Millefeuille von Kürbis, Stockfisch und Blutwurstkonfitüre

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Der Herbst naht. Das kann man ganz einfach durch einen Blick in den Kalender verifizieren. Es gibt aber auch noch andere, subtilere Anzeichen von eher persönlicher Natur, die mir diesbezüglich Gewissheit verleihen:
1. Ich beschließe, dass die Aufnahme und konsequente Verfolgung einer sportlichen Betätigung jetzt eigentlich auch egal ist.
2. Ich erwäge den Kauf einer Flasche Rotwein, lasse es aber vorerst noch sein.
3. Ich hätte gerne einen karierten Wollrock.
4. Ich habe Lust auf Blutwurst.

Da es sich hier bekanntermassen um einen Foodblog handelt, schreibe ich über Nr. 4 und die Kreation der Blutwurstkonfitüre. Auf der sehr lesenswerten Website einer sehr angstfreien Einmach-Community aus den USA namens Punk Domestics häufen sich in letzter Zeit die Rezepte für Bacon Jam. Der us-amerikanische Bacon Wahn ist hierzulande noch nicht richtig angekommen. Wir hinken da etwas hinterher und befinden uns noch in der Ära des pulled pork und des confierten Schweinebauchs.

Bacon Jam finde ich ja schon ziemlich abgefahren. Da bin ich also zu einem meiner Lieblingsmetzger in Neukölln gelaufen, der Neuland Fleischerei Kluge und wollte Bacon kaufen. Mir kam aber Nr. 4 (s.o.) in die Quere und ich habe stattdessen Blutwurst erworben. Fuck Bacon Jam! dachte ich da bei mir. Die Neuköllner Antwort heißt Blutwurstkonfitüre!

Und weil ich so schön in Fahrt war, habe ich mir gleich ein komplettes Gericht ausgedacht, damit auch jeder gleich weiß, wozu eine Blutwurstkonfitüre gut ist: Millefeuille von Kürbis, Stockfisch und Blutwurstkonfitüre. Wegen des Stockfischs muss man das Gericht 48 Stunden im voraus beginnen!

Blutwurstkonfitüre (1 Glas)
1 frische Blutwurst ca 200 g
6 Esslöffel Zucker
1 kleine Zwiebel
1 Esslöffel Rosinen

Die Rosinen in sehr heißem Wasser einweichen. Die Zwiebel in einer kleinen Pfanne in etwas Butter anschwitzen. In einem kleinen Topf den Zucker karamellisieren. Sobald er hellbraun und flüssig ist, die Zwiebeln dazugeben und alles gut vermischen. Topf kurz von der Herdplatte nehmen, damit die Mischung nicht zu dunkel wird. Die Blutwurst pellen und mit den Fingern in den Topf fein bröseln. Alles gut mischen und wieder auf die Herdplatte stellen. Die Blutwurstmischung aufkochen lassen, dass Fett der Blutwurst muss austreten, die Masse bekommt dann eine cremige Konsistenz. Die eingeweichten Rosinen mit Hilfe eines feinen Siebs vom restlichen Wasser trennen, in den Topf geben und einmal mit aufkochen lassen. Die Masse in ein passendes Schraubglas geben und verschliessen. Sobald das Glas kalt ist, in den Kühlschrank stellen. Bislang hält sich die Konfitüre schon 1 Woche.

Stockfisch-Chili Tartar
1 dicke Stockfischtranche ca. 200 g
1 rote Chilischote
4 Esslöffel gutes Olivenöl
Den Stockfisch in kaltem Wasser mindestens 24 Stunden einweichen/wässern und das Wasser häufig wechseln. Zum Test ob der Stockfisch genug entsalzen und genießbar ist, ein Fitzelchen absäbeln und probieren. Ggf. weiter einweichen. Den Stockfisch trockentupfen, die Haut abziehen und das Fleisch in feine Würfel schneiden. Die Chilischote fein hacken und mit dem Olivenöl mischen. Den Stockfisch mit der Mischung marinieren und ein paar Stunden ziehen lassen. Wagemutige verwenden den Stockfisch roh, weniger Wagemutige schwitzen ihn vorsichtig an. Er sollte nicht zerfallen!

