Plötzlich Kochbuchautorin

Ja, ich gestehe: ich habe meinen Blog vernachlässigt. Grob vernachlässigt! Aber ich hatte einen guten Grund. Wirklich! Ich habe nämlich ein Kochbuch geschrieben. Und es ist sogar schon veröffentlicht. Während der letzten Phase des Schreibens war es mir leider aber hoffentlich verständlicherweise unmöglich, an etwas anderes zu denken, geschweige denn etwas anderes zu schreiben. Es musste ja schliesslich fertig werden. Und jetzt ist es da! Hurrah! Es ist natürlich wunderschön. Toll bebildert und ganz nett geschrieben.

Das Buch heißt:
Die Stadt kocht. Berlin-Der Sommer
Und ist ab jetzt im Handel und unter www.diestadtkocht.de erhältlich!

Hier ein Auszug aus der Pressemitteilung:

Der Fotograf Florian Bolk und die Gastronomieberaterin Cathrin Brandes sind die Autoren des zweiten Bandes von „Die Stadt kocht. Berlin“ einem umfangreich bebilderten, kulinarischen Genussführer durch die deutsche Hauptstadt.

Das Buch
Der soeben erschienene Band mit dem Titel „Die Stadt kocht. Berlin – Der Sommer“ ist weit mehr als ein Kochbuch. Über 40 Köche, Bartender, Sommeliers, Eismanufakturen und Feinkosthändler der Hauptstadt werden porträti-
ert, ihre Rezepte und Empfehlungen bebildert. Es ist ein Porträt des sommerlichen Berlins und seiner brodelnden Foodszene, ein Genussführer zu den aufregendsten Köchen der Stadt, eine Liebeserklärung an den Berliner Sommer und eine Hommage an die kulinarische Wandlungsfähigkeit Berlins.

In vier Kapitel aufgeteilt, bietet das Buch vier jahreszeitliche Momentaufnahmen: Stadtgarten – von Gärten, Freiheit & Gemüse / Berliner Luft – von Spielräumen, Himmelfahrten & Autonomen / Feuer & Flamme – von Grillanzündern, Flammenwerfern & Fetischisten / Am Wasser gebaut – von Dampfern, Fischen & Kombüsen
Im fünften Kapitel werden Berliner Händler und Kooperationspartner mit Ihren kulinarischen Statements vorgestellt. Prominente Unterstützung kommt von der Designerin Esther Perbandt, dem Radiomoderator Robert Skuppin, den
Schauspielern Susanne Bormann und Maxim Mehmet und dem Kabarettist Murat Topal.

Die Idee
Und was passiert jetzt in Berlin im Sommer? Die warme Jahreszeit verwebt die Stadt mit seinem Umland. Branden- burgs Wiesen, Felder, Seen und Wälder werden zu den Hauptlieferanten der wachen und kreativen Köche der Hauptstadt. Die Wiederentdeckung von Wildkräutern und seltenen Gemüsesorten sorgt für grüne Abwechslung auf den Tellern. Fisch und Fleisch geben in vielen Küchen ihre gewohnten Hauptrollen ab, dürfen aber nur mitspielen, solange sie aus der Region kommen.
Berlin ist mittlerweile aufgestiegen in den Rang einer gastronomisch durch und durch interessanten Stadt. Eine Stadt mit vielschichtigen kulinarischen Parallelwelten, die erforscht, erlebt und genossen werden wollen. Viele Sterne schmücken das kulinarische Firmament und auf den Straßen fahren die Food Trucks. Dazwischen ist viel Platz für
neue Konzepte und gute kulinarische Ideen.

