Orangen-Grießkuchen – für Oma gebacken

Eigentlich wäre es viel schöner, wenn im Titel stehen könnte „mit Oma gebacken“. Aber meine Oma ist so klein und zerbrechlich geworden, sie würde wahrscheinlich die Treppe zu meiner Wohnung nichtmal mehr eine Etage hoch schaffen. Leider! Gefragt würde sie natürlich das Gegenteil behaupten. Treppen? Kein Problem. Ganz manchmal vergisst sie, dass sie in einer eigenen Wohnung im 3. Stock gewohnt hat. Dann weiß ich nicht, ob mich das freut oder traurig macht.

Wenn sie nur im Hier und Jetzt lebt, ist Oma jedenfalls deutlich besser gelaunt und ich denke dann manchmal, eigentlich ist das doch am Besten. Nichts mehr wissen, nichts vermissen. Sonst macht sie sich wirklich viele Gedanken: Um ihre Wohnung, die kaputt und in der Werkstatt ist (woher sie das nur hat?). Um ihre Eltern, die jeden Tag aufs neue Sterben können und es manchmal auch tun, weil sie vergisst, dass sie schon lange tot sind. Manchmal muss sie auch dringend zur Beerdigung ihrer Großmutter. Kürzlich hat sie ein niedliches Bild von ihrer weinenden Urenkelin bekommen. Jetzt macht sich Oma Sorgen, weil doch das Kind ständig weint. Zumindest jedes Mal, wenn Oma auf das Foto schaut. Manchmal schreibt sie sich und anderen herzzereissend wirre kleine Zettel und Briefe. Neulich fand ich eine Notiz „ich bin gesund“. Ich sag ja: herzzereissend.

Schrecklicherweise habe ich Oma lange nicht besucht, weil ich an zwei Büchern gleichzeitig gearbeitet habe (dazu bald mehr) und ich habe ein fürchterlich schlechtes Gewissen. Zur Beruhigung desselben backe ich für den Omabesuch einen Kuchen.

Das sehr einfache Ursprungsrezept für diesen sensationell saftig-orangigen Grieß-Kuchen habe ich bei BBC Good foods gefunden. Dort heißt er Moroccan orange & cardamom cake und wird mit Zuckerersatz und ohne Butter gebacken. Weil ich nicht alle Zutaten vorrätig hatte, weil ich Zuckerersatz blöd und Butter toll finde und weil ich nicht wußte, ob Oma Kardamom mag, habe ich das Rezept etwas geändert.

Eine kleine Bemerkung vorab: Ich habe den Kuchen auf einer britischen Rezeptseite gefunden und es Bedarf einer gewissen britishness, um ihn zu mögen. Zumindest sollte man schon in seiner Kindheit auf Bitterorangenmarmelade eingestimmt worden sein, um die feine Bitterkeit des Kuchens, der mit pürierten Orangen gebacken wird, genießen zu können.

2 Bio-Orangen
100 g Rohrzucker
3 Eier
1 Becher Joghurt
250 g Rohrzucker
1 Päckchen guter Vanillezucker
250 g Grieß
100 g Weizenmehl
1 Päckchen Backpulver
100 g Butter
Puderzucker

Die Orangen heiß waschen und in einem kleinen Topf mit Wasser bedeckt ca. 1 Stunde köcheln lassen, bis sie weich sind. (Ich habe hier 100 g Zucker in das Wasser getan, der schöne Nebeneffekt ist ein hausgemachter Orangensirup, den man auch für das Icing nehmen kann).
Die Orangenstielansätze entfernen, Orangen kleinschneiden und komplett mit dem zauberstab pürieren. Das Orangenpüree, Zucker, Vanillezucker, Joghurt und die Eier in einer Schüssel verrühren. Ich habe dazu aus Faulheit weiterhin den Zauberstab genutzt.
Butter schmelzen und abkühlen lassen.
Grieß, Mehl und Backpulver mischen und mit dem Schneebesen unter die Orangenmasse heben, zum Schluss die flüssige, abgekühlte Butter unterrühren. Wenn man den Teig jetzt probiert; ja er schmeckt echt bitter, aber das verklingt tatsächlich nach dem Backen!

