Orangen-Grießkuchen – für Oma gebacken

Eigentlich wäre es viel schöner, wenn im Titel stehen könnte „mit Oma gebacken“. Aber meine Oma ist so klein und zerbrechlich geworden, sie würde wahrscheinlich die Treppe zu meiner Wohnung nichtmal mehr eine Etage hoch schaffen. Leider! Gefragt würde sie natürlich das Gegenteil behaupten. Treppen? Kein Problem. Ganz manchmal vergisst sie, dass sie in einer eigenen Wohnung im 3. Stock gewohnt hat. Dann weiß ich nicht, ob mich das freut oder traurig macht.

Wenn sie nur im Hier und Jetzt lebt, ist Oma jedenfalls deutlich besser gelaunt und ich denke dann manchmal, eigentlich ist das doch am Besten. Nichts mehr wissen, nichts vermissen. Sonst macht sie sich wirklich viele Gedanken: Um ihre Wohnung, die kaputt und in der Werkstatt ist (woher sie das nur hat?). Um ihre Eltern, die jeden Tag aufs neue Sterben können und es manchmal auch tun, weil sie vergisst, dass sie schon lange tot sind. Manchmal muss sie auch dringend zur Beerdigung ihrer Großmutter. Kürzlich hat sie ein niedliches Bild von ihrer weinenden Urenkelin bekommen. Jetzt macht sich Oma Sorgen, weil doch das Kind ständig weint. Zumindest jedes Mal, wenn Oma auf das Foto schaut. Manchmal schreibt sie sich und anderen herzzereissend wirre kleine Zettel und Briefe. Neulich fand ich eine Notiz „ich bin gesund“. Ich sag ja: herzzereissend.

Schrecklicherweise habe ich Oma lange nicht besucht, weil ich an zwei Büchern gleichzeitig gearbeitet habe (dazu bald mehr) und ich habe ein fürchterlich schlechtes Gewissen. Zur Beruhigung desselben backe ich für den Omabesuch einen Kuchen.

Das sehr einfache Ursprungsrezept für diesen sensationell saftig-orangigen Grieß-Kuchen habe ich bei BBC Good foods gefunden. Dort heißt er Moroccan orange & cardamom cake und wird mit Zuckerersatz und ohne Butter gebacken. Weil ich nicht alle Zutaten vorrätig hatte, weil ich Zuckerersatz blöd und Butter toll finde und weil ich nicht wußte, ob Oma Kardamom mag, habe ich das Rezept etwas geändert.

Eine kleine Bemerkung vorab: Ich habe den Kuchen auf einer britischen Rezeptseite gefunden und es Bedarf einer gewissen britishness, um ihn zu mögen. Zumindest sollte man schon in seiner Kindheit auf Bitterorangenmarmelade eingestimmt worden sein, um die feine Bitterkeit des Kuchens, der mit pürierten Orangen gebacken wird, genießen zu können.

2 Bio-Orangen
100 g Rohrzucker
3 Eier
1 Becher Joghurt
250 g Rohrzucker
1 Päckchen guter Vanillezucker
250 g Grieß
100 g Weizenmehl
1 Päckchen Backpulver
100 g Butter
Puderzucker

Die Orangen heiß waschen und in einem kleinen Topf mit Wasser bedeckt ca. 1 Stunde köcheln lassen, bis sie weich sind. (Ich habe hier 100 g Zucker in das Wasser getan, der schöne Nebeneffekt ist ein hausgemachter Orangensirup, den man auch für das Icing nehmen kann).
Die Orangenstielansätze entfernen, Orangen kleinschneiden und komplett mit dem zauberstab pürieren. Das Orangenpüree, Zucker, Vanillezucker, Joghurt und die Eier in einer Schüssel verrühren. Ich habe dazu aus Faulheit weiterhin den Zauberstab genutzt.
Butter schmelzen und abkühlen lassen.
Grieß, Mehl und Backpulver mischen und mit dem Schneebesen unter die Orangenmasse heben, zum Schluss die flüssige, abgekühlte Butter unterrühren. Wenn man den Teig jetzt probiert; ja er schmeckt echt bitter, aber das verklingt tatsächlich nach dem Backen!