Die Macher
Der Fotograf Florian Bolk ist der Gründer vom Le Schicken Verlag und hat schon zahlreiche Kochbücher mitproduz- iert. Für die Buchreihe „Die Stadt kocht“ hat der Kenner der Szene den kulinarischen Sommer Berlins mit seiner Kamera eingefangen und Newcomer, Sterneköche, Street-Food Anbieter, Aussteiger, Einsteiger und Abenteurer inszeniert und porträtiert.
Die Autorin Cathrin Brandes ist selbst Teil der Foodszene der Hauptstadt. Sie schreibt nicht nur darüber, sie gestaltet sie mit. Sie hat den Beruf als Rechtsanwältin an den Nagel gehängt und ist jetzt Gastronomieberaterin, Food-Blog- gerin, Slow Foodie, Gründerin des Speisenklubs Neukölln und der foodXchange Berlin, Genuss-Botschafterin und Krautbraut.
Für ihre erste Zusammenarbeit zu diesem Buch sind die beiden mit den Köchen, Bartendern und Eisproduzenten der Hauptstadt auf die Dächer gestiegen, um die Häuser gezogen, über Baustellen gestolpert, durch Gärten gestreift und übers Wasser gefahren. Und natürlich waren sie in ihren Küchen zu Gast. Sie haben fotografiert, probiert, diskutiert,
gelacht und zugehört. Das Ergebnis ist nun im Buchhandel und auf der verlagseigenen Homepage zu erwerben.

Die Stadt kocht. Berlin – Der Sommer
192 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-95642-003-0
VK: 19,95 Euro
Erhältlich im gut sortierten Buchhandel oder unter http://www.diestadtkocht.de
Rezensionsexemplare und Bildmaterial unter info@le-schicken.de

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SCHWEIN – Das große Kochbuch von Wolfgang Müller

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Das ist mein zweiter Beitrag zur 2. Blogger-Themenwoche “Jeden Tag ein Buch”.

Irgendwann mal, es ist schon ein paar Jahre her, habe ich beschlossen, keine Kochbücher mehr zu kaufen. Ich habe tatsächlich von einem Tag auf den anderen damit aufgehört. Einfach so! Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, dass es mir gelungen ist, wenigstens eine Sucht in meinem Leben zu überwinden. Meinen Eltern wäre es wahrscheinlich lieber gewesen, wenn ich mit dem Rauchen Schluss gemacht hätte, oder zumindest mit dem Trinken. Aber die hatten ja auch nicht mit dieser Platznot im Bücherschrank zu kämpfen und mit den vorwurfsvollen Blicken ungelesener Kochbücher. Tagein tagaus schlich ich in meinem Arbeitszimmer voller schlechtem Gewissen vorbei an den Stapeln schönster jungfräulicher Bücher voller wunderbarer Bilder und köstlicher Rezepte und hörte sie förmlich seufzen: „Wenn sie mich doch nur lesen oder wenigstens durchblättern würde,.. ach nur ein einziges Mal!“ Trotzdem konnte ich beim nächsten Besuch in einem Buchladen oder schlimmer noch, nachts beim Online-Shopping, nicht widerstehen und tat es wieder und wieder und wieder: ich kaufte völlig haltlos Kochbücher. Bis es mir in einem seltenen Aufgebot innerer Stärke gelang, der Kochbuch-Kaufsucht einen Riegel vorzuschieben. Man darf sie mir schenken und mittlerweile lese ich sie auch. Aber Kaufen? NIEMALS.

Ich gestehe: Neulich bin ich rückfällig geworden. Nichts deutete darauf hin. Entzugserscheinungen hatte ich schon lange überwunden und ich war ganz glücklich mit meinem vorhandenen Kochbuchbestand. Und doch tat ich es. Es war an einem banalen Wochentag in einer banalen Einkaufspassage. Ich hatte kurz vor Ladenschluss noch dringend benötigte Druckerpatronen ergattert und lief an einer Buchhandlung vorbei dem Ausgang zu. Dann sah ich es. Es lag nur leicht verdeckt in einer Kiste mit Mängelexemplaren und starrte mich an. Das SCHWEIN. Was soll ich sagen? Ich habe es aus der Kiste gerettet und mit nach Hause zu den anderen Kochbüchern genommen. Da ich diese inzwischen gelesen habe, konnte ich auch das SCHWEIN lesen. Hier ist mein Bericht:

SCHWEIN – Das große Kochbuch von Wolfgang Müller ist ein 2010 erschienenes Kochbuch in dem es nur um das Eine geht: SCHWEIN!