Kürbis-Vanille Mus
1 Butternut Kürbis mit einem möglichst langem „länglichen Teil“ (jaja..)
1 Vanilleschote
etwas Salz & Wasser, evtl. auch etwas Zucker

Vom Butternut Kürbis den kernlosen länglichen Teil abtrennen und beiseite legen. Den runden Teil schälen, entkernen und würfeln. Die Kürbiswürfel in einem Topf mit wenig Wasser, dem ausgekratzten Mark der Vanilleschote und der Vanillehülse sanft weich schmoren. Die Hülse entnehmen, evtl. noch vorhandenes Wasser abgießen und den Kürbis fein zu einer schönen Creme pürieren. Mit wenig Salz und nach Gusto mit einer Prise Zucker abschmecken. In ein passendes Glas/Behälter geben und erkalten lassen.

Das Millefeuille bauen
Man braucht hierzu DessertEdelstahlringe ca. 5-6 cm Durchmesser nebst passendem Auslöser.

Brotscheiben:
Von einem guten Weissbrot mit feiner fester Krume dünne Scheiben abschneiden und mit dem Dessertring aus der Krume Scheiben ausstechen. Pro Portion eine Scheibe als Dekoration einplanen. Die Brotscheiben in Olivenöl von beiden Seiten knusprig braun anbraten und auf Küchenkrepp zwischenlagern.

Kürbisscheiben:
Den länglichen Teil des Butternut Kürbis am besten mit einem Alleschneider in ca. 3-4 mm dicke Scheiben schneiden. Pro Millefeuille braucht man 5 Scheiben. Diese kurz in reichlich Salzwasser sehr bissfest garen, mit einem Schaumöffel vorsichtig aus dem Wasser heben (Bruchgefahr!) und in einem Sieb abtropfen lassen. Aus den erkalteten Kürbisscheiben mit dem Dessertring vorsichtig Scheiben ausstechen.

Zum Anrichten in dem Dessert-Ring wie folgt stapeln und immer wieder mit dem Auslöser festdrücken:
1 Kürbischeibe
1 Teelöffel Kürbismus
1 Kürbisscheibe
1 Teelöffel Stockfisch
1 Kürbisscheibe
1 Teelöffel Blutwurstkonfitüre
1 Kürbisscheibe

Mit Hilfe einer Palette auf den passenden Teller setzen und mit zartem Druck auf den Auslöser den Ring abziehen. Mit einem Messerchen die oberste Kürbisscheibe mit etwas Kürbismus bestreichen und die Brotscheibe aufrecht in das Mus drücken. Das Öl vom Stockfischtartar läuft aus und bildet einen kleinen Ölkranz.

Voilá! Eine perfekte herbstliche Vorspeise!

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Plötzlich Kochbuchautorin

Ja, ich gestehe: ich habe meinen Blog vernachlässigt. Grob vernachlässigt! Aber ich hatte einen guten Grund. Wirklich! Ich habe nämlich ein Kochbuch geschrieben. Und es ist sogar schon veröffentlicht. Während der letzten Phase des Schreibens war es mir leider aber hoffentlich verständlicherweise unmöglich, an etwas anderes zu denken, geschweige denn etwas anderes zu schreiben. Es musste ja schliesslich fertig werden. Und jetzt ist es da! Hurrah! Es ist natürlich wunderschön. Toll bebildert und ganz nett geschrieben.

Das Buch heißt:
Die Stadt kocht. Berlin-Der Sommer
Und ist ab jetzt im Handel und unter www.diestadtkocht.de erhältlich!