Dein Teig in eine mit Backpapier ausgelegte 24er Springform geben und im vorgeheizten Ofen bei 160 G/Gas Stufe 3-4 ca. 1 Stunde backen. Dann auch die Garprobe vertrauen.

Den Kuchen abkühlen lassen und dann mit einer Mischung aus dem Puderzucker und dem Orangensirup glasieren. Mit hat ein reizender Freund Billingtons Puderzucker aus London mitgebracht, da wurde der Kuchen gleich noch britischer!

Das Ergebnis ist ein wunderbar saftiger, duftiger, eher fester Kuchen mit einem unglaublichen, recht bitteren Orangenaroma. Für die Fans von Bitterorangenmarmelade genau das Richtige! Er sieht zugegebenermaßen etwas unspektakulär aus. Ganz klar ein Kuchen der inneren Werte!

Auf dem Weg zu Oma, war ich dann doch etwas aufgeregt. Hoffentlich würde Oma den Kuchen nicht zu bitter finden! Sie ist da ja mittlerweile sehr direkt, wenn ihr etwas nicht schmeckt. Neulich habe ich ihr selbst gemachte Wasserkefirlimonade mitgebracht, die tatsächlich sagen wir mal etwas lasch war. Omas Kommentar oder war es eher eine Empfehlung: Könnte ein bisschen besser schmecken. Der Orangenkuchen hat ihr aber sehr gut geschmeckt, jedenfalls hat sie davon recht viel gegessen (merke: auch kleine Omas können Unmengen an Kuchen verdrücken) und gesagt: Dieser Kuchen hat seinen eigenen Geschmack. Wie wahr!

Mehr von Oma:
Oma auf dem Markt: https://berlintidbits.wordpress.com/2015/01/03/spaziergang-uber-den-markt-am-sudstern-mit-oma/
Oma kocht Marmelade: https://berlintidbits.wordpress.com/2014/05/31/rhabarberkonfiture-mit-vanille-mit-himbeeren-und-mit-oma/

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Rhabarberkonfitüre – mit Vanille, mit Himbeeren und mit OMA!

Ich weiß gar nicht genau, wie ich anfangen soll. Mit Rhabarber oder mit Oma? Am besten wohl mit Oma. Meine Oma ist 94 Jahre alt. Bis Ende letzten Jahres wohnte sie alleine in ihrer Wohnung in Wolfenbüttel. Ohne Verwandte weit und breit (Mein Vater in Spanien, mein Onkel in Ruanda, Enkelinnen weit verstreut). Mit der ihr eigenen Mischung aus Selbständigkeit, Lebenskraft und Starrsinn hat sie es geschafft, trotz aller widrigen Alterserscheinungen ein sehr eigenständiges Leben zu führen. Ihre Wohnung war aufgeräumter und sauberer als meine (in letzter Zeit mit Hilfe), die Wäsche wurde mit Kartoffelstärke gebügelt und bevor Besuch kam, ist sie mühsam mit ihrem Rollator zum Wochenmarkt am Rathaus gelaufen und hat Kartoffeln, Hering und Mettwurst gekauft. Hauptsächlich aber war sie alleine. Ihre Wohnung lag im dritten Stock ohne Lift. Irgendwannmal ging das nicht mehr. Sie selber sieht das nicht so. Aber die Familie machte sich mehr Sorgen als sowieso schon. Sie ist in ihrer Wohnung mehrfach gestürzt und wurde immer verwirrter. Lange Rede, kurzer Sinn. Jetzt lebt sie in einem Pflegeheim in Berlin Neukölln in der Nähe von mir und meiner Schwester. Toll findet sie das nicht, wohlgemerkt. Jedenfalls in ihren lichten Momenten. Dann können wir uns Enkelinnen mal so richtig was anhören. Ich finde das prima, denn ich kann sie wirklich gut verstehen. Ich versuche sie zu trösten, aber in meinem Inneren fühle ich mit ihr. Wäre ihr das Pflegeheim doch nur erspart geblieben!

