Kann denn Kochen Sünde sein? Ein Comic für Genießer von Guillaume Long

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Das ist mein erster Beitrag zur 2. Blogger-Themenwoche „Jeden Tag ein Buch“. Da ich aus schrecklichem Zeitmangel  und grippebedingter Konzentrationsschwäche mittendrin in der Woche einsteige, wird das bedauerlicherweise bei mir nix mit „Jeden Tag ein Buch“. Mit Glück werden es „In der Woche zwei Bücher“. In der Blogger-Themenwoche geht es übrigens wieder um „Genussbücher“. Letztens habe ich wagemutig Game of Thrones als Genussbuch präsentiert. Das ist ein ganz erfolgreicher Blogbeitrag geworden, obwohl ganz ohne Fotos von halbnackten Frauen!

Dieses Mal stelle ich ein bis zwei Comics vor und vielleicht auch noch… Aber nur wenn Zeit ist.

Abgesehen von der Rezension des Comics Kann denn Kochen Sünde sein? von Guillaume Long werden wir auch noch die Frage beleuchten, ob ich korrupt bin und wenn ja, wie sehr.

Auf den französischen Koch-Comic bin ich durch eine freundliche Mail des Verlags aufmerksam geworden, in der mir das Buch vorgestellt und ein Rezensionsexemplar angeboten wurde. Es ist das erste Mal in meinem Bloggerdasein, dass mir ein Rezensionsexemplar angeboten wurde, und ich habe nicht nein gesagt. Schon allein deswegen nicht, weil ich ein großer Comic-Fan bin. Meine erste große Liebe hieß Prinz Eisenherz, auch wenn der nicht gekocht, sondern nur gekämpft hat. Hätte er gekocht, hätte ich mich auch verliebt. Wahrscheinlich sogar noch mehr.

Es ist schön zum ersten Mal im Leben ein Rezensionsexemplar zu bekommen; man fühlt sich gebauchpinselt, man hat nichts gezahlt, man freut sich auf das Buch, kurz man ist voller positiver Gefühle….

Die werden sogar noch gesteigert, weil man auf die Buchpräsentation eingeladen wird! Auf dieser kocht der Autor persönlich eines seiner Rezepte für die Gäste, plaudert sympathisch über sein Buch und zeichnet mir noch sympathischer in mein Rezensionsexemplar eine persönliche Widmung. Er zeichnet ein BBQ, weil wir beide so gerne grillen.  Super! Ausserdem ist er Blogger, das macht ihn ja quasi zu einer verwandten Seele, auch wenn er das Glück hat für Le Monde zu bloggen. Glück sagt er, muss man manchmal haben. Da hat er Recht!

Dann setze ich mich eines Tages wie sich das gehört mit einem Glas französischem Rotwein und dem GenießerComic auf das Sofa und fange an zu Lesen. Und finde das Buch so ganz nett, irgendwie sooo… schon ok.. wenn ihr wisst, was ich meine! Und jetzt ist die Frage: wie korrupt bin ich? Wie nett schreibe ich über das Buch des sympathischen Zeichners, das ich kostenlos bekommen habe? Vielleicht kriege ich ja nie wieder ein Rezensionsexemplar, wenn ich Kritik übe?

Der Comic besteht aus einer lose Aneinanderreihung von Episoden, Geschichten, Reiserlebnissen und Rezepten, die saisonal den vier Jahreszeiten zugeordnet sind. Es gibt eine Art praktische Gebrauchsanweisung gleich am Anfang des Buches, in der die Inhalte erklärt werden. Hauptfigur ist fast immer der Autor selbst, es gibt ein noch paar Gastfiguren wie seine Freundin oder ein schweigsamer Kochfreund, mit dem er schwimmen geht.

Der Autor und IchFigur ist also ein sympathisch bebrillter Mann so Mitte Dreißig, der gerne isst und trinkt, gerne kocht, neue Kochgeräte ausprobiert, sich Gedanken über seine Umwelt und die Herkunft der Lebensmittel macht, in Restaurants geht und schöne Städtereisen unternimmt. Also genau die Dinge über die man gerne bloggt und in seinem Fall drüber zeichnet. Eigentlich fast schon verwunderlich, dass es nicht noch mehr solcher Blogs/Comics gibt. Was nicht verwunderlich ist, ist dass der GenießerComic aus Frankreich kommt, dem Heimatland einer großen Kulinarik- und  Comic-Kultur.