Mit dem Kochbuchautor Wolfgang Müller verbindet mich unbekannterweise eine merkwürdige Wendung des Schicksals. Kurz nachdem er einen Stern im Restaurant Adermann in Mitte erkocht hatte, musste es im Jahr 2002 schließen. Was für ein Schlag!!! Da jahrelang kein neuer Pächter für die Räume gefunden wurde, vermietete der Verwalter die Profiküche. Unter anderem an mich und meine erste Firma Feinkost Brandes.

Wolfgang Müller hat seitdem gottseidank kulinarisch noch so einiges auf die Beine gestellt.
Unter anderem hat er dem Schwein mit seinem Kochbuch ein Denkmal gesetzt. Das Buch ist nichts für zartbesaitete Kochseelchen, denn Wolfgang Müller ist Metzger. Einer mit Respekt vor dem Tier. Seine Schweine haben ein würdiges Dasein auf einem Bauernhof in Brandenburg bevor er sie persönlich schlachtet. Dem ist auch ein ausführliches Kapitel gewidmet. Zu Recht wie ich finde. Wenn man Fleisch isst, sollte man sich damit auseinandersetzen wie das Tier gelebt hat und wie es geschlachtet wurde.

Als Metzger kennt sich Wolfgang Müller natürlich besonders gut mit den Einzelteilen des geschlachteten Tieres aus. Die werden ausführlich auf Fotos porträtiert. Endlich lerne ich was die Wamme ist und was der Unterschied zwischen Backen und Bäckchen. Auch was grüner Speck ist, weiß ich jetzt. Die Innereien werden alle beschrieben, denn Wolfgang Müller verwertet alles vom Schwein, from nose to tail wie das heutzutage heißt.

Mein großes Faible für Innereien habe ich hier ja schon öfter thematisiert. Dafür gibt es zwei anerkannte Gründe: 1. ich bin ich Spanien aufgewachsen und 2. meine Mutter ist großer Siebeck Fan. Das hat sich quasi in mir potentiert.

Oh ich vergaß: Bevor es in dem Buch überhaupt zum Schlachten kommt, werden die unter Feinschmeckern beliebtesten Schweinerassen vorgestellt. Vom beinahe ausgestorbenem Bunten Bentheimer, über das putzige Wollschwein aka Mangalitza, bis zum trendigen Cerdo Iberico. Viele dieser Rassen wären heute ausgestorben, wenn es nicht eine neue Nachfrage durch Liebhaber wirklich guten Fleisches gäbe.

Bei der Fotostrecke zum Zerlegen wird Wolfgang Müller unterstützt von Jörg Staroske, der ein sympathischer handwerklich arbeitender Berliner Metzger ist, auch wenn er kein BioFleisch verkauft und offensichtlich den Geschmacksverirrungen der deutschen Berufsbekleidung erlegen ist (aaarggghhhh ein gestreiftes Outfit mit orangefarbenen Knöpfen und Applikationen, wie unwürdig ist das denn bitte????).

Dann kommen endlich die Rezepte. Sehr schön fotografiert von Florian Bolk einem meiner Lieblingsfoodfotografen (das habe ich erst gemerkt, als das Buch zu Hause war ;)) Beim FoodStyling würde man heute wahrscheinlich manches anders machen, dabei ist das Buch erst drei Jahre alt. Krass oder? Wie schnell die Trends hier vorbeifliegen???

Jedenfalls sind die Rezepte genau mein Ding. Viel hausgemachte Wurst (ich liebe Wursten!), viele Innereien und starke Kombinationen. Das Hinsoufflé werde ich ausprobieren, sobald ich irgendwo Hirn herbekomme. Blutwurst und Oktopussalat sind an Weihnachten dran, vielleicht auch die Schweinebacken in Rotweinsauce?
Dann gibt es noch Klassiker wie Saumagen, Spare Ribs, Krustenbraten, Schlachteplatte und und und..

Auch die Desserts orientieren sich am Schwein. Hier bin ich mir nicht sicher, ob ich das nicht ein bisschen zu ulkig finde. Gebackene Schweineohren aus Blätterteig, geeister süßer Saumagen…. Konsequent ist es schon!

