Souvenirs in der Küche – Safran & Reis & Paella Valenciana

Happy Birthday Bushcook’s Kitchen!

Liebe Dorotheè, hier ist mein last minute Beitrag zu Deinem schönen Geburtstags-Blog-Event „Souvenirs in der Küche“.

Reisen bildet ja bekanntlich und wenn man zusammen mit Gefährten reist, ist man auch recht schnell über deren Vorlieben im Bilde. Meine Vorlieben auf Reisen sind ganz einfach: sobald ich einen Markt sehe, drehe ich durch, vergesse Museen und gotische Kirchen und überlege verzweifelt, wie ich im Hotelzimmer aus meinen potentiellen Einkäufen ein Fünf-Gang-Menu zubereiten könnte. Spätestens dann, wenn ich kurz davor bin den frischen Fisch, oder die Muscheln, oder die Rinderzunge zu erwerben, werde ich meistens daran erinnert, dass die einzigen elektrischen Geräte im Hotelzimmer der Fernseher, die Minibar und der Fön sind. Das macht das Kochen nicht einfach und mich immer ein bisschen traurig. Mit fortschreitendem Alter bin ich in manchen Dingen (nicht in allen) klüger geworden und nun durchforste ich eben die Märkte nach aufregenden haltbaren Lebensmitteln und Gewürzen mit denen ich dann zu Hause so gut es geht, meine Eindrücke der jeweiligen Landesküche nachkoche. Das sind dann die Souvenirs in meiner Küche. Und um die geht es ja hier.

Einer der schönsten Märkte die ich kenne, ist der Mercat Central de València. Seine schöne Glas-Kuppel kann es mit jedem Museumsbau aufnehmen und die gotisch angehauchten Jugendstilbögen mit jeder Kathedrale. Die Auswahl an den über 400 Ständen ist unglaublich vielfältig und zeugt vom landwirtschaftlichen Reichtum der Region an der Mündung des Ebro ins Mittelmeer. Prächtiges Obst & Gemüse, viel Geflügel und davon alle Teile, inkl. Hahnen-Kamm, Innereien und Beine. Viel Reis, viele Hülsenfrüchte, Gewürze, Fische, Meeresfrüchte……… Und ein Stand mit drei Sorten lebenden Weinbergsschnecken. Ist das toll??? Ich musste mich sehr zusammenreißen. Den Weg in meinen Koffer haben dann keine Schnecken sondern nur ein Säckchen Paella-Reis und ein Gläschen Safran gefunden, zusammen mit dem Vorsatz, mal die echte Paella Valenciana nachzukochen. In die gehören nämlich unbedingt Schnecken! Und entgegen der herkömmlichen Meinung eigentlich kein Fisch. Dafür Huhn oder Ente oder Hase und Gemüse.

Im folgenden nun meine etwas eigenwillige Interpretation einer Paella Valenciana. Mit Schnecken! Vom Huhn habe ich die Herzen genommen (statt from nose to tail – from beak to heart) und dann habe ich doch noch Calamares reingeschmuggelt.

Zutaten für vier Personen:

1 Gemüsezwiebel
3 Knoblauchzehen
2 rote Paprika
2 reife große Tomaten
4 Markknochen
100 ml Olivenöl
Meersalz, frischgemahlener Pfeffer
2 Fingerspitzen Safranfäden
400 g Paella-Reis
250 g Saubohnen
200 g Hühnerherzen
200 g kleine Calamares
8 vorgegarte Weinbergschnecken in der Schale
1 Zitrone

Zuerst mache ich ein sofrito, dass ist eine Art würzige Gemüsegrundlage für alle möglichen Speisen. (Die Markknochen gehören da übrigens klassischerweise nicht rein) Dazu Gemüsezwiebel und Knoblauch schälen und fein würfeln. In einer großen Pfanne (idealerweise einer Paella-Pfanne) in etwas Olivenöl sanft anbraten. 1 Paprika entkernen und fein würfeln, Tomaten auch würfeln und beides zu den Zwiebeln in die Pfanne geben. Gut mischen und die Markknochen drauflegen. Alles sanft schmoren bis das Gemüse verfällt und sich das Mark aus den Knochen lösen lässt (ca. 15 min). Das ausgelöste Mark in das sofrito geben und Knochen entfernen. Ein große Glas Wasser und den Safran dazugeben und alles kräftig mit Salz und Pfeffer würzen.

