Special Summer Picknick foodXchange am So 10.08 um 13:00 Uhr

foodXchange


Am Sonntag starten wir eine ganz besondere foodXchange: unsere Picknick Edition ist zu Gast bei Little Wood.

Und was ist Little Wood? Ein temporärer Garten in der Mitte von Berlin. Ein Experiment zur sinnlichen Erfahrung urbaner Natur. Und wir sind ein Teil davon! Wir freuen uns sehr! Weil es das erste Mal ist, dass wir ein foodXchange Picknick organisieren, haben wir uns mal so grob überlegt, wie es funktionieren könnte.

Herausgekommen sind die GOLDEN PICKNICKXCHANGE RULES:

Wer oder was ist Little Wood? Wo finde ich es?
Alle Informationen, Anfahrt und mehr Programm findet ihr hier: http://www.littlewoodberlin.org/

Und was läuft diesmal anders?
Bei unseren Abendterminen in der Markthalle, treffen wir uns, bieten unsere selbst gemachten oder selbst geernteten Lebensmittel zum Probieren an, tauschen was uns schmeckt und dann gehen wir mit gefüllten Körben nach Hause. Dieses Mal wollen wir aber tauschen und dann gemeinsam mit euch essen. Picknick-Style!

Was bleibt gleich?

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Jeder Tag ist ein anderer Tag! ( Wie sexy kann Grünkohl sein?)


Je länger ich auf meinen BlogTitel starre, desto philosophischer wird mir zumute. Jeder Tag ist ein anderer Tag. Ich bin offensichtlich kurz davor, etwas ganz Großes zu schreiben. Ich werde mich ein bisschen mit der Veränderlichkeit der Zeit befassen, dann endlich verständlich erklären, warum die Zeit doch in alle Richtungen geht und schließlich dem Raum-Zeit-Kontinuum eine neue plausible Dimension verleihen. Spätestens in meiner Dankesrede für die Verleihung des Nobelpreises werde ich dann wohl den Grünkohl erwähnen müssen.

Neulich war nämlich der Tag des Grünkohls. Nein, nicht hier in Deutschland, in den USA! Dort ist Grünkohl extrem sexy und heißt deswegen nicht green cabbage oder so, sondern Kale. Kale aka Grünkohl wird in den USA nicht von Omas zu Eintöpfen mit fetten Würsten verkocht, nach deren Genuss zur Rehabilitation mindestens eine halbe Flasche Aquavit notwendig ist. Kale aka Grünkohl wird in den USA von sexy Ernährungsberaterinnen zu unglaublich gesunden Smoothies und Rohkostsalaten verarbeitet. Bei dem Gedanken an eine halbe Flasche Aquavit würden die sexy Ernährungsberaterinnen wahrscheinlich in Ohnmacht fallen.

Kale aka Grünkohl gilt in den USA als Superfood. Als Superfood bezeichnet man Lebensmittel, die über besonders viele hochkonzentrierte, für den menschlichen Körper extrem wichtige Inhaltsstoffe verfügen. Ich finde es nur natürlich, dass ein Land, dass Supermann hervorgebracht hat, auch Superfood glorifiziert. Aber ausgerechnet Grünkohl? Unseren Grünkohl?

Meine reizende und sehr betagte Oma ist der Ansicht, dass Grünkohl (bei ihr heißt er übrigens Braunkohl) nur genießbar ist, wenn man ihn blanchiert, hackt, durch einen Fleischwolf dreht, stundenlang in Wurstbrühe kocht und ihn dann mit Kartoffeln und Bregenwurst serviert. Bregenwurst ist eine Wurst, die früher mal aus Schweinehirn gemacht wurde. Heute ist das sehr zum Leidwesen meiner Oma verboten. Ich bin mir sicher, wenn meine Oma wüsste was Superfood ist und eines benennen könnte, wäre das Bregenwurst. Bei dem Gedanken an echte Bregenwurst würden die sexy Ernährungsberaterinnen aus USA wahrscheinlich spontan kotzen.