Jetzt der Schwenk zum Rhabarber. Beim Stand meines Lieblingsbauern (dem Bauernhof Weggun) in der Markthalle Neun in Kreuzberg gab es 2 Kilo Bio-Rhabarber für 5 Euro. Ich habe 4 Kilo gekauft und meine Oma angerufen. Wir kochen morgen Rhabarberkonfitüre, sagte ich zu ihr. Da wurde sie richtig wütend. Das geht nicht, sagte sie, denn ich habe keine Küche mehr. Wo sollen wir denn kochen? Bei mir, sagte ich, du kommst zu mir in meine Küche. Du musst nur zwei Stockwerke hoch steigen. Das kann ich, sagte sie und wurde ruhiger. Ganz so einfach war es dann doch nicht. Aber wunderschön. Vom Heim zu mir fuhren wir mit einem Taxi. Die Häuser sind so groß, sagte meine Oma, und die Linden sind so schön. Ja sagte ich und hielt ihre Hand. In meinem Neuköllner Treppenhaus bekam sie ein bisschen Angst. Da soll ich hoch? Nach der Hälfte (20 Stufen) konnte sie nicht mehr. Ich habe schnell einen Stuhl aus meiner Wohnung geholt und da saßen wir also im Treppenhaus, sie auf dem Stuhl, ich auf der Treppe. Wir haben über Rhabarber gesprochen, den hatte sie früher im Garten. Oma, hab ich gesagt, wenn du es in meine Wohnung schaffst, dann kannst du 4 kg Rhabarber klein scheiden. Das hat gewirkt. Oma zog sich am Geländer hoch, ich trug den Stuhl hinterher und wir kamen schlussendlich wohlbehalten auf der Bank in meiner Küche an.

Auf meinem Küchentisch lagen die gewaschenen 4 kg Rhabarber und es kann sich keiner vorstellen, wie Oma sich darauf gestürzt hat. Wirklich nicht! Mir fiel nur das Wort Entzugserscheinungen ein. Und mir tat das Herz weh. Natürlich hat man Kochentzugserscheinungen nach einem halben Jahr im Heim. Wie würde es denn mir bitte gehen? Genauso! Oma hat also innerhalb kürzester Zeit mit dem kleinem Windmühlenmesser, dass ich aus ihrer Wohnung mitgenommen habe (so eins hatte ich auch mal! Das ist deins! Nein, meines ist zu Hause!), den Rhabarber kleingeschnitten. Ich konnte gar nicht so schnell gucken! Während ich die Konfitüre gekocht habe, gab ich ihr noch den Spargel für das Mittagessen. Den sollte sie schälen. Und wie sie ihn geschält hat! Bitte betrachtet auf dem Spargeltopffoto die Kontur des Spargels. Ich war froh, dass noch welcher nach dem Schälen übrig blieb. So als Stange meine ich. Aber einer vom Spargelschälen beseelten Oma kann man keinen Einhalt gebieten. Das habe ich jetzt gelernt.

Wir haben Rhabarberkonfitüre mit Vanille und mit Himbeeren gekocht. Nachdem alles in Gläser abgefüllt war, hat Oma gesagt: „Das machen wir nächstes Jahr wieder!“ Hoffentlich.

