Pampa aus der Pfanne – Steak vom Pferd mit Pimientos und Chimichurri

Chimichurri ist eines meiner Lieblingswörter. Es liegt so gut auf der Zunge. Auch im besten Sinn des Wortes, denn Chimichurri kann man essen. Chimichurri kommt aus Argentinien und ist so eine Art scharfes Pesto, das dort zum Asado gereicht wird. Ein Asado ist eine sehr sympathische Grillveranstaltung bei der unglaubliche Mengen an Fleisch und Würsten auf der Parilla (dem Grill) über heißen Kohlen gegrillt werden. Manchmal gibt es auch ein bisschen Gemüse dazu.
Argentinien steht ganz oben auf meiner Reiseliste (nicht ganz alleine zugegebenermassen). Wie so oft versuche ich mein Fernweh kulinarisch zu befriedigen: Pampa aus der Pfanne! Zu einem sehr zarten und mageren Pferdesteak gibt es gebratene kleine grüne Paprikas und eben Chimichurri.

So geht mein Chimichurri:

1 Bund Petersilie gezupft
1 Bund Oregano gezupft
1 Tl getrockneter Chiliflocken
1 kleine Zwiebel geschält sehr fein gewürfelt
2 dicke Zehen Knoblauch geschält fein gewürfelt
ca 100 -150 ml Olivenöl
ca 50 ml Rotweinessig
Salz Pfeffer
Die Kräuter und die Chiliflocken in einem hohen Gefäß mit dem Öl pürieren.Den Rotweinessig, Zwiebeln und Knoblauch einrühren (nicht mehr pürieren), mit Salz und Pfeffer kräftig würzen.Alles vor dem Servieren etwas ziehen lassen.

Dazu trinke ich einen 2011er Malbec Catalpa vom argentinischen Weingut Atamisque.Den habe ich mal geschenkt bekommen. Keine Ahnung mehr von wem. Jedenfalls hatte der Schenker keinen schlechten Weingeschmack: üppig, samtig, fruchtig, wuchtig. Danke nochmal!

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Pferdeburger für Anfänger

Wir wollen es ganz bewusst. Aufgerüttelt durch den sog. Pferdefleischskandal, wollen wir es wissen! Wie schmeckt ein Pferdeburger wirklich?

Im Karstadt am Hermannplatz sind wir fündig geworden. Hier gibt es Pferdefleisch! Wir machen sogar ein Schnäppchen. Der Pferdeschmorbraten ist wegen drohendem Ablauf des Mindeshaltbarkeitsdatums reduziert. Kauft keiner mehr Pferdefleisch? Auch nicht bewusst? Wir ergattern ein Kilo für ca. 10 €. Schönes mageres Pferdefleisch.

Und dann machen wir einen Burger daraus, comme il faut! Wir lassen das Fleisch durch den Fleischwolf, würzen und formen es. Es hat eine wunderbare Farbe und einen leicht süsslichen Geruch. Wir backen die Brötchen. Dazu mixen wir eine Guacamole aus Avocado, Ziegenfrischkäse und Koriander. Tomate, Gurke, rote Paprika und Jalapeños sind auch mit dabei. Byodos Ketchup verrühren wir mit einer Chipotle Sauce. Auf die in der Grillpfanne angebratenen Patties kommt eine Scheibe Ziegenkäse. Wir bauen den Burger zusammen und essen ihn mit Genuss.  Gibt es einen Unterschied zu Beef? Ja! Die Röstaromen sind milder. Das Fleisch ist süsslicher. Ein bisschen wie Straussenfleisch oder junges Reh. Das Fleich ist extrem mager, aber nur wenig trocken. Es ist ein toller Burger und wir essen ihn mit Genuss!

Die schönen Fotos sind von www.ulikohl.com

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Pferd ist in aller Munde – warum das nicht schlimm ist

Pferdefleisch erobert Europa! 

Mit einer beispiellosen Undercover-Offensive schafft die moderne Fleischverarbeitungsindustrie den Vermarktungs-Durchmarsch für Pferdefleisch: von der Pferdekoppel über die Tiefkühltuhe bis auf den Esstisch abertausender Fleischkonsumenten in ganz Europa. Die in unterschiedlichen Dosen vorgenommene Beimischung von billigerem Pferdefleisch zu teurerem Rinderfleisch ist mittlerweile eine europaweit verbreitete Praxis. Durch diesen gelungenen Coup sind unzählige Pferdekarkassen einer sinnvollen Verwendung zugeführt worden, mit dem schönen Nebeneffekt, daß trotz gestiegener Futter- (Weizenpreise!) und Energiekosten (Verarbeitung, Kühlung!) die Preise für günstige Hackfleischprodukte wie Burger, Lasagne und Ravioli nicht steigen mussten. Dass der preisbewusste Fleischkonsument dies nicht mit der eigentlich nötigen Dankbarkeit quittiert, liegt an mehreren bedauerlichen Schönheitsfehlern im System. 