Nur eines hätte ich am Buch anders gemacht; die Aufteilung der Rezepte in Vorspeisen, Zwischengang, Suppen, Hauptgang und Dessert ist ein bisschen konservativ und man sucht recht lange z.B. nach Innereien. Hier hätte ich andere Unterteilungen gewählt. Vielleicht nach Zubereitungsarten? Oder noch besser nach Stücken von Kopf bis Schwanz!

Schwein
Wolfgang Müller
Umschau Verlag
EUR 39,90
ISBN: 978-3-86528-706-9
24,8 x 28,6 cm Hardcover mit besonderer Prägung, Lesebändchen

Kann denn Kochen Sünde sein? Ein Comic für Genießer von Guillaume Long

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Das ist mein erster Beitrag zur 2. Blogger-Themenwoche „Jeden Tag ein Buch“. Da ich aus schrecklichem Zeitmangel  und grippebedingter Konzentrationsschwäche mittendrin in der Woche einsteige, wird das bedauerlicherweise bei mir nix mit „Jeden Tag ein Buch“. Mit Glück werden es „In der Woche zwei Bücher“. In der Blogger-Themenwoche geht es übrigens wieder um „Genussbücher“. Letztens habe ich wagemutig Game of Thrones als Genussbuch präsentiert. Das ist ein ganz erfolgreicher Blogbeitrag geworden, obwohl ganz ohne Fotos von halbnackten Frauen!

Dieses Mal stelle ich ein bis zwei Comics vor und vielleicht auch noch… Aber nur wenn Zeit ist.

Abgesehen von der Rezension des Comics Kann denn Kochen Sünde sein? von Guillaume Long werden wir auch noch die Frage beleuchten, ob ich korrupt bin und wenn ja, wie sehr.

Auf den französischen Koch-Comic bin ich durch eine freundliche Mail des Verlags aufmerksam geworden, in der mir das Buch vorgestellt und ein Rezensionsexemplar angeboten wurde. Es ist das erste Mal in meinem Bloggerdasein, dass mir ein Rezensionsexemplar angeboten wurde, und ich habe nicht nein gesagt. Schon allein deswegen nicht, weil ich ein großer Comic-Fan bin. Meine erste große Liebe hieß Prinz Eisenherz, auch wenn der nicht gekocht, sondern nur gekämpft hat. Hätte er gekocht, hätte ich mich auch verliebt. Wahrscheinlich sogar noch mehr.

Es ist schön zum ersten Mal im Leben ein Rezensionsexemplar zu bekommen; man fühlt sich gebauchpinselt, man hat nichts gezahlt, man freut sich auf das Buch, kurz man ist voller positiver Gefühle….

Die werden sogar noch gesteigert, weil man auf die Buchpräsentation eingeladen wird! Auf dieser kocht der Autor persönlich eines seiner Rezepte für die Gäste, plaudert sympathisch über sein Buch und zeichnet mir noch sympathischer in mein Rezensionsexemplar eine persönliche Widmung. Er zeichnet ein BBQ, weil wir beide so gerne grillen.  Super! Ausserdem ist er Blogger, das macht ihn ja quasi zu einer verwandten Seele, auch wenn er das Glück hat für Le Monde zu bloggen. Glück sagt er, muss man manchmal haben. Da hat er Recht!

Dann setze ich mich eines Tages wie sich das gehört mit einem Glas französischem Rotwein und dem GenießerComic auf das Sofa und fange an zu Lesen. Und finde das Buch so ganz nett, irgendwie sooo… schon ok.. wenn ihr wisst, was ich meine! Und jetzt ist die Frage: wie korrupt bin ich? Wie nett schreibe ich über das Buch des sympathischen Zeichners, das ich kostenlos bekommen habe? Vielleicht kriege ich ja nie wieder ein Rezensionsexemplar, wenn ich Kritik übe?

Der Comic besteht aus einer lose Aneinanderreihung von Episoden, Geschichten, Reiserlebnissen und Rezepten, die saisonal den vier Jahreszeiten zugeordnet sind. Es gibt eine Art praktische Gebrauchsanweisung gleich am Anfang des Buches, in der die Inhalte erklärt werden. Hauptfigur ist fast immer der Autor selbst, es gibt ein noch paar Gastfiguren wie seine Freundin oder ein schweigsamer Kochfreund, mit dem er schwimmen geht.