Hier sind die Rezepte:

Rhabarberkonfitüre mit Vanille
2 kg Rhabarber
2 Vanilleschoten
750 g Zucker
2 Esslöffel Konfitura Geliermittel von Biovegan

Den Rhabarber von Oma klein schneiden lassen und in einen großen Topf geben. Den Zucker mit dem Geliermittel mischen und dazugeben. Alles auf dem Herd langsam erhitzen und umrühren. Die Vanilleschote auskratzen und die Hülle kleinschneiden. Beides in die Rhabarbermischung einrühren. Langsam aufkochen lassen. Immer gut umrühren und ca. 5 min köcheln lassen. Der Rhabarber sollte schon weich sein, aber nicht allzu sehr verkocht. Ein Esslöffel abnehmen auf eine Untertasse geben und für ca. 2-3 Minuten in den Kühlschrank stellen. Wenn die Masse fest wird alles in vorbereitete Einmachgläser mit Schraubverschluss randvoll füllen, diese verschliessen und sofort umdrehen damit die Luft entweicht.

Rhabarberkonfitüre mit Himbeeren
2 kg Rhabarber
500 g Himbeeren
1000 g Zucker
3 Esslöffel Konfitura Geliermittel von Biovegan

Den Rhabarber von Oma klein schneiden lassen und in einen großen Topf geben. Den Zucker mit dem Geliermittel mischen und dazugeben. Alles auf dem Herd langsam erhitzen und umrühren. Langsam aufkochen lassen. Immer gut umrühren und ca. 5 min köcheln lassen. Dann die Himbeeren in die Rhabarbermischung einrühren. Einmal kurz aufkochen lassen. Einen Esslöffel abnehmen auf eine Untertasse geben und für ca. 2-3 Minuten in den Kühlschrank stellen. Wenn die Masse fest wird alles in vorbereitete Einmachgläser mit Schraubverschluss randvoll füllen, diese verschliessen und sofort umdrehen damit die Luft entweicht.

Zeit für Fliederlikör und den Sinn des Lebens

Jedes Jahr wenn der Flieder blüht, kann ich nicht genug davon kriegen. Jedes Jahr wenn der Flieder blüht, überlege sehr ernsthaft aufs Land zu ziehen. Ich weiß genau, wenn ich dem Flieder ganz nah sein könnte, wäre ich ein besserer Mensch. Ein Mensch der dem Flieder und dem Frühling und den Schmetterlingen eben ganz nah ist. Die städtischen Sorgen, das wirre Großstadtleben, der aufreibende Kampf mit dem dunklen Moloch Leben, alles alles würde in der Nähe des Flieders wohltuend verblassen und verschwinden. Der zarte Duft der eleganten Dolden würde seine balsamische Wirkung in meinem tiefsten Inneren entfalten und mich zu grenzenlosem Glück befähigen. Eins mit dem Flieder hätte mein Leben einen Sinn. So oder so ähnlich.

Jedes Jahr wenn der Flieder verblüht, werde ich von einer tiefen geradezu existenzialistischen Panik ergriffen. Die Chance auf ein besseres Leben ist schon wieder vorbei. Die Zeit vergeht gnadenlos, die eigene Vergänglichkeit rückt ins helle Frühlingslicht und die Frage aller Fragen stellt sich mit ihrer ganzen Qual: Wozu? Kann unser Leben ohne die Nähe zum Flieder und zum Frühling und zu den Schmetterlingen überhaupt einen Sinn haben? Natürlich ist die Antwort: Nein.

Dieses Jahr wollte ich der Vergänglichkeit des Flieders ein Schnippchen schlagen. Ich bin zum Flieder gefahren, habe ihn geerntet, das Haus geschmückt und versucht ihn zu konservieren. Ich habe ihn in Essig eingelegt, in Wodka ausgezogen und in Sirup eingekocht. Aber so richtig wollte der Flieder nicht mitmachen. Er ist einfach zu vergänglich. Der Essig, der Wodka und der Sirup sind ohne Frage lecker. Aber die ganze Pracht des Flieders konnten sie leider nicht einfangen. Jetzt warte ich auf den Holunder. Da geht das Ganze von vorne los…

Hier sind die Rezepte:

Wichtig ist es trockene vollaufgegangene Fliederblüten an einem sonnigen Morgen zu ernten. Dann ist das Aroma besonders intensiv.