Insgesamt haben der Autor und ich nicht ganz denselben Sinn für Humor. Da kann ja keiner was dafür, ist aber so. Am lustigsten fand ich die Geschichten über  Raclette. Wenn man so wie der Autor und ich, dem Käse insgesamt verfallen ist und die Sehnsucht nach einem Raclette durchaus mächtig werden kann, dann empfindet man ein knauseriges Raclette mit schlechtem Plastikkäse und zu wenigen Pfännchen schon mal als Alptraum. Ob man überhaupt noch Einladungen zum Raclette annehmen sollte? Jedenfalls bietet es sich an, bekanntermaßen knausrigen RacletteGastgebern den Comic als Gastgeschenk mitzubringen. Denn die zehn Gebote für ein gutes Raclette von Guillaume Long kann ich unterschreiben!

Was auch ok ist sind die Rezepte, die sind zwar kulinarisch alle nicht mein Fall (bis auf den Löwenzahnsalat) aber gut gezeichnet und für Kochanfänger ideal. Auch die Einkaufslisten und Zutatenbeschreibungen sind gut gemacht und hilfreich für Neulinge. Insofern ist der Comic für „Anfänger“ bestimmt auch ein passendes Geschenk.

Mit den Geschichten über den schweigsamen Kochfreund Florian, dem der Held vergeblich versucht Kochtipps zu entlocken, kann ich eher wenig anfangen. Die Reisegeschichten über Budapest und Venedig sind ganz nett, und auch die Episoden über Küchengeräte und deren Sinn und Unsinn sind ganz witzig. Mit manchen Geschichten fremdel ich richtig, wie zum Beispiel die über den am Acker schlafenden Mann und sein schwarzes RettichTrauma oder die singenden Eier im Topf. Oh und die Felchen Geschichte, die ist sehr französisch-skurril. Hmmm.. Was wollte uns der Autor damit sagen?

So in der Gesamtschau leidet das Buch ziemlich unter einer hölzernen Übersetzung. Manche Sachen lassen sich auch gar nicht übersetzen. Z.B. die kleinen Tipps von einem Herrn namens Pepe Roni, die ab und an am Fuße von Seiten eingestreut sind. Hier werden Begriffe aus dem Alltag mit ihrer normalen Bedeutung und einer kulinarischen Bedeutung „erklärt“. Z.B. gibt es den Chinesen. Das ist ein Mensch aus China und im Französischen und Spanischen auch ein Küchensieb. Im Deutschen heißt so aber kein Küchensieb und auch der Russe ist kein Topf, genauso wenig wie Marinieren bei uns sofort den Gedanken an Seefahrt auslöst. Was die Inhalte zu Anbraten und zu Verdünnen im Deutschen bedeuten sollten, ist mir ein großes Rätsel geblieben. Statt große Verwirrung vielleicht einfach Mut zum weglassen?

Zu oft hat man in den Sprechblasen einen französischen Satzbau oder eine sinnlose 1zu1 Übersetzung. Hier nur ein Beispiel über ungarische Menus bei der Budapest-Reise: „Die Proportionen sind monströs, die Gewohnheit der Trilogie von Vorspeise, Hauptgericht und Dessert gewöhnt man sich in Ungarn schnell ab.“ Äh ja. Portionen statt Proportionen? Und die Gewohnheit der Trilogie… klingt unglaublich gestelzt. Das ist doch ein Comic!

Eine Frage nehme ich jetzt schon zum dritten Mal ungeklärt ins Bett. Was um alles in der Welt sind Toxe? Selbst extensives googeln hat mich hier nicht weitergebracht. Im Buch wird das Wort als Kategorisierung für offensichtlich uncoole Restaurantbesucher gebraucht. Habe ich hier sprachlich etwas verpasst? Kann mich jemand aufklären??? HELP!

 

 

 

 

 

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Game of Thrones – ein Genussbuch?

