KrautChi – die deutsch koreanische Krautfusion

Eines Tages schaue ich arglos in den Kühlschrank und entdecke im Gemüsefach Chinakohl, Mohrrüben, Ingwer und Chili. Eine völlig unabsichtliche Kombination, entstanden aus Einkäufen und den Resten eines Fotoshootings für Zwiesel, bei dem ich das Foodstyling gemacht habe. Diese seltene kulinarische Konstellation ließ nur eine Deutung zu: Scharfer Kohl. Fermentiert. Jetzt.

Natürlich habe ich schon lange damit geliebäugelt, auch mal Kimchi anzusetzen, zumal uns hier in Berlin gerade die zweite koreanische Kulinarik-Welle überrollt und das scharfe „koreanische Sauerkraut“ das Must Cook der Saison ist. Meistens werde ich ja bei solchen Trends etwas bockig und verweigere mich. Aber zum einen bin ich ja die fermentierende KrautBraut, zum anderen esse ich Kimchi ziemlich gerne….

Für ein echtes Kimchi sollte man schon ein paar koreanische Zutaten zur Hand haben: Gochugaru ist das koreanische Chilipulver der Wahl und eigentlich gehört auch eine Fischsauce rein. Die sorgt für Umami.
Hatte ich aber beides nicht. Nur stinknormale frische rote Chilischoten. Also habe ich das genommen was da war und das Ergebnis KrautChi getauft. Es ist sensationell.

1 mittlerer Chinakohl
4 mittlere Möhren
4 rote Chilischoten (mittelscharf)
1 dicke Ingwerknolle
4 Knoblauchzehen
Salz
Wasser

Chinakohl in finger- bis zweifingerdicke Streifen schneiden. In eine große Schüssel geben und mit einer Salzlake bestehend aus 20 g Salz auf ein Liter Wasser (Zimmertemperatur) bedecken. Den Kohl zusammendrücken, damit er komplett von der Lake bedeckt ist. Evtl. mit einem Porzellanteller beschweren. Ca. zwei Stunden stehen lassen.

Möhren grob raspeln und beiseite stellen. Ingwer und Knoblauch schälen und grob kleinschneiden. Zusammen mit dem entstielten aber nicht entkernten Chili und etwas von der KohlSalzlake (aus der Schüssel) pürieren. Kohlwasser durch ein Sieb abgießen, dabei davon ein großes Glas auffangen. Kohl in die Schüssel zurückgeben mit Mohrrüben gut mischen und alles etwas verkneten. Probieren. Der Kohl sollte angenehm salzig schmecken.Wenn nicht zart nachsalzen. Mit der pürierten Chilisauce übergießen und alles gut vermischen.

Das Kraut in zwei Gläser mit Bügelverschluss abfüllen. Dabei alles gut in die Gläser einstampfen, so dass keine Luftblasen entstehen können. Sonst droht bei der Fermentation Schimmelgefahr!
Die Gläser sollten bis maximal einfingerbreit unter den Rand befüllt werden. Restl. Flüssigkeit aus der Schüssel gleichmäßig in die Gläser verteilen. Wenn das Kraut nicht komplett mit Flüssigkeit bedeckt ist, etwas von der Kohlsalzlake nachgießen. Die Flüssigkeit sollte nicht ganz bis an des Rand des Glases reichen, Überlaufgefahr!

Wenn nicht alles Kraut in die Gläser passt, evtl. noch ein kleines Glas befüllen oder das frische KrautChi als Salat servieren.

Die Gläser für die Fermentation an einen warmen Ort stellen und die Milchsäurebakterien 3-6 Tage ihre Arbeit verrichten lassen. Die Fermentation führt zu Bildung von leichtem Schaum und Kohlensäurebläschen, die das Kraut im Glas auflockern und nach oben drücken. Daher täglich einen Blick auf die Gläser werfen und ggf. das Glas öffnen und das Kraut mit einem sauberen Löffel wieder andrücken bis es mit Flüssigkeit bedeckt ist! Dabei probieren, ob euch das KrautChischon scharfsauer genug ist. Dann ab damit in den Kühlschrank, dort hören die Bakterien auf zu arbeiten. Im Kühlschrank hält es sich mindestens 2-3 Monate. Genaueres weiß ich noch nicht!