Der Autor und IchFigur ist also ein sympathisch bebrillter Mann so Mitte Dreißig, der gerne isst und trinkt, gerne kocht, neue Kochgeräte ausprobiert, sich Gedanken über seine Umwelt und die Herkunft der Lebensmittel macht, in Restaurants geht und schöne Städtereisen unternimmt. Also genau die Dinge über die man gerne bloggt und in seinem Fall drüber zeichnet. Eigentlich fast schon verwunderlich, dass es nicht noch mehr solcher Blogs/Comics gibt. Was nicht verwunderlich ist, ist dass der GenießerComic aus Frankreich kommt, dem Heimatland einer großen Kulinarik- und  Comic-Kultur.

Insgesamt haben der Autor und ich nicht ganz denselben Sinn für Humor. Da kann ja keiner was dafür, ist aber so. Am lustigsten fand ich die Geschichten über  Raclette. Wenn man so wie der Autor und ich, dem Käse insgesamt verfallen ist und die Sehnsucht nach einem Raclette durchaus mächtig werden kann, dann empfindet man ein knauseriges Raclette mit schlechtem Plastikkäse und zu wenigen Pfännchen schon mal als Alptraum. Ob man überhaupt noch Einladungen zum Raclette annehmen sollte? Jedenfalls bietet es sich an, bekanntermaßen knausrigen RacletteGastgebern den Comic als Gastgeschenk mitzubringen. Denn die zehn Gebote für ein gutes Raclette von Guillaume Long kann ich unterschreiben!

Was auch ok ist sind die Rezepte, die sind zwar kulinarisch alle nicht mein Fall (bis auf den Löwenzahnsalat) aber gut gezeichnet und für Kochanfänger ideal. Auch die Einkaufslisten und Zutatenbeschreibungen sind gut gemacht und hilfreich für Neulinge. Insofern ist der Comic für „Anfänger“ bestimmt auch ein passendes Geschenk.

Mit den Geschichten über den schweigsamen Kochfreund Florian, dem der Held vergeblich versucht Kochtipps zu entlocken, kann ich eher wenig anfangen. Die Reisegeschichten über Budapest und Venedig sind ganz nett, und auch die Episoden über Küchengeräte und deren Sinn und Unsinn sind ganz witzig. Mit manchen Geschichten fremdel ich richtig, wie zum Beispiel die über den am Acker schlafenden Mann und sein schwarzes RettichTrauma oder die singenden Eier im Topf. Oh und die Felchen Geschichte, die ist sehr französisch-skurril. Hmmm.. Was wollte uns der Autor damit sagen?

So in der Gesamtschau leidet das Buch ziemlich unter einer hölzernen Übersetzung. Manche Sachen lassen sich auch gar nicht übersetzen. Z.B. die kleinen Tipps von einem Herrn namens Pepe Roni, die ab und an am Fuße von Seiten eingestreut sind. Hier werden Begriffe aus dem Alltag mit ihrer normalen Bedeutung und einer kulinarischen Bedeutung „erklärt“. Z.B. gibt es den Chinesen. Das ist ein Mensch aus China und im Französischen und Spanischen auch ein Küchensieb. Im Deutschen heißt so aber kein Küchensieb und auch der Russe ist kein Topf, genauso wenig wie Marinieren bei uns sofort den Gedanken an Seefahrt auslöst. Was die Inhalte zu Anbraten und zu Verdünnen im Deutschen bedeuten sollten, ist mir ein großes Rätsel geblieben. Statt große Verwirrung vielleicht einfach Mut zum weglassen?

Zu oft hat man in den Sprechblasen einen französischen Satzbau oder eine sinnlose 1zu1 Übersetzung. Hier nur ein Beispiel über ungarische Menus bei der Budapest-Reise: „Die Proportionen sind monströs, die Gewohnheit der Trilogie von Vorspeise, Hauptgericht und Dessert gewöhnt man sich in Ungarn schnell ab.“ Äh ja. Portionen statt Proportionen? Und die Gewohnheit der Trilogie… klingt unglaublich gestelzt. Das ist doch ein Comic!