Parallel dazu die Saubohnen in Salzwasser bissfest garen und ggf. von der Haut befreien. Das Bohnenwasser beim abgießen auffangen! Die andere Paprikaschote entkernen, in Streifen schneiden und in einer kleineren Pfanne in etwas Olivenöl anbraten. Dann in derselben Pfanne die Hühnerherzen in etwas Olivenöl kräftig anbraten, salzen und pfeffern. Aus der Pfanne nehmen und in einer Schale aufbewahren. Die Calamares putzen, kleinschneiden und ebenfalls in der kleinen Pfanne anbraten. Aus der Pfanne nehmen. Die Pfanne mit einem großen Glas Bohnenwasser ablöschen und den Pfannenbodensatz loskochen. Diese Brühe zum sofrito geben und alles zusammen aufkochen lassen.

Den Reis in das flüssige Sofrito einstreuen. Mit Bohnenwasser aufgießen bis der Reis ca. zweifingerdick mit Wasser bedeckt ist. Alles ohne umrühren köcheln lassen bis der Reis die Hälfte des Wassers aufgesogen hat. Dann alle anderen vorgegarten Zutaten und die Schnecken auf dem Reis verteilen, Paprikastreifen zur Dekoration verwenden. Die Paella weiter köcheln lassen bis der Reis gar ist. Ich mag die Paella nicht so trocken, deswegen korrigiere ich den Flüssigkeitsgehalt (unerlaubterweise) manchmal noch mit Bohnenwasser, so dass die Paella am Ende schön schmelzig ist. Mit Zitrone servieren.

Das sind die derzeitigen spanischen Souvenirs in meiner Küche:
IMG_8558

Reis, Safran, Vermut und Aperitivo-Spießchen. Über Vermut schreibe ich ein andermal. Bis bald.

Advertisements

La buena pinta – craft beer in Madrid

Am Anfang war die Krise. Als vor ca. 6 Jahren die Immobilienblase in Spanien laut zerbarst und die heftigen Explosionswellen das Land mit einer grimmigen Wirtschaftskrise überzogen, platzten auch die Träume einer ganzen Generation. Anstelle einer Zukunft mit sicherem Job, Eigentumswohnung und Familie bietet sich der bestausgebildetsten Generation die Spanien je hatte die höchste Arbeitslosenquote Europas. Mit entsprechenden Folgen. Wut und Verzweiflung über Korruption und Misswirtschaft und die Angst vor einer nichtexistenten Zukunft treibt (nicht nur) die jungen Spanier zwischen 25 und 35 auf die Strassen und/oder ins Ausland. Wo das Spanien hinführt ist noch nicht abzusehen.

Ein klitzekleiner Lichtblick: Spaniens lost generation war schon vor der Krise die freiwillig mobilste Generation die Spanien je hervorgebracht hat. Die während internationaler Studienaufenthalte und Reisen gesammelten Erfahrungen brachten frischen Wind und neue Ideen in ein eher durch Abschottung und Selbstzufriedenheit geprägtes Land. Manche davon zahlen sich jetzt trotz und wegen der Krise aus.