Hier ein Auszug aus der Pressemitteilung:

Der Fotograf Florian Bolk und die Gastronomieberaterin Cathrin Brandes sind die Autoren des zweiten Bandes von „Die Stadt kocht. Berlin“ einem umfangreich bebilderten, kulinarischen Genussführer durch die deutsche Hauptstadt.

Das Buch
Der soeben erschienene Band mit dem Titel „Die Stadt kocht. Berlin – Der Sommer“ ist weit mehr als ein Kochbuch. Über 40 Köche, Bartender, Sommeliers, Eismanufakturen und Feinkosthändler der Hauptstadt werden porträti-
ert, ihre Rezepte und Empfehlungen bebildert. Es ist ein Porträt des sommerlichen Berlins und seiner brodelnden Foodszene, ein Genussführer zu den aufregendsten Köchen der Stadt, eine Liebeserklärung an den Berliner Sommer und eine Hommage an die kulinarische Wandlungsfähigkeit Berlins.

In vier Kapitel aufgeteilt, bietet das Buch vier jahreszeitliche Momentaufnahmen: Stadtgarten – von Gärten, Freiheit & Gemüse / Berliner Luft – von Spielräumen, Himmelfahrten & Autonomen / Feuer & Flamme – von Grillanzündern, Flammenwerfern & Fetischisten / Am Wasser gebaut – von Dampfern, Fischen & Kombüsen
Im fünften Kapitel werden Berliner Händler und Kooperationspartner mit Ihren kulinarischen Statements vorgestellt. Prominente Unterstützung kommt von der Designerin Esther Perbandt, dem Radiomoderator Robert Skuppin, den
Schauspielern Susanne Bormann und Maxim Mehmet und dem Kabarettist Murat Topal.

Die Idee
Und was passiert jetzt in Berlin im Sommer? Die warme Jahreszeit verwebt die Stadt mit seinem Umland. Branden- burgs Wiesen, Felder, Seen und Wälder werden zu den Hauptlieferanten der wachen und kreativen Köche der Hauptstadt. Die Wiederentdeckung von Wildkräutern und seltenen Gemüsesorten sorgt für grüne Abwechslung auf den Tellern. Fisch und Fleisch geben in vielen Küchen ihre gewohnten Hauptrollen ab, dürfen aber nur mitspielen, solange sie aus der Region kommen.
Berlin ist mittlerweile aufgestiegen in den Rang einer gastronomisch durch und durch interessanten Stadt. Eine Stadt mit vielschichtigen kulinarischen Parallelwelten, die erforscht, erlebt und genossen werden wollen. Viele Sterne schmücken das kulinarische Firmament und auf den Straßen fahren die Food Trucks. Dazwischen ist viel Platz für
neue Konzepte und gute kulinarische Ideen.

Die Macher
Der Fotograf Florian Bolk ist der Gründer vom Le Schicken Verlag und hat schon zahlreiche Kochbücher mitproduz- iert. Für die Buchreihe „Die Stadt kocht“ hat der Kenner der Szene den kulinarischen Sommer Berlins mit seiner Kamera eingefangen und Newcomer, Sterneköche, Street-Food Anbieter, Aussteiger, Einsteiger und Abenteurer inszeniert und porträtiert.
Die Autorin Cathrin Brandes ist selbst Teil der Foodszene der Hauptstadt. Sie schreibt nicht nur darüber, sie gestaltet sie mit. Sie hat den Beruf als Rechtsanwältin an den Nagel gehängt und ist jetzt Gastronomieberaterin, Food-Blog- gerin, Slow Foodie, Gründerin des Speisenklubs Neukölln und der foodXchange Berlin, Genuss-Botschafterin und Krautbraut.
Für ihre erste Zusammenarbeit zu diesem Buch sind die beiden mit den Köchen, Bartendern und Eisproduzenten der Hauptstadt auf die Dächer gestiegen, um die Häuser gezogen, über Baustellen gestolpert, durch Gärten gestreift und übers Wasser gefahren. Und natürlich waren sie in ihren Küchen zu Gast. Sie haben fotografiert, probiert, diskutiert,
gelacht und zugehört. Das Ergebnis ist nun im Buchhandel und auf der verlagseigenen Homepage zu erwerben.