Eine Frage nehme ich jetzt schon zum dritten Mal ungeklärt ins Bett. Was um alles in der Welt sind Toxe? Selbst extensives googeln hat mich hier nicht weitergebracht. Im Buch wird das Wort als Kategorisierung für offensichtlich uncoole Restaurantbesucher gebraucht. Habe ich hier sprachlich etwas verpasst? Kann mich jemand aufklären??? HELP!

 

 

 

 

 

Love in a dish – von der wunderbaren M.F.K. Fisher

Mein letzter Beitrag zu „Jeden Tag ein Buch“ – eine Themenwoche für Blogger  von www.arthurstochterkochtblog.com

Die zahlreichen Kurzgeschichten, Essays und Rezepte von M.F.K. Fisher (geb. 1908, gest. 1991) sind mittlerweile Klassiker der nordamerikanischen Genussliteratur. Soweit ich weiß, ist sie die erste kulinarische Autorin die persönliche Anekdoten, Reiseberichte, Familienerinnerungen, Rezepte, Haushaltstipps, kulinarische Geschichte und soziokulturelle Betrachtungen zu immer spannenden, pointierten und lesenswerten Geschichten und Büchern verwoben hat.

Als ihre ersten Essays in den 30iger Jahren erschienen, unter anderem über ihren dreijährigen Frankreichaufenthalt, konnten es insbesondere männliche Kritiker nicht fassen, dass diese von einer Frau geschrieben sein sollten. Eine Frau die kenntnisreich über Wein schreibt? Unerhört! Eine Frau die Brillat Savarin nicht nur gelesen hat, sondern sein Werk „Die Physiologie des Geschmacks“ von 1826 auch gleich noch aus dem Französischen ins Englische übersetzt? Noch nie dagewesen! Eine Frau die ironisch die angeblich aphrodisierende Wirkung von Austern kommentiert? Geradezu skandalös!

Geprägt von ihrem Frankreichaufenthalt in den 30iger hat sie ihre Liebe zu gutem Essen und frischen Zutaten zurück in die USA gebracht. In ein Land in dem gerade die Frische zugunsten von Dosengemüse und dem aufkommenden Gerfrierwahn geopfert wurde. Ein Land, dem die Marketingkampagnen immer größer werdender Foodunternehmen und immer mächtiger werdender Foodlobbyisten einen bis heute irreparablen kulinarischen Schaden zugefügt haben. Dennoch wurde ihre Stimme gehört und ihr Werk vielgelesen und zitiert. Sie war Wegbereiterin für Julia Child und für Ruth Reichl und ich finde es wirklich bemerkenswert, dass ein kulinarisch so bedürftiges Land wie die USA drei so wunderbare Genussautorinnen hervorgebracht hat.

In einer Zeit des körperlichen Perfektionswahns, in der viele meiner Geschlechtsgenossinnen ein gelinde gesagt, eher gestörtes Verhältnis zum Genuss durch Essen entwickelt haben, weil ihnen ein ebenso gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper eingeredet wird, finde ich es beruhigend und ermutigend, dass es lesenswerte Genussliteratur von intelligenten, abenteuerlustigen und genussfähigen Autorinnen gibt, auch wenn sie betrüblicherweise etwas in Vergessenheit geraten sind.

„Love in a dish“ ist eine Auswahl ihrer beliebtesten Kurzgeschichten und Rezepte aus verschieden Jahrzehnten für die Serie „Great Food“ von Penguin Books. In meiner Lieblingsgeschichte gerät M.F.K. Fisher in der Nebensaison in ein Sternerestaurant im Burgund. Dort wird sie als einziger Gast von einer geradezu kulinarisch besessenen Kellnerin in Beschlag genommen und wird von ihr zum Genuss eines unglaublich köstlichen aber auch unglaublich umfangreichen Menus des im Hintergrund agierenden Sternekochs geradezu genötigt. Abwechselnd verzückt und verzweifelt, beschreibt die Autorin liebevoll die einzelnen Gänge und die skurrile Versessenheit der Kellnerin. Wunderbar! Es ist wirklich bedauerlich, dass es keine deutsche Übersetzung gibt!