Fliedersirup

Von einem Arm voll Flieder die Blüten abzupfen und in ein passendes Gefäß geben. Mit einem Liter Weißwein und einem Liter Wasser auffüllen und den Scheiben einer Biozitrone bedecken. Die Zitronenscheiben sorgen dafür, dass die Blüten weitestgehend unter Wasser äh Wein bleiben. Das ganze an einem wirklich kühlen Ort 48 Stunden ziehen lassen. Die Fliederflüssigkeit durch ein Sieb in einen Topf abgießen und mit einem Kilo Zucker kurz aufkochen. Ca 15 Min sanft köcheln lassen und in saubere heiß ausgespülte Flaschen geben.

Fliederessig
Von einem Arm voll Flieder die Blüten abzupfen und in ein passendes Gefäß geben. Mit einem Liter Weißweinessig auffüllen. 48 Stunden ziehen lassen, die Blüten sind dann recht braun. Den Essig durch ein Sieb abgiessen und für einen intensiveren Geschmack das ganze noch ein bis zweimal mit frischen Blüten wiederholen.

Fliederwodka
Von einem Arm voll Flieder die Blüten abzupfen und in ein passendes Gefäß geben. Mit einem Liter mindestens 40%igen Wodka auffüllen. Der Flieder wird recht schnell braun. Den Wodka nach 24 Stunden durch ein Sieb abgiessen und für einen intensiveren Geschmack das ganze noch ein bis zweimal mit frischen Blüten wiederholen.

Fliederlikör
Für einen Fliederlikör 1/2 l Fliederwodka mit 1l Fliedersirup mischen

Erntezeit – Glück in Bildern und Brombeerkonfitüre

Dieser Sommer ist wirklich magisch. Kommt es nur mir so vor? Überall wird geerntet, überall ist alles reif: bei Freunden im Garten, in den Alleen in Brandenburg, bei Rügen auf der Insel Öhe, an den Seen in Mecklenburg Vorpommern….Johannisbeeren, Stachelbeeren, Bohnen, Mirabellen, Zwetschgen, Brombeeren, Zucchini und Zucchiniblüten… Überall wird gepflückt, gesammelt, gekocht und eingemacht. Jedes Wochenende gibt es ein neues Ernte-Entzücken! Das ist wirkliches Glück.
Über meine neuentdeckte Likörfaszination habe ich ja schon geschrieben. Hier kommt ein Rezept für Brombeeerkonfitüre mit Wodka. Gerechnet für 1 kg Brombeeren, bei größerem Pflückglück einfach hochrechnen!

1 kg Brombeeren von der Insel Öhe oder anderswoher
250 g Rohrzucker
3 Essl. Konfitura Geliermittel von Biovegan
4 Essl. frischgepresster Zitronensaft
200 ml Wodka
5-6 Gläser mit Schraubverschluss (Füllmenge 250 ml)

Eine Kaffeeuntertasse für die Gelierprobe in das Gefrierfach legen.
Die gewaschenen Brombeeren in einem ausreichend großen Topf mit dem Zucker und dem Geliermittel mischen. Langsam zum Kochen bringen. Gut rühren und wenn die Mischung einmal gründlich aufgekocht ist Zitronensaft und Wodka dazugeben. Alles gut verrühren und noch einmal aufkochen lassen. Für die Gelierprobe ein Klecks Konfitüre auf den vorgekühlten Teller geben. Für 2 Minuten in den Kühlschrank geben, währenddessen im Topf die sanft kochende Konfitüre weiter rühren. Die Gelierprobe aus dem Kühlschrank holen und überprüfen ob die Konfitüre fest geworden ist. Falls ja in Gläser abfüllen, die Gläser umdrehen und auf dem Deckel stehend abkühlen lassen (dabei ist überflüssige Luft aus den Gläsern entwichen). Sollte die Gelierprobe nicht fest sein, sondern am schräg gehaltenen Teller rutschen, muss man noch etwas Konfitura einarbeiten. Die Konfitüre vom Herd nehmen. Dann in eine Tasse etwas Konfitüre geben etwas abkühlen lassen und darin 1 Esslöffel Konfitura auflösen. Diese Mischung zu der Konfitüre in den Topf geben und noch mal alles aufkochen. Jetzt sollte die Gelierprobe positiv sein (sonst eben alles noch mal, das ist aber unwahrscheinlich).