Trick 17: Um das Kraut unter der Flüssigkeit zu halten, beschwere ich es mit den Glasdeckeln von kleinen Weck-Gläsern.

Nachtrag: Was habe ich mit dem KrautChi als erstes gemacht? Den ultimativen KrautChi-Burger!
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Noch ein Nachtrag: Den Begriff KrautChi habe nicht ich, sondern der Großmeister der Fermentation Sandor Katz höchstpersönlich erfunden. Aber das Rezept ist von mir 😉

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Sauerkraut selber machen- Tipps von der KrautBraut

So wird das was mit dem Sauerkraut:

Auf jedem Kohl wohnen Bakterien, Pilze und Hefen, die nur darauf warten, ihn endlich zersetzen zu können. Nach der Ernte legen sie los! Zur Produktion von Sauerkraut brauchen wir Milchsäurebakterien. Die leben davon, den im Kohl enthaltenen Zucker zu spalten und arbeiten am liebsten ohne Luft in einer Salzlake. Wir schaffen dafür die idealen Voraussetzungen und sie spalten zum Dank fleißig den Kohlzucker.
In einem mehrstufigen Vorgang bilden sie Bläschen und treiben zunächst den Sauerstoff aus, dann produzieren sie die Milchsäure und später auch Essigsäure, die dem sauren Kraut den typischen Geschmack verleiht.
Die produzierten Säuren sind eigentlich eine Waffe der Milchsäurebakterien gegen unliebsame Bakterien-Konkurrenten, die nicht in der Lage sind, in einer sauren Umgebung zu überleben. Je länger sie arbeiten dürfen, desto mehr Säure wird produziert, das Sauerkraut wird also immer saurer. Schliesslich ist es so sauer, dass keine einzige Bakterie überlebt und den Kohl weiter zersetzen kann. Dann ist die Fermentation abgeschlossen!

Schritt 1
Grundzutaten für Sauerkraut
1 kg Weißkohl
12 g Salz
Gewürze nach Gusto
2-3 große Gläser mit Schraubverschluss heiß ausspülen.

Die äusseren Kohlblätter entfernen und waschen. Die werden im Glas zur Abdeckung des Krauts benutzt. Den Kohlkopf vierteln und den dicken Strunk rausschneiden.
Den Kohl mit einem Hobel oder einem Messer in feine Streifen schneiden. In einer großen Schüssel den gehobelten Kohl und das Salz mischen und dabei sehr, sehr, sehr kräftig durchkneten. Das Kneten und das Salz löst den Zellsaft aus dem Kohl. In diesem Saft arbeiten die Milchsäurebakterien besonders gerne. Je kräftiger man knetet desto flüssiger wird es in der Schüssel. Eventuell noch einen Stampfer zu Hilfe nehmen. Das Kraut muss richtig schwimmen!

Schritt 2
Das Kraut in die Gläser einstampfen z.B. mit der Faust/den Fingern. Es soll so wenig Luft wie möglich zwischen dem Kraut sein. Dazwischen die Gewürze geben. Die Glaser nicht ganz randvoll mit Kraut füllen, das Kraut mit einem größeren Stück Kohlblatt abdecken und das Glas mit eventueller Restflüssigkeit aus der Schüssel auffüllen. Das Kraut muss durch Flüssigkeit vollständig abgedeckt sein, sonst droht der Schimmelbefall!! Wenn nicht genügend Flüssigkeit da ist, kann man etwas nachmachen. Dazu 1 Tasse Wasser mit einem TL Salz mischen, evtl. noch ein Schuss Buttermilch dazugeben. Das sorgt für viele Milchsäurebakterien!

Schritt 3
Den Deckel leicht zudrehen, aber während der Fermentation nicht fest verschliessen (zum Transport natürlich schon)!! Die „Bakterienluft“ muss entweichen können. Die kann manchmal auch ein bisschen schräg riechen, also nicht wundern!! Anfangs entsteht im Glas ein leichter Schaum, den man am Besten alle 2-3 Tage abschöpft.
Prinzipiell kann man das eingelegte Kraut nach einer ersten Fermentationsphase von 3-4 Tagen schon essen. Richtig abgeschlossen ist die Fermentation nach ca. 14-20 Tagen, abhängig von Temperatur, Kohl und Bakterien.
Klappt was nicht?
Die Gläser mit dem Sauerkraut während der Gärung bei Zimmertemperatur lagern. Da arbeiten die Bakterien am liebsten. Ggf. die zwischen dem Kraut entstandenen Luftbläschen „rausdrücken“ und Flüssigkeit nachfüllen. Hat das Gemüse den gewünschten Säuregrad erreicht, die Gläser zudrehen und einfach in den Kühlschrank stellen. Dann hören die Bakterien sofort auf zu arbeiten. Im Kühlschrank kann sich Sauerkraut bis zu einem halben Jahr halten.