Ein Beitrag zu Jeden ein Buch –  eine Themenwoche für Blogger  von www.arthurstochterkochtblog.com/

Winter is coming… Wer mit diesem Satz etwas anfangen kann, ist bestimmt ein GoT Fan! Das tausende von Seiten lange Fantasy Epos von George R.R. Martin hat spätestens seid der HBO-Serie Kultcharakter. Für diejenigen an denen der ganze Hype spurlos vorübergegangen ist sei kurz gesagt: Game oft Thrones ist wie der Herr der Ringe nur mit Sex, gutem Essen und viel mehr Gewalt. Wenn man also mittelalterlicher Fantasy-Literatur nicht abgeneigt ist, einen guten Schmöker schätzt, nichts dagegen hat, dass der Autor viele der Helden gnadenlos opfert und es obendrein aushält, dass das Epos noch nicht zu Ende geschrieben ist, sollte man sich auf die bislang geschriebenen ca. 12.000 Seiten freuen!

Der Autor, ein bekennender Genießer und Nichtkoch, hat nicht nur zwei Kontinente nebst den dazugehörigen Völkern, Königreichen, Helden, Städte, Burgen, Sagen, Sprachen, Landschaften und Klimazonen geschaffen, sondern auch liebevoll und durchaus appetitanregend zu jedem Landstrich die passenden Speisen & Getränke erdacht. Viele der Helden und Antihelden haben Lieblingsspeisen, sind Genießer und freuen sich, gut zu essen und zu trinken. Dadurch werden die Charaktere nahbarer und bekommen für jeden der selber gerne isst und trinkt, eine ganz eigene kulinarische Dimension, wie ich sie sonst in keinem anderen Buch erlebt habe.  Wenn sich z.B. das tapfere Mädchen Arya Stark auf ihrem langen und harten Weg der Selbstfindung nach Zitronenkuchen aus der heimischen Küche sehnt, macht sie mir das noch sympathischer als sie es eh schon ist. Gott sei Dank lebt sie derzeit auch noch. Und wehe der Autor lässt sie umkommen, wie er es schon mit vielen meiner lieb gewonnenen Helden getan hat. Zuletzt sogar mit…., nein ich sage nix!

Und Jamie Lannister hat bislang nur die Hand verloren, da bin ich sehr froh drüber. Wo er doch so gut aussieht und mit seiner Schwester, der gemeinen Königin, zwei Kinder hat.

Die beschriebenen Genüsse haben einen eindeutig mittelalterlichen Charakter, George R.R. Martin erfindet das Rad auch nicht neu, gibt aber allem einen ziemlich originellen Dreh, bei Zutaten und Gewürzen. Im Norden gibt es selbstgebrautes Starkbier, Apfelkuchen, Wildpasteten und Blutwurst, etwas weiter im Süden wächst schon der Wein, auf den Tisch kommen Schwäne, Schnecken und Forellen. Noch weiter im Süden lässt man sich gegrillte Schlange schmecken, gefüllte Paprika und Datteln. Auf die Tafel des Königs gelangen Entenbrust, Ochsenschwanzsuppe, Feigentartes und gewürzter Wein.

Besonders ausgefeilt sind die Beschreibungen der vielen Feierlichkeiten, Bankette, Zeremonien und die dazugehörigen Speisenfolgen. Da hab ich auch schonmal ziemlich Hunger bekommen. Zum Glück habe ich einen Teil der Bücher in Venedig gegessen äh gelesen und die kulinarischen Gegebenheiten in meinem wirklichen Leben fielen nicht allzu sehr von der Fiktion ab!

Zwei GoT und kochbegeisterte Amerikanerinnen haben sich vor einigen Jahren daran gemacht die Rezepte aus dem Buch zu entwickeln und zu kochen. Der dazugehörige Blog  namens Inn at the crossroads wurde ein riesiger Erfolg! Ermutigt sind sie dann auf George R.R. Martin zugegangen und haben mit seiner Zustimmung und seinem Wohlwollen ein Kochbuch herausgebracht. Es heißt: A Feast of Ice and Fire – the official Game of Thrones Cookbook. Der eher komplizierte Titel dient zur Abgrenzung von Nachahmerprojekten wie dem The unofficial Game oft Thrones Cookbook. Die Kochbücher kenne ich aber nicht. Ich habe auch nicht vor sie zu kaufen. Ich hoffe nur, dass George R.R. Martin bald mit der nächsten Folge herausrückt. Einmal hat er dafür vier Jahre gebraucht. Angeblich hat er von verzweifelten Fans sogar Drohungen erhalten. So verzweifelt bin ich dann doch nicht…