Und was hat das jetzt mit Bier zu tun? Einiges, denn ich möchte behaupten, dass Spaniens keimende Craft Beer Szene ihren Ursprung zum Teil in der Wirtschaftskrise hat. Not macht bekanntlich erfinderisch. Das klingt abgedroschen, ist aber nicht immer von der Hand zu weisen. Denn in Spanien, einem Land das sich bislang nicht durch eine Wirtschaftskultur der Gründung geschweige denn der Förderung kleiner bis mittelständiger Unternehmen hervorgetan hat, entstehen immer mehr Mikrobrauereien gegründet von mutigen Unternehmern, die einen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit suchen. Inspiriert von der internationalen craft beer Bewegung und unterstützt von lokalen Fangemeinden, die einen gesunden Stolz auf die heimischen handwerklich hergestellten Biere entwickeln. In Madrid sind das z.B. La Virgen und La Cibeles.

Handwerklich hergestellte Biere brauchen Läden und Restaurants als Verkaufsstellen, die den Mut haben, sich abseits von ausgetretenen Pfaden zu bewegen. Liebhaber, Kenner, Menschen mit dem Bierherzen auf dem rechten Fleck. Ein solcher Laden ist „La buena pinta“ im Madrider Stadtteil Lavapies. Das ist einer der ältesten Madrider Bezirke, lange vernachlässigt, in dem günstige Mieten einen kuriosen Mix aus in bescheidenen Verhältnissen lebenden einheimischen Rentnern, Migranten aus China, Südamerika und Nordafrika und dem, was man auch hierzulande als junge Kreative bezeichnet, hervorgebracht haben.

„La buena pinta“ hat einen clever doppeldeutigen Namen. Zum einen heißt es übersetzt sowas wie der gute Eindruck oder das gute Aussehen, zum anderen bezieht sich la pinta auch auf „pint“ die alte englische Masseinheit für Flüssigkeiten.

Der kleine recht wohlsortierte Laden befindet sich in der traditionsreichen Markthalle „Mercado San Fernando“ die nach dem spanischen Bürgerkrieg als Ersatz für einen Strassenmarkt erbaut wurde, um die hygienischen Verhältnisse des Lebensmittelhandels zu verbessern. Tatsächlich suggeriert die für die Franco-Zeit typische monumentale Architektur, dass die Markthalle wesentlich älter ist. Wie die meisten innerstädtischen Markthallen aller Großstädte hat sie spätestens in den 80iger/90iger Jahren den Konkurrenzkampf zu den expandierenden Supermärkten verloren. Die veränderten Lebensgewohnheiten hatten einfach keinen Platz mehr für den täglichen kleinteiligen Einkauf an verschiedenen Marktständen.

Im Zuge eines Revitalisierungsversuches werden die Flächen in der Markthalle sehr günstig verpachtet. Das haben auch die Inhaber von La buena pinta genutzt um sich mutig mit ihrem Herzensprojekt selbstständig zu machen. Der wirklich sympathische Laden ist einen Besuch wert, man kann sich durch das solide Angebot an spanischen und internationalen Bieren probieren und mit den Einkäufen an den umliegenden Ständen ein schönes Bierpicknick vor Ort zusammenstellen. Neugierigen und Liebhaber von Craft Beer sei das spanische Angebot von Herzen empfohlen, ein bisschen guter Schinken und Käse dazu und der Genuss ist perfekt!

From nose to tail in Madrid – Casquería Oscar

In einer klitzekleinen Seitenstraße von Lavapiés, einem der ältesten und ursprünglichsten Stadtviertel von Madrid, habe ich meinen Traumladen gefunden. Dass es das noch gibt! Es ist ein winzig kleiner Laden mit Tradition und viel nostalgischem Flair. Ein Familienbetrieb aus den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts. Fortgeführt von den Enkeln der Unternehmensgründer. Die appetitliche Auslage bietet alles, wirklich alles was das Herz begehrt. Inkl. dem Herzen selbst. Vom Kalb, vom Lamm und vom Schwein. Der winzige Laden ist ein Paradies für Freunde von Innereien. Und wahrscheinlich für viele meiner Freunde, Bekannten und Leser ein kleiner oder großer Albtraum aus starr blickenden Schafsköpfen, weißlichen Kalbszungen und glänzenden Stierhoden.