Dein Teig in eine mit Backpapier ausgelegte 24er Springform geben und im vorgeheizten Ofen bei 160 G/Gas Stufe 3-4 ca. 1 Stunde backen. Dann auch die Garprobe vertrauen.

Den Kuchen abkühlen lassen und dann mit einer Mischung aus dem Puderzucker und dem Orangensirup glasieren. Mit hat ein reizender Freund Billingtons Puderzucker aus London mitgebracht, da wurde der Kuchen gleich noch britischer!

Das Ergebnis ist ein wunderbar saftiger, duftiger, eher fester Kuchen mit einem unglaublichen, recht bitteren Orangenaroma. Für die Fans von Bitterorangenmarmelade genau das Richtige! Er sieht zugegebenermaßen etwas unspektakulär aus. Ganz klar ein Kuchen der inneren Werte!

Auf dem Weg zu Oma, war ich dann doch etwas aufgeregt. Hoffentlich würde Oma den Kuchen nicht zu bitter finden! Sie ist da ja mittlerweile sehr direkt, wenn ihr etwas nicht schmeckt. Neulich habe ich ihr selbst gemachte Wasserkefirlimonade mitgebracht, die tatsächlich sagen wir mal etwas lasch war. Omas Kommentar oder war es eher eine Empfehlung: Könnte ein bisschen besser schmecken. Der Orangenkuchen hat ihr aber sehr gut geschmeckt, jedenfalls hat sie davon recht viel gegessen (merke: auch kleine Omas können Unmengen an Kuchen verdrücken) und gesagt: Dieser Kuchen hat seinen eigenen Geschmack. Wie wahr!

Mehr von Oma:
Oma auf dem Markt: https://berlintidbits.wordpress.com/2015/01/03/spaziergang-uber-den-markt-am-sudstern-mit-oma/
Oma kocht Marmelade: https://berlintidbits.wordpress.com/2014/05/31/rhabarberkonfiture-mit-vanille-mit-himbeeren-und-mit-oma/

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Grießkuchen mit Quarkcreme, Johannisbeeren und Schafgarbenblütenzucker

kuchen

Das ist der wirklich einfachste Kuchen der Welt. Dank der Johannisbeeren bekommt er einen eleganten Charakter und Dank des Schafgarbenblütenzuckers den derzeit notwendigen Hauch Lokalexotik. So wie es aussieht, kommt der Kuchen sogar ins Fernsehn! In einem Bericht über Thomas Greb und unseren Speisenklub Neukölln.
(ich berichtete: https://berlintidbits.wordpress.com/2013/07/24/nose-to-tail-menu-vom-speisenklub-neukolln/)

Auf vielfachen Wunsch seiner jetzt schon zahlreichen Fans hier das Rezept:

500 g Hartweizengrieß
500 g Naturjoghurt 3,5 %
300 g Zucker
6 Eier
80 g Butter
1 Päckchen Backpulver

300 g Johannisbeeren
250 g Sahnequark
250 g Schmand
100 g Zucker

5 große Schafgarbenblüten
1 Tasse Zucker

Die Butter schmelzen und leicht abkühlen lassen. Backofen auf 200 Grad vorheizen. Butter, Joghurt, Zucker und Eier cremig schlagen. Grieß mit Backpulver mischen und einrühren. Flüssige Butter einrühren.

Den Teig in eine gefettete runde Springform (eckig ist der Kuchen aber auch sehr schick) geben und im vorgeheizten Backofen ca. 40 min backen. Mit einem Messer die Garprobe machen! Den Kuchen auskühlen lassen.

Aus dem Quark, Schmand und Zucker eine dicke Creme rühren. Den Kuchenboden waagerecht mit einem langen Messer halbieren, die untere Hälfte mit einem teil der Quarkreme bestreichen, die andere Kuchenhälfte wieder drauf setzen und den Kuchen komplett mit der Creme einstreichen.

Dekorativ mit einzelnen Johannisbeeren und Johannisbeerrispen belegen und mit Schafgarbenblütenzucker bestreuen.