Die Stadt kocht. Berlin – Der Sommer
192 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-95642-003-0
VK: 19,95 Euro
Erhältlich im gut sortierten Buchhandel oder unter http://www.diestadtkocht.de
Rezensionsexemplare und Bildmaterial unter info@le-schicken.de

Vom Speisenklub Neukölln: Kürbis-Ravioloni mit Nuss-Pilz-Füllung und Möhren-Rucola Pesto

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Eine kleine Warnung vorab: Diese Rezept ist RAW. Also roh. Ungekocht eben. Aber RAW klingt natürlich viel schicker. Und Uncooked auch! Wie vieles im Englischen eigentlich. Da kann man als deutsche Food-Bloggerin die englischsprachigen schon ein bisschen beneiden. Food-Bloggerin klingt auch viel besser als Lebensmittel-Bloggerin. Lebensmittel ist so ein langes, bedeutungsschwangeres, altbackenes Wort. Food ist so viel kürzer, leichter und lockerer. Mehr so im Zeitgeist. Und die beiden „OO“s sind auch noch so niedlich im Wort. Da kann das arme Lebensmittel echt einpacken.

Also ist unser Rezept ist RAW und das etwas experimentelle September-Dinner vom Speisenklub Neukölln hieß Uncooked! Wir hatten tatsächlich auch einen Rohköstler zu Gast. Die anderen waren einfach nur neugierig. Und wir alle waren angenehm überrascht. Dieses Ravioli Rezept jedenfalls ist ein echter Hit. Es schmeckt im übrigen bestimmt auch gekocht. (Vielleicht sogar noch besser, aber pssst)

Zutaten für ca. 20 Ravioli:
Für die Ravioli:
1 Butternut Kürbis (andere Kürbisse taugen nicht!)
300 g aromatische Waldpilze (also keine weissen Zuchtchampignons)
150 g Haselnüsse
3 Schalotten
4 Zweige frischer Thymian
2-3 Essl. Walnussöl
Salz und Pfeffer

Für das Pesto:
2 große Möhren
1 Bund Rucola
200 ml kaltgepresstes mildes Öl z. aus Rapskernen

Benötigte Geräte:
Brotschneidemaschine
Blitzhacker (geht natürlich auch so)
Entsafter
Zauberstab

Man benötigt einen Butternut Kürbis mit einem möglichst langem -äh- länglichen Teil, um viele gleichmässige Kürbisscheiben zu erhalten. Das längliche Teil schneidet man ab und schält es. Mit einer Brotschneidemaschine schneidet man es in möglichst hauchdünne Scheiben. Die Kürbisscheiben bestreut man dünn mit Salz, stapelt sie, verpackt sie in eine Tupperdose und und lässt sie ein bis zwei Stunden stehen. Das Salz entzieht den Kürbisscheiben Wasser, dadurch werden sie weicher und gleichzeitig gesalzen.

Die Haselnüsse, die geschälten Schalotten und die geputzten Pilze getrennt voneinander(!) im Blitzhacker hacken und in einer Schüssel mischen. Mit dem gezupften Thymian, Salz und Pfeffer ordentlich würzen und mit dem Öl zu einer zusammenhängenden Masse mischen. Etwas durchziehen lassen.

Für das Rucola-Möhrenpesto die Möhren schälen und durch den Entsafter geben. Man benötigt die „Möhrenreste“ und den Möhrensaft! Rucola und Öl mit dem Zauberstab pürieren, soviel von Möhrenresten und Möhrensaft dazugeben bis ein recht flüssiges Pesto entstanden ist. Da man nie so genau weiß wie viel Saft die Möhren abgeben, muss man hier etwas nach Gefühl arbeiten. Evtl. mit Öl korrigieren. Gut salzen und pfeffern!