Das bringt mich auf den interessanten Gedanken, für meine Oma beim nächsten Besuch in Niedersachsen einen rohen Grünkohl-Smoothie zuzubereiten. Die Besuche bei meiner Oma führen mich nämlich in ein Zeit-Raum-Kontinuum der besonderen Art. Eine Stunde bei meiner reizenden und sehr betagten Oma fühlt sich an, wie ein ganzer Tag in Berlin. Damit die Zeit vergeht, werde ich extrem aktiv: Ich kaufe ein und koche und erzähle was das Zeug hält. Das versetzt uns beide regelmäßig in einen verwirrten aber auch glücklichen Zustand. Gefühlte Zeit. Vielleicht kann mir das mal ein Nobelpreisträger erklären.

Jedenfalls war also vor ein paar Tagen in den USA der Tag des Grünkohls. Und hier nicht. Ganz sicher möchte ich nicht, dass unsere schöne Grünkohl-Wurst-Aquavit-Tradition durch Kale-Smoothies ersetzt wird. Aber ein bisschen Aufmerksamkeit und mehr Popularität für den guten Grünkohl wären ja nicht schlecht?

Dazu sind diese Tage ja da. Vermarktung ist alles. Jeder hat etwas davon: Zeitungen berichten über die Hintergründe, Foodmagazine können wunderschöne Rezeptstrecken abdrucken, Foodblogger haben was zum posten, Restaurants richten ihre Tageskarte danach, Produzenten können für ihre Produkte werben….Alles wunderbar. Und es gibt immer mehr von diesen Tagen für Irgendwas. Jeder Tag ist ein anderer Tag. Vor Kurzem war zum Beispiel Kanelbullens Dag in Schweden. Kanelbullens sind keine schwedischen Rinder, wie der Name vielleicht vermuten liesse, sondern Zimtschnecken. Süß oder?

Ehrlich gesagt, ist das aber auch alles ein bisschen verwirrend. Wahrscheinlich sind bald alle Tage doppelt und dreifach belegt. Denn es gibt ja soviel zu bedenken! Angefangen hat das Ganze mit den Heiligen. Da hat auch jeder seinen Tag. Das war für die Namensfindung früher sehr wichtig! Wenn man das Pech hatte, am Tag des heiligen Aloysius geboren zu werden, hieß man eben Aloysius. Inzwischen hat man sich davon emanzipiert. Es gibt ja auch keine heilige Mandy. Dann kamen so wichtige Tage wie der Mutter- und der Vatertag dazu. Ganze Industrien leben mittlerweile davon!

Es gibt natürlich auch sehr bedeutende Tage wie den Welternährungstag oder den Weltfriedenstag. Im Recherchefieber habe ich einige weitere spannende Tage gefunden, nicht nur für Lebensmittel. Ja, es gibt den WeltToilettentag, den WeltNierentag und sogar den WeltDrogentag. Also ich meine nicht für Drogen sondern dagegen, bitte! Eines ist aber offensichtlich ganz sicher: Jeder Tag ist ein anderer Tag!

P.S. Ich weiß, dass auf dem Foto ist kein Grünkohl. Aber ich hatte nun mal keine Grünkohl Fotos…

Erntezeit – Glück in Bildern und Brombeerkonfitüre

Dieser Sommer ist wirklich magisch. Kommt es nur mir so vor? Überall wird geerntet, überall ist alles reif: bei Freunden im Garten, in den Alleen in Brandenburg, bei Rügen auf der Insel Öhe, an den Seen in Mecklenburg Vorpommern….Johannisbeeren, Stachelbeeren, Bohnen, Mirabellen, Zwetschgen, Brombeeren, Zucchini und Zucchiniblüten… Überall wird gepflückt, gesammelt, gekocht und eingemacht. Jedes Wochenende gibt es ein neues Ernte-Entzücken! Das ist wirkliches Glück.
Über meine neuentdeckte Likörfaszination habe ich ja schon geschrieben. Hier kommt ein Rezept für Brombeeerkonfitüre mit Wodka. Gerechnet für 1 kg Brombeeren, bei größerem Pflückglück einfach hochrechnen!