In einem schon etwas älteren Blog erkläre ich, was Schafgarbe ist, wie sie aussieht und wie man den Blütenzucker macht:
https://berlintidbits.wordpress.com/2010/08/27/schafgarbe
Ich wiederhole kurz denn es ist ja so einfach: Man mischt die vom Stengel abgeschnittenen Blüten mit dem Zucker und lässt die Mischung 10 min ziehen. Fertig. Der Zucker schmeckt wie süsse Wiese und passt nicht nur zu Kuchen, sondern auch zu Eis ganz hervorragend.

Schafgarbe ist übrigens als Heilkraut für Beschwerden im Bauchbereich recht beliebt. Ich hab‘s noch nicht ausprobiert aber ein Tee aus den Blättern soll bei Magen/Darmbeschwerden und bei den sog. Frauenleiden wirkungsvoll helfen!

Du Bonheur – Le retour de la pâtisserie

Mon dieu! Sie ist zurück. Die französische Patisserie erlebt eine Renaissance. Etwas irritiert erwacht sie aus ihrem Dornröschenschlaf: „Was habt ihr nur so lange ohne mich gemacht? Ohne Eclairs, ohne Bûche, ohne Tarte St.-Honoré, ohne Petits Fours, ohne Croque-en-bouche, ohne Merengue, ohne, ohne ohne……..“ Etwas indigniert schüttelt die Patisserie den Staub ab und marschiert zurück auf die Bühne ins kulinarische Rampenlicht. Wegen allgemeinem Überdruss sind kürzlich die amerikanischen Backwaren von dort abgetreten. Brownies, Muffins, Cupcakes, Pop-Cakes, Cheesecakes, Douhgnuts…. keiner konnte sie mehr sehen.

Interessanterweise wird der Trend zu französischen Backwaren in New York befeuert. Natürlich von einem französischen Pâtissier. Dominique Ansel gehört zu den “Top 10 Pastry Chefs in the United States”. In seiner New Yorker Bakery macht er Furore mit seinen Kreationen.

Vergangenes Jahr stand man in NY Kopf wegen eines bretonischen Kuchens, den bis dahin die wenigsten kannten und noch weniger aussprechen konnten. Kouign amann (ja, so heißt der Kuchen. Ich kann’s mir auch nicht merken und habe mir eine Eselsbrücke mit Kofi Annan gebaut. Sorry Kofi) ist eine Art schlichter aber schamloser Schichtkuchen aus Croissant-Teig, viel viel Butter und leicht karamellisiertem Zucker. Irgendwie sieht er nach nix aus, aber wenn man durch die erste Karamel-Butterschicht gebissen hat, ist man verloren. Wenn ich mich Recht erinnere, hat ein Croissant bei Weight Watchers 8 Punkte (hat mir mal ne Freundin erzählt, übrigens). Ich bin mir sicher Kouign amann verdient auf derselben Skala 80 Punkte.

Dieses Jahr steht New York häuserblockweise Schlange wegen einer Kreation die Dominique Ansel Cronut getauft hat. Bei dieser gnadenlosen Kombination eines Croissants und eines Doughnuts handelt es sich um ein eine Art fettgebackenes Croissant (!!!!!!!!) das mit unterschiedlichen Cremesorten gefüllt und Zuckerglasuren überzogen wird. Und weil Dominique Ansel nicht blöd ist gibt es jeden Monat ein anders Cronut. Letzen Monat war Lemon Maple. Diesen Monat ist Blackbery. http://dominiqueansel.com/cronut-101 Es handelt sich übrigens um die derzeit viralste Backware der Welt. Weil alle Foodblogger und Kochbuchautoren und Foodies und FoodHunter so gelangweilt von Cupcakes waren und so begierig auf was Neues gewartet haben, ging die Nachricht von der neuen kulinarischen Sensation wie ein Lauffeuer durch sämtliche Food-Facebookseiten und jeder der auch wirklich ein echtes Cronut ergattert hat, hat diesen aufregenden Moment seines FoodieDaseins auf Instagram dokumentiert.