der sinn des lebens – aperitivo in venedig

OMG! es ist aus und vorbei. finito! kann mein leben noch ein sinn haben? ich habe „a song of ice and fire“ ausgelesen. zumindest die bislang veröffentlichten 12.000 seiten (oder so). was soll ich jetzt tun? wie soll ich weiterleben ohne zu wissen, ob jon snow wirklich umgebracht wurde? und wie danaerys auf den thron gelangen wird? denn das schlimme ist, ich habe zwar alle bislang veröffentlichten bände gelesen. aber die saga ist ja noch nicht zu ende geschrieben,. der autor george rr martin (ein tier ganz offensichtlich) schreibt seit ca. 20 jahren daran. und für den letzten band hat er sechs jahre gebraucht. in sechs jahren bin ich.. nein, nicht daran denken! aufgebrachte und abhängige fans haben sich wohl sogar zu beschimpfungen hinreissen lassen, weil er so lange gebraucht hat. krass. aber gerade kann ich es verstehen. ach das ist kein schöner zug von mir…

da hilft es nix. ich muss an meiner eigenen saga weiterschreiben. wo waren wir stehengeblieben? äh ja in venedig. ach war das schön da. die sonne schien, das essen war gut und die drinks auch. ausserdem hatte ich da noch viertausend seiten von“a song of ice and fire“ vor mir. jaime lannister war gerade seine schwerthand abgehackt worden. war das spannend. NEIIiiin, darum geht es hier doch nicht! es gibt noch andere welten als westeros.

eben z.b. in venedig. da wurde zwar im laufe der zeit bestimmt auch vieles abgehackt. aber es gibt auch schöne traditionen. und die haben überdauert. der aperitivo weit vorne mit dabei. das geht ganz einfach. nach getaner abend so gegen 17:00 oder 18:00 uhr trifft man sich in kleinen bars, bottegas, trattorias usw.. dort trinkt man einen ombra, ein schattengetränk. wein aus dem veneto oder den mittlerweile auch bei uns allgegenwärtigen spritz. ihr wisst schon das grell orangefarbene getränk bestehend aus weisswein, mineralwasser und aperol. oder mit prosecco. das geht auch.

dazu gibt es chichetti. häppchen. tapas. tidbits. da schließt sich der kreis. würde ich aus venedig bloggen hieße mein blog. veneziachichetti statt berlintidbits.das ist überhaupt ein guter gedanke. nach venedig ziehen und von dort aus bloggen. ja es hat mir sehr gut gefallen, dieses mal in venedig. und nicht nur weil ich noch mittendrin war in… NEEiiin. so gehts nicht weiter.

also wir in venedig beim aperitivo. wir haben auch eine entzückende bar gefunden auf dem dorsoduro bei unserem b&b um die ecke. vini al bottegon heisst der weinladen mit ausschank. und chichetti theke. die chichetti sind hier kleine brothäppchen belegt mit allem was venedig und der veneto so hergeben.. baccalà, also stockfisch in allen variationen. köstlicher käse und salame. schinken natürlich und allerlei hausgemachte pasten und aufstriche. man steht mit seinem weinglas drinnen oder draussen, bestellt ein tellerchen voll mit chichetti und genießt das ambiente. studenten, einheimische (ja die auch!) touristen aller couleurs. laut ist es und es wird viel geredet. die kellner hinter der theke wirbeln und eine art la mamma im haushaltskittel ist auch dabei. zum sonnenuntergang kann man dann weiterziehen zum kiosk an der fondaments di zattere. wenns das wetter erlaubt. so wars bei uns. schön war das. es gibt eben doch noch andere welten als westeros.