1 kg Brombeeren von der Insel Öhe oder anderswoher
250 g Rohrzucker
3 Essl. Konfitura Geliermittel von Biovegan
4 Essl. frischgepresster Zitronensaft
200 ml Wodka
5-6 Gläser mit Schraubverschluss (Füllmenge 250 ml)

Eine Kaffeeuntertasse für die Gelierprobe in das Gefrierfach legen.
Die gewaschenen Brombeeren in einem ausreichend großen Topf mit dem Zucker und dem Geliermittel mischen. Langsam zum Kochen bringen. Gut rühren und wenn die Mischung einmal gründlich aufgekocht ist Zitronensaft und Wodka dazugeben. Alles gut verrühren und noch einmal aufkochen lassen. Für die Gelierprobe ein Klecks Konfitüre auf den vorgekühlten Teller geben. Für 2 Minuten in den Kühlschrank geben, währenddessen im Topf die sanft kochende Konfitüre weiter rühren. Die Gelierprobe aus dem Kühlschrank holen und überprüfen ob die Konfitüre fest geworden ist. Falls ja in Gläser abfüllen, die Gläser umdrehen und auf dem Deckel stehend abkühlen lassen (dabei ist überflüssige Luft aus den Gläsern entwichen). Sollte die Gelierprobe nicht fest sein, sondern am schräg gehaltenen Teller rutschen, muss man noch etwas Konfitura einarbeiten. Die Konfitüre vom Herd nehmen. Dann in eine Tasse etwas Konfitüre geben etwas abkühlen lassen und darin 1 Esslöffel Konfitura auflösen. Diese Mischung zu der Konfitüre in den Topf geben und noch mal alles aufkochen. Jetzt sollte die Gelierprobe positiv sein (sonst eben alles noch mal, das ist aber unwahrscheinlich).

P.S. Üblicherweise empfehle ich in meinem Blog nicht sehr viele Produkte. Aber das Geliermittel Konfitura von Biovegan hat es mir angetan, weil man unabhängig vom Zucker anders als bei konventionellen Gelierzuckermischungen gelieren kann! Ich mag meine Konfitüren einfach nicht so süß.
P.P.S. Als Serpieri Fan mag ich auch den sprachlichen Anklang von Konfitura.

Grießkuchen mit Quarkcreme, Johannisbeeren und Schafgarbenblütenzucker

kuchen

Das ist der wirklich einfachste Kuchen der Welt. Dank der Johannisbeeren bekommt er einen eleganten Charakter und Dank des Schafgarbenblütenzuckers den derzeit notwendigen Hauch Lokalexotik. So wie es aussieht, kommt der Kuchen sogar ins Fernsehn! In einem Bericht über Thomas Greb und unseren Speisenklub Neukölln.
(ich berichtete: https://berlintidbits.wordpress.com/2013/07/24/nose-to-tail-menu-vom-speisenklub-neukolln/)

Auf vielfachen Wunsch seiner jetzt schon zahlreichen Fans hier das Rezept:

500 g Hartweizengrieß
500 g Naturjoghurt 3,5 %
300 g Zucker
6 Eier
80 g Butter
1 Päckchen Backpulver

300 g Johannisbeeren
250 g Sahnequark
250 g Schmand
100 g Zucker

5 große Schafgarbenblüten
1 Tasse Zucker

Die Butter schmelzen und leicht abkühlen lassen. Backofen auf 200 Grad vorheizen. Butter, Joghurt, Zucker und Eier cremig schlagen. Grieß mit Backpulver mischen und einrühren. Flüssige Butter einrühren.

Den Teig in eine gefettete runde Springform (eckig ist der Kuchen aber auch sehr schick) geben und im vorgeheizten Backofen ca. 40 min backen. Mit einem Messer die Garprobe machen! Den Kuchen auskühlen lassen.

Aus dem Quark, Schmand und Zucker eine dicke Creme rühren. Den Kuchenboden waagerecht mit einem langen Messer halbieren, die untere Hälfte mit einem teil der Quarkreme bestreichen, die andere Kuchenhälfte wieder drauf setzen und den Kuchen komplett mit der Creme einstreichen.

Dekorativ mit einzelnen Johannisbeeren und Johannisbeerrispen belegen und mit Schafgarbenblütenzucker bestreuen.

In einem schon etwas älteren Blog erkläre ich, was Schafgarbe ist, wie sie aussieht und wie man den Blütenzucker macht:
https://berlintidbits.wordpress.com/2010/08/27/schafgarbe
Ich wiederhole kurz denn es ist ja so einfach: Man mischt die vom Stengel abgeschnittenen Blüten mit dem Zucker und lässt die Mischung 10 min ziehen. Fertig. Der Zucker schmeckt wie süsse Wiese und passt nicht nur zu Kuchen, sondern auch zu Eis ganz hervorragend.