Game of Thrones – ein Genussbuch?

Ein Beitrag zu Jeden ein Buch –  eine Themenwoche für Blogger  von www.arthurstochterkochtblog.com/

Winter is coming… Wer mit diesem Satz etwas anfangen kann, ist bestimmt ein GoT Fan! Das tausende von Seiten lange Fantasy Epos von George R.R. Martin hat spätestens seid der HBO-Serie Kultcharakter. Für diejenigen an denen der ganze Hype spurlos vorübergegangen ist sei kurz gesagt: Game oft Thrones ist wie der Herr der Ringe nur mit Sex, gutem Essen und viel mehr Gewalt. Wenn man also mittelalterlicher Fantasy-Literatur nicht abgeneigt ist, einen guten Schmöker schätzt, nichts dagegen hat, dass der Autor viele der Helden gnadenlos opfert und es obendrein aushält, dass das Epos noch nicht zu Ende geschrieben ist, sollte man sich auf die bislang geschriebenen ca. 12.000 Seiten freuen!

Der Autor, ein bekennender Genießer und Nichtkoch, hat nicht nur zwei Kontinente nebst den dazugehörigen Völkern, Königreichen, Helden, Städte, Burgen, Sagen, Sprachen, Landschaften und Klimazonen geschaffen, sondern auch liebevoll und durchaus appetitanregend zu jedem Landstrich die passenden Speisen & Getränke erdacht. Viele der Helden und Antihelden haben Lieblingsspeisen, sind Genießer und freuen sich, gut zu essen und zu trinken. Dadurch werden die Charaktere nahbarer und bekommen für jeden der selber gerne isst und trinkt, eine ganz eigene kulinarische Dimension, wie ich sie sonst in keinem anderen Buch erlebt habe.  Wenn sich z.B. das tapfere Mädchen Arya Stark auf ihrem langen und harten Weg der Selbstfindung nach Zitronenkuchen aus der heimischen Küche sehnt, macht sie mir das noch sympathischer als sie es eh schon ist. Gott sei Dank lebt sie derzeit auch noch. Und wehe der Autor lässt sie umkommen, wie er es schon mit vielen meiner lieb gewonnenen Helden getan hat. Zuletzt sogar mit…., nein ich sage nix!

Und Jamie Lannister hat bislang nur die Hand verloren, da bin ich sehr froh drüber. Wo er doch so gut aussieht und mit seiner Schwester, der gemeinen Königin, zwei Kinder hat.

Die beschriebenen Genüsse haben einen eindeutig mittelalterlichen Charakter, George R.R. Martin erfindet das Rad auch nicht neu, gibt aber allem einen ziemlich originellen Dreh, bei Zutaten und Gewürzen. Im Norden gibt es selbstgebrautes Starkbier, Apfelkuchen, Wildpasteten und Blutwurst, etwas weiter im Süden wächst schon der Wein, auf den Tisch kommen Schwäne, Schnecken und Forellen. Noch weiter im Süden lässt man sich gegrillte Schlange schmecken, gefüllte Paprika und Datteln. Auf die Tafel des Königs gelangen Entenbrust, Ochsenschwanzsuppe, Feigentartes und gewürzter Wein.

Besonders ausgefeilt sind die Beschreibungen der vielen Feierlichkeiten, Bankette, Zeremonien und die dazugehörigen Speisenfolgen. Da hab ich auch schonmal ziemlich Hunger bekommen. Zum Glück habe ich einen Teil der Bücher in Venedig gegessen äh gelesen und die kulinarischen Gegebenheiten in meinem wirklichen Leben fielen nicht allzu sehr von der Fiktion ab!