Hier ist ein cooles Sauerkraut-Rezept für Weihnachten:
Scharfes Sauerkraut mit Jakobsmuscheln und Blutwurst. Ich hab noch schwarzen Reis dazu gemacht:
https://berlintidbits.wordpress.com/2011/02/17/valencia-meets-berlin-schwarzer-bomba-reis-un/

Sauerkraut selber machen – kleiner Einstieg in die Milchsäuregärung

Für den Prinzessinnengarten bin ich eines schönen Wochenendes nach Baden Baden gefahren, um dort im Rahmen eines Sommerprogramms der Kunsthalle Baden Baden einen Workshop zum spannenden Thema Milchsäuregärung zu leiten. Die jüngsten Workshopteilnehmerinnen waren 10 und 11 Jahre alt. Sie warem mit große Eifer bei der Sache und fanden es höchst interessant, das man mit Hilfe von den unsichtbaren und klitzekleinen Mikroorganismen, die in uns und um uns Leben, leckere Lebensmittel produzieren kann. Jedenfalls haben sie besser verstanden als manch ein Erwachsener, dass man nicht zuviel Hygiene anstreben und auch etwas flexibel sein sollte, wenn man mit den Bakterien gut zusammenarbeiten möchte!

In dem Workshop ist diese Einführung nebst Grundrezept für Sauerkraut entstanden. Wir haben aber auch Gurken, Zucchinis und Möhren fermentiert. Dazu bald mehr…

Kleine Einführung in die Lactofermentation/Milchsäuregärung von Lebensmitteln

Milchsäurebakterien zersetzen im Rahmen ihres Stoffwechsels Zucker/Glucose und bauen ihn im wesentlichen zu Milchsäure ab. Diese chemische Umsetzung dient den Bakterien als Energiequelle. Die produzierte Milchsäure ist eine Waffe gegen unliebsame Konkurrenten die nicht in der Lage sind, in einer sauren Umgebung zu überleben.

Bei der Milchsäurefermentation von Gemüse sind salztolerante Bakterien im Einsatz, die vorwiegend ohne Sauerstoff arbeiten wollen, bzw. Reste von Sauerstoff für ihren Stoffwechsel verbrauchen.

In einem mehrstufigen Vorgang bilden sie Bläschen und treiben zunächst den Sauerstoff aus, dann produzieren sie die Milchsäure und später auch Essigsäure, die dem sauren Gemüse den typischen Geschmack verleiht.

Was passiert genau?
Auf dem Gemüse wohnen eine ganze Reihe von Bakterien, Pilzen und Hefen, die nur darauf warten, es endlich zersetzen zu können. Je nachdem welche Bedingungen man für die Lagerung schafft, kommen die einen oder die anderen zum Zug.

Bei der Lactofermentation wird dem Gemüse durch Salz und Druck der eigene Saft entzogen, bis es vollkommen mit Salzlake bedeckt ist. Wenn nicht genügend Saft austritt, bzw. die Gemüsesorte wenig saftig ist, fügt man eine milde Salzlake hinzu. Das Gemüse muss komplett bedeckt sein, denn in der Luft lauern Hefen, die die Fermentierung stören können. Die Milchsäurebakterien arbeiten auch ohne Luft. Sie bauen den Zucker im Zellsaft zu Milchsäure, Essigsäure, Alkohol und CO2 ab. Je länger sie arbeiten dürfen, desto mehr Säure wird produziert, das Gemüse wird also immer saurer.
Durch die Arbeit der Bakterien entweicht Luft und im Glas entsteht anfangs ein leichter Schaum, den man am Besten alle 2-3 Tage abschöpft

Prinzipiell kann man das eingelegte Gemüse nach einer ersten Fermentationsphase von 3-4 Tagen schon essen. Es hat dann schon eine leicht säuerliche Note und einen prickelnden Geschmack. Richtig abgeschlossen ist die Fermentation so nach 10-14 Tagen, abhängig von Temperatur, Gemüse und Bakterien.