P.S. Üblicherweise empfehle ich in meinem Blog nicht sehr viele Produkte. Aber das Geliermittel Konfitura von Biovegan hat es mir angetan, weil man unabhängig vom Zucker anders als bei konventionellen Gelierzuckermischungen gelieren kann! Ich mag meine Konfitüren einfach nicht so süß.
P.P.S. Als Serpieri Fan mag ich auch den sprachlichen Anklang von Konfitura.

Du Bonheur – Le retour de la pâtisserie

Mon dieu! Sie ist zurück. Die französische Patisserie erlebt eine Renaissance. Etwas irritiert erwacht sie aus ihrem Dornröschenschlaf: „Was habt ihr nur so lange ohne mich gemacht? Ohne Eclairs, ohne Bûche, ohne Tarte St.-Honoré, ohne Petits Fours, ohne Croque-en-bouche, ohne Merengue, ohne, ohne ohne……..“ Etwas indigniert schüttelt die Patisserie den Staub ab und marschiert zurück auf die Bühne ins kulinarische Rampenlicht. Wegen allgemeinem Überdruss sind kürzlich die amerikanischen Backwaren von dort abgetreten. Brownies, Muffins, Cupcakes, Pop-Cakes, Cheesecakes, Douhgnuts…. keiner konnte sie mehr sehen.

Interessanterweise wird der Trend zu französischen Backwaren in New York befeuert. Natürlich von einem französischen Pâtissier. Dominique Ansel gehört zu den “Top 10 Pastry Chefs in the United States”. In seiner New Yorker Bakery macht er Furore mit seinen Kreationen.

Vergangenes Jahr stand man in NY Kopf wegen eines bretonischen Kuchens, den bis dahin die wenigsten kannten und noch weniger aussprechen konnten. Kouign amann (ja, so heißt der Kuchen. Ich kann’s mir auch nicht merken und habe mir eine Eselsbrücke mit Kofi Annan gebaut. Sorry Kofi) ist eine Art schlichter aber schamloser Schichtkuchen aus Croissant-Teig, viel viel Butter und leicht karamellisiertem Zucker. Irgendwie sieht er nach nix aus, aber wenn man durch die erste Karamel-Butterschicht gebissen hat, ist man verloren. Wenn ich mich Recht erinnere, hat ein Croissant bei Weight Watchers 8 Punkte (hat mir mal ne Freundin erzählt, übrigens). Ich bin mir sicher Kouign amann verdient auf derselben Skala 80 Punkte.

Dieses Jahr steht New York häuserblockweise Schlange wegen einer Kreation die Dominique Ansel Cronut getauft hat. Bei dieser gnadenlosen Kombination eines Croissants und eines Doughnuts handelt es sich um ein eine Art fettgebackenes Croissant (!!!!!!!!) das mit unterschiedlichen Cremesorten gefüllt und Zuckerglasuren überzogen wird. Und weil Dominique Ansel nicht blöd ist gibt es jeden Monat ein anders Cronut. Letzen Monat war Lemon Maple. Diesen Monat ist Blackbery. http://dominiqueansel.com/cronut-101 Es handelt sich übrigens um die derzeit viralste Backware der Welt. Weil alle Foodblogger und Kochbuchautoren und Foodies und FoodHunter so gelangweilt von Cupcakes waren und so begierig auf was Neues gewartet haben, ging die Nachricht von der neuen kulinarischen Sensation wie ein Lauffeuer durch sämtliche Food-Facebookseiten und jeder der auch wirklich ein echtes Cronut ergattert hat, hat diesen aufregenden Moment seines FoodieDaseins auf Instagram dokumentiert.

