicht nicht!) von diesen fiesen Brötchen mit diesen fiesen Würstchen drin für fies wenig Geld kaufen und sie voll fies mit allem möglichen an der Hot Dog Service Station beladen. Vor zwei Jahren habe ich mir ein Ikea Verbot auferlegt. Ich will dort einfach nichts mehr kaufen. Die Hot Dogs vermisse ich am meisten. Übrigens funktioniert die Comfort Magie von Würstchen bei mir auch ohne Fleisch. Es gibt da so vegane Chorizos, die tuns bei mir auch.

Pommes

Pommes sind eben Pommes. Da muss nicht viel gesagt werden. Besonders hilfreich bei katerverursachter Schwermut. Der letzte Gin Tonic war eindeutig hinüber? Welcher war überhaupt er letzte Gin Tonic? Und wo hab ich den gleich noch mal getrunken? Eine gute knusprige heiße Portion Pommes, mit viel rot-weiß, hilft bei der endgültigen Verdrängung dieser Fragen und schafft eine solide Grundlage für das erste Reparaturbier.

Gin Tonic

Ein Gin Tonic ist im engeren Sinne natürlich kein Food. Aber wir wollen das mal nicht so eng sehen. Das Leben ist schon schwer genug!

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to be continued…..