Die Gläser mit dem Gemüse während der Gärung bei Zimmertemperatur lagern. Hat das Gemüse den gewünschten Säuregrad erreicht, die Gläser in den Keller oder im Kühlschrank kühl stellen. Hier kann sich das fermentierte Gemüse bis zu einem halben Jahr halten

Weiterführende Lektüre /leider auf englisch weil es erstaunlicherweise in Deutschland noch keine Fermentations-Bewegung gibt:

http://www.wildfermentation.com/who-is-sandorkraut/
Michael Pollan: Cooked (Toller Autor Buch gibt es bestimmt auch bald auf Deutsch)
http://www.punk-domestics.com (coole Seite mit ganz vielen Rezepten zum Einmachen, unter dem Stichwort Lactofermented gibt es auch viele Rezepte)

NOCH FRAGEN? Gerne an post@tidbits.de

Grundrezept Sauerkraut

1 kg Weißkohl
12 g Salz
1 nicht ganz voller TL Pfefferkörner
Weitere mögliche Gewürze:
Piment
Lorbeer
Senfkörner
Chilipulver
1/Apfel

2-3 große Gläser mit Schraubverschluss heiß ausspülen.

Die äusseren Kohlblätter entfernen und waschen. Diese können im Glas noch zur Abdeckung des Krauts benutzt werden. Den Kohlkopf vierteln und den dicken Strunk rausschneiden.

Den Kohl mit einem Hobel in fein Streifen schneiden. In einer großen Schüssel den gehobelten Kohl und das Salz mischen und dabei sehr sehr sehr kräftig durchkneten. Das Kneten und das Salz löst den Zellsaft aus dem Kohl. In diesem Saft arbeiten die Milchsäurebakterien besonders gerne. Je kräftiger man knetet desto flüssiger wird es in der Schüssel. Eventuell noch einen Stampfer zu Hilfe nehmen. Das Kraut muss richtig schwimmen!

Das Kraut in die Gläser einstampfen. Es soll so wenig Luft wie möglich zwischen dem Kraut sein. Dazwischen die Gewürze geben. Die Glaser nicht ganz randvoll mit Kraut füllen, das Kraut mit einem Stück Kohlblatt abdecken und das Glas mit eventueller Restflüssigkeit aus der Schüssel auffüllen. Das Kraut muss durch Flüssigkeit vollständig abgedeckt sein, sonst droht der Schimmelbefall!! Wenn nicht genügend Flüssigkeit da ist, kann man etwas nachmachen. Dazu 1 Tasse Wasser mit einem TL Salz mischen, evtl. noch ein Schuss Buttermilch dazugeben. Das sorgt für viele Milchsäurebakterien!

Den Deckel leicht zudrehen, aber nicht fest verschliessen!! Die „Bakterienluft“ muss entweichen können. Die kann manchmal auch ein bisschen schräg riechen, nicht wundern!! Prinzipiell kann man das eingelegte Kraut nach einer ersten Fermentationsphase von 3-4 Tagen schon essen. Richtig abgeschlossen ist die Fermentation so nach 14-20 Tagen, abhängig von Temperatur, Kohl und Bakterien.

Die Gläser mit dem Sauerkraut während der Gärung bei Zimmertemperatur lagern. Hat das Gemüse den gewünschten Säuregrad erreicht, die Gläser in den Keller oder im Kühlschrank kühl stellen. Hier kann sich das Sauerkraut bis zu einem halben Jahr halten

Rotsauerkraut mit Äpfeln und Wacholder
Wie oben, anstelle von Weißkohl nimmt man halt Rotkohl und raspelt noch einen geschälten und entkernten Apfel mit dazu. Gewürzt wird mit Pfeffer und Wacholderbeeren.

Sauerkraut „Asia“ mit Knoblauch, Ingwer und Chili
Wie Grundrezept, anstelle von Weißkohl kann man Chinakohl nehmen.
Dazu hackt man 4 Knoblauchzehen, 1 rote Chilischote und 1 mittlere Ingwerknolle. Diese Gewürze knetet man gründlich in das Sauerkraut mit ein.