Ach, die wenigsten wissen noch, dass Berlin einst den größten pro Kopf Verzehr an Kuheutern deutschlandweit zu verzeichnen hatte. Das sogenannte Berliner Schnitzel war nichts anderes als panierter Kuheuter. Historische Aufnahmen der Markthalle Neun belegen, dass da wo wir uns heute zum Street Food Thursday treffen, um internationales Street Food zu verzehren, sich an vielen der Marktstände die Euter und Innereien stapelten. Bis weit in die Nachkriegszeit. Was würde passieren, wenn man beim Street Food Thursday panierte Kuheuter anböte? Aus heutiger Sicht ginge es kaum exotischer.

(Leider sind die Euter auf den alten Bildern der Markthalle nicht zu erkennen. Dafür aber die Schweineköpfe)

In Deutschland hat uns der wirtschaftliche Aufschwung in den 60igern einen völlig verzerrten Fleischgenuss beschert. Weil wir es uns leisten können, essen wir zu viel Fleisch und hauptsächlich nur „edle Teile“ wie Kotelett, Steak und Filet. Die Fleischindustrie hat uns von den Tieren, die uns das Fleisch liefern, entfremdet. Damit wir alle unabhängig vom Einkommen täglich jede Menge an Fleisch essen können, ist eine perverse Massentierhaltung entstanden, der jeglicher Respekt vor Tieren abhanden gekommen ist. Wir lassen uns von einer abstrakten und abartigen Tötungsmaschinerie durch bunte Marketingbilder ablenken und finden alles eklig, was uns daran erinnert, dass wir ein Tier essen. Der Gipfel des Abartigen mündete dann in der „BSE-Krise. Spätestens seitdem ist für die Meisten der Verzehr von Innereien tabu. Aber nicht nur aus Angst vor BSE. Wenn man ein Herz oder ein Hirn isst, lässt es sich einfach nicht mehr leugnen, dass ein Teil von einem Tier auf dem Teller liegt. Ein in Plastik abgepacktes Stück schieres Fleisch oder eine Wurst ist viel abstrakter und mental einfacher zu verdauen.

In Spanien hat sich die Tradition, auch die sogenannten weniger edlen Teile der Tiere aufzutischen, ungebrochener gehalten als hierzulande. Wirtschaftlicher Aufschwung und die einhergehende Industrialisierung der Tierhaltung haben erst seit den 80igern stattgefunden. Ein Großteil der älteren Bevölkerung und viele Einwanderer aus Südamerika haben vom  Aufschwung nicht unbedingt profitiert und an ihren Essgewohnheiten hinsichtlich der günstigeren Innereien festgehalten. Jetzt in Zeiten der Krise ist die Nachfrage nach Innereien deutlich gestiegen, kann man in der spanischen Presse lesen. Gerade in den weniger wohlhabenden Viertel der Stadt findet man auf Märkten und in spezialisierten Metzgereien, den Casquerias, nicht nur Kutteln (callos a la madrileña ist eines der traditionellsten Gerichte der Hauptstadt)  und Leber, sondern auch Zunge, Herz, Lunge, Füße, Hoden, Bries, Nieren und Hirn. Wenn einer der beliebten spanischen Fernsehköche in seiner Sendung Schweinefüße zubereitet, sind diese am nächsten Tag in der Casquería Oscar ausverkauft.

Es ist schön, dass in der internationalen kulinarischen Szene die Innereien wiederentdeckt werden. Ein Verfechter der frühen Stunde ist Fergus Henderson, der in seinem Lokal St Johns in London den Begriff „Nose to tail eating“ schon in den 90igern geprägt hat. Mittlerweile servieren die meisten Köche, die etwas auf sich halten, selbstverständlich Bries, Kutteln und Nierchen. Auch getrockneten und geriebenen Rentierpenis habe ich schon auf der Speisenkarte gesehen. Von der Nase zum Schwanz hat der Schwede Björn Frantzen eben sehr ernst genommen.