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Ankunft in Venedig – Spritz auf dem Campo San Basegio

vor mehr als zwei wochen bin ich nach venedig geflogen. fünf tage war ich da. es war großartig. und ich habe noch kein bisschen drüber geschrieben. wie kann das sein?
ich kriege sogar schon freundliche nachfragen.
die schreckliche wahrheit ist: ich bin abhängig! entsetzlich abhängig. und zwar so, dass ich im moment wenig anders tun kann, als meiner abhängigkeit zu frönen.

nein, nicht erschrecken! ich rauche und trinke nicht mehr als vor venedig auch. ich bin hilflos gefangen in game of thrones. nein nicht erschrecken, dass ist kein computerspiel, das ist eine fantasy buchreihe von einem amerikanischen autor namens george r.r. martin. der hat 1996 angefangen zu schreiben und seitdem nicht mehr aufgehört. 12.000 seiten. 6 bände. und ich mittendrin. oder nein, erschreckenderweise fast schon am ende (gottseidank geht lesen wesentlich schneller als schreiben).was kann das leben mir noch bieten, wenn ich aus diesem epos auftauchen muss? ganz unter uns gesagt, schäme ich mich auch ein bisschen. game of thrones ist nicht hohe literatur. der herr der ringe ist um klassen besser.aber den habe ich ja auch schon neun mal gelesen.

um es geradeheraus zu sagen: game of thrones ist amerikanisches mittelerde/sopranos/mad men mit sex. und food. und so bin ich auch drauf gekommen. meine derzeitige lieblings food page: www.gilttaste.com ist eindeutig schuld!

ich las diesen liebevollen artikel über food in dem buch: http://www.gilttaste.com/stories/2039-food-and-fantasy-in-game-of-thrones und war verloren. ich bin sofort zu hugendubel gerannt und habe den ersten band gekauft. 1200 seiten. die schmolzen dahin. und mit ihnen charred horse steaks, blood pudding with mint leaves, roasted lamb in honey, tiny lemon cakes, spicy ginger beer, soft ripe peaches, 5 verschiedene weinanbaugebiete und und und…

 

die bei hugendubel kennen mich schon. ich bin die irre die immer anrief und saget: ich brauche die nächsten zwei bände, aber schnell! jetzt brauch ich nicht mehr anrufen. ich habe sie alle.

 

in band drei lesend flog ich nach venedig, band vier im gepäck. gottseidank hat venedig ähnlich fesselnde wirkung wie game of thrones. und meine famile auch. wir mögen uns auch deutlich mehr, als die familien in dem buch.wir sind auch schließlich in venedig zusammen gekommen, um den geburtstag meiner mutter zu feiern. nicht um uns gegenseitig umzubringen. obwohl venedig ja ein würdiges szenario wäre.

 

meine reizende schwester und ich stiegen also eines mittwoch morgens in den easy jet flieger und stiegen anderthalb stunden später am marco polo flughafen wieder aus. die fahrt mit dem boot zu unserem B&B auf dem dorsoduro dauerte fast so lang wie der flug.
jeder der mit dem boot vom flughafen nach venedig gefahren ist weiss: die fahrt ist bis auf das letzte viertel unspektakulär. man sieht viel graue lagune, inseln in der ferne, anderen bootverkehr und kann bei jeder haltestelle nur ahnen, was sich hinter dem haltestellenhäuschen verbirgt.

 

aber das macht nichts. denn wenn man am flughafen in ein boot der linea blu einsteigt, hat man die romantische gewissheit; wir nähern uns venedig auf dem wasserweg. alles andere wäre irgendwie unwürdig. und unromantisch.und wenn man nach längerem herumschippern auf der lagune in den canale grande einbiegt und den dogenpalast und den glockenturm vor sich hat, weiss man, man hat alles richtig gemacht.

richtig gemacht haben wir auch die wahl unseres quartiers auf dem dorsoduro, fernab der touristenströme. dazu ein andermal mehr. meine reizende schwester und ich checkten in unserm b&b ein und begaben uns sofort auf die suche nach sonne, spritz und ein bisschen was zu essen.der flug unserer eltern aus madrid kam erst am späten nachmittag an. wir liefen also glücklich im sonnenschein (den hatte ich noch gar nicht erwähnt) über brückchen, durch gässchen, an der fondamenta di zattere am kanal entlang und fanden unsere erste spritztankgelegenheit auf dem campo san bastegio.

keine ahnung wie die trattoria hieß. wir saßen auf einem charmant heruntergekommenen platz in der sonne am kanal, tranken spritz und haben auch ein bisschen was gegessen. der salat war überraschend gut. kein eisberg weit und breit, das gegrillte gemüse war knackig und prima gewürzt und der pulpo konnte dem was wir aus spanien gewohnt sind ehrlich gesagt, nicht das wasser reichen. aber egal, wir waren in venedig angekommen und glücklich.

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