Schafgarbe ist übrigens als Heilkraut für Beschwerden im Bauchbereich recht beliebt. Ich hab‘s noch nicht ausprobiert aber ein Tee aus den Blättern soll bei Magen/Darmbeschwerden und bei den sog. Frauenleiden wirkungsvoll helfen!

schafgarbe im garten

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 im august ist schafgarben zeit. wer glück hat findet sie im garten (so wie ich) oder auf einer magerwiese (eben unser garten) oder am wegesrand (an unserem garten vorbei). der garten ist ja nun eigentlich in der lausitz, aber da ich gerade im burgenland bin, wende ich mich den hiesigen schafgarbenvorkommnissen zu. die wiesen im burgenland sind allerdings so fett, dass ich schafgarbe wirklich nur am wegesrand finde.

der trend zu wildkräutern dürfte mittlerweile an keinem kulinarisch interessiertem menschen vorbeigegangen sein. ich habe auch ein tolles wildkräuterbuch zu hause, mit schönen fotos und beschreibungen und interessanten rezepten. gerade habe ich es nicht zur hand (weil ich im burgenland bin) und kann es leider nicht empfehlen, weil mir der autor nicht einfällt. könnte ich aber nachholen. die herausforderung bei dem wildkräuterthema ist, das liegt auf der hand, dass man die zutaten meistens nicht im supermarkt seines vertrauens findet. nur kapuzinerkresseblüten habe ich schonmal irendwo gesehen, wahrscheinlich im kadewe. aber ganz ehrlich, wer möchte schon wildkräuter in plastikschalen kaufen? das ist ziemlich unromantisch (zugegebenermassen ist kapuzinerkresse auch nur semiwild) ich bin aber bislang auch noch nie mit meinem dicken tollen wildkräuterbuch, quasi auf der suche nach dem wildkräuterkick, in freier natur rumgerobbt. das ist wie bei pilzen. man kennt sie oder eben nicht. meistens eben nicht.

bei wildkräutern kann ich zuverlässig drei sorten identifizieren: gänseblümchen, löwenzahn und schafgarbe. da ich bei den beiden erstgenannten mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass ihr sie auch kennt, stelle ich hier die schafgarbe vor. botanisch kann ich leider keine auskunft geben, weil mein buch s.o….ob die schafgarbe also einheimisch ist, oder ursprünglich in der argentinischen pampa beheimatet war, kann jetzt nicht geklärt werden. im jungen stadium besteht die schafgarbe aus einem lockeren kranz fedriger hellgrüner blätter (siehe foto). diese blätter haben einen zarten biss und einen milden lavendelgeschmack. natürlich ist das gewöhnungsbedürftig, aber könnt ihr euch noch dran erinnern wie komisch wir rucola am anfang fanden? ich meine ende der neunziger jahre, als der rucolawahn ausbrach? ich habe mehrere anläufe gebraucht, um sie schärfe zu verstehen und zu mögen. und dann hatte mich die rucolaproduzierende agrarindustrie fest in ihren händen. rucola ict übrigens auch ein wildkraut. meine oma schüttelt bis heute verständislos den kopf über jeglichen rucolakonsum, denn sie hat die olle rauke zeitlebens in ihrem garten bekämpft.

da unser garten ein zuverlässiger schafgarbenlieferant ist, agiere ich vielleicht nicht ganz uneigennützig, wenn ich sie an dieser stelle preise. mit den ganz jungen blättern (achtung! sobald die pflanze eine blüte entwickelt möchte man die blätter wirklich ausspucken) habe ich also experimentiert und einen tomatensalat mit gezupften schafgarbenblättern gewürzt. dazu gab es ein leichtes dressing aus bestem olivenöl und weißweinessig. das war gar nicht gewöhnungsbedürftig. aus den weißen doldenförmigen blüten die leicht süsslich riechen und schmecken kann man einen aromatisierten zucker herstellen. dazu ganz einfach zucker mit den blüten mischen und in einem verschlossenen glas eine woche ziehen lassen. was macht man nun damit? ja, das frage ich mich auch gerade. der zucker ist von einem feinen blütenaroma durchdrungen und weil ich wie schon erwähnt im burgenland bin, kann ich ihn mir herrlich auf einem topfeneis vorstellen.