Casqueria Oscar, Calle Encomienda, 1, 28012 Madrid, http://www.casqueriasoscar.es

Love in a dish – von der wunderbaren M.F.K. Fisher

Mein letzter Beitrag zu „Jeden Tag ein Buch“ – eine Themenwoche für Blogger  von www.arthurstochterkochtblog.com

Die zahlreichen Kurzgeschichten, Essays und Rezepte von M.F.K. Fisher (geb. 1908, gest. 1991) sind mittlerweile Klassiker der nordamerikanischen Genussliteratur. Soweit ich weiß, ist sie die erste kulinarische Autorin die persönliche Anekdoten, Reiseberichte, Familienerinnerungen, Rezepte, Haushaltstipps, kulinarische Geschichte und soziokulturelle Betrachtungen zu immer spannenden, pointierten und lesenswerten Geschichten und Büchern verwoben hat.

Als ihre ersten Essays in den 30iger Jahren erschienen, unter anderem über ihren dreijährigen Frankreichaufenthalt, konnten es insbesondere männliche Kritiker nicht fassen, dass diese von einer Frau geschrieben sein sollten. Eine Frau die kenntnisreich über Wein schreibt? Unerhört! Eine Frau die Brillat Savarin nicht nur gelesen hat, sondern sein Werk „Die Physiologie des Geschmacks“ von 1826 auch gleich noch aus dem Französischen ins Englische übersetzt? Noch nie dagewesen! Eine Frau die ironisch die angeblich aphrodisierende Wirkung von Austern kommentiert? Geradezu skandalös!

Geprägt von ihrem Frankreichaufenthalt in den 30iger hat sie ihre Liebe zu gutem Essen und frischen Zutaten zurück in die USA gebracht. In ein Land in dem gerade die Frische zugunsten von Dosengemüse und dem aufkommenden Gerfrierwahn geopfert wurde. Ein Land, dem die Marketingkampagnen immer größer werdender Foodunternehmen und immer mächtiger werdender Foodlobbyisten einen bis heute irreparablen kulinarischen Schaden zugefügt haben. Dennoch wurde ihre Stimme gehört und ihr Werk vielgelesen und zitiert. Sie war Wegbereiterin für Julia Child und für Ruth Reichl und ich finde es wirklich bemerkenswert, dass ein kulinarisch so bedürftiges Land wie die USA drei so wunderbare Genussautorinnen hervorgebracht hat.

In einer Zeit des körperlichen Perfektionswahns, in der viele meiner Geschlechtsgenossinnen ein gelinde gesagt, eher gestörtes Verhältnis zum Genuss durch Essen entwickelt haben, weil ihnen ein ebenso gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper eingeredet wird, finde ich es beruhigend und ermutigend, dass es lesenswerte Genussliteratur von intelligenten, abenteuerlustigen und genussfähigen Autorinnen gibt, auch wenn sie betrüblicherweise etwas in Vergessenheit geraten sind.

„Love in a dish“ ist eine Auswahl ihrer beliebtesten Kurzgeschichten und Rezepte aus verschieden Jahrzehnten für die Serie „Great Food“ von Penguin Books. In meiner Lieblingsgeschichte gerät M.F.K. Fisher in der Nebensaison in ein Sternerestaurant im Burgund. Dort wird sie als einziger Gast von einer geradezu kulinarisch besessenen Kellnerin in Beschlag genommen und wird von ihr zum Genuss eines unglaublich köstlichen aber auch unglaublich umfangreichen Menus des im Hintergrund agierenden Sternekochs geradezu genötigt. Abwechselnd verzückt und verzweifelt, beschreibt die Autorin liebevoll die einzelnen Gänge und die skurrile Versessenheit der Kellnerin. Wunderbar! Es ist wirklich bedauerlich, dass es keine deutsche Übersetzung gibt!