Da ist zu einem die fehlende Aufklärung, auch Etikettenschwindel genannt. Die Fleischverarbeitungsindustrie hat es nämlich versäumt, den Konsumenten darüber zu informieren, dass Convenienceprodukte aus Hackfleisch im Preis steigen müssten, wenn darin reines Rinderhackfleisch verarbeitet würde. Im Falle einer Aufklärung hätte der Konsument die Wahl gehabt; zahlt er weniger gibt es eine Pferdefleischbeimischung, zahlt er mehr, gibt es reines Rindfleisch. Da hatte die Fleischverarbeitungsindustrie einfach kein Vertrauen in den Konsumenten. (Ähnliches ereignete sich vor einigen Jahren, als der sog. pink slime verarbeitet wurde)

Paradoxerweise bleibt nichts anders übrig, als dem durchschnittlichen Fleischkonsumenten ein übergroßes Vertrauen in die Fleischverarbeitungsindustrie zu attestieren. Oder eine übergroße Naivität. Wenn man 1 kg Bolognese Lasagne für 2,99 € kauft, welche Qualitäten kann man da reellerweise erwarten? Verständlicherweise möchte der Lasagnekonsument, dass Rindfleisch drin ist, wenn Rindfleisch drauf steht. Betrüblicherweise denkt er kein bisschen nach. Die Lasagne besteht aus gekauften Zutaten, sie ist von Menschen produziert worden, in einer großen Fabrik, sie ist tiefgekühlt transportiert und gelagert, sie ist verpackt. Das alles kostet. Und man will damit Gewinn machen. Der Lieferant, der Produzent und der Verkäufer. Bei 2,99 € pro Kilo. Äh, nun ja. Eben.

Im Zeitalter des Aufschreis wird aufgeschrien. Es ist ja auch wirklich nicht schön, angelogen zu werden. Und es ist kriminell als Lieferant oder Produzent zu lügen. Doch wie sagte meine Oma so treffend? Es gehören immer zwei dazu.

Idealerweise hat der Pferdefleischskandal auch eine positive Seite. Oder gleich zwei, oder drei. Die Schlupflöcher für Betrug könnten enger werden, wenn Behörden weniger Verständnis für die Machenschaften der Lebensmittelindustrie zeigen. Der Konsument könnte seine Empörung positiv kanalisieren und sein eigenes Kaufverhalten auf den Prüfstand stellen. Weniger Fleisch, besseres Fleisch. 

Letztere Überlegung könnte sogar partiell zu einem unverkrampfteren Verhältnis zu Pferdefleisch führen. Schliesslich ist es auf dem Markt ganz offensichtlich in großen Mengen vorhanden, es ist günstig und, wenn nicht medikamentös behandelt, auch gesund. Mager und eisenhaltig. Es schmeckt gut, milder und süsslicher als Rindfleisch. Entspricht also eigentlich völlig dem modernen Geschmackszeitgeist. Es ist ja auch nicht so, als hätte irgendjemand mal den Geschmack der betroffenen Produkte bemängelt.

Hinderlich ist natürlich, dass Pferde, im Gegensatz zu Kühen, in unseren Breitengraden als Freunde des Menschen zählen. Den Status möchte man ihnen defintiv nicht nehmen. Immerhin ertragen diese wirklich bewundernswerten Tiere den monotonen Reitunterricht unserer Kinder und das gewiss anstrengende Training für Dressurreiten und Pferderennen. Da ist es schon besser, sie sind unsere Freunde.

Reaktionen auf den Pferdefleischskandal zeigen auch, dass viele, insbesondere weibliche Konsumenten, zukünftig auf Fleisch komplett verzichten. Das ist gewissermassen verständlich und auch nicht schlecht. Es gilt den globalen Fleischkonsum zu reduzieren. Es ist doch nur gut, wenn in Europa auf Fleisch verzichtet wird, während in traditionell eher vegetarisch orientierten Ländern wie Indien der Fleischkonsum steigt. 

Always look on the bright side of life! Das sangen schon die alten Römer. Die haben übrigens auch Pferdefleisch gegesssen..

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spitzkohleintopf mit pferdebockwurst

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es ist zwecklos zu leugnen, der winter ist schon wieder da! und ich hatte den eindruck, er sei gerade erst vorbei. dieses jahr wird wohl ein winterjahr. winterfreuden in freier natur sind ja gut und schön, aber in der stadt sind kälte und grauer schneematsch nicht meine freunde. kulinarisch gesehen kann ich dem winter allerdings einiges abgewinnen. der wieder in mode gekommene und viel gepriesene eintopf steht auch bei mir hoch im kurs.

gestern habe ich einen spitzkohleintopf gekocht, um ihn heute aufwärmen zu können. aufwärmen ist bei fast jedem eintopf wirklich wichtig. gestern abend habe ich also zwiebeln und ein wenig knoblauch in butterschmalz angedünstet, den kleingeschnittenen spitzkohl, gewürfelte festkochende kartoffeln und möhren dazugegeben und alles mit gemüsebrühe aufgegossen, das konnte dann hübsch einkochen. kümmel hatte ich leider keinen, der wäre aber prima gewesen. 

heute habe ich im karstadt am herrmannplatz pferdebockwurst mit knoblauch von der firma sellmer (ross-spezialitäten) entdeckt. das war eine perfekte ergänzung zu meinem eintopf. die bockwurst habe ich zusammen mit dem eintopf erwärmt. da hat der eintopf geschmacklich auch noch was davon. die pferdebockwurst ist dunkler und viel kräftiger als andere bockwürste. interessant. vielleicht eine spur zu salzig, obwohl ich gerne salzig esse. sie hat auch eine leicht rauchige note. es gibt von der firma sellmer noch mehr pferdefleisch spezialitäten beim karstadt.  z.b. auch rouladen und braten. die werde ich bestimmt mal ausprobieren. ich erinnere mich sehr gerne an einen schönen markt in lausanne, auf dem wir vor jahren neugierig ein delikates roastbeef vom pferd gekauft und mit thymian im ofen zubereitet haben. wir waren überrascht wie zart das fleisch war und wie aromatisch es geschmeckt hat. hier in deutschland ist pferdefleisch selten im angebot und galt wohl auch lange als arme leute essen. meine oma rümpft jedenfalls die nase darüber. zu unrecht, wie ich finde! in der schweiz z.B.  insbesondere in der französischen, hat pferdefleisch einen verdientermassen viel besseren ruf. vielleicht lesen die mädchen da nicht soviel pferdebücher…