Fertigstellung:
Von den Kürbisscheiben das Salz unter flüssigem Wasser gut abwaschen. Auf große Teller je nach gewünschter Portionsgröße 3-4 noch feuchte Kürbisscheiben legen und auf die Scheiben mittig einen gut gehäuften Teelöffel Pilzfüllung setzen. Mit weiteren Kürbisscheiben bedecken und die Ränder andrücken, evtl. auch die Füllung etwas platt drücken. Mit dem Möhren-Rucola – Pesto beträufeln und evtl. mit zwei drei kleinen Rucola Blättchen oder gehackten Haselnüssen garnieren.

Das Essen kann zwar nicht kalt werden (kleiner Scherz haha) aber der Kürbis könnte antrocknen, deswegen recht schnell servieren. Oder die Ravioloni mit einer feinen Ölschicht einpinseln.

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Die schönen Fotos sind von http://www.ulikohl.de

Grießkuchen mit Quarkcreme, Johannisbeeren und Schafgarbenblütenzucker

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Das ist der wirklich einfachste Kuchen der Welt. Dank der Johannisbeeren bekommt er einen eleganten Charakter und Dank des Schafgarbenblütenzuckers den derzeit notwendigen Hauch Lokalexotik. So wie es aussieht, kommt der Kuchen sogar ins Fernsehn! In einem Bericht über Thomas Greb und unseren Speisenklub Neukölln.
(ich berichtete: https://berlintidbits.wordpress.com/2013/07/24/nose-to-tail-menu-vom-speisenklub-neukolln/)

Auf vielfachen Wunsch seiner jetzt schon zahlreichen Fans hier das Rezept:

500 g Hartweizengrieß
500 g Naturjoghurt 3,5 %
300 g Zucker
6 Eier
80 g Butter
1 Päckchen Backpulver

300 g Johannisbeeren
250 g Sahnequark
250 g Schmand
100 g Zucker

5 große Schafgarbenblüten
1 Tasse Zucker

Die Butter schmelzen und leicht abkühlen lassen. Backofen auf 200 Grad vorheizen. Butter, Joghurt, Zucker und Eier cremig schlagen. Grieß mit Backpulver mischen und einrühren. Flüssige Butter einrühren.

Den Teig in eine gefettete runde Springform (eckig ist der Kuchen aber auch sehr schick) geben und im vorgeheizten Backofen ca. 40 min backen. Mit einem Messer die Garprobe machen! Den Kuchen auskühlen lassen.

Aus dem Quark, Schmand und Zucker eine dicke Creme rühren. Den Kuchenboden waagerecht mit einem langen Messer halbieren, die untere Hälfte mit einem teil der Quarkreme bestreichen, die andere Kuchenhälfte wieder drauf setzen und den Kuchen komplett mit der Creme einstreichen.

Dekorativ mit einzelnen Johannisbeeren und Johannisbeerrispen belegen und mit Schafgarbenblütenzucker bestreuen.

In einem schon etwas älteren Blog erkläre ich, was Schafgarbe ist, wie sie aussieht und wie man den Blütenzucker macht:
https://berlintidbits.wordpress.com/2010/08/27/schafgarbe
Ich wiederhole kurz denn es ist ja so einfach: Man mischt die vom Stengel abgeschnittenen Blüten mit dem Zucker und lässt die Mischung 10 min ziehen. Fertig. Der Zucker schmeckt wie süsse Wiese und passt nicht nur zu Kuchen, sondern auch zu Eis ganz hervorragend.

Schafgarbe ist übrigens als Heilkraut für Beschwerden im Bauchbereich recht beliebt. Ich hab‘s noch nicht ausprobiert aber ein Tee aus den Blättern soll bei Magen/Darmbeschwerden und bei den sog. Frauenleiden wirkungsvoll helfen!