Der Libanon in Berlin – mein erster Lammhirnsandwich

Beirut steht ziemlich weit oben auf meiner reisezielliste. seit jahren beobachte ich, wie sich die stadt in einschlägigen reiseberichten zurückrundet. 2009 hieß es in the guardian „beirut is back“. im selben jahr hat die new york timers beirut zu den 44 places to visit hinzugefügt, an erster stelle! noch vor berlin! das war aber vor dem arabischen frühling. die reiseempfehlungen vom auswärtigen amt sind letztens jedenfalls nicht so lustig.

wie gut ist es da, daß man in berlin auf das vorhandene zurückgreifen kann! der libanon liegt nämlich in der huttenstraße. zumindest in kulinarischer hinsicht. entdeckt von einem kochkollegen, der seine küche in der nähe betreibt.

ausgerechnet am anfang meines vegetarischen monats schwärmte er mir von den unglaublichen sandwiches mit lammhirn und lammzunge vor, die in einem libanesischen imbiss in der huttenstraße frisch vom holzkohlegrill serviert werden. und von den ausgezeichneten kebabs im gegenüberliegenden libanesischen restaurant. mir wurde ganz schwach. ich hatte den veganen monat ja auch noch vor mir. wir trafen also eine sehr sehr weiträumige verabredung, in zwei monaten die libanesische küche in der huttenstraße zu erkunden.

vergangene woche sind wir also eines mittags bei wunderbarem wetter in die huttenstraße gereist. tatsächlich reihen sich dort auf beiden straßenseiten dich an dicht vorwiegend libanesische läden und lokale. bei dem schönen wetter waren die aussenplätze voll belegt. die sonne, das laute stimmengewirr, die düfte, die menschen, waren wir denn überhautp noch in berlin?  die huttenstraße strahlte in einem geradezu mediterranen glanze. 

unter der kundigen führung meines kochkollegens steuerte wir zunächst den kleinen imbiss „al reda“ an. hier werden lamminnereien groß geschrieben. besagte sandwiches mit lammhirn und lammzunge stehen ebenso auf der karte wie lammherz oder lammnierenkebabs. kebabs gibt es überhaupt sehr viele. aber wir wollen die sandwiches. lammhirn und lammzunge liegen auch schon mariniert in der vitrine. zusammen mit den üblichen salaten werden sie in fladenbrote gerollt. das ganze wird dann nochmal auf dem holzkohlegrill knusprig gebacken! der grill prasselt und verbreitet das unnachahmliche grillaroma. die vorfreude steigt…

die anreise hat sich gelohnt! der hirnsandwich ist eher sanft im geschmack. das hirn verleiht der füllung eine apart cremige konsistenz, auf der zunge hat es fast was buttriges. vom lamm schmeckt man nicht so viel. das ist bei der zunge schon anders. kräftiger im geschmack und in der konsistenz kann man hier die lammige note nicht verfehlen. schön bei beiden sandwiches ist die knusprige gegrillte außenschicht des fladenbrots im kontrast zu dem weichen inneren.

dazu trinken wir arabisches bier ohne alkohol. sehr erfrischend!

insgeheim liebäugel ich noch mit einem lammherz- und lammnierenkebab. vor meinem kulinarischen auge schweben noch die köstliche spieße in dem mongolischen grill in beijing. in der theke entdecken wir auch ein art tartar angemacht mit petersilie und couscous.auch sehr verlockend!  aber wir wollen noch platz haben für die kebabs von gegenüber. aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben. der berliner libanon wird mich wiedersehen!

 

Img_4187Img_4182Img_4183Img_4184Img_4188Img_4186

 

 

 

 

on the beach – agua de valencia

was dem rest von spanien seine sangria ist, heisst in valencia „agua de valencia“. d.h wasser aus valencia. angesichts der menge an orangen die um valencia herum wachsen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass einer der hauptbestandteile des getränks orangensaft ist, am besten frischgepresster. und cava. der kommt ja schliesslich auch aus der nähe. beim wodka verhält es sich in dieser hinsicht allerdings etwas anders…. egal, nicht kleinlich sein!
das ganze geht für vier bis sechs personen so:
einen grossen glaskrug hälftig mit eiswürfeln füllen. 6- 10 cl wodka, eine flasche eiskalter cava und 1/2 liter orangensaft hineingeben, dazu ein paar bio-orangenscheiben als deko, mit einem langstieligen löffel umrühren und möglichst in strandnähe servieren.