Und in Berlin? In Berlin habe ich vor ein paar Wochen das Du Bonheur in der Brunnenstrasse entdeckt. Bei einer meiner seltenen Ausflüge in den Prenzlauer Berg lächelte es mir charmant zu, duftete nach Butter und Zucker und flüsterte: Kouign amann. Drinnen erliege ich dann auch dem Charme der Cannelés Bordelais, eine weitere französische Spezialität, die man viel zu lange vernachlässigt hat. Genauso wie Kouign amann optisch etwas unromantisch sind die Cannelés aussen karamellig braun und innen ganz hellweich. Aber nicht buttrig. Eher cremig. Und köstlich. Die Inhaber verstehen ihr Geschäft meisterlich! Die Inhaber das sind Stephan Zuber, ehemals Koch im Adlon, und die Konditorin Anna Langens, die in Paris bei einem der französischen PatisserieGurus überhaupt ausgebildet wurde. Nach einigen Lehr-und Wanderjahren haben sie sich mit dem Du Bonheur ihren ganz persönlichen Traum gebacken. Das Angebot an süssen und pikanten Backwaren in der Theke sieht gleichermassen gut aus und ich werde wohl bald wieder einen Grund finden müssen, um in die Brunnenstrasse zu fahren. Vielleicht könnte ich es sogar mal vor mir selbst rechtfertigen, nur wegen der Patisserie von Neukölln nach Prenzlauer Berg zu fahren. Peut-être….

http://www.dubonheur.de

P.S. Ja ich weiß, ich habe Macarons nicht erwähnt. Als einzige französische „Süssigkeit“ hatten sie es geschafft, im Kreise der Cupcakes und PopCakes zu bestehen und ebenfalls „in“ zu sein. Deswegen sind sie auch bald schon wieder out. Denn nach fest kommt locker und nach in kommt out.

la mallorquina – süsses in madrid

ach jetzt dachte ich, ich kann in aller gemuetsruhe ein bisschen über die cremegefüllten napolitanas die es bei der mallorquina an der puerta del sol in madrid gibt schreiben, aber da muss ich euch jetzt vertrösten, weltwichtige weihnachtseinkáufe mit meinem vater müssen jetzt sofort erledigt werden. sonst haben wir an heiligabend und den darauffolgenden feiertagen nicht genug zu essen (der kühlschrank ist jetzt schon voll..) solltet ihr in madrid sein, wartet nicht auf meine beschreibung, geht unbedingt hin!

 weihnachten 2010 ist nun auch überstanden und kulinarisch recht erfolgreich. dazu später mehr. während deutschland in den schneemassen versinkt ist es hier in madrid kalt aber sonnig. naja ich meine was der spanier so unter kälte versteht. nachts friert es schonmal. und die madrider damen tragen ihre pelzmäntel sowieso bei jeder temperatur unter 15 grad.

die mallorquina ist derzeit täglich einem riesigen menschenansturm ausgesetzt. die madrilenen und auch einige verwirrte touristen drängeln sich im schmalen historischen verkaufsraum und es kommt sogar zu schlangenbildungen bis nach draussen in die kälte. denn hier in spanien sind die weihnachtsfeierlichkeiten erst am 06. januar, am heiligdreikönigstag, vorbei. los reyes magos, wie die drei könige hier heissen, sind der eigentliche höhepunkt des fests. sie bringen die geschenke und ihnen zu ehren isst man den dreikönigskuchen, ein für deutsche geschmacksverhältnisse recht trockener zuckerbestreuter kranz aus hefeteig, mehr oder weniger stark mit orangenblütenwasser parfúmiert, der als optisches highlight mit abenteuerlich grellem kandierten obst belegt wird. es muss ein pfiffiger kuchenbäcker gewesen sein, der auf die idee kam, in dem kuchen ein glücksbringer einzubacken, traditionell eine bohne, mittlerweile eingeschweisste glastierchen oder ähnliches. egal was, es bringt glück für das ganze jahr. das garantiert ein gewisses interesse am aufessen des kuchens. zumindest bis der glücksbringer gefunden ist.