Und in Berlin? In Berlin habe ich vor ein paar Wochen das Du Bonheur in der Brunnenstrasse entdeckt. Bei einer meiner seltenen Ausflüge in den Prenzlauer Berg lächelte es mir charmant zu, duftete nach Butter und Zucker und flüsterte: Kouign amann. Drinnen erliege ich dann auch dem Charme der Cannelés Bordelais, eine weitere französische Spezialität, die man viel zu lange vernachlässigt hat. Genauso wie Kouign amann optisch etwas unromantisch sind die Cannelés aussen karamellig braun und innen ganz hellweich. Aber nicht buttrig. Eher cremig. Und köstlich. Die Inhaber verstehen ihr Geschäft meisterlich! Die Inhaber das sind Stephan Zuber, ehemals Koch im Adlon, und die Konditorin Anna Langens, die in Paris bei einem der französischen PatisserieGurus überhaupt ausgebildet wurde. Nach einigen Lehr-und Wanderjahren haben sie sich mit dem Du Bonheur ihren ganz persönlichen Traum gebacken. Das Angebot an süssen und pikanten Backwaren in der Theke sieht gleichermassen gut aus und ich werde wohl bald wieder einen Grund finden müssen, um in die Brunnenstrasse zu fahren. Vielleicht könnte ich es sogar mal vor mir selbst rechtfertigen, nur wegen der Patisserie von Neukölln nach Prenzlauer Berg zu fahren. Peut-être….

http://www.dubonheur.de

P.S. Ja ich weiß, ich habe Macarons nicht erwähnt. Als einzige französische „Süssigkeit“ hatten sie es geschafft, im Kreise der Cupcakes und PopCakes zu bestehen und ebenfalls „in“ zu sein. Deswegen sind sie auch bald schon wieder out. Denn nach fest kommt locker und nach in kommt out.

kuchen von meiner tante – chocolate slut in amsterdam

gott ich hinke völlig hinterher mit amsterdam. was soll meine nichte von mir denken? zumal wir gleich am ersten tag das perfekte café gefunden haben, um stadtbesichtigungsbedingter unterzuckerung nicht nur entgegenzuwirken, sondern sie auch noch auf jahre hinaus zu vermeiden! 

De taart van m’n tante heißt das ganze auch noch passenderweise. CRAZY! in dem großen eckcafé in der Jacob van Campenstraat 35 in amsterdam ist alles im besten sinne verrückt. die großen schaufenster locken mit einer völlig absurden mischung aus plastikblumen in abgefahrenen vasen und kunterbunten riesigen fantasiefaketorten. der blick von außen ins innere läßt erahnen, daß sich dort die absurde mischung fortsetzt. es gibt kein halten mehr und wir werden magisch ins innere gezogen. wie zwei alices ins tortenwunderland. ganz ohne weißes kaninchen gelangen wir durch die tür in eine bunte, herrliche, absurde, süße parallelwelt. wer hat sich das ausgedacht? und vor allem, wo ist johnny depp? ach auf den mussten wir verzichten aber ansonsten waren nichte alice und tante alice ganz verzaubert.

für den hier praktizierten stilmix gibt es nur ein wort: SCHAMLOS! alles aus jeder zeit, in jeder farbe und in jedem zustand wird zusammengestellt, stühle quietschbunt gestrichen und tische mit wild gemusterten plastiktischdecken belegt. dann überall zur deko noch eine fette unglaublich liebevoll dekorierte mehrstöckige torte draufgestellt und das konzept geht sowas von auf! zumindest für frauen. ist es weil wir alle doch insgeheim auf johnny depp warten? andere männer haben es hier definitv schwer. der einzige der hier inmitten von frauen zu gast ist, fühlt sich offensichtlich leicht verloren. zumindest bis sein stück torte auf dem tisch steht. dann gerät er auch sichtlich in einen verzückungszustand.

mein lauwarm servierter schokokuchen heißt chocolate slut. und hält was er verspricht. üppig schmiegt er sich an den gaumen, schmilzt fast völlig im mund, wehrt sich ein wenig bei den walnussstückchen, zuckt wenn man auf die getrockneten cranberrys beisst und ist durch und durch pervers bis zum letzten krümel. meine herren! oder wie der brite sagt: „my aunt!“ die dazu gereichte sahne nehme ich willenlos mit. was soll’s. widerstand zwecklos. und bei den berechneten fünf euro für das stück kuchen kann ich dann auch nicht mehr zucken.

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