Foto_3Foto_2Foto_1Foto_4Foto_5

und wenn man denkt es geht nicht mehr – bar los toneles in valencia

wir wissen nicht, was wir tun sollen. wir sind in valencia. wir haben ein üppiges paellamittagessen am strand hinter uns. und einen langen verdauungsspaziergang. wir sind nicht hungrig, nur vielleicht ein bisschen durstig. wir wollen nicht ins hotel. dazu ist es zu früh. viel zu früh.

wir sind fussmüde. wir sind vier familienmitglieder mit unterschiedlichen vorstellungen. am markt muss es was geben zum einkehren. nein an der kathedrale. nein am rathaus. nein in der nähe vom hotel. gottseidank ist valencias innenstadt nicht gross. gottseidank finden wir die bar los toneles. sie ist irgendwie in der nähe von allem. am dichtesten ist sie an der stierkampfarena, die neben dem bahnhof liegt, neben dem unser hotel ist, das sich nicht weit von all den anderen sehenswürdigkeiten befindet.

auf spanisch würde man die bar los toneles als „cutre“ bezeichnen. das ist umgangssprachlich und schwer zu übersetzen. derb, rudimentär, primitiv, rustikal.. das dürfte es treffen. ein paar hässliche kacheln, schlechte bilder und obendrein auch noch schräge kachelbilder an den gelbgestrichenen wänden, holztische und -stühle und als deko-highlight ein arrangement von plastikweintrauben über der tapastheke.

die bar ist gut besucht, das publikum ist gemischt aus jung und älter, ein paar versprenkelte touristen wie wir sind auch da. die erkennt man natürlich am aussehen, aber vor allem an den phantasielosen bestellungen. hier stehen patatas bravas (eine art bratkartoffeln mit scharfer sauce)  auf dem tisch, ein bisschen schinken und käse und oliven. gähn. ganz anders am tisch der zwei einheimischen damen neben uns. hier türmen sich muscheln, fritierte sardinen und calamares mit aioli und eine große paellaportion! alles wird wenn möglich mit den gut manikürten fingern gegessen und dazu gibt es ordentlich wein aus riesigen gläsern. 

bei diesem anblick wird uns ganz anders. wenn wir doch nur was essen könnten! die karte ist wirklich recht vielversprechend, neben einigen tapasklassikern werden viele interessante regionale spezialitäten angeboten. z.b. gebratene artischocken und weinbergschnecken.

mein vater möchte, das wir etwas essen. er erträgt es nicht, wenn wir gar nichts zu uns nehmen. da können wir nicht nein sagen, schließlich hat er am nächsten tag geburtstag. wir einigen uns darauf, das jeder eine ration tapas bestellt. möglichst leichte. das ist nicht ganz zu realisieren, weil ich trotz allem die fritierten sardinen mit aioli haben muss. frische kleine fischchen ganz heiß in einem knusprigen teigmantel serviert. kann man fast mit kopf und fuss essen. die artischocken nehmen wir auch. in spanien wachsen die kleinen artischocken, die kann man schön in scheiben schneiden und in olivenöl anbraten. und dann noch muscheln (sehr leicht wirklich) und boquerones en vinagre unser aller liebling: sauer eingelegte sardinen mit knoblauch die in valencia besonders dick sind. mein vater sagt, das hat was mit den fischfangregulierungen zu tun. man darf nicht mehr so kleine fische fangen. finde ich auch sinnvoll. größer schmecken sie auch besser. und darauf ein gin tonic. schliesslich sind wir in spanien!

 

 

Bild_745Bild_744Bild_754Bild_747Bild_748Bild_750Bild_751Bild_752Bild_753Bild_755