natürlich gibt es ein ranking für den besten roscón de reyes, wie der kranzkuchen heisst, und madrids konditoreien befinden sich jedes jahr in einem gnadenlosen wettkampf. ganz oben ist immer die mallorquina mit dabei, und so erklärt sich der derzeitige andrang. auch in spanien ist man nicht mehr so orthodox, den roscón nur am 06. januar zu essen. glück kann man auch schon vorher brauchen.

jetzt ist mir aber irgendwie dieses weihnachtsthema reingerutscht. die (wie immer schlechten) fotos stammen noch von anfang dezember und mein bericht sollte eigentlich eine huldigung an diese traditionelle konditorei mit einem wirklichen madrider flair und ihre spezialität, die cremegefüellten napolitanas werden. die isst der madrider das ganze jahr über und zu recht.

es handelt sich um flache rollen aus einem blättrigem hefeteig (wie für croissants) die mit einer nicht zu süssen gelben creme gefüllt sind. ob es sich um eine vanillecreme handeln solll? wahrscheinlich. es gibt auch schokogefüllte aber die sind nicht so erfolgreich. ungelogen diese napolitanas gehen täglich zu tausenden über den historischen tresen und der süsse duft entweicht oft genug auf die puerta del sol und lockt noch mehr passanten in den schmalen raum, der im vorderen bereich aus tresen besteht, in denen nicht nur die napolitanas ausliegen, sondern auch wesentlich süssere teilchen, vor deren verzehr im allgemeinen aber nur gewarnt werden kann. im hinteren bereich gibt es eine bar für den schnellen kaffee- und napolitanaskonsum im stehen. daneben geht es eine schmale treppe hoch in einen gastraum, der schon vielen generationen von madrilenen eine kleine atempause mit blick auf das hektische treiben auf der puerta del sol geboten hat. die einrichtung ist eher bescheiden funktional und man sollte keinen bourgeoisen kaffeehauscharme erwarten.

das charmante ist das ambiente; die antiken kellner, die mit stoischer miene das laute gästechaos im griff haben, der duft nach kaffee und frischgebackenem und das gefühl, dass sich hier seit jahrzehnten nichts geändert hat.

 

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endlich gesehen – nigella lawsons barbiekuchen

auf fernsehköche stehe ich überhaupt nicht! die künstlich gehypte prominenz geht mir regelmässig auf den keks, selbst bei denen die wirklich was zu melden haben. ach herrjeh so ist unter anderem der schnubbi vom lafer so schwer zu ertragen. oder die aufgeregtheit um den mälzer. alles ganz schwierig. dann habe ich nigella lawson entdeckt und ihr sofort verziehen, dass sie offensichtlich im britischen fernsehen auftritt. wer ein so amüsantes und liebenswertes kochbuch wie “ how to be a domestic goddess“ herausgibt und gleichzeitig so sexy ist, kann nicht aus den falschen gründen gehypt werden! ich habe ALLE rezepte gelesen und mich über jedes gefreut. die molten baby chocolate cakes haben seitdem viele meiner gäste in den schokowahnsinn getrieben. mein heimlicher favorit ist aber der barbiekuchen aus dem kinderkapitel. ich hatte bislang bedauerlicherweise noch keinen anlass ihn nachzubacken, aber die beschreibung ist so göttlich: there is something faintly disturbing about plunging a naked doll into a cone of sponge and then painting her pointy plastic bosoms with apricot gaze… i mean there are grown men who’d pay to do this. und das ist ein kochbuch!
so jetzt kommt das beste: ich habe den kuchen in prag gesehen!! in der gourmand konditorei/bäckerei (eine kette) zwar waren die barbiebrüste nicht verziert, aber immerhin..

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