Nose to tail Menu vom Speisenklub Neukölln

Darf ich vorstellen? Der Speisenklub Neukölln ist ein Projekt vom Künstler Thomas Greb und mir selbst höchstpersönlich. Es gibt uns seit fast genau zwei Jahren. Wir laden unsere Mitglieder einmal im Monat in wechselnde Räume ein, die von Thomas Greb mit unverwechselbarer Handschrift dekoriert werden. Verwegen, anders und frech. Mit reizender Unterstützung seitens meiner Schwester und der Foodfotografin Uli Kohl koche ich saisonal und thematisch sehr wechselnde Menus. Für 15 bis 30 Gäste je nach Location.

Es fing an als harmloses Projekt von Freunden für Freunde. Mittlerweile haben wir fast 500 Mitglieder, waren in der in- und ausländischen Presse und im Radio, wurden für zwei Kochbücher porträtiert und demnächst kommen wir ins Fernsehen.Das macht uns stolz und glücklich!.

Für eine Reportage über das Waldhaus von Thomas Greb in Liebenwalde/Brandenburg bildet der Speisenklub Neukölln die Rahmenhandlung. Jeder der schonmal an einer unserer Landpartien dorthin teilgenommen hat, weiß wie unglaublich überwältigend dieses Haus ist. Märchenhaft, wenn man das Schaudern nicht vergisst. Frei und mutig wie die Einsamkeit.

Für unsere Gäste zu dieser besonderen Gelegenheit, an diesem besonderen Ort habe ich ein Menu kreiert, das fast ausschließlich aus Zutaten aus der unmittelbaren Umgebung besteht. Das Fleisch ist aus dem Hofladen von Carola, einer Nachbarin von Thomas, die auf den Wiesen in der Umgebung Rinder hält. Die Eier sind von ihren Hühnern. Aus Thomas Garten kommt das Grünzeug und die Johannisbeeren. Und auf der benachbarten Wiese habe ich Schafgarbeblätter- und blüten sowie Sauerampfer geerntet.

Menu von Carolas Rind und aus Thomas Garten:
Marinierte Zunge mit Petersilie und Zuckerschoten aus dem Garten
Sülze von Ochsenschwanz und Pfifferlingen auf Schafgarbe
Roastbeef mit Petersilien-Sauerampfermayonnaise auf Sauerampfersalat
Grießkuchen mit Quark, Johannisbeeren und Schafgarbenblütenzucker

Wir vom Speisenklub essen gerne Fleisch. Wir bieten meistens vegetarische Alternativen und haben auch schon vegan gekocht. Wir sind uns bewusst, dass Tiere sterben, damit wir Fleisch essen können. Deswegen möchten wir, dass diesen Tiere vor ihrem möglichst stressfreien Tod ein möglichst langes würdiges, artgerechtes Leben geboten wurde. Am liebsten ist es uns, wir wissen wo das Tier auf der Weide stand, wer es gehalten hat, wie es geschlachtet & verwertet wurde. Um die Tiere zu ehren, die für uns ihr Leben lassen, finden wir es wichtig, dass alle Teile des Tieres auf unserem Teller landen. Nicht im Müll, im Tierfutter oder versteckt in allen möglichen Produkten.

Deswegen kochen wir auch Innereien. Unser Vorbild ist das St John Restaurant in London. Der Inhaber Fergus Henderson hat schon in den Neunziger Jahren das sog. Nose to tail Eating populär gemacht und viele Kochbücher dazu herausgegeben. Er serviert in seinen Bars und Restaurants wirklich alle Teile vom Tier und nur ganze Fische. Das Restaurant steht auf meiner To Go Liste ganz oben. Leider schon seit Jahren….

Die Dreharbeiten haben übrigens furchtbar viel Spaß gemacht, vor allem weil das Fernsehteam bestehend aus drei entzückenden Damen auch soviel Spaß hatte wie wir. Zwei davon waren Vegetarierinnen und haben bei uns zum ersten Mal wieder Fleisch gegessen!