Zweierlei vom Perlhuhn auf Sauerkraut mit Speck und Blutwurst

Das Schöne an meinem Beruf ist: für mich ist es der Schönste der Welt. Ich habe ihn mir nämlich selbst gekocht. Nach meinem Rezept und mit meinen Lieblingszutaten. Kulinarische Kreation, Beratung und Kommunikation. Das ist es was ich beruflich seit einiger Zeit mache. Unter http://www.tidbits.de könnt ihr euch ein bisschen Appetit abholen..

Da hab ich doch also neulich, es ist schon eine Weile her, den Herrn Habel getroffen, auf der BioOst. Er stand mit einem ausgestopften und einem nackten Perlhuhn (beide tot versteht sich) an seinem Stand, bereit, über seinen Perlhuhnhof in Brandenburg zu sprechen. Weil ich Perlhühner so schön und so lecker finde, kamen wir ins Gespräch und hatten, siehe da!, auch schon gleich eine gute Vermarktungsidee: Eine Tour zu den Berliner Sterneköchen mit einem Perlhuhn unterm Arm. Zum Ausprobieren. Gesagt getan. Ich habe die Sterneköche aus meiner Bekanntschaft angeschrieben und die, die ich noch nicht kannte, habe ich eben auch angeschrieben. Fast alle waren neugierig. Nur einer hatte kein Interesse.

Die Aussicht ein liebevoll gezüchtetes Perlhuhn aus der Region zu bekommen, mit bestem Fleisch und auch noch effiliert, ist eben reizvoll. Effilierte Vögel gibt es nämlich in Deutschland eigentlich gar nicht. Die beziehen die Spitzengastronomen allesamt beim französischen Geflügelpapst Jean Claude Mieral, der seinen Schlachthof für edles Geflügel in der dritten Generation betreibt. Er hat z.B. das Bresse-Huhn weltberühmt gemacht. Und sein Premium-Geflügel ist allesamt effiliert.

Effiliert heißt, dass das Perlhuhn ohne äußere Schnitte geschlachtet und nicht ausgenommen wird. Nur Darm, Galle und Kloake werden manuell entfernt. Alle anderen Organe bleiben im Tier. Kopf, Füße und ein paar Federn bleiben auch dran. Am Kopf erkennt der Profi wie frisch das Tier ist. An den Füßen, ob es in einem Käfig gelebt hat oder auf einer Wiese. An den Federn, ob die Flügel gestutzt wurden, oder ob das Perlhuhn auch ein bisschen fliegen durfte. Die Hühner können so bis zu 2 Wochen im Kühlhaus abgehangen werden und entfalten ein wenig Haugout. Den könnte man als eine leichte Verwesungswürze beschreiben. Von Kennern geschätzt. Fleischreifen ohne Ende liegt ja eh im Trend.

Zwei von den schönen Vögeln habe ich für ein Fotoshooting mit der FoodFotografin Uli Kohl bekommen. http://www.ulikohl.de Ich habe gekocht und sie hat fotografiert. So machen wir das immer.

Beim Fotoshooting war zwar schon Frühsommer, aber kalt. Uns war etwas winterlich zumute und so ist ein schönes deftiges Rezept entstanden: Zweierlei vom Perlhuhn auf Sauerkraut mit Speck und Blutwurst und dazu Champagner.

1 Perlhuhnbrust
1 Perlhuhnkeule
Perlhuhnschmalz
2-3 Glas Weisswein
Salz, Pfeffer
Gutes Sauerkraut
Gute Blutwurst (z.B. von der Blutwurstmanufaktur)
Geräucherte Speckscheiben vom Mangalitzaschwein
Champagner

In einer guten schweren Pfanne das Perlhuhnschmalz erhitzen und eine Scheibe Speck darin auslassen.
Die Perlhuhnkeule und Brust salzen (ich nehme das Flüssigsalzspray von King of Salt) und pfeffern und beide von alles Seiten in dem heißen Fett anbraten. Die Brust aus der Pfanne nehmen und warmhalten. Die Keule mit Weißwein ablöschen, Deckel auf die Pfanne und 15 min bei kleinerer Hitze ziehen lassen. Deckel abmachen Hitze höher stellen und Wein verdampfen lassen. Die Brust in die Pfanne geben, noch mal mit Wein ablöschen und wieder mit Deckel drauf bei kleinerer Hitze ziehen lassen. So ca. 15 min. Dann sollte beides gar sein.