Zwei GoT und kochbegeisterte Amerikanerinnen haben sich vor einigen Jahren daran gemacht die Rezepte aus dem Buch zu entwickeln und zu kochen. Der dazugehörige Blog  namens Inn at the crossroads wurde ein riesiger Erfolg! Ermutigt sind sie dann auf George R.R. Martin zugegangen und haben mit seiner Zustimmung und seinem Wohlwollen ein Kochbuch herausgebracht. Es heißt: A Feast of Ice and Fire – the official Game of Thrones Cookbook. Der eher komplizierte Titel dient zur Abgrenzung von Nachahmerprojekten wie dem The unofficial Game oft Thrones Cookbook. Die Kochbücher kenne ich aber nicht. Ich habe auch nicht vor sie zu kaufen. Ich hoffe nur, dass George R.R. Martin bald mit der nächsten Folge herausrückt. Einmal hat er dafür vier Jahre gebraucht. Angeblich hat er von verzweifelten Fans sogar Drohungen erhalten. So verzweifelt bin ich dann doch nicht…

Jeden Tag ein Buch wie dieses: Tender at the Bone von Ruth Reichl

Die von mir sehr geschätzte Foodbloggerin Astrid Paul aka Arthurs Tochter www.arthurstochterkochtblog.com hatte die wunderbare Idee jetzt in den Ferien eine Genussbuch-Blogparade ins Leben zu rufen. Vom 8. bis 14. Juli heisst es: jeden Tag ein Buch! Die teilnehmende Blogger stellen in dieser Woche Genussbücher vor. Bücher die Genuss bereiten, egal ob Kochbücher, Bücher über Essen und Trinken oder einfach alles was Genuss bereitet! Am Ende der Woche erwartet uns eine wunderbare Liste aller Beiträge. Allein die alle zu lesen wird schon ein Genuss werden.

Hier ist der Link zur Facebook-Gruppe und zur Liste: www.facebook.com/groups/361960313930624/

Ruth Reichls Bücher, Artikel und Kolumnen sind seit Jahrzehnten ein MUST READ für Geniesser dieser Welt. In den siebziger Jahren war als Miteigentümerin des Restaurantkollektivs The Swallow Teil der kulinarischen Revolution in Kalifornien. Die Wiederentdeckung von frischen regionalen Zutaten und der Anbau von eigenem Gemüse und Kräutern legte damals den Grundstein für viele Kochkarrieren, unter anderem die der  mittlerweile zur Kochlegende avancierten Alice Waters vom Chez Panisse.

Ruth Reichl war Restaurantkritikerin für die Los Angeles Times und später für die New York Times und Herausgeberin der betrüblicherweise eingestellten Gourmet Magazins.

Ihre Memoiren Tender at the Bone, Comfort Me with Apples, Garlic and Sapphires, sind wirklich lesens- und liebenswerte Bestseller.

Die Kombination von komischen, traurigen und schönen Familiengeschichten,von schrägen und wunderbaren kulinarischen Erlebnissen und den dazugehörigen Rezepten sind einmalig humorvoll und mit dem Blick für das Skurrile im Leben geschrieben. Tender at the Bone umfasst Kindheit und Jugend In New York der fünfziger und sechziger Jahre, einen zunächst trostlosen und dann wunderbaren Aufenthalt in einem Internat in Montreal die erste prägende Reise nach Paris, die erste große Liebe und die Gründung von The Swallow in Kalifornien.

Die Geschichten aus ihrer Kindheit sind meine Favoriten. Wie sie in einer Familie aufwächst die Geschichten liebt, die aberwitzigen Kochversuche ihrer manisch depressiven Mutter die stets alle ihre Gäste mit vergammelten Lebensmitteln vergiftet, die ersten Schritte in die Küche unter der liebevollen Anleitung der schwarzen Köchin ihrer steinalten Ersatzgroßmutter, die dramatischen Anekdoten über die alkoholabhängige Haushälterin Mrs. Peavy, wie sie im Internat in Montreal zunächst vereinsamt und dann doch eine Freundin findet und in deren Vater einen kulinarischen Mentor, das alles könnte ich wieder und wieder lesen.

Gesagt getan, ich höre jetzt auf mit Schreiben, denn ich muss das Buch einfach noch mal lesen!

PS: Leider gibt es die Bücher nicht in deutscher Übersetzung. Aber die Originalfassung auf englisch ist leicht und beschwingt zu lesen.

Ruth Reichl

Tender at the Bone

ISBN 0-7679-0338-2