Die schönen Fotos sind von Uli Kohl.

Versprochen, die Rezepte werde ich auch nach und nach posten!

Mehr Informationen:

http://www.facebook.com/speisenklubneukoelln
http://www.thomasgreb.com
http://www.ulikohl.com
http://www.fernsehserien.de/landgut
http://www.tidbits.de
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/esspapier/kochbuchkolumne-esspapier-das-ist-berlin-12080268.html
http://www.stjohngroup.uk.com/

clubbed to eat -speisenklub neukölln – die genesis

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es gibt dinge die müssen langsam reifen. high among them: wein, käse und steaks. und meine entscheidung, endlich, endlich einen speisenklub zu gründen. wie lange die gereift ist, kann ich gar nicht sagen. ein bisschen barrique ist da schon dabei. die idee wurde gelagert, im dunkeln, und ab und an ans licht geholt gewendet, gestreichelt und wieder abgehangen. mal sehen. dann auf einmal ist sie da. die reife. es gibt kein zurück mehr. jetzt ist gut. es gibt orte. es gibt weggefährten und ideen gibt es schon lange mehr als genug! originell ist das ganze nicht mehr. aber meins. der name, speisenklub neukölln, ist auf einmal da. und schon kanns losgehen. ein zeitpunkt wird gewählt, der letzte sonntag im monat, und der erste termin wird kommuniziert. der 28. august 2011. da waren es noch zwei monat hin. idealistisch und autobegeistert wird im freundes- und bekanntenkreis kommuniziert.   idealistisch und begeistert ist die reaktion.  ich denke darüber und man spricht darüber.  na ja ich spreche darüber. sogar zu christian lohse, der verspricht auch mal zu kommen. herrjeh! wow!  braucht man mehr? ah ja da war noch was. die detailplanung. nicht sprechen. tun. ok. visitenkarten drucken und überall in neukölln verteilen.

 und dann dämmert die erkenntnis. es wird, es muss stattfinden! ohgott. warum habe ich mir das angetan? was ist wenn keiner kommt? kann man freunde in die pflicht nehmen und sie zahlen lassen? ist es, das läuft es daraus hinaus? der abend muss besonders werden. und besonders wir er durch thomas greb. mir wird ganz anders als er die rolle mit dem mondrian papier anschleppt. ich mag mondrian nicht. oder eher den visuellen overkill , der dem unschuldigen mondrian anhaftet. und überhaupt, mondrian in meiner shabby wohnung?? ich schlafe schlecht. das thema für den abend ist neukölln. das menü fügt sich in mir zusammen.  pulpo, lamm, weisse bohnen, pfirsiche. all das gibt es auf dem markt am maybachufer.  den wein kaufe ich beim weinhändler meines vertrauens um die ecke. wir probieren einiges und es fühlt sich gut an.
 es gibt kein zurück. 20 plätze gibt es. 17 sind gebucht.  thomas wenzel macht den service und meine reizende schwester ist wie immer die beste küchenhilfe aller zeiten. pinche de cocina heisst das auf spanisch.  ja und dann geht es los.  die rauminstallation (anders kann man es nicht nennen) von thomas greb ist grandios. es gibt wenig worte es zu beschreiben: „Total frisch“:sagte ein Modedesigner. „Total ungesehen“:sagte eine Werberin. „Total verrückt“:dachten wir alle und liebten es. 

Viel mehr kann ich gar nicht sagen. Das war das Menu:

Salsa from hell

Ziegenkäsecrema mit Koriander

Hausgebackene Brotstangen (Mais und Vollkorn)

Amuse Gueule:

Gazpacho Andaluz

Erster Gang:

Pulpo mit Dill und Portulak

Hauptgang:

Lammkeule aus dem Ofen

Weisse Bohnenstampf

Ratatouille

Chimichurri

Dessert:

Eat Me