In der Zwischenzeit das Sauerkraut abwaschen und in einen Topf geben. Den kalten Champagner öffnen, ein Glas trinken und ein Glas zum Sauerkraut geben. Das Sauerkraut sanft erhitzen. Evtl. etwa salzen.

In einer weiteren Pfanne die Speck- und Blutwurstscheiben zusammen knusprig anbraten.

Kurz vor dem Servieren das Sauerkraut mit einem Schluck Champagner erfrischen. Auf einem Teller die Perlhuhnteile auf dem Sauerkraut anrichten und mit Speck und Blutwurst belegen. Dazu eiskalten Champagner trinken!

Alle Fotos im copyright von http://www.ulikohl.com

valencia meets berlin – schwarzer arroz bomba und scharfes sauerkraut

aus valencia habe ich mir bomba reis mitgebracht. den habe ich in einem wunderschönen feinkostladen mit einem riesigen quadratischen glasetagenleuchter gefunden, indem ich unbedingt was kaufen wollte.
zuerst haben mir der name und die verpackung( ein schlicht bedrucktes papprohr) gefallen. dann habe ich herausgefunden, dass arroz bomba nur in der umgebung von valencia angebaut wird und auch da nur noch höchst selten, weil er so ein pflegeintensives pflänzchen ist. die körner sind sehr klein und rund und enorm saugfähig. sie verdreifachen beim kochen fast ihre grösse und nehmen dabei intensiv geschmack an, ohne ihre körnigkeit zu verlieren. also idealer reis für paella und risotto! besuch aus beijing ist der ideale anlass, um den reis zu testen. aus valencia ist mir noch der schwarze reis im kopf, den ich so gerne esse, aber verpasst habe zu probieren. also schnell noch calamares tinte gekauft. dazu jakobsmuscheln, das ist so hübsch schwarz- weiss! aber besuch aus beijing isst auch so gerne was deutsches! da muss die blutwurst noch dazu. gnadenlos fusion. aber es wird noch besser. ich brauche ja noch ein gemüse. ein weisses, das schnell geht. das sind wichtige voraussetzungen denn mittlerweile habe ich es eilig. die lösung heisst: sauerkraut! noch gnadenloser fusion! auf dem nachhauseweg bin ich selber etwas skeptisch. ob ichs übertreibe?
zu hause angekommen steht der hohe besuch quasi schon vor der tür und wird mit hilfe von sekt und der schwester bespasst, während ich in der küche blitzartig fusioniere.
zack zack wird die zwiebel kleingeschnitten und in einem flachen topf in olivenöl leicht gebräunt. der reis wird kurz mitangebraten und das ganze mit einer kelle gemüsebrühe abgelöscht und fleissig gerührt. noch ne kelle brühe hinterher dann ist erstmal ruhe an der front und ich wasche schnell das sauerkraut (so sauer soll es nicht sein) gebe es mit etwas weisswein in einen topf und würze mit meersalz und gemahlenem trockenen chili aus der mühle. das ergebnis ist recht scharf wenig sauer und köchelt anspruchslos vor sich hin. höchste zeit für eine weitere kelle brühe in den reis. darin löse ich eine fingerspitze safranfäden auf und rühre bis der reis gelb ist. aber so bleibt er gar nicht. denn jetzt zücke ich zwei päckchen tinte und drûcke den inhalt in den reis. mit noch mehr brühe und noch mehr rühren wird der reis schöön schwarz und schmeckt nach sepia. dann kommt eine schwere pfanne auf den herd und meine zwei frischen blutwürste werden in scheiben geschnitten in olivenöl kräftig von beiden seiten angebraten und warmgestellt. im selben heissen bratfett werden die gesalzenen und gepfefferten jakobsmuscheln ganz ganz kurz von beiden seiten leicht gebräunt. am besten sie sind nicht ganz durch! der reis wird zwischendurch weiter mit brühe gerührt bis er gar aber noch körning ist. evtl. noch etwas salzen.
und dann alles schön schwarz weiss anrichten, reis neben sauerkraut, blutwurst auf jakobsmuscheln. nur meine teller passen nicht so ganz. dazu gibt es eisgekühlten rosewein.
und siehe da: es schmeckt!

UND es geht alles ganz schnell, in 25 min steht das essen auf dem tisch!

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