Film & Food Pairing – oscarverdächtig!

Zur Zeit spricht jeder über Food Pairing. Im engeren Sinne geht es darum, herauszufinden welche Geschmäcker zueinander passen. Warum sollte man Ingwer mit Kürbis kombinieren, aber nicht mit Topinambur? Warum passt Käse meist gut zu Walnüssen, aber nicht so gut zu Erdnüssen? Auf der nächsten Ebene steht das Food & Beverage Pairing. Warum schmeckt nicht jeder Rotwein zu Roquefort, ein Portwein aber eigentlich immer? Über diese Geschmacksfragen sind ganze Bände geschrieben worden und das Internet ist voller hilfreicher Experten-Tipps.

Wenn man Food Pairing konsequent weiter denkt, stößt man auf ein weite Feld, dessen ich mich hin und wieder gerne annehme: Welches Essen passt zu meiner Depression?, ist einer meiner beliebtesten Blogbeiträge und ich bin hoffe, mit der Aufklärung dieser Frage vielen Lesern in dunklen Stunden geholfen zu haben.

Neulich, an einem dieser verregneten Sonntagabende, nach einem Wochenende das sagen wir mal nicht ganz spurlos an mir vorübergegangen war, stieß ich auf ein Feld des Foodpairings, von dem ich glaube, dass es noch viel Potential hat. Es war also einer dieser Sonntagabende an denen ein Aufenthalt auf dem eigenen Sofa die bestmögliche Wahl ist die man treffen kann, dicht gefolgt von der Entscheidung einen Film anzuschauen und dazu etwas zu essen. Normalerweise entscheide ich mich in solchen Fällen je nach Intensität der Verkaterung zwischen einem Grilled Cheese Sandwich mit Jalapeños, Penne all’arrabbiata oder einer Pizza mit richtig viel Käse und scharfem Belag. Damit kann man vor dem Fernseher, egal bei welchem Film, eigentlich nie etwas falsch machen.

An jenem Abend aber, dachte ich etwas länger darüber nach. Ich wurde ehrgeizig. Das Essen sollte zum Film passen.Ich ging an mein DVD Regal. Da war es um mich geschehen. Ich hatte mehr Spaß daran, mir passende Gerichte zu den sonntagabendtauglichen Filmen in meinem Regal auszudenken, als an der Wahl eines Films für den Abend. Eine kleine Auswahl habe ich für euch zusammen gestellt. Film & Food pairing eben. Das Potenzial für Fortsetzungen ist riesig!!!

Blade Runner
Sushi. That’s what my ex-wife called me – cold fish. Das ist eine ziemlich enttäuschende Ansage über Harrison Ford. Dann vielleicht doch besser japanese take away noodles. Wenn es draussen regnet und im eigenen Inneren das Dunkel herrscht, ist der düstere Film noch besser. Ich empfehle den directors cut. Und danach noch einen Absacker, um den Tod von Rutger Hauer zu vergessen. Do Androids Dream of Electric Sheep?

Roman Holiday
Gelato. By all means gelato. Natürlich fällt es schwer beim Anblick der so liebenswerten und so dünnen Audrey Hepburn und des unglaublich attraktiven Gregory Peck überhaupt einen Gedanken an Nahrungsaufnahme zu verschwenden. Deswegen sollten wir es wie die Prinzessin im Film halten und ein gutes italienisches Eis genießen. When in Rome do as the romans do. Aber nur eine Kugel wohlgemerkt. Danach kann man unbesorgt auf Champagner umsteigen. Gregory Peck zahlt.

Star Wars aka Episode IV – Eine neue Hoffnung
Ich bin nicht die erste die sich über das passende Essen zu diesem Science Fiction-Klassiker Gedanken gemacht hat. Das Internet ist diesbezüglich eine wahre Fundgrube , auch wenn die Ergebnisse wohl eher von der dunklen Seite der Macht inspiriert worden sind. Die Yoda Pizza mein Favorit würde sein.

Casino Royale
Dieser ideale Sonntag-Abend Film macht es einem kulinarisch insgesamt nicht leicht. Der perfekt geformte Hintern von James Bond und die anbetungswürdige Eva Green lenken ganz schön vom Thema Essen ab. Klar kann man auch einfach nur Martinis trinken. Der Film ist aber zu lang, um ihn auf der Basis von Alkohol zu überstehen. Meine Lieblingsszene gibt einen diskreten Hinweis auf eine elegante Ergänzung zum Martini. Kleine Lammspieße stehen auf dem Menu. Vielleicht mit der einen oder anderen Olive dran. Insgesamt gilt: one sympathizes.

Sound of Music
Da Schnitzel mit noodles definitiv ein perfektes Beispiel für die amerikanische Fehlinformation über den austrian way of life darstellen, empfiehlt es sich zu dem wunderbar kitschigen Film mit einer kecken Julie Andrews als Ex-Nonne und dem schneidigen Christopher Plummer als gestrengen Ex-Admiral mit acht Kindern und Trillerpfeife, einen crisp apple strudel zu servieren. Der tröstet auch über die schreckliche Frisur von Julie Andrews hinweg.

Ratatouille
Bei diesem entzückenden Animations-Film über die entzückende Gourmet/Chefkoch-Ratte Remy die das Herz den verbitterten Restaurantkritiker mit Ratatouille zum Schmelzen bringt, drängt es sich auf, dazu ebenfalls ein Ratatouille zu kochen. Ich esse aber gar nicht so gerne Ratatouille. Deswegen ist meine Wahl: das beste Baguette das ich finden kann und dazu französischer Rohmilch-Camembert. Und einen guten Cidre.

Breakfast at Tiffanys
Während eines Films in dem es der reizend exzentrischen und immer noch sehr dünnen Audrey Hepburn alias Holly Golightly (fast) komplett ausreicht den Anblick der Auslage von Tiffanys zu frühstücken, ist an Essen eigentlich nicht zu denken. Trinken reicht vollkommen. Zumal angesichts einer der besten Partyszenen der Filmgeschichte. Am besten Bourbon oder natürlich Champagner.

Om Shanti OM
Während Sha Rukh Khan so tut, als könne er tanzen, ist die Hauptdarstellerin Deepika Padukone zum anbeißen. Om Shanti Om ist der beste aller Bollywoodfilme. Nicht ahnend welches Schicksal mich ereilen würde, habe ich ihn mir vor Jahren auf der Berlinale angesehen. Danach habe ich in sofort gekauft und bin im Geheimen dem ganzen Genre verfallen. Bis ich nach einer heimlichen Aussprache mit Freundinnen entdeckt habe, dass ich nicht alleine bin. Gemeinsame Abende mit indischem Essen steigern das Bollywood Vergnügen.

Australia
Wenn ich die volle Beef Dröhnung brauche, dann greife ich zur Australia DVD. Der Australo-Western bietet alles, was man Sonntag Abend nach einem anstrengenden Wochenende braucht. Das ganze Programm: Cowboys, Krieg, Liebe, Schurken, Drama, ganze Kerle, großartige Landschaften, niedliche Kinder, Happy End. Angeblich isst Hugh Jackmann jedem Menge Steak, um seine Muskeln aufzubauen. Wovon Nicole Kidmann sich ernährt, ist nicht so klar. Ich entscheide mich für einen sofatauglichen Steak-Sandwich.

Burger
Manchmal muss sich das Essen nicht nach dem Film, sondern der Film sich nach dem Essen richten. Sonntag Abend Lust auf einen Burger zu verspüren ist komplett legitim. Und was schaut man am Besten zu einem Burger?? Es liegt auf der Hand, es sollte etwas sehr sehr amerikanisches sein. Einer meiner Favoriten in diesem Fall ist Grease. High School, Diner, Cadillacs, Petticoats, erste Liebe… Interessanterweise lässt sich in der bestimmt bekanntesten Tanz-Szene einen Hinweis auf die in den USA derzeit beliebtesten Burger-Kette finden. Wer errät es?

Dead Men Don’t Wear Plaid

Auf Wunsch eines einzelnen Herrn, soll zu dieser klassische Parodie über Krimi-Klassiker auch die passende Speise gefunden werden. Dazu muss ich ihn aber erst noch mal ansehen…
TO BE CONTINUED!
P.S. Gerne nehme ich eure Wünsche und Anregungen zur Fortführung dieser Liste entgegen!

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Die kulinarischen Trends für 2015 – die ultimative Tidbits-Prognose!

Einmal im Jahr schreibe ich für Euch auf, was in der kulinarischen Luft liegt. Meine ultimative Trend-Prognose ist zumeist am eigenen Gaumen, auf Reisen, auf Festivals und Messen selbst erlebt, in Gesprächen mit Köchen, Produzenten, Kulinarikern und Geniessern gesammelt oder in Magazinen und auf Blogs gelesen und bewertet. Es geht um das, was sich international tut und um das, was hierzulande ankommt oder ankommen wird.

Manches ist in 2015 ziemlich neu, das Meiste bahnte sich schon 2014 an. Davon hat sich erfreulicherweise auch schon einiges wieder erledigt. Hier findet ihr die Prognose aus 2014 zum Auffrischen und Nachlesen: https://berlintidbits.wordpress.com/2014/01/06/die-kulinarischen-trends-fur-2014-die-ultimative-prognose/

Ein bisschen Wunschdenken ist jedes Jahr dabei. Über manches freut man sich, über anderes ist man entsetzt. Mittlerweile nehme ich ja auch einiges selbst in die Hand. Der Trend zur Fermentation kommt in Deutschland nicht soo richtig an? Pfff…macht nix, die KrautBraut wird schon dafür sorgen…

Länderküchen:

Bleibt:
Die eigene Küche rules! Die Wiederentdeckung auch sehr regionaler Spezialitäten, halb vergessener Produkte und Rezepte ist erfreulicherweise ein höchst internationaler Trend.

Aus Japan hält sich Ramen, entsprechende Nudelsuppenläden sprießen immer noch aus dem Boden. Auch Korea & Kimchi reiten dieses Jahr noch eine kleine Welle.

Israelische/jüdische Küche rund um orientalische Spezialitäten wie Hummus oder mit europäisch/amerikanischen Deli-Gerichten wie der Pastrami-Sandwich.

Modern British. Gemütliche Klassiker wie Pies, Porridge und Puddings werden neu interpretiert. Bangers & Mash. Fish & Chips.

Kommt:
Der Bekanntheits-Durchbruch ist da: Latein- und Südamerikas Köche und Küchen stehen international im Rampenlicht. Ceviche und Pisco aus Peru sind hierzulande die Vorreiter. Mexico bietet viel mehr als Tortillas und Tacos.

Aber was kommt als nächstes aus Europa? Griechenland beyond Tzatziki und Moussaka??
Alpines aus der Schweiz? Oder hallo Frankreich? Rundest Du dich zurück?

Geht:
Skandinavien ist als Hype fast schon durch. Avantgarde/Molekular hält nur noch ein bisschen. Tschüss Spanien. Schluchz.

Themen:

Generell gilt: Foodtrends werden zu Glaubensbekenntnissen und Lebensweisheiten. Ob man kein Fleisch, kein Gluten, keine Kohlenhydrate, ob man alles roh oder püriert isst, dass sind keine reinen Tischgespräche mehr, sondern bewusstseinsverändernde Fragestellungen. Partys trennen sich nicht nur nach Rauchern oder Nichtrauchern, sondern nach kulinarischem Lifestyle und allergischen Vorlieben. Das Leben als Gastgeber ist entschieden komplizierter geworden.

Bleibt:
Vegan und raw bleiben auch in 2015. Sie überschreiten aber ihren Hype Zenit und sind eigentlich schon altes kulinarisches Eisen.

Kulinarisches Handwerk, DIY oder „esse nix, was deine Oma nicht gekocht hätte“ ist ein erfreulicher Trend, der allerdings unter dem Modebegriff Craft schon zu leichten Ermüdungserscheinungen führt und auch paradoxerweise von der Nahrungsmittelindustrie zu Vermarktungszwecken missbraucht wird.

Fleisch regionaler Nutztierrassen. Das Schwein ist wieder zurück: als Wollschwein, als Buntes Bentheimer, als Iberico… Kühe und Ochsen mit mindestens 4 Jahren auf dem Buckel. Fleisch mit Fett wie Kobe oder txogitxu.

Farm to table, root to stalk, nose to tail, orchard to bottle. Ganzheitliche Konzepte und ganzheitliche Verwertung. Landwirte, Erzeuger und Züchter bekommen viel Aufmerksamkeit und erzählen Geschichten.

Dank Slow Food vergessen wir trotz nachhaltigem Bewusstsein den Genuss nicht.

Kommt:
Paleo ist das neue vegan, aber mit Fleisch wenn man will. Essen wie die Jäger und Sammler aus der Steinzeit ist die neueste Food Mode. Alle landwirtschaftlichen Produkte insbesondere Getreide und Milch sollen gemieden werden, weil unser Körper sie nicht verarbeiten kann. Der hat sich nämlich seit der Steinzeit nicht den modernen Ernährungsgegebenheiten angepasst. Wenn man unter modernen Ernährungsgegebenheiten den Fraß versteht, den die Lebensmittelindustrie verkaufen möchte, dann vielleicht doch lieber ein paar Beeren und Maden?

Geht:
Die Hybrideerfindung, d.h. die schamlose Vermengung beliebter Lebensmittel: Cronut, Ramen Buger, Crookie… haucht ihr Leben aus.

Gastrotrends:

Bleibt:
Einmachen! Selbermachen! Ketchup, Saucen, Konfitüren, Sauerteigbrot, Senf, Pickles… Räuchern und Pökeln: Schinken, Pastrami, Fisch, Braten….

Einen eigenen Garten zu haben ist weiterhin für jeden Gastronomen Trumpf.

Weinbegleitung & Getränkebegleitung insgesamt. Auch mit Cocktails, Tees, Smoothies, Brühen und Säften.

Kleine Portionen, Tapas, Gerichte zum Teilen.

Food Trucks, Slow Fast Food und Street Food sind da.

Food Events!!!! Street Food Markets, Food Flash Mobs, Mega Picknicks, Food Awards, Food Festivals…

Kommt:
Sterneköche eröffnen gerne sternelose Zweit- und Drittrestaurants mit zwangloseren, spitzeren Konzepten. Die sind dann genauso oder mehr ausgebucht wie die Mutterschiffe mit dem Stern. In Berlin ist Tim Raue damit sehr erfolgreich (La soupe populaire), in Spanien z.B. Paco Perez (L’Eggs) oder der jüngere der Roca-Brüder mit seiner Eisdiele Rocambolesc.

Frühstücken den ganzen Tag lang. Legere Gerichte und passende Cocktails. Neu aufgelegte Klassiker der Hotelfrühstückskarten wie eggs benedict, Club Sandwich..

Kindergerichte für Erwachsene. Fischstäbchen de luxe, meat balls, Nudelauflauf, Waffeln. Alles wird gewaffelt. Auch Kartoffeln und Reis.

Immer noch ganz groß im Anrollen: Fermentation. Kraut, Gemüse, Kefir, ALLES!

Geht:
Pop ups und Dinner Clubs sind eigentlich durch. Kann jemand das Wort sous-vide noch hören???

Zutaten:

Bleibt:

Kohl ist weiterhin im Vormarsch. Blumenkohl ist noch da, Rosenkohl ist der neue Grünkohl, der nach wie vor der neue Wirsing ist.

Gesammeltes wie Wildkräuter, Farne, Pilze, Algen, Beeren.

Seltene oder alte Obstsorten: Vogelbeere, Reineclaude, Mispeln, Hagebutte, Felsenbirne, Quitte, Goldparmäne, Mirabellen.

Sardinen, Makrele, Hering auch als hochwertige Fischkonserve.

Kommt:
Alles was grün und blättrig ist. Löwenzahn, Mangold und Stielgemüse. Rübenblätter wie Stielmus oder Grelos.

Getreide rückt immer mehr in die Mitte des Tellers (trotz paleo). Bekannte und wiederentdeckte Sorten werden nicht nur gebacken, gebraut und destilliert (z.B. Dinkelbrot, Dinkelbier und Dinkelwhisky) sondern auch wieder gekocht. Statt Risotto bestellt man Grünkerngrütze. Morgens Haferbrei zu essen, ist nicht nur für Magenkranke sondern für Foodtrendbewusste. Regional angebaute Sorten sind die Favoriten, Hirse wird schon als das neue Quinoa gefeiert.

Wegen der furchtbaren Überfischung der Meere rückt der heimische Süsswasserfisch aus Aquakultur auf die Speisekarten. Forelle, Saibling und sogar der wegen seiner komplizierten Grätenstruktur unbeliebt gewordene Karpfen werden wiederentdeckt.

Insekten. Ja Insekten. Auf der Liste der Proteinquellen stehen sie ganz oben. Bevor wir aber Heuschrecken wie Garnelen essen, muss noch etwas Zeit vergehen. In der Zwischenzeit gemahlen als Beimischung oder in Saucen. Ich hab ja sogar die fermentierte Heuschreckensoße vom Nordic Food Lab probiert. UMAMI!

Natürliche tierische Fette. Butter & Schmalz, fette Brühen. Ja alles kommt zurück! Generell geht die Angst und der Ekel vor Fett zurück. Butter ist wieder erlaubt. Schmalzstullen darf man auch mal essen und sogar auf der Brühe darf sich ein Fettauge zeigen.

Käse. Richtig guter handwerklich hergestellter Käse. Am besten man kennt den Käser oder die Käserin. Käsespätzle, Käsetoast, Käsefondue.

Geht:
Ingwer, Minze, Kakaobohne, Holunder, Goji-Beeren, Chia, Quinoa. Macha. Kokosnuss.

Lebensmittelhandel:

Bleibt:

Echte Bäckereien, handwerklich hergestelltes Brot, Sauerteig, gutes Mehl.

Kleinere Läden, mehr Spezialisierung z.B. auf Käse und Brot, Wein und Wurst wie bei „Vom Einfachen das Gute“ in Berlin.

Märkte. Wochenmärkte, Bauernmärkte, Themenmärkte.

Kommt:

Metzgereien werden zu Fleischboutiquen in denen Rinderhälften die Auslagen zieren. Rinder und Schweine werden nach Anteilen direkt von der Weide an Einkaufsgemeinschafen verkauft. Am Besten der Kunde kann nach Wunsch mit beim Schlachten dabeisein. Wurst wird live gemacht und nach Kundenwunsch gewürzt.

Geht:

Food Boxen Versand war ein kurzer Boom, die ersten Unternehmen sind schon wieder weg.

Getränke:

Bleibt:
CRAFT BEER ist aus USA herübergeschwappt und über uns gekommen. Ich denke das ist an keinem vorbeigegangen.

Naturbelassener Wein, Spontanvergärung, biodynamische Weine. Weine aus Amphoren und Betontanks.

Weine autochthoner Reben aus dem Süden von Frankreich, dem Süden von Italien und dem Süden von Spanien.

Nostalgische Retro-Trauben: Sylvaner, Scheurebe, blauer Portugieser, gelber Muskateller..

Feinherbe Weine, Süssweine

Kleine Champagnerhäuser.

Vermouth ist gekommen, hat aber noch ne Weile Potential. Ob Pastis auch kommt?

Cocktails mit handgemachten Zutaten und in Einmachgläsern serviert bleiben hierzulande noch ein bisschen. Bloody Marys gebe ich auch noch ein Jahr.

Infused spirits. Mit echten Kräutern und Gewürzen. Vanilleschote im Vodka, Tonkabohne im Rum, Zimt im Bourbon…

Kommt:
Kleine Spirituosen-Marken handwerklich arbeitender Destillerien. Sours auf der Basis von individuellen Spirituosen. Pisco sour.

Neue Rumsorten weg vom Einheitsbrei. Cachaça und Rhum agricole aus Zuckerrohr.

Whisky aus aller Welt z.B. Japan, Tasmanien oder Schweden und aus ungewöhnlichen Getreidesorten wie Roggen oder Hirse. White (ungelagerter) Whisky (sprich Korn).

Sherry kommt in großen Schritten. Mit Portwein & Banyuls im Gepäck.

Kalter Kaffee. Nach specialty coffee und handgebrühter Kaffee kommt kalt gebrauter Kaffee.

Geht:
Gin hat seinen Zenit überschritten. Mehr Gin Auswahl wird langsam unerträglich. Nehmt endlich Moscow Mule in allen Variationen von der Karte. Martinis auch. Ok einen dürft ihr behalten..

Aperol ist nun wirklich wirklich vorbei. Holundergetränke auch.

Disclaimer:

Irrtum ausgeschlossen? NEIN. Hab ich was vergessen? Übersehen? Ganz bestimmt! Wenn Ihr Lust habt schreibt es mir.

Für Gastronomen, Lebensmittelhändler und Lebensmittelproduzenten erstelle ich individuelle Prognosen und berate ggf. zu einer Neuausrichtung der Speisenkarte, des Angebots oder des Produkts inkl. Marketing und Pressearbeit.

Mehr unter http://www.tidbits.de

Viel leckeren Spaß in 2015!

Vom Einfachen das Gute – Go Wild

Neulich, es ist schon eine Weile her, da hatte ich einen wilden Abend in Mitte. Wilde Abende in Mitte können ja sehr unterschiedlicher Natur sein. Diesmal ging es kulinarisch wild zur Sache. Aber ganz ohne Wild. Dafür mit Käse, Schinken, Wein und… KAKAO! Und weil es dann doch harmlos war, habe ich auch meinen Vater mitgenommen, so als kulinarischen Experten für alles Spanische.

Wir waren im wunderbaren Feinkost Laden „Vom Einfachen das Gute“, der zusammen mit der sehr liebenswürdigen Lyss von Blyss Chocolate an seine lange Tafel geladen und wild kombiniert hat:

Zuerst trafen die würzig-cremige Aromen eines im Holzfass gereiften Pecorinos auf die fruchtig-süßen Aromen roher Kakao-Bohnen. Dann ein exzentrischer Stichelton auf Physalis im Schokomantel. Sehr apart! Dazu gab es so einen Bilderbuch Chardonnay von Gilles Louvet und einen exzellenten Gemischten Satz aus dem Trentino von den schnurrbärtigen Pojer e Sandri.

Danach kamen üppig Wurst und Schinken vom Cinta Senese Schwein und vom Cerdo Iberico und die gute alte leckere Ahle Wurscht aus Hessen auf den Tisch. Manuela Rehn und Jörg Reuter, die reizenden Inhaber von Vom Einfachen das Gute, haben richtig großzügig aufgetischt. Das musste wirklich auch sein, denn mein Vater und ich waren uns lange nicht darüber einig, ob der italienische Schinken tatsächlich besser sein könnte als der spanische. Natürlich eigentlich nicht, aber der italienische Schinken war doch überraschend gut…. Mein Vater war auch überrascht, wie gut seinem hispanisierten Gaumen der italienische Wein geschmeckt hat. Es gab einen Rosso di Montepulciano von der Cantina Salcheto und einen sizilianischen namens Pile della Ciaula von der Cantina Funaro.

Der absolute Höhepunkt war aber natürlich das Steak von achtjährigen galizischen Milchkühen von Txogitxu auf schmelzender Kakaobutter. Wie gut die ausgeprägten Fleischaromen zum Kakao passen!!!! Und dazu der 20jährige Portwein von Martin Bulas/Quinta da Costa de Baixo. Mein heimlicher Favorit des Abends, auch wenn Fleisch und Kakao wirklich sensationell waren. Ist das nicht wunderbar, dass Portwein wiederentdeckt wird und man ihn trinken kann, bevor das Haupt von einer weissen Dauerwelle geziert wird?

Und während man am Ende des Abends glücklich am Portwein nippte, hat Lyss von Blyss Chocolate erzählt, wie sie dazu kam, in Ecuador Kakao anzupflanzen. Das ist eine berührende persönliche Geschichte, über Familie und Selbstfindung, über Gesundheit und ihren Vater. Eine Geschichte die es verdient, bei passender Gelegenheit an dieser Stelle gesondert erzählt zu werden.

Das Schöne ist, dass „Vom Einfachen das Gute“ regelmäßig Verkostungen und kulinarische Abende anbietet. Immer rund um das ausgesucht gute Grundsortiment Wurst, Schinken, Käse und Wein. Ausserdem kann man sich bei jedem Besuch an der langen Tafel niederlassen, eine Brotzeit bestellen, alles probieren und danach wunderbar einkaufen.

http://vomeinfachendasgute.com/

Vom Einfachen das Gute
Invalidenstraße 155
10115 Berlin
Telefon: 030 / 288 648 49
Mo – Sa 10 – 20 Uhr

Die kulinarischen Trends für 2014 – die ultimative Prognose!

Über den Tellerrand schauen macht Spaß! Nachdem ich mit meinen Trendprognosen für 2013 gar nicht so schlecht lag, mache ich mich frisch und ermutigt ans Werk und fasse die kulinarischen Trends für 2014 zusammen. Trends die hier und da in der Luft liegen und solche, die mir mein Bauch eingibt. Für Euch gesammelt und bewertet. Ein bisschen Wunschdenken ist auch mit dabei!

Länderküchen:

Noch immer gilt: die eigene Küche rules! Bei uns also die deutsche in allen regionalen Facetten, traditionell wie von Oma oder neu, jung und wild interpretiert.

International gesehen ist Skandinavien fast schon durch. Japan beyond Sushi hält sich. Ramen! Mexico geht noch, inwieweit der weltweite Trend zu Peru und Chile in 2014 hier richtig ankommt, bleibt weiterhin abzuwarten. Nur ceviche hat den Durchbruch geschafft.

Brasilien ist mit zwei großen Sportevents in den kommenden Jahren bestimmt auch kulinarisch ein Thema. Aus Asien bleibt Korea und dann hatte ich für 2013 noch die Philippinen prognostiziert. Das war vielleicht etwas gewagt, mal sehen.

Themen:

Vegan und raw bleiben, bleiben und bleiben. Auch in 2014.

Begleitet von einem Trend zu gezielt gescoutetem Fleisch regionaler Nutztierrassen. Das Schwein ist wieder zurück: als Wollschwein, als Buntes Bentheimer, als Iberico… Richtig alte Kühe können gar nicht früh genug sterben, so begehrt ist ihr Fleisch mittlerweile. Vor allem die aus NordWestSpanien. Frage: wenn eine Kuh 12 Jahre alt geworden ist, muss man ihr Fleisch dann noch endlos dry agen?

Farm to table hat immer noch sehr viel Potential. Das ganze Thema regionale, nachhaltige und solidarische Landwirtschaft rückt erfreulicherweise in den Fokus. Landwirte, Erzeugergemeinschaften und Züchter bekommen viel Aufmerksamkeit. Hier wären mehr medientaugliche Identifikationsfiguren á la Dieter, pardon Max Moor gefragt. Nicht „Bauer sucht Frau“ ist das Motto sondern „Bauer sucht Land“. Dank Slow Food vergessen wir trotz nachhaltigem Bewusstsein den Genuss nicht.

Fisch ist eigentlich ein dramatisches Thema. Wegen der Überfischung nimmt gottseidank der Wunsch nach  nachhaltig gefangenen oder gezüchteten Fisch zu. Sich schnell vermehrende und daher bislang als „billig“ eher abgewertete Fischarten wie Sardinen, Makrelen und Heringe werden wiederentdeckt.

Ach und dieser Paleo-Quatsch!? Wir vertragen alle keine Körner, weil wir als Neanderthaler auch keine Körner gegessen haben. Mmmh.. Deswegen ist die Menschheit auch vom Aussterben bedroht. Hat sich seitdem wir alle Jäger und Sammler waren auch gar nicht so richtig entwickelt… Das führt mich im übrigen weiter zu Insekten, die ja eine enorme Proteinquelle sein sollen. Ich schrecke vor wenig zurück. Aber Insekten finde ich eklig. Neulich habe ich meine erste Heuschrecke gegessen immerhin. Ich hoffe das ist kein Anzeichen für einen Trend..

Und dann sind da noch diese Hybride: Cronut, Ramen Buger, Crookie…. Die schamlose Vermengung beliebter Lebensmittel. Interessant. Und auch ein bisschen pervers..

Gastrotrends:

Einmachen! Selbermachen! Ketchup, Saucen, Konfitüren, Sauerteigbrot, Senf, Pickles… Räuchern und Pökeln: Schinken, Pastrami, Fisch, Braten….

Ganz groß im Anrollen: Fermentation. Kraut, Gemüse, Kefir, ALLES!

Snacks/Tapas bleiben. No Choice kommt. From nose to tail wird ergänzt durch from root to stalk. Auch Möhrenkraut und Kohlrabiblätter schmecken gut! Einen eigenen Garten zu haben ist weiterhin für jeden Gastronomen Trumpf!

Gutes Geflügel (Huhn, Perlhuhn, Poularde…) schafft es zurück auf die Speisenkarte. Artgerechte Haltung und regionale nachvollziehbare Herkunft mit einer guten Geschichte statt eklige Käfighaltung überzeugen den Gast auch vom notwendigen Preisniveau.

Weinkarten bleiben klein, individuell und sympathisch. Auch hier geht der Trend zu Kooperationen mit Winzern. Weinbegleitung bleibt. Getränkebegleitung insgesamt. Auch mit Tees, Smoothies und Säften.

Food Trucks , Slow Fast Food und Street Food sind da. Pop ups und Dinner Clubs sind eigentlich durch. Food Events sind da! Street Food Markets, Food Flash Mobs, Mega Picknicks, Food Awards, Food Festivals…

Ach und Sterneköche hören auf Sterneköche zu sein, weil sie lieber was anderes machen…. Tschüss Michelin.

Zutaten:

Kürbis und Ingwer sind durch!! Chili auch. Schokolade fängt an durch zu sein. Quinoa, Tapioka, Süsskartoffel haben ihren Zenit überschritten. Topinambur ist spätestens nächstes Jahr auch durch.

Blumenkohl bekommt eine neue Chance und wird sie nutzen! Grünkohl ist der neue Wirsing. Omas Wurzelgemüse ist immer noch im Trend (Pastinaken, Sellerie) auch als Rohkost. Maronen, Pilze. Frische Kräuter, Wildkräuter, Blüten. Farne, komische Beeren und Algen bleiben. Insgesamt alles was gesammelt werden kann/muss.

Gerne genommen: Wild, Innereien, Markknochen, Maismehl, Hanf, Nüsse….

Schweinebauch ist entsetzlich lecker, aber es kann ihn bald keiner mehr sehen, geschweige denn essen. Vor allem nicht wenn er confiert ist. Gebratener Bacon ist anderorts geradezu nirgendwo wegzudenken, auch aus Cocktails und Süssspeisen nicht, Crazy USA!

Lebensmittelhandel:

Brot und Kuchen. Handgemacht ohne Zusatzstoffe. Aus Sauerteig. Juhuu Cupcakes, Popcakes und Macarons sind vorbei!!! Pies kommen. Französische Patisserie. Nordic bakery bleibt ein Nebentrend.

Wieder mehr Spezialisierung im Handel. Rückbesinnung auf das Handwerk. Kommen die Metzgereien und Käsereien zurück? WURST und KÄSE. Handwerklich hergestellt. In USA erobern tätowierte Butcher (m/w) die Herzen der Fleischliebhaber. Gemeinsam Schlachten kommt vor gemeinsam Kochen. Nicht nur für Männer. In Deutschland kämpfen die Fleischerinnungen um den Nachwuchs.. Fazit: Die Fleischerinnung muss sich neu erfinden. Deren Logo will sich auch wirklich niemand tätowieren lassen….

Märkte. Wochenmärkte, Bauernmärkte, Themenmärkte.

Getränke:

Oops, hier hatte ich für 2013 das Bier übersehen. CRAFT BEER ist da! Rasend schnell ist es über uns gekommen. Das wird spannend.

Der Trend zum naturbelassenen Wein findet entgegen meinen Hoffnungen für 2013 kein schnelles Ende. Im Gegenteil. Vins naturels sind voll im Anmarsch. Ich bin da nur bedingt eine Freundin. Aber bitte. Man muss ja nicht alles mitmachen.

Rose verabschiedet sich noch nicht ganz. Sauvignon blanc geht. Chardonnay winkt aus seiner Verbannung.  Autochtone Reben sind überall schon da. Hierulande werden nostalgische Trauben entdeckt: Sylvaner, Scheurebe, blauer Portugieser, gelber Muskateller.. Frankreich kommt zurück!  Burgund ist das neue Bordeaux und Cotes du Rhone das neue Burgund. Der Languedoc das neue Cotes du Rhone. Jeder sollte ein kleine Champagnerhaus kennen.

Vermouth ist gekommen, hat aber noch ne Weile Potential. Sherry kommt in großen Schritten. Mit Portwein im Gepäck.  Aperol ist nun wirklich vorbei. Campari geht tatsächlich wieder.

Cocktails mit handgemachten Zutaten bleiben und wachsen. Kleine Spirituosen-Marken kommen. Auch bei Gin & Wodka. Die sind aber auch bald durch. Mehr Gin Auswahl wird langsam unerträglich. Dann kommt Rum wieder, wetten?

Disclaimer:

Hab ich was vergessen? Übersehen? Ganz bestimmt! Wenn Ihr Lust habt schreibt es mir.

Für Gastronomen,  Lebensmittelhändler und Lebensmittelproduzenten erstelle ich individuelle Prognosen und berate ggf.  zu einer Neuausrichtung der Speisenkarte, des Angebots oder des Produkts inkl. Marketing und Pressearbeit.

Mehr unter http://www.tidbits.de

Viel leckeren Spaß in 2014!

Gutes aus der Steillage – Weingut Sven Nieger

Es war einmal ein junger Winzer aus Deutschland, der hatte keine Weinberge. Deswegen zog er über das Land und über die sieben Meere, immer auf der Suche nach einem Weingut in dem er bleiben konnte. Er arbeitete viel, er lernte viel und er traf viele Menschen. Aber sein Herz wurde nirgends richtig froh. Eines Tages in einem fernen Land packte ihn das Heimweh heftiger als sonst und er kehrte nach Deutschland zurück. Er wußte, es würde in seinem Heimatland nicht einfach für ihn werden. Denn er war zwar weit gereist und hatte viel gelernt, aber er war immer noch ein junger Winzer ohne Weinberge. Doch er wollte seinen eigenen Wein machen, koste es was es wolle. Und weil er jung war und optimistisch und voller Tatendrang, machte er sich an die Arbeit.

Er hörte von verlassenen Weinbergen in einer lieblichen Gegend im Süden von Deutschland, in der selten etwas Neues passiert. In den felsigen Hügeln bei Baden Baden hören die Alten auf, ihre Weinberge zu bearbeiten und ihre Kinder haben keine Lust, damit anzufangen. Die Weinberge liegen an sonnigen Hängen und sind sehr steil. Es ist mühsam hier in den Weinbergen zu arbeiten und noch mühsamer den Wein zu ernten. „Das macht mir nichts“, dachte der Winzer, „denn ich bin optimistisch und voller Tatendrang und auf die Weinberge scheint die Sonne und die Böden sind gut und die Weinstöcke sind alt. Hier kann ich einen guten Wein machen!“ Mit Hilfe seiner Eltern und Unterstützung seiner jungen Frau kaufte oder pachtete er die verlassenen und überwucherten Weinberge und arbeitete Tag und Nacht, um sie wieder auf Vordermann zu bringen.

Das sprach sich herum unter den alten Winzern in der Gegend und obwohl sie Neues eigentlich nicht mochten, kamen sie zu ihm und sagten: „Unsere Kinder wollen unsere Weinberge nicht bewirtschaften. Aber die Weinberge sind unser und unser Väter Lebenswerk. Wir wollen, dass sie weiterleben. Möchtest du sie übernehmen?“ So kam es das der junge Winzer Herr über eine kleine Fläche an Weinbergen in den besten Lagen in Baden-Baden wurde. Die Winzer bei denen er bislang gearbeitet hatte, hätten über die kleine Fläche gelächelt. Doch er war froh, denn es waren jetzt seine Weinberge und er konnte endlich seinen eigenen Wein machen. Seine Weinberge markiert er stolz mit einer roten 7. Seven, so haben ihn die Kollegen in anderen Ländern genannt, weil sie seinen Vornamen Sven nicht richtig aussprechen konnten.

Im Jahre 2012 holte er seine erste Ernte ein und es war eine gute Ernte aus Riesling und Spätburgunder. Der junge Winzer war sehr aufgeregt: Hoffentlich ging alles gut. Hoffentlich machte er nichts falsch. Hoffentlich gelang es ihm, den Wein genau so zu machen, wie er ihn sich vorstellte. Er träumte davon, aus jeder seiner vier Lagen die Charakteristik herauszuarbeiten. Und er war sehr gespannt, was diese sein würde. Er träumte davon, aus seinen alten Reben individuelle, unverfälschte und doch harmonische Weine zu produzieren, die auch von Kennern geschätzt würden. Und er hoffte, diese Kenner zu erreichen. Kurz, er träumte den Traum eines jeden jungen Winzers!

Als die Weine nach monatelanger Gärung in Flaschen abgefüllt waren, nahm er all seinen Mut zusammen und besuchte die besten Restaurants in der Umgebung. Im Schwarzwald gibt es viele sehr hochdekorierte Restaurants und die Sommeliers fanden Gefallen an den Rieslingen des jungen Winzers. Da fasste er noch mehr Mut und schickte seine Weine an die Redaktion eines bekannten Genießermagazins. Auch die Redakteure fanden gefallen an den Rieslingen und gaben ihnen Bestnoten. Der junge Winzer war froh und stolz. Aber er verspürte auch den Druck des ersten Erfolges. Er hatte mittlerweile eine kleine Familie. Und die neue Ernte war nicht einfach. Erst sah alles so gut aus! Dann kam Anfang Oktober diesen Jahres der Regen und mit ihm 40 Prozent Ernteausfall. Inzwischen blubbern die neuen Weine in den Tanks. Im Fass liegt noch der Spätburgunder von 2012. Der junge Winzer hat jetzt seine eigenen Weinberge, seinen eigenen Wein und die ersten Erfolge. Aber leicht ist es immer noch nicht.

Der Besuch beim Weingut von Sven Nieger in Varnhalt bei Baden-Baden hat mir vor Augen geführt, wie fragil die Existenz eines jungen ambitionierten Winzers ist. Ich weiß nicht, ob ich mehr beeindruckt von seinem Mut oder von seinen Rieslingen bin. Der klare Gutsriesling setzt schon einen sehr guten Standard. Er hat einen ganz leicht sehr angenehmen hefigen Duft, ist insgesamt schlank, hat eine packende Säure und verlässt den Gaumen bis zum Schluss nicht. Der Stich den Buben (ja so heißt die Lage!!) ist ein neuer Riesling-Klassiker, duftig, mit zarten Gelbfrüchten und einer gut eingebundenen Säure. Der Klosterberg wiederum ist schon in der Nase würziger, auch am Gaumen schwingt eine zartkräutrige Bitterkeit mit, die lange bleibt. Sehr apart! Mein Favorit ist der Neuweier Mauerberg mit seinen mineralischen, salzigen Noten. Das Falstaff Magazin hat dazu lobend geschrieben: Wenn man Salz riechen könnte… Ich kann mich dem nur anschließen!

Mehr Informationen unter:
http://www.sven-nieger.de/
https://www.facebook.com/pages/Weingut-Sven-Nieger
Ein Besuch des Weinguts lohnt sich, denn Sven Nieger nimmt sich aus Überzeugung Zeit für jeden Besucher!

2013 – Kulinarische Trends kommen, bleiben und gehen

Wie langweilig wäre unsere Welt ohne Pfeffer. Wie langweilig wäre sie ohne Schokolade, ohne Kaffee und ohne Tee. Ohne Spagetti Bolognese. Ohne Sushi und ohne Tom Kha Gai. Oder ohne Pommes mit Ketchup. Das mag ich mir alles nicht vorstellen.

Gottseidank gibt es seit Menschengedenken Genießer, Entdecker, Händler und Gastronomen die nach Neuem dürsten, weil es den Menschen gut schmeckt und weil damit Geld zu verdienen ist. Kulinarische Trends sind langlebiger als Modetrends. Eine Rocklänge dreimal im Jahr zu ändern geht schneller, als Menschen daran zu gewöhnen, statt Sushi jetzt Bibimbap zu mögen. Aber die Grundregeln von Moden gelten auch bei Speis & Trank: auf eine Mode folgt immer eine Gegenmode, Nostalgiewellen lassen regelmäßig ältere Trends wieder aufleben, ca. alle fünf Jahre gibt es ein bis zwei wichtige Grundtrends, nach denen sich andere Trends richten.

 

Mal sehen, ob das für 2013 auch so wird. Hier sind meine Prognosen. Ein bisschen work in progress. Lustig wird es bei der Jahresendrückschau. Dann schauen wir mal, ob es alles gestimmt hat..

Länderküchen:

Die Skandinavier halten sich, aber vorwiegend bei sich zu Hause.Vielleicht schwappt noch ein bisschen Smörrebröd in die Welt. Oder der puristische Ansatz des Sammelns.

Mexico ist weltweit da und bei uns noch ausbaufähig. Es kommen nicht nur Tacos und Burritos in deutlich besserer Qualität zurück, die ganze mexikanische Küche und die jungen Köche dort bekommen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Das gilt weltweit auch für Peru und Chile, aber ob das hierzulande so ankommt, wage ich zu bezweifeln.

Aus Asien könnten noch die Philippinen kommen. Japan beyond Sushi ist schon da. Und mit Afrika liegt noch ein ganzer Kontinent vor uns. Der kommt noch, garantiert. Aber noch nicht unbedingt 2013. 

Themen:

Vegan und raw bleiben, bleiben und bleiben. Farm to table hat hier noch sehr viel Potential. Spezialisierungen auf nachhaltig gefangenen oder gezüchteten Fisch und auf wiederentdeckte Nutztierassen. Regional, nachhaltig, das bleibt und da kommt auch so schnell nichts neues. Wie denn auch? Wir werden wohl kaum entdecken, daß Rindfleisch aus Brasilien unter Nachhaltigkeitsaspekten doch besser ist als unseres. 

Gastrotrends:

Food Trucks sind sicherlich erwähnenswert. Aber stoßen hier bestimmt auf viel mehr Vorschriften als in USA wo die echt beliebt und verbreitet sind. Trotzdem noch eine erwähnenswerte Lücke. Insgesamt Fast Food. Aber „Slow Fast Food“ (farm to table) und mit viel weniger Fleisch. Mehr Snacks/Tapas. No Choice kommt. From nose to tail ist hier bedauerlicherweise nie richtig angekommen. Obs dieses Jahr klappt? Ich esso so gerne Innereien, bin aber oft etwas alleine damit. Einen eigenen Garten zu haben ist Trumpf!

Weinkarten werden eher klein, individuell und sympathisch. Auch hier geht der Trend zu Kooperationen mit Winzern. Weinbegleitung bleibt. Getränkebegleitung insgesamt. Auch mit Tees, Smoothies und Säften.

Pop ups und Speisenklubs haben ihren Zenit erreicht. Abstieg ist angesagt. Speak Easy hält sich. Clubs sind da und bleiben, vielleicht noch ein bisschen themenorientiert (Literatur, Kunst..) oder gar genderorientiert? Nur für Frauen scheint in London gerade zu gehen

 

Zutaten:

Omas Wurzelgemüse (Pastinaken, Sellerie) Kürbis ist müde, Ingwer auch. Chili geht gerade noch so, am besten in Geränken. Schokolade fängt an durch zu sein. Maronen sind da und am besten selbstgesammelte Pilze. Frische Kräuter bleiben und Wildkräuter auch. Farne, komische Beeren und Algen kommen. Insgesamt alles was gesammelt werden kann/muss. Guter regionaler Honig.

 

Lebensmittelhandel:

Brot. Brot und Kuchen. Handgemacht ohne Zusatzsstoffe. Das ist schon da und bleibt wunderbarerweise bestimmt lange. Pies kommen. PopCakes sind weg, Gottseidank.Nordic bakery ist noch ein Nebentrend. Gute, bestes Fleisch ist schon dick da und bleibt. Im Zuge dessen kommen Metzgereien (hoffentlich) wieder. Spezialisiert auf Rassen, Produzenten oder Produkte. Wild! Käsereien sind auch schon da. Was wird das neue Bio? Fair oder regional?

Insgesamt mehr Shop-Design.Wie von Autoban: http://autoban212.com/#/interior/retail/komsufirin

 

Getränke:

Der Trend zum naturbelassenen Wein findet hoffentlich ein schnelles Ende. Rose bleibt noch ein bisschen. Burgund ist das neue Bordeaux und Cotes du Rhone das neue Burgund. Sauvignon geht. Autochtone Reben sind schon da. Vermouth ist auch schon da und Sherry kommt in großen Schritten. Aperol ist echt vorbei. Campari geht wieder. Zusammen mit Mexio kommt Mezcal ganz gross.

Holunder ist definitiv durch. Ich meine, Bacardi hat St. Germain aufgekauft. Der Likör ist damit endgültig Mainstream. Cocktails mit handgemachten Zutaten bleiben und wachsen. Kleine Spirituosen-Marken kommen. Auch bei Gin & Wodka. Ach und all die kleinen Champagnerhäuser werden fürs durchalten belohnt. 

Neue Limonadensorten werden immer kommen. Und wenn alle Geschmäcker durch sind fangen wir halt von vorne wieder an. Was nach Rhabarberschorle kommt, weiss ich aber auch noch nicht.

 Cidre ist auch bald wieder dran oder?

Disclaimer:

Hab ich was vergessen? Übersehen? Ganz bestimmt! Wenn Ihr Lust habt schreibt es mir. 

 

Es bleibt spannend! Viel Spaß in 2013!

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wiener badeschiff – mit pannobile zu neuen ufern!

ja das ist schon wieder eine weile her mit wien und meinem geburtstag. aber ich erinnere mich, als wäre es gestern. d.h. am nächsten tag waren meine erinnerungen so frisch auch nicht mehr. aber das weiss ich: auf dem badeschiff in wien gab es eine geburtstagsparty für mich. von den pannobile winzerinnen und winzern. (neulich in der taz las ich man müsse jetzt winzer_innen schreiben, mit unterstrich. der kolumnistin war das wichtig. ich weiss aber nicht mehr warum. egal, das soll hier nicht verwirren)  also die party war nicht so ganz exklusiv für mich. zugegeben. denn die pannobile winzer_innen kannten mich ja noch gar nicht. und ich sie auch nicht. aber jetzt sind wir gute freunde. zugegebenermassen ist die freundschaft ein bisschen einseitig geblieben, denn ich hatte an dem schönen juniabend deutlich mehr gelegenheit die pannobilist_innen und ihre weine kennenzulernen, als sie mich, aber das soll meine freundschaftsgefühle nicht stören. zumal ich ja auch von reizenden freunden auf diesen abend eingeladen war. da vermisst man nicht so schnell was. 

die pannobilist_innen sind neun winzer  aus dem wunderbaren land pannobile im burgenland am nordostufer des neusiedler sees. die haben sich zu einem cleveren vermaktungsteam zusammengeschlossen und wählen alljährlich ganz geheim die weine aus ihren kellern , die es ihrer ansicht nach verdienen mit dem pannobile titel versehen zu werden. mehr infos hier http://pannobile.com

das konzept der party war einfach und gut, wie alle erfolgreichen konzepte. für den gemäßigten eintritt von 45 € konnte man sich im coolen badeschiff an neun degustationstischen durch die weine aus 2009 und 2010 der pannobilist_innen probieren und dazu gab es ein flying buffet von christian petz (ja, küchenchef mit hauben). liebevoller hätte man sich meinen geburtstagsabend in wien nicht ausdenken können… ich war zutiefst gerührt. und ergriffen gleich vom ersten wein den ich probiert habe. und zwar vom weingut leitner den 2009 pannobile pinot blanc salzberg. nome est omen. der wein hat wirklich eine aparte salznote. und lakritze. sehr elegant. ich bleibe eine weile hängen und esse die kutteln in senfsauce dazu. ach herrlich. dann mache ich mich über die rosé weine her. dazu möchte ich sagen, dass ich eine roséverfechterin der ersten stunde bin, lange bevor dieser wein ins zentrum der jetzigen aufmerksamkeit gerückt ist. jawoll. bin ja nicht umsonst in spanien aufgewachsen. es gibt zwei rosés in der verkostung und den von judith beck finde ich richtig gut. ein dichter rosé, der sich nicht versteckt. kein weisswein sondern ein rotweinersatz, wenn ihr versteht was ich meine. dunkle farbe und sehr trocken. herbes de provence fällt mir dazu ein. dazu gibt es einen spargelsalat und ein wunderbares tartar. 

nun ein wort zu den speisen. die sind exzellent, aber zu wenig. der fluch des flying buffets erfüllt sich. leider. die vollbeladenen tabletts des servicepersonals leeren sich schon direkt an der küchentheke. dort stehen wir aber nicht. wir stehen da, wo wenig ankommt. es bahnt sich ein ungleichgewicht im wein und speisenkonsum an. noch ist es nicht dramatisch… 

jetzt muss ich ein bisschen was zugeben. es gibt bei den pannobilist_innen ganz tolle rotweine. von beck und von heinrich. wahrscheinlich von allen winzer_innen. aber ich trinke keinen einzigen. das ist wahrscheinlich eine schande. meine reizenden freunde schütteln ein bisschen den kopf. bin ich wirklich weininteressiert? kann man so über den abend schreiben? ich bin und ich tus, wenn auch mit verspätung! aber rotwein auf partys killt mich. sprich: müdigkeit, sofort! also klammere ich mich an rosé und weisswein. und dann entdecke ich viel zu spät die letzte flasche vom gsellmann & hans pannobile 2009 weissburgunder. den hätte ich auch den ganzen abend getrunken. soviel nuss im wein hatte ich noch nie. apart. sehr apart. schön zum minischnitzel. ja und dann gabs noch dies und das und jenes und wir haben getanzt und in den mond geschaut und auf dem nachhauseweg käsekrainer und so ne teufelswurst gegessen und es war ein wunderbarer geburtstag